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Wer war Adam Lanza?

Er ist der mutmaßliche Amokläufer: Der 20-jährige Adam Lanza. Was ist über ihn und seine Familie bekannt? Was könnte die Katastrophe ausgelöst haben? Der wichtigste Informant ist sein Bruder Ryan.

Von Malte Arnsperger

  • Malte Arnsperger

Newtown, am Freitagmorgen. Als erstes tötet er offenbar seine Mutter. Dann fährt Adam Lanza mit ihrem Auto zur Sandy Hook Elementary School. Gekleidet in dunkle Militärkleidung, bewaffnet mit zwei Pistolen, betritt der 20-Jährige das Gebäude der Grundschule. Sie kennen ihn hier gut, schließlich war seine Mutter viele Jahre Lehrerin. Doch Adam Lanza kommt nicht mit guten Absichten. Er schießt um sich, tötet 20 Kinder und sechs Erwachsene. Dann richtet er sich selbst.

Eltern hatten sich getrennt

Weniger als 24 Stunden nach dem Amoklauf in der Kleinstadt im US-Bundesstaat Connecticut scheint der ungefähre Ablauf der Bluttat klar zu sein. Es ist aber nur der äußere Rahmen, das Gerippe eines Verbrechens, das Dutzende Eltern ohne ihre Kinder zurücklässt und ein ganzes Land zutiefst erschüttert. Und während Amerika trauert, stellt sich die Frage: Wer war dieser Mann, der kurz vor Weihnachten so vielen Menschen das Leben nahm? Und: Warum hat er das getan?

Das Leben meinte es offenbar gut mit Adam Lanza, zumindest in materieller Hinsicht. Er lebte, so berichten es US-Medien, mit seiner Mutter Nancy in einem beschaulichen Haus auf einem 300 Quadratmeter großen Anwesen. Nachbarn erinnern sich an eine liebenswerte Frau, die gerne ihren Garten pflegte und das Haus für die Feiertage festlich herausputzte. Vor einigen Jahren war sie mit ihrem Mann und den beiden Söhnen Adam und Ryan aus Kingston in New Hampshire nach Newton gezogen. Vater Peter hatte sich zwar 2008 von der Mutter getrennt. Doch der Manager kümmerte sich offenbar sehr um seine Familie und überwies seiner Ex-Frau angeblich mehr als 200.000 Dollar im Jahr. "Er hat viel mehr gezahlt und getan, als er eigentlich musste", wird Lanzas Anwalt zitiert. Nachbarn erzählen, das Ehepaar Lanza sei während der Scheidung sehr rücksichtsvoll miteinander umgegangen.

"Es machte Bang, Bang"

Adam besuchte, wie sein vier Jahre älterer Bruder Ryan zuvor auch, die örtliche High School und wurde mehrfach für seine guten Noten ausgezeichnet. Ehemalige Mitschüler beschreiben ihn als einen sehr intelligenten, aber ruhigen Kerl, der eher für sich blieb und viel Zeit mit Computerspielen verbrachte, gerne Fußball spielte oder mit dem Skateboard umherfuhr. Er sei keiner gewesen, der Probleme gemacht habe oder unsozial eingestellt war. Er war demnach "Just a kid" - einfach ein Kind.

Doch wenn man US-Medienberichten glaubt, war Adam auch ein Junge mit schwerwiegenden psychischen Problemen. Seine Mutter hatte ihren Job demnach vor einigen Jahren aufgegeben, um sich ganz um ihren Jüngsten kümmern zu können. "Sie musste zuhause bei Adam bleiben," wird ein Bekannter der Familie zitiert. "Er war schon ziemlich verwirrt." Adam, so erzählt es nun sein Bruder Ryan den Behörden, sei Autist gewesen oder habe unter dem Asperger-Syndrom gelitten, einer autistischen Störung.

Sind die Hintergründe für das Massaker also in diesem komplizierten Krankheitsbild zu suchen? Aber warum musste dann auch seine Mutter sterben, die sich so um ihn gekümmert hatte? Einen Streit soll es kurz vor der Tat zwischen den beiden gegeben haben. Vielleicht kann Ryan den Ermittlern weitere Ansatzpunkte oder Erklärungen für das Massaker liefern, das sein Bruder in der Heimatstadt anrichtete. Ryan Lanza war wenige Stunden nach der Tat von der Polizei abgeführt und befragt worden. Als Zeuge. Aber für viele Leute war er zu diesem Zeitpunkt schon längst der eigentliche Täter. Denn gegen 20 Uhr deutscher Zeit hatten ihn mehrere US-Medien als den Schützen bezeichnet - auch wir von stern.de haben ihn namentlich genannt. Blitzschnell verbreitete sich sein Name auf sozialen Netzwerken, sein Facebook-Foto tauchte im Fernsehen auf. Sogar eine Ryan-Lanza-Hass-Seite wurde auf Facebook gegründet. Unter dem Titel "Ryan Lanza - you were a coward" - "Ryan Lanza, du warst ein Feigling" machten viele Leute ihrer Wut über den Amoklauf Luft.

"Ich war es nicht"

Dabei saß Ryan Lanza zu dem Zeitpunkt, als sein Bruder Dutzende Menschen erschoss, in seinem Büro im 100 Kilometer entfernten New York. In Manhattan arbeitet der 24-Jährige, der seit einigen Jahren in Hoboken im Bundesstaat New Jersey lebt, für die Unternehmensberatung Ernst&Young. Irgendwann bekam auch er mit, was in seiner Heimatstadt passiert war und dass er für den Täter gehalten wurde. Über Facebook wehrte er sich gegen diese Verdächtigungen. "Haltet alle das Maul, ich war es nicht", schrieb er. Und dann: "Ich bin im Bus nach Hause, ich war es nicht." Und nochmal: "Ich war es nicht, ich war beim arbeiten, ich war es nicht." Für diese Verwechslung gibt es offenbar eine ziemlich einfache Erklärung: Bei der Leiche von Adam Lanza war ein Ausweis seines Bruders gefunden worden.

Und während Ryan Lanza, wie auch sein Vater Peter, nun von den Behörden befragt wird, ergießt sich der Hass der Netzgemeinde auf seinen toten Bruder. Dutzende Facebook-Seiten wurden in den letzten Stunden erstellt. "Adam Lanza - serious shit"- "Adam Lanza - wirkliche Scheiße" heißt es auf einer, auf einer anderen Adam-Lanza-Seite schreibt ein Nutzer: "Es war wirklich krank und hasserfüllt, was er getan hat. Ich weiß, dass Gott nicht mit ihm ist, Gott ist mit denen, die er getötet hat."

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