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5. April 2009, 15:31 Uhr

Trickst und tarnt Stuttgarts Innenminister?

Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech sieht sich gern in der Rolle dessen, der klar und konsequent sein Amt als Mann der Fakten ausübt. Die Informationspolitik im Falle des Amoklaufs von Winnenden sowie des Phantom-Debakels erweist sich jedoch als derart fragwürdig, dass der Stuhl des CDU-Politikers jetzt bedrohlich wackelt. Von Rainer Nübel und Hans Peter Schütz

Phantom, Wattestäbchen, DNA, Baden-Würrtemberg

Fragwürdige Informationspolitik: Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech von der CDU© Ronald Wittek/DPA

Mit federndem Schritt und betont gelassenem Lächeln kam Heribert Rech am vergangenen Mittwoch aus der Sitzung des Stuttgarter Landtags-Innenausschusses und trat vor die Presse. Alles im Griff, wollte er wohl signalisieren. Der Innenminister verkündete, ein Sonderausschuss werde den Amoklauf von Winnenden, bei dem 15 Menschen getötet wurden, aufarbeiten. Und auch die Hintergründe der Ermittlerpanne um die "Phantommörderin von Heilbronn", die nie existiert hat, würden en detail aufgeklärt.

Rech hat es weitgehend bei Ankündigungen in beiden Fällen belassen. Dabei betreibt er gerade in diesen beiden Fällen eine dubiose Informationspolitik. Rech hat im Innenausschuss kein Wort über die neuen gravierenden Ermittler-Erkenntnisse zum Amoklauf am 11. März verloren, die an diesem Wochenende durch Medienberichte bekannt geworden sind: Bevor der 17-jährige Amokläufer Tim Kretschmer auf seiner Flucht in einem Wendlinger Autohaus zwei weitere Menschen getötet hatte, war er von einem Steifenpolizisten gestellt worden. Der Polizist hatte ihn mit mehreren Schüssen ins Sprunggelenk des linken Fußes und in die rechte Wade getroffen.

Wie inzwischen die Staatsanwaltschaft Stuttgart bestätigt, sank Kretschmer zusammen, setzte sich auf den Boden und legte die Waffe weg. Als sich der Polizist ihm näherte, ergriff der Amokläufer wieder seine Waffe und feuerte auf den Beamten. Kretschmer flüchtete in den, wie es heißt, "nicht einsehbaren Eingangsbereich" des Autohauses. Im Autohaus forderte er die Herausgabe eines Fahrzeuges und erschoss dort einen Verkäufer sowie einen Kunden.

Auf einer Pressekonferenz am Sonntag in Baden-Baden wies Rech die Vorwürfe zurück. Er könne noch nicht von einer Panne sprechen, die Ermittlungen liefen ja noch. Es müssten noch Zeugen vernommen, Filme ausgewertet und Daten analysiert werden, so der Innenminister.

Auch der innenpolitische Sprecher der Landtags-SPD, Reinhold Gall, spricht jetzt bewusst nicht von einer Polizei-Panne. Man müsse bedenken, dass es sich um einen einfachen Streifenpolizisten und keine SEK-Kräfte gehandelt habe, die für solche Situationen speziell ausgebildet seien, sagte er stern.de. Zudem habe der Schusswechsel über eine stark befahrene Straße hinweg stattgefunden. "Hier handelt es sich vielmehr um eine neue, gravierende Informationspanne des Innenministers", sagt die SPD.

Innenministerium drohte doppeltes Ungemach

Nach Informationen von stern.de war das Rech-Ministerium bereits zwischen dem 20. und 23. März über diesen Tatverlauf am Ende des Amoklaufs informiert worden - mehr als eine Woche vor der Sitzung des Innenausschusses.

Genau zu diesem Zeitpunkt hatten - wie Rech inzwischen selbst erklärt hat - die Ermittler des Heilbronner Polizistenmords konkrete Hinweise darauf, dass die DNA-Spur der "Phantom"-Mörderin von einer Verunreinigung der Wattestäbchen herrührte, die zur Spurensicherung verwendet wurden. Also drohte dem Innenministerium doppeltes Ungemach. Was eine heikle Frage aufwirft, der sich Rech jetzt stellen muss: Sollte bewusst verhindert werden, dass neben dem Phantom-Desaster - das stern.de am 25. März aufdeckte - gleichzeitig auch die brisanten neuen Erkenntnisse zum Amoklauf publik wurden?

Heribert Rech war da bereits angeschlagen. Grund: seine verheerende Informationspolitik. Erst hatte der CDU-Minister frühzeitig verkündet, dass der Amokläufer seine Tat im Internet angekündigt hätte - was rundum falsch war. Dann hatte er im Interview mit stern.de erklärt, der Täter sei in den vergangenen Monaten aufgrund einer Depression in einer psychiatrischen Klinik längere Zeit stationär behandelt worden. Es hatte sich, wie sich herausstellte, nur um eine ambulante Untersuchung gehandelt. "Die Informationspolitik des Ministers ist amateurhaft hoch zehn", hieß es da schon bange aus dem Umfeld des Ministers.

Auf der nächsten Seite: Die bewussten Ablenkungsmanöver des Innenministeriums

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KOMMENTARE (8 von 8)
 
seppmaier (06.04.2009, 16:32 Uhr)
die offizielle version...
...des tathergangs kann so nicht stimmen.
es ist für mich z.b. nicht bewiesen, dass es sich um einen einzeltäter gehandelt hat. die zeugenaussagen beschreiben einmal "einen mann im schwarzen kampfanzug, mit maske", dann wieder "einen mann, unmakiert in zivil".
eine obduktion der leichen wurde nicht angeordnet, so dass sich nicht mehr nachweisen lässt ob sie an schüssen aus der baretta starben oder noch einen waffe im spiel war.
der zeuge, der angeblich von tim k. entführt wurde und ihn 2 std. durch die gegend fuhr hat offensichtlich elogen. auf fotos des flucht wagens waren deutlich einschußlöcher zu erkennen, auf anderen fotos des vermeintlichen fluchtautos, stimmte die farbe nicht...
ob sich tim k. wie berichtet selbst erschoss oder von polizisten getötet wurde ist ebenso unklar, weil auch hier eine obduktion nicht stattfand. das ist völlig untypisch und widerspricht den normalen ermittlungsmethoden der gerichtsmedizin.
dann sind da noch die "vorankündigung" der tat im internet, die angeblich am abend vor dem massacker gemacht wurden. erst hiess es sie kämen von tim k., dann wurde dementiert. wenn es nicht tim k. war, wer hatte dann vorwissen?
der fall ist völlig undurchschaubar und voller nebelkerzen seitens der ermittlungsbehörden.
PaulBrasch (05.04.2009, 18:54 Uhr)
prinzalbert
Bankster - und das seit 35 Jahren???
prinzalbert (05.04.2009, 18:46 Uhr)
32 Jahre Polizist ...
...vielleicht glaubt mir mal einer ...
was ist denn das für eine Qualifikation. Warum um des Himmels Willen soll ich denn jemandem nur darum glauben, weil er 32 Jahre Polizist ist. Also gut, ich bin seit 35 Jahren Banker, vielleicht glaubt mir mal einer, daß Herr Rech mit Abstand das Größte A... ist, das in diesem Lande rumläuft - halt, der 1. Platz gebührt dem Nuschler Öttinger, daß der sich noch nicht zu Wort gemeldet hat (Ich habe vollstes Vertrauen zu Minister Rech, meine volle Loyalität gilt Minister Rech und seinen Taten, ein Rücktritt oder eine Entlassung von Minister Rech ist völlig abwegig!)
Salzsteuer (05.04.2009, 17:55 Uhr)
Mehr als ungewöhnlich
ist es wenn in Deutschland ein Minister sein Amt wegen seiner Fähigkeiten erhält.
Meist liegt die Ursache für die Erlangung von Ministerwürden in Verdiensten für die Partei.
Schade!
chrgue (05.04.2009, 17:04 Uhr)
Aber hallo!
Nun denn: Ich bin selbst seit 32 Jahren Polizist. Also: Vielleicht glaubt mir mal einer, wenn ich sage, dass bei Kapitaldelikten, die überregionale Aufmerksamkeit hervorrufen, wie - aufgrund der Medien und deren Bedürfnissen, sich stets hochzugeilen - wie der Hund hinter dem Dacken herlaufen. Die Bild_zeitung hat dann schon die Zeugin befragt, obwohl wir noch nicht mal komplett unsere Befragungen vollzogen haben.
Ich bin weiss Gitt kein Freund von Herrn Rech, aber was sollte er denn falsch gemacht haben, außer das Sensationsbedürfnis der Medien befriedigt zu haben? Dass er nur auf die Infos aus seinem Stab angewiesen ist, liegt doch auf der Hand. Sind wir nicht alles Menschen, mit all' unseren Fehlern? Muss man da gleich nach Rücktritt schreien?
Datenaktuell (05.04.2009, 16:37 Uhr)
Wie sollte der Polizist ahnen, dass der noch laufen konnte ?
Entweder Drogen beim Amokläufer oder ein gigantischer Adrenalinlevel sind hier zu diskuttieren.
Zudem konnte der Polizist nicht hellsehen und die Folgen danavh erahnen.
Nun in Wildwest-Filmen wird so abgeknallt, wie einige in der Politik jetzt danach schreien.
Es ist gut, dass unsere Polizisten keine Rambos sind.
Reality (05.04.2009, 16:29 Uhr)
Rech ist einfach nicht mehr tragbar...
Solch ein Innenminister ist schlicht weg nicht mehr tragbar.
Wenn er ein mindestmaß an Verantwortung tragen würde, müßte er von sich aus zurück treten.
Wir können uns solche Politiker in der heutigen Zeit nicht mehr leisten.
Es gibt bereits genung die in der Pokitik versagt haben, einen mehr wäre des Guten zu viel.!
RDUKE7777777 (05.04.2009, 16:23 Uhr)
"Schüsse in Wade und Sprunggelenk"
Also dieser Tim. K. wird von einem Polizisten gestellt, schafft es aber mit Schüssen durch Sprunggelenk und Wade noch zu flüchten. Obwohl der Polizist noch mit Waffe vor ihm steht...ahja. Und wer soll das glauben?
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