Der Alptraum von Newtown

14. Dezember 2012, 23:11 Uhr

20 Kinder und sechs Erwachsene hat der Amokläufer in der Grundschule getötet, bevor er starb. Seine Mutter starb offenbar in seiner Wohnung. Das Verbrechen schockt Amerika und seinen Präsidenten.

Amoklauf, Grundschule, Connecticut, USA, Barack Obama,

Eine Tragödie: In Newtown in Connecticut umarmen sich Menschen nach dem Amoklauf an der Sandy Hook Grundschule©

Es ist eines der grausamsten Verbrechen in der Geschichte der USA: In einer Grundschule im beschaulichen Newtown im Bundesstaat Connecticut erschießt ein Amokläufer zehn Tage vor Weihnachten 26 Menschen. Er selbst ist der 27. Tote.

Kinder weinen, Eltern drängeln sich panisch durch Absperrungen, Polizisten brüllen Befehle, und zwischendurch schrillen immer wieder die Sirenen der Krankenwagen. Die ersten Berichte und TV-Bilder, die am Freitagmittag von einer Grundschule im beschaulichen Städtchen Newtown im US-Bundesstaat Connecticut eintreffen, sind bestürzend. Erfahrenen Nachrichtenmoderatoren schießen Tränen in die Augen. Auch der sichtlich erschütterte US-Präsident Barack Obama ringt in einer Ansprache kurz nach dem Blutbad mit 27 Toten um Fassung. Es ist eines der grausamsten Verbrechen in der Geschichte der USA, das zehn Tage vor Weihnachten das Land bis ins Mark erschüttert.

Offenbar auch Mutter des mutmaßlichen Täters unter Opfern

Der bewaffnete Schütze hatte in der Sandy Hook-Grundschule wild um sich geschossen. Auf einer Pressekonferenz bestätigt die Polizei, dass 27 Menschen in der Schule starben - 20 Kinder, 6 Mitarbeiter der Schule und der Schütze selbst. Unklar blieb, ob er sich selbst umbrachte oder ob ihn Polizisten töteten. Zunächst berichteten Medien, dass unter den Toten an der Schule auch die Mutter des Amokläufers sei. Sie soll Lehrerin an der Schule gewesen sein. Am Abend berichtete CNN, die Leiche der Mutter sei in der Wohnung des mutmaßlichen Täters entdeckt worden.

Sie habe mit der Mutter einer Zweitklässlerin gesprochen, die während der Schießerei in der Schule war, berichtete eine Reporterin des Nachrichtensenders CNN. "Sie war in einem Raum mit sechs anderen, darunter Direktorin, Vizedirektor und Schulpsychologe. Dann hörten sie Schüsse im Flur. Drei Menschen gingen auf den Flur hinaus - und zurück kam nur der Vizedirektor, krabbelnd, weil er in den Fuß geschossen worden war."

Erster Notruf um 9.30 Uhr Ortszeit

Mindestens 100 Schüsse seien abgegeben worden. Als die Kinder später auf den Flur gingen, hätten dort die Direktorin und der Schulpsychologe tot in Blutlachen gelegen. Die Direktorin sei relativ neu im Amt und ein "wunderbarer Mensch" gewesen, sagte die Mutter einer Drittklässlerin. "Man hätte sich keine bessere Direktorin wünschen können. Das kann doch alles nicht wahr sein", sagte die entsetzte Frau.

Der erste Notruf ging gegen 9.30 Uhr Ortszeit bei der Polizei ein. Dutzende Beamte durchsuchten die Schule und brachten die Kinder in ein nahe gelegenes Feuerwehrhaus in Sicherheit. Telefonisch wurden die Eltern alarmiert. Alle Schulen im Bezirk wurden sofort geschlossen. Bereits wenige Stunden nach der Tat waren Psychologen vor Ort, die sich um Angehörige und Helfer kümmerten. "Ein Polizist hat mir gesagt, dass ist das Schlimmste, was er in seiner ganzen Karriere je gesehen hat", sagte eine Mutter dem TV-Sender CNN.

Unklar, wie der Täter ums Leben kam

"Wir haben die Polizisten gesehen und ganz viele Leute", erzählte die Drittklässlerin Alexis. "Wir hatten Angst und wollten nur, dass unsere Eltern uns ganz schnell abholen. Einige haben sogar ganz dolle Bauchschmerzen bekommen", sagt das kleine Mädchen mit Zahnlücke und einem Haarreif in den brauen schulterlangen Haaren. "Wir waren in der Sporthalle und hörten die Schüsse. Dann sollten wir uns alle an die Wand setzen", erzählt ein Junge mit stockender Stimme. "Wir sind dann alle zu dem Feuerwehrhaus gerannt."

Die Szene ist chaotisch und unübersichtlich. Ein Polizeisprecher will sich bei einer hastig eingerufenen Pressekonferenz gar nicht zu der Zahl der Opfer äußern und spricht nur von "zahlreichen Toten, darunter Schüler und Mitarbeiter".

Auch über den Amokläufer ist zunächst wenig bekannt: Er soll zwischen 20 und 30 Jahre alt sein und ganz in schwarz gekleidet, mit einer kugelsicheren Weste und bis zu vier Waffen in die Grundschule gestürmt sein. Seine Leiche wurde in einem Klassenraum gefunden. Möglicherweise habe der Schütze Verbindungen zur Schule gehabt, könnte gar ein Vater eines Schülers gewesen sein, spekulieren Medien. Andere Medien berichteten, dass die Mutter des Schützen Lehrerin an der Schule war und unter den Toten sei. Wie der Täter ums Leben kam und ob er Komplizen hatte, war zunächst nicht bekannt.

"Newtown ist doch so ein nettes Städtchen"

Die Grundschule "Sandy Hook" mit rund 700 Schülern liegt mitten in einer bewaldeten Gegend im beschaulichen 30.000-Einwohner Städtchen Newtown in Connecticut. Sie soll gerade erst in diesem Jahr ein neues Sicherheitssystem eingeführt haben. "Ich kann das alles gar nicht begreifen", sagt eine Mutter, die vor einer Polizeiabsperrung steht. "Newtown ist doch so ein nettes, kleines Städtchen - das kann doch hier nicht passieren." Newtown ist fast 300 Jahre alt und gilt als äußerst pittoresk mit Antiquitätenläden und gepflegten Häusern. Die Strände des Atlantik und beliebte Urlaubsregionen wie Cape Cod oder Long Island sind nicht weit. Viele Bewohner pendeln entweder in die rund 120 Kilometer entfernt gelegene Millionenmetropole New York oder in die rund 40 Kilometer entfernte Stadt New Haven, wo unter anderem die Elite-Universität Yale tausende Menschen beschäftigt.

Zum Thema
Schlagwörter powered by wefind WeFind
Amoklauf Connecticut Long Island Polizei Schule Weihnachten
Panorama
Spende sucht soziale Helden
Aktion Deutschlands Herzschlag: Hier können Sie sich bewerben! Aktion Deutschlands Herzschlag Hier können Sie sich bewerben!
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von dorfdepp: Soll sich die westliche Welt Kuba gegenüber öffnen?

 

  von dorfdepp: Gibt es noch Vorbehalte gegen Online-Banking?

 

  von JennyJay: Heißt es "mittels Mobilkrane" oder "mittels Mobilkränen"?

 

  von bh_roth: Vorsätzliche Tötung

 

  von Amos: Warum muß ein Blinder bei "Wetten dass" eine geschwärzte Brille tragen?

 

  von Amos: Seit heute steigen die Preise der DB, wenn ich per Kreditkarte oder Internet bezahle.

 

  von Bananabender: Der Mythos Megapixel

 

  von Amos: Warum müssen verunglückte Reitpferde immer eingeschläfert werden?

 

  von Amos: Haus mit 5 Wohneinheiten. Jetzt steht eine Wohnung längere Zeit leer. Wie verhält es sich dann mit...

 

  von Amos: Smartphones zu Weihnachten: Kaufentscheidung abhängig von der Fotoauflösung? Telefonieren wäre doch...

 

  von StechusKaktus: Wie kann die kalte Progression abgeschafft werden?

 

  von bh_roth: Gastherme versetzen

 

  von Bananabender: Drucker Patronen

 

  von bh_roth: Lichterführung bei speziellen LKW

 

  von Amos: Wenn ich einen Karton Sekt aus Bequemlichkeit im Kofferraum "vergesse": wie hoch ist die...

 

  von Musca: Vogelschwarm filmen

 

  von Amos: Da ich als Arzt nicht mehr tätig bin, habe ich meine Berufshaftplicht gekündigt.

 

  von Amos: Eine Fondsgesellschaft schickt mir am 2..12.2014 die Steuerbescheinigung für 2013. Obwohl ich meine...

 

  von Gast: Ist der Nahme "Haircouture" geschützt

 

  von Gast: ich habe eine rente in höhe von 760 ?,wie viel kann ich dazu beantragen?