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8. November 2009, 19:34 Uhr

Warum hörte niemand die Signale?

Der mutmaßliche Amokläufer von Fort Hood sympathisierte Medienberichten zufolge mit islamistischen Extremisten. Nun werden Zweifel an den Sicherheitssystemen der US-Armee laut.

Fort Hood, Amoklauf, Islamismus, US Army, Armee

Ein Angehöriger der US Army betet für die Toten des Amoklaufs in Fort Hood© Paul J. Richards/AP

Nach dem Massaker in Fort Hood (Texas) wachsen in den USA die Zweifel an den Sicherheitssystemen innerhalb der US- Streitkräfte. Zwar war der 39-jährige Militärpsychiater Nidal Malik Hasan nach Erkenntnissen der Behörden ein Einzeltäter, er hatte allerdings offenbar schon seit längerem Sympathien für islamistische Terrorgruppen gezeigt. US-Präsident Barack Obama verschob wegen der Trauerfeier in Fort Hood am Dienstag seine Asienreise. Bei dem Blutbad am Freitag waren 13 Menschen getötet und 38 verletzt worden. Die Polizistin, die den Amokläufer stoppte, wurde als Heldin gefeiert.

Hasan habe nach den bisherigen Ermittlungen nicht im Auftrag einer Terrororganisation oder als versuchter Selbstmordattentäter gehandelt, sagte der Sprecher der Kriminalabteilung der Armee, Chris Grey. Allerdings bestätigten der "New York Times" zufolge namentlich nicht genannte Ermittlungsbeamte, dass Hasan unter enormem psychischen Druck gestanden habe und sich dabei extremen religiösen Positionen angenähert habe. Seine persönlichen Probleme hätten sich dann mit der drohenden Versetzung nach Afghanistan dramatisch verschärft.

Wieso ist dem Militär nichts aufgefallen?

Der streng gläubige Muslim Hasan hatte als Psychiater vor allem die Aufgabe, Soldaten zu betreuen, die nach Kampfeinsätzen aus Afghanistan und dem Irak traumatisiert zurückgekehrt waren. Angesichts der islamistischen Thesen, die Hasan schon seit längerem vertreten habe, sei er nicht völlig überrascht von der Tat, sagte der Arzt Val Finnell, ein früherer Kommilitone Hasans, dem Nachrichtensender CNN. Er verstehe nicht, dass das beim Militär niemandem aufgefallen sei. US-Zeitungen wie die "Washington Post" stellten die Frage, warum niemand in den Streitkräften die Alarmsignale registriert habe.

Der einflussreiche US-Senator Joe Lieberman forderte eine Kongressuntersuchung der Vorfälle. Sollten die bisherigen Berichte zutreffen, handele es sich um den "schlimmsten Terroranschlag" seit dem 11. September 2001. Der Täter trage die Züge eines Terroristen, der sich in den USA selbst radikalisiert habe, sagte der Vorsitzende des Senatsausschusses für Heimatschutz dem US-Fernsehsender Fox News.

Amerika habe in Fort Hood "das Schlimmste" gesehen, was Menschen anrichten könnten, sagte Präsident Obama in seiner veröffentlichten Videoansprache. Er ordnete an, die Flaggen am Weißen Haus und allen Bundesgebäuden im Land bis zum Mittwoch, dem Tag der Kriegsveteranen, auf Halbmast zu setzen. Obama wird nach Angaben des Weißen Hauses seine Abreise nach Asien wegen der Trauerfeierlichkeiten um vermutlich einen Tag verschieben. In Japan demonstrierten unterdessen auf der Insel Okinawa rund 20.000 Menschen für die Verlegung eines US-Stützpunkts.

"Verbrechen gegen die Nation"

Der Präsident lobte in seiner Rede den Mut und Einsatz der Helfer in Fort Hood und sprach von einem "Verbrechen gegen die Nation". Die "Tragödie" von Fort Hood habe auch "das Beste" in Amerika gezeigt. Soldaten wie Zivilisten seien den Verletzten zu Hilfe geeilt, hätten Hemden in Stücke gerissen, um Wunden zu versorgen. Obama würdigte besonders den Einsatz der 34-jährigen Polizistin Kimberly Denise Munley, die US-Medien feierten sie als Heldin von Fort Hood. Die städtische Polizistin hatte den Täter niedergeschossen, obwohl sie selbst mehrfach verwundet war.

Die Polizistin war kurz nach dem Notruf am Ort des Geschehens eingetroffen. Wie die "New York Times" berichtete, entdeckte sie Hasan, als der einen verwundeten Soldaten verfolgt habe. Die zierliche Beamtin habe ihre Waffe gezogen und auf den Todesschützen geschossen, der das Feuer erwiderte und sie verletzte. Sie sei dennoch weiter schießend auf ihn zugerannt und habe ihn schließlich mit mehreren Kugeln so verletzt, dass er kampfunfähig zusammenbrach.

Die 34-Jährige, die als begeisterte Jägerin und Surferin beschrieben wird, war vermutlich die Hauptverantwortliche für die Beendigung des Massakers. "Sie ist eine wahre Heldin. Sie hatte die Ausbildung, sie wusste, was zu tun war, und sie hatte den Mut, es zu tun - und indem sie es tat, rettete sie das Leben Unzähliger", sagte der Leiter des Notfalldienstes auf dem Stützpunkt, Chuck Medley. Am Freitag hatten auf allen US-Militärstützpunkten weltweit Hunderttausende Soldaten der Opfer des Amoklaufs in Fort Hood mit einer Schweigeminute gedacht.

Bezüge zu islamistischen Extremisten

Auch am Sonntag gab es noch keine völlige Klarheit über das Tatmotiv, allerdings wurde immer deutlicher, dass Hasan Bezüge zu islamischen Extremisten hatte. Der Muslim hatte laut der "New York Times" auf Web-Portalen islamistische Selbstmordattentäter verteidigt und Amerika beschuldigt, einen "Krieg gegen den Islam" zu führen. Der 39-Jährige sollte gegen seinen Willen vom US-Militär nach Afghanistan versetzt werden.

Hasan hatte in den Tagen vor der Tat begonnen, sein Hab und Gut zu verschenken, darunter seinen Koran. Die Tatwaffen muss er nach US- Medienberichten in die Militäreinrichtung geschmuggelt haben. In den vergangenen Wochen habe Hasan zudem häufiger "arabische Kleidung" getragen, berichteten Nachbarn. Kurz bevor er mit dem Blutbad begann, hatte er Augenzeugen zufolge "Allahu Akhbar" (Gott ist groß) gerufen.

DPA
 
 
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