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"Schuld hat der, der schießt"

Einer ihrer Schüler wurde vor zwei Jahren zum Massenmörder. Er nahm 16 Menschen mit in den Tod. Bis heute kämpft Christiane Alt, Direktorin des Gutenberg-Gymnasiums in Erfurt, gegen den Ruf, unmenschlich und berechnend zu sein.

Sie wird sich nicht dafür entschuldigen, dass sie noch lebt. Das vorweg, damit das gleich mal klar ist. Trotzig stellt sie diesen Satz in den Raum, unvermittelt und schroff. Es ist ein Vorwurf gegen einen Vorwurf, den ihr niemand macht. Sie selbst vielleicht, aber nicht einmal das kann man sagen. Denn ihre Gefühle - und dafür bittet sie im nächsten Atemzug auch gleich noch um Verständnis - seien nun wirklich Privatsache. Sie allein muss damit leben, das sei schwer genug. Aber sonst: Fragen Sie ruhig!

Christiane Alt, 48, steht auf einer Großbaustelle, die einmal ihre Schule war und es wieder werden soll. Sie hat beschlossen, offen über alles zu reden. Was sie beschließt, das zieht sie durch. Und weil sie weiß, wie kalt und nüchtern die Dinge aus ihrem Mund manchmal klingen, zurrt sie erst mal ihren Status fest: Sie hat geliebte Kollegen verloren und zwei Jahre Hölle hinter sich. Sie ist ein Opfer, kein Täter, das soll niemand verwechseln. Schlimm genug, dass sie das überhaupt betonen muss. Aber offenbar - und dabei zuckt sie mit den schmalen Schultern - gehöre auch das noch zu dieser ganzen Tragödie.

Durch einen Zufall hat sie selbst überlebt

Als Direktorin des Erfurter Gutenberg-Gymnasiums spielt sie darin eine Hauptrolle, auch wenn sie ihren Part für reichlich überbewertet hält. An ihrer Schule wurden am 26. April 2002 zwei Schüler, zwölf Lehrer und Lehrerinnen, ein mutiger Polizist und die beliebte Schulsekretärin getötet. Einer ihrer ehemaligen Schüler war zum Massenmörder geworden und erschoss sich am Ende selbst. Sie hatte den leistungsschwachen Schwänzer ein halbes Jahr vorher rausgeworfen. Aber wer zwischen diesen beiden Fakten einen Zusammenhang herstellt, ist in ihren Augen ein unmoralischer Mensch. Durch einen Zufall hat sie selbst überlebt, obwohl der Täter nach ihr fragte und suchte. Ob man das wirklich Glück nennen kann, daran zweifelt sie jeden Tag.

Das Zimmer, in dem sie überlebte, gibt es nicht mehr. Gerade schaufelt ein Arbeiter den letzten Schutt zusammen. Hier war die Tür, hinter der sie sich angeblich eingeschlossen hat, dort lag ihre Sekretärin, die angeblich zwei Tage vorher einen Warnanruf bekommen haben soll. Und weiter hinten saß ihre Stellvertreterin tot am Tisch, über den Stundenplan gebeugt, den Stift noch in der Hand, ein herzensguter Mensch, sagt Frau Alt. Emotional hätten sie sich immer gut ergänzt.

Christiane Alt macht es niemandem leicht, sie sofort zu mögen. Keine Gelegenheit lässt sie aus, alle möglichen Vorwürfe gegen sie in einen süffisanten Nebensatz zu flechten. Die angeblich abgeschlossene Tür, die ignorierte Warnung, ihre emotionslosen Auftritte in der Öffentlichkeit. Sie kann es nicht mehr hören, lacht sarkastisch auf. Wie soll sie sich auch sonst gegen Unterstellungen wehren, die absurd und immer wieder falsch sind?

Sie lacht ihr hilfloses Lachen

Ihre Tür war nicht abgeschlossen, als der Mörder kam. Sie war nur zu, weil die Direktorin dahinter in Ruhe die Bewerbung für einen Denkmalpreis redigieren wollte. Warum er es nicht einmal probiert hat, ob er sie bei den Abiturprüfungen vermutete und wie diese Frau Geipel nur darauf kommt, er habe sogar an ihrer Klinke gerüttelt - Rätsel für immer. Vermutlich war Frau Geipel aber dabei, sagt Frau Alt und lacht ihr hilfloses Lachen.

Diese Frau Geipel hat ein Buch geschrieben, das alle Widersprüche und offenen Fragen des Erfurter Dramas zusammenfasst. Es ist ein wichtiges Buch, auch wenn bei den komplizierten Recherchebedingungen in Erfurt nicht jedes Detail stimmen kann und es sich außerdem durch seine halb literarische Form angreifbar macht. In der Stadt löste es im Januar wütende Proteste aus. Es rührt an Tabus, und eins davon war bislang Frau Alt.

Als "Unheil, das vom Himmel gefallen ist", hatte der damalige Ministerpräsident von Thüringen diesen schrecklichen Tag bezeichnet. Das war ein guter Trost. Daran hatten sich die Erfurter in ihrem Schmerz gern geklammert. Dass es überall hätte passieren können, damit konnte man es aushalten. Gleichzeitig erstickte Bernhard Vogel so jede Selbstkritik im Keim. Sie verbot sich quasi von selbst.

Geradezu beleidigt als Lehrer, als Schule, als Stadt

Seitdem fühlen sich viele Erfurter allein durch die Tatsache verunglimpft, dass der Täter einer von ihnen war - geradezu beleidigt als Lehrer, als Schule, als Stadt. Egal, ob es Angehörige sind, die sich nicht mit dem katastrophalen Rettungseinsatz abfinden wollen oder - noch schlimmer - unbefugte Fremde wie diese Ines Geipel, die sowieso keine Ahnung haben kann, denn sie war ja nicht einmal dabei.

In dieser Wagenburg muss auch die Legende vom Gutenberg-Gymnasium entstanden sein, das Märchen von der Vorzeigeschule mit dem ausgezeichneten Ruf, in der sich Lehrer ständig umarmen und jeder Schüler alles Verständnis der Welt findet. Drogenfrei und ohne Mobbing. So wie man über Tote nichts Schlechtes sagt, übertrug sich das Bild der Wärme und des Zusammenhaltes aus der Zeit danach auf die Zeit davor. Inzwischen hat sich dieser Anspruch so weit verselbstständigt, dass Christiane Alt schon abwiegeln muss: Wir sind auch keine besseren Menschen und werden diese Welt nicht verändern, sagt sie und will doch nichts weiter, als wieder eine halbwegs normale Schule führen, so normal es eben geht. Aber was ist schon normal?

Eine Autorität wie Frau Alt findet es jedenfalls nicht normal, dass sich Lehrer und Schüler einfach umarmen. Sie macht es zwar noch immer mit, aber es liegt ihr eigentlich nicht. Ich bin kein Kuscheltier, sagt sie.

Sie nennen ihre Direktorin den "eiskalten Engel"

Natürlich gab es früher Drogen an ihrer Schule. Natürlich werde auch heute gekifft. Es wäre ja weltfremd, etwas anderes zu behaupten. Manche Schüler spielen zu Hause wieder Counterstrike, das Lieblingsspiel des Mörders. Sie schubsen sich auf dem Schulhof und nennen ihre Direktorin den "eiskalten Engel". Der Spitzname passt. Sie trägt ihre Herzlichkeit tatsächlich nicht gerade vor sich her und weiß natürlich auch, wie das oft wirkt, was Leute über sie denken. Und bevor es jemand anderes macht, spricht sie auch das lieber gleich selbst aus: Völlig klar, ich war und bin für viele die böse Hexe, immer in Schwarz und mit großen Hüten, eiskalt und berechnend - und wie die sich schon schminkt!

Offensichtliche Klischees pariert sie mit leichter Hand. Das von der typischen DDR-Lehrerin zum Beispiel, so hart und selbstgerecht wie Margot Honecker. Dabei war die gelernte Deutsch- und Russisch-lehrerin nicht mal in der Partei und gehörte deshalb nach der Wende zu den wenigen unbelasteten Pädagogen, die händeringend als Schulleiter gebraucht wurden. Sie wurde es 1991 mit 35 Jahren, sie hat ihren Lehrkörper von Grund auf selbst aufgebaut, und sie ist stolz darauf, damals die einzige Erfurterin in dieser Position gewesen zu sein.

Christiane Alt hatte ein sehr strenges Elternhaus. Sie war Balletttänzerin. Die dicken schwarzen Ränder um die Augen sind seit den sechziger Jahren ihr Markenzeichen. Nicht einmal zum Bäcker geht sie ohne. Und überhaupt: Ob jemand aussieht wie ein Gruftie oder ein Pandabär - was soll das denn heißen? In ihren Augen spielen Äußerlichkeiten keine Rolle, auch nicht bei Schülern mit grünen Haaren oder einem Kilo Metall im Gesicht. Manchmal sei sie richtig enttäuscht, wenn die Kinder ihre Individualität später gegen einen geraden Scheitel tauschen.

Klagen über Selbstherrlichkeit und Mobbing

Anders scheint es mit der inneren Individualität zu sein. Viele Erfurter haben ihre Kinder schon vor dem schwarzen Freitag von dieser Schule genommen, weil sie Kommunikation und Stil der Direktorin nicht ertrugen. Auch einzelne Lehrer, ehemalige Schüler und Eltern, deren Kinder nach wie vor auf ihr Gymnasium gehen, klagen über Machtspiele und Selbstherrlichkeit, über Mobbing, Tränen und Angst. So einschüchternd muss diese zierliche Person sein können, dass jede Beschwerde an ihr abtropft, als sei sie mit Teflon beschichtet. Schwer zu glauben, erst recht, weil niemand offen darüber spricht, doch die Direktorin soll für die miese Stimmung tatsächlich allein verantwortlich gewesen sein - wenn nicht für mehr.

Einer ist dabei, der sie seit fast zehn Jahren kennt, mit ihr eng zusammengearbeitet hat oder dies wenigstens immer wieder versucht hat. Er sagt es so deutlich wie keiner: Frau Alt fehle jede Sensibilität im Umgang mit Kindern, Lehrern und Eltern. Sie sei gefühlskalt, verletzend und herablassend, vielleicht als Managerin geeignet, Personal zu entlassen, aber niemals als Pädagogin. Der Mann, der das sagt, dürfte allein aus seiner gesellschaftlichen Stellung heraus weder Angst vor ihr haben noch sich der üblen Nachrede verdächtig machen. Er gibt sogar zu, dass es feige sei, sich in dieser Sache nur anonym zu äußern, und dass sich Schweiger wie er unter Umständen mitschuldig gemacht haben an dem ganzen Dilemma, aber so sei Erfurt nun mal: Alle wüssten es. Die Journalisten vor Ort, die zuständigen Behörden, das Kultusministerium. Aber keiner macht den Mund auf.

Zu monströs war das Verbrechen. Zu groß ist die Angst, als Nestbeschmutzer geächtet zu werden, als Leichenschänder gar, ohne Pietät für die toten und überlebenden Opfer. Das Drama am Gutenberg-Gymnasium hat Verschwiegenes erst recht unaussprechbar gemacht. Nur langsam bröckelt das Kartell.

Kollegen, die heulend aus Besprechungen rannten?

Kollegen, die heulend aus Besprechungen rannten? Lehrer, die ihre Schüler als Plebs bezeichneten und auch so behandelten? Dass Schüler sich nur noch mit der gleichen Respektlosigkeit zu wehren wussten und sich beide Seiten oft hilflos und aggressiv gegenüberstanden? Davon hätte sie ja wohl auch etwas merken müssen, gibt Christiane Alt zu bedenken. Routine und Schreckensregime? Da kann sie nur ihr ratloses Lachen lachen und grimmig kontern: Natürlich hätten in den letzten beiden Jahren Kollegen und Schüler weinend bei ihr gesessen. Sie kommen immer noch, um sich bei ihr auszuheulen - stellen Sie sich vor! Wie soll es auch anders sein nach so einem Verlust?!

Sie weiß genau, dass sich die Vorwürfe vor allem auf die Zeit davor beziehen. Aber in solchen Momenten schlägt ihre nüchterne Distanz ganz schnell um, ein giftiger Ton blitzt dann auf, verletzend und verletzlich zugleich, beinahe menschlich nach so hartem Tobak. Es ist derselbe Ton, mit dem sie sich seinerzeit einen leiseren Helden gewünscht hatte, womit die Jagd auf den mutigen Kollegen Heise eröffnet war, der sich dem Amokläufer am Ende entgegenstellte.

Auch sie hätte sich stundenlang in Talkshows setzen können, so viele traurige Geschichten könne sie erzählen. Von der Kollegin zum Beispiel, die ein paar Tage vor Ablauf ihres Erziehungsurlaubs zurück an die Schule kam, und wie sich alle gefreut hatten, weil wegen der Prüfungen Not am Mann war. Jetzt müsse die kleine Frieda ohne Mama aufwachsen. Oder von anderen Kindern getöteter Kollegen, die nach wie vor an ihre Schule gehen, weil sie sich nur hier verstanden fühlen. Und von ihrer Enttäuschung über das, was aus den guten Vorsätzen über Mitmenschlichkeit und Veränderung übrig geblieben ist nach dem ersten Schock.

Kann sich ein normaler Mensch solche Nöte überhaupt vorstellen?

Damals sei sie von einer Trauerfeier zur nächsten gerannt, bis zu sechs Stück an einem Tag. Manche liefen parallel. Da musste sie sich dann für einen toten Kollegen entscheiden. Kann sich ein normaler Mensch solche Nöte überhaupt vorstellen? Zum Glück habe sie auch danach kaum Ruhe gehabt: der Umbau der Schule, der erste Jahrestag, alle Spinner dieser Welt, die sie mit Flugblättern und E-Mails belästigen. All die Fernsehteams, die eine Rückkehr zur Normalität filmen wollen. Jeden Tag ihres Lebens hat sie mit diesem einen Tag zu tun, und täglich kann das labile Gefüge an der Schule wieder kippen.

Selbst das Heer der Psychologen sei damit überfordert gewesen. Es gibt kein Konzept für 500 traumatisierte Menschen auf einem Haufen. In Eschede beispielsweise kannte sich niemand vorher, und auch danach hatte man wenig mit den anderen zu tun. Am Gutenberg-Gymnasium aber werde aus jedem Funken gleich ein Flächenbrand.

Solche Funken gab es viele. Ein Film, neue Ermittlungen, das Buch. Manche Psychologen brachten einen Karton mit, in den alle ihre Gefühle werfen sollten, andere rieten als Mittel gegen die Angst, sich einen Regenbogen im Körper vorzustellen. Bei der Konfrontation mit dem Tatort schrieben Schüler "I miss you" an die Wand, wo ihre Lieblingslehrerin gestorben war.

Christiane Alt ist gleich wieder in das Haus gegangen

Christiane Alt ist gleich wieder in das Haus gegangen, während manche Kollegen noch nicht wissen, ob sie dort je wieder arbeiten können. Sie brauche auch keine psychologische Hilfe. Dafür habe sie einen überschaubaren Freundeskreis, einen Lebensgefährten und ihr Malteserhündchen Jacob, das zurzeit jeden Tag mit ihr auf Arbeit geht und als Maskottchen der Schule gilt. Sie hat eine ungeheure Kraft und schwankt innerhalb einer Minute von einem Extrem ins andere, von vorwurfsvoll zu mitleiderregend, von distanziert zu ganz intim. Ein Fachmann würde womöglich eine Bewusstseinsspaltung diagnostizieren, ihr aber sind die Quellen dieses Überlebenswillens auch so bekannt.

Das ist einerseits die Verpflichtung gegenüber den toten Kollegen und die Verantwortung für eine Schule mit 700 angeschlagenen Menschen. Aber das ist immer auch Wut und der Trotz gegen die Sinnlosigkeit. Anders als bei einem ICE-Führer, der nach einem Unfall von Amts wegen eine Auszeit bekommt, hat sich diese Frage für sie nie gestellt. Es gab ja niemand anderen mehr, der sich im Sekretariat auskannte, so einfach ist das.

Verloren schwebt sie durch die Gänge ihrer alten Schule, zwischen Bergen aus Schutt und schrecklichen Erinnerungen. Im Dezember soll das Gutenberg-Gymnasium bezugsfertig sein. Dann sind 9,9 Millionen Euro verbaut, und die Innenarchitektin hat einen schweren Spagat hinter sich: Alle wollen alles möglichst so ähnlich wie früher, aber dann auch wieder nicht: Fast jeder Raum ist mit einem Toten verbunden, jeder Spruch hat nun ein anderes Gewicht. Das alte Lichtenberg-Zitat im Erdgeschoss zum Beispiel, wonach das Blei die Welt mehr verändert habe als das Gold, und mehr noch als das Blei in der Flinte das Blei im Setzkasten des Druckers. Oder der Spruch über der Schultür: Lerne, um zu leben. Selbst das Schild am Bauzaun: Eltern haften für ihre Kinder. Plötzlich knallt es, genau wie damals, zweimal. Ein Bauarbeiter hat Ziegel in die Schubkarre geworfen. Jeder erschrickt. Frau Alt zuckt nicht einmal.

Ungereimtheiten beim Rauswurf des späteren Täters

Erste Zweifel über Ungereimtheiten beim Abgang des späteren Täters von der Schule gab es von Anfang an. Allein das Kultusministerium hat sich schützend vor sie und hinter die folgenreiche Entscheidung gestellt. Heute begründet das ein Sprecher mit der Rücksicht auf eine Frau, die immerhin auf der Todesliste gestanden habe und die man deshalb nicht so scharf mit diesen Dingen konfrontieren konnte.

Es ist ein heißer Brei. Der Kultusminister selbst hat Rechtsverstöße von Schule oder Schulamt immer bestritten. Der Rauswurf sei kein Schulverweis gewesen, sondern ein ordentlicher Schulwechsel, hieß es zuerst, auch wenn die Akten eine völlig andere Sprache sprechen. Nun hat eine Juristenkommission festgestellt, dass dieses Verfahren weder den Vorschriften entsprach noch verhältnismäßig war. Seitdem spricht man im Kultusministerium von einer "Erziehungsmaßnahme" und erklärt, Frau Alt habe etwas völlig anderes gemeint als aufgeschrieben.

Sie selbst behauptet, es sei lediglich eine Anhörung gewesen, weil sie ihm so kurz davor das Abitur nicht verbauen wollte. Sie habe ihm Möglichkeiten aufgezeigt, wie er es doch noch schaffen könne. Die Formulierung des ersten Absatzes sei allerdings etwas missglückt: "Sehr geehrter Robert Steinhäuser", schrieb die Deutschlehrerin am Tag nach der Anhörung, "hiermit beende ich das mit Ihnen bestehende Schulverhältnis auf der Grundlage des Thüringer Schulgesetzes entsprechend der durch Sie zu vertretenden Gründe mit Wirkung des heutigen Datums."

Nicht das erste Mal, dass sie einen Schüler aus ihrer Schule gedrängt haben soll

Es war offenbar nicht das erste Mal, dass sie einen störenden Schüler nach Gutdünken aus ihrer Schule gedrängt haben soll. Thomas Trier, 28, und fast mit dem Studium fertig, war 1994 Schulsprecher am Gutenberg-Gymnasium und der Schulleitung wahrscheinlich eine Spur zu engagiert, weil er sich mehrmals mit Schüleranliegen ans Ministerium gewandt hatte.

"Obwohl der Fachlehrer anderer Meinung war, ließ mich Frau Alt durch die Bio-Prüfung rasseln", sagt er. Hinterher seien er und sein Schulfreund Eric gemein und mit fadenscheinigen Argumenten aus der Schule gemobbt worden. "Auch bei uns wurde dafür das Schulgesetz nach Herzenslust gebeugt." Mehrere Dienstaufsichtsbeschwerden seines Vaters Hartmut Trier brachten nichts. Ein beauftragter Anwalt rannte bei Frau Alt und dem Schulamt nur gegen Wände, und der Sohn machte sein Abitur schließlich ohne Probleme woanders. Als Hartmut Trier aber vor einem Jahr die Parallelen zum Fall Steinhäuser auffielen, stellte er Strafanzeige gegen Frau Alt: Urkundenfälschung und Nötigung waren allerdings in seinem Fall im September 2003 schon verjährt. Der zuständige Schulamtsleiter stieg nach dem Drama zum Abteilungsleiter im Ministerium auf, wo die Vorgänge nun erneut geprüft werden.

Am Heinrich-Mann-Gymnasium reagierten die Behörden vor wenigen Wochen sogar schon mal im Handumdrehen. Auch dort waren Beschwerden über einen selbstherrlichen Schulleiter jahrelang in der Schulaufsicht versickert, wo die Frau des Direktors arbeitete. Die Schüler wussten schließlich keinen anderen Rat mehr, als in einer nächtlichen Graffiti-Aktion am Schultor um Hilfe zu schreien: "Braucht ihr erst ein zweites Gutenberg?" Nachdem der Direktor noch versucht hatte, die Täter schnell und heimlich von der Schule zu entfernen, wurde er selbst in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Offizieller Grund: Fürsorgepflicht für den Beamten.

Lehrer und Schüler haben sich gegenseitig durch die schwere Zeit getragen

Wenn ich mich auch nur ein kleines bisschen schuldig fühlen würde, sagt Christiane Alt, würde ich auch nicht mehr hier sitzen. Schuld habe der, der schießt. Sie schwärmt davon, wie sie sich gegenseitig durch die schwere Zeit getragen haben, Lehrer und Schüler gemeinsam. Und was sich alles geändert hat: dass sich deutlich mehr Jungs als vorher für Zivildienst interessieren, dass einige Schüler sogar ihren Studienwunsch geändert haben - auf Lehramt.

Und einmal hat Frau Alt sogar öffentlich geweint. Bei einer Trauerveranstaltung kam ein ehemaliger Schüler auf sie zu, von dem sie sich auch nicht friedlich oder gar einvernehmlich trennen konnte, wie sie sagt. Er aber trug eine Osterglocke in der Hand, keine Waffe.

Holger Witzel/print

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