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20. November 2007, 08:00 Uhr

Schüler geschockt trotz Entwarnung

Die Polizei hat einem Gymnasium in Kaarst keine Anzeichen für einen geplanten Amoklauf gefunden. Nach "vagen Hinweisen" war die Schule zunächst gesperrt worden. Die Schüler sind geschockt: "Ich habe Angst, dorthin zu gehen", sagte eine 17-Jährige zu stern.de.

"Vage Hinweise" auf Amoklauf: Die Polizei sperrt die Zufahrt zum Georg-Büchner-Gymnasium in Kaarst© Frank Augstein/AP

Nach vagen Hinweisen auf einen bevorstehenden Amoklauf in einem Gymnasium in Kaarst bei Düsseldorf hat die Polizei Entwarnung gegeben. Die Durchsuchung des Gebäudes am Dienstagmorgen habe keine Hinweise auf eine Gefahr ergeben, sagte ein Sprecher der Polizei in Neuss. Auch Gespräche mit Lehrern des Georg-Büchner- Gymnasiums in Kaarst hätten keine Hinweise zu auffällige Schülern geliefert.

Nach Hinweisen auf einen möglichen Amoklauf hatte die Polizei das Gymnasium geschlossen. "Die Hinweise sind sehr vage, wir nehmen sie aber trotzdem ernst", hatte Polizeisprecher Hans-Willi Arnold gesagt. Das Gebäude sei weiträumig abgesperrt worden und werde von den Einsatzkräften durchsucht. In Absprache mit der Schulleitung wurde der Unterricht am Dienstagmorgen für die knapp 700 Schüler ausgesetzt.

Den Tipp auf einen möglichen Amoklauf an dem Georg-Büchner-Gymnasium erhielt die Kaarster Polizei in den frühen Morgenstunden von ihren finnischen Kollegen. Die seien in einem geschlossenen Internet-Chatbereich auf ein Gespräch gestoßen, in dem ein möglicher Amoklauf in der Schule in Kaarst nicht ausgeschlossen worden sei. Die Informationen seien jedoch wenig konkret, so Arnold.

"Wir werden jetzt Gespräche führen müssen"

Sicherheit gehe aber vor, sagte er. Daher sei im Einvernehmen mit der Schulleitung der Unterricht abgesagt worden. Polizisten und Lehrer informierten diejenigen Schüler, die von der vorsorglichen Schließung noch nichts erfahren hätten. "Wir werden jetzt viele Gespräche führen müssen, um Hinweisen auf möglicherweise auffällige Schüler nachzugehen", sagte er. Es spreche jedoch viel dafür, dass das Gymnasium bereits am Mittwoch seinen Schulbetrieb wieder aufnehmen könne.

Warnung von der Nachbarin

Angst und Schrecken herrscht unter den Schüler des Gymnasiums. stern.de sprach mit einer Schülerin der 12. Klasse: "Ich wollte heute morgen gerade losgehen, da hat mich eine Nachbarin auf die Amokwarnung hingewiesen", erzählt die 17-jährige. "Ich dachte erst, sie irrt sich und meint das Georg-Büchner-Gymasium in Köln, wo es ja auch einen Amoklauf geben sollte. Das es jetzt aber meine Schule betrifft, hat mich echt geschockt." Nachdem sie sich bei einem Radiosender über die Situation informiert habe, sei sie zu Hause geblieben. "Ich habe Angst, dorthin zu gehen. Jetzt schaue ich die ganze Zeit fern und höre Radio", sagt die Schülerin. Sie sei in ständigem Kontakt mit ihren Schulkameraden, um sich über die neuesten Informationen auszutauschen. Von ihrer Schule habe sie noch keinen Anruf bekommen. "Wenn morgen wieder Unterricht ist, würde ich schon hingehen. Aber ich hoffe, dass dann trotzdem noch Polizisten Wache stehen."

Gerüchte über den angeblich geplanten Amoklauf habe sie nicht gehört, sagte die 17-Jährige.

Das Kaarster Gymnasium ist bereits die zweite Schule innerhalb weniger Tage, die in Nordrhein-Westfalen nach Hinweisen auf einen möglichen Amoklauf von der Polizei geschlossen wird. Erst am Wochenende waren Pläne für eine angeblich geplante Bluttat an dem ebenfalls nach dem Schriftsteller Georg Büchner benannten Gymnasium in Köln Weiden bekannt geworden, die sich jedoch als veraltet herausgestellt hatten. Die beiden verdächtigen Schüler hatten die Pläne für ihre Bluttat bereits vor dem Eingreifen der Polizei aufgegeben, berichtete die Kölner Staatsanwaltschaft.

Im Zuge der Ermittlungen hatte sich ein 17-jähriger Schüler das Leben genommen. Vor genau einem Jahr, am 20. November 2006, hatte ein ehemaliger Schüler einer Realschule im münsterländischen Emsdetten bei einem Amoklauf 37 Menschen verletzt und sich danach erschossen.

Vor einem Jahr wurden bei dem Amoklauf von Emsdetten 37 Menschen verletzt. Der Täter nahm sich das Leben. Nach dem Amok-Alarm von Köln und dem Amoklauf von Finnland - dort hatte am 7. November ein Abiturient sechs Schüler und zwei Frauen an einem Schulzentrum in der Kleinstadt Tuusula ermordet - wundert sich Arnold nach eigenen Angaben über diese neuen Hinweise nicht. "Man muss immer mit Trittbrettfahrern rechnen." Dabei seien 95 Prozent solcher Ankündigungen heiße Luft, sagte Arnold. Wenn die Polizei die Verdächtigen anspreche, sagten diese, dass dies gar nicht so gemeint gewesen sei.

mta/DPA/Reuters/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
iovialis (20.11.2007, 12:38 Uhr)
Katastrophen-Kapitalismus
Bernie, Malt und sonstige interessierte. Vielleicht gehört das hier (mal wieder) zu folgender Taktik:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,508421,00.html
Es bleiben drei Möglichkeiten:
1.) Duldung, Wegschauen, Ignoranz
2.) Nutzung zu eigenen Zwecken
3.) Versuch, dagegen zu steuern
Bisher bin ich bei Punkt 3, aber wenn ich dazu gezwungen werde, kommt Punkt 2 zum tragen...
postit (20.11.2007, 12:20 Uhr)
immer das Gleiche
Ach, heutzutage ist doch alle 5 Minuten einer geschockt, epört oder entsetzt - auch wenn nur drei Kastanien auf den Bürgersteig fallen. Diese Phrasensau wird alle 5 Minuten durchs Dorf getrieben.
Aber wo sind diese geschockten Menschen? Kennt einer welche?
AdmiralCrunch (20.11.2007, 12:20 Uhr)
ob das auch
.. bei mir aufe arbeit funktioniert?
bernie-abg (20.11.2007, 12:18 Uhr)
Die Schlußfolgerungen...
...von malt und iovialis sind zugegebenermaßen nicht neu.
Bereits in "Bowling for Columbine" wurde Angst als Politmethode entlarvt.
ThomasA (20.11.2007, 12:05 Uhr)
un wenn was passiert ist Vater Staat schuld
Alles lächerlich machen ist einfach.
Wenn dann wirklich was geschieht ist das Geschrei auch groß.
Aber wo ist das gesunde Mittelmaß?
Ich weis es auch nicht. Mir wäre aber um eine unnötige Aktivität lieber als eine zuwenig. Dies auch zum Schutz meiner Kinder.
Malt (20.11.2007, 11:45 Uhr)
@iovialis
Stimmt genau! Ich wenn Terrorist wäre, bräuchte heute weder Gewehre noch Bomben: Ich würde das System sich einfach selbst Schachmatt setzten lassen. Dafür muss ich mich nicht in die Luft sprengen oder ein Flugzeug entführen... da reicht mir schon eine Telefonzelle oder ein Prepaid-Handy!
iovialis (20.11.2007, 11:26 Uhr)
Außer Gefecht
Wenn man Deutschland außer Gefecht setzen will, muß man nur den Mut haben, dies auch zu tun. Bei Terror-, Amok-, Gewaltankündigungen ist die Polizei verpflichtet, etwas zu unternehmen. Finden solche Ankündigungen "gleichzeitig" statt, legt sich Deutschland mit seinen Gesetzen selbst lahm.
Die Frage bleibt nur, für was man diese "Macht" einsetzen soll. Ein "gegen was" ist leicht, aber dann wird nur "verschärft" und "aufgerüstet".
Der leichteste Gegner ist ein ängstlicher und nervöser ;-)
salz63 (20.11.2007, 10:47 Uhr)
Bombendrohung
Zu meinen Schulzeiten gab es immermal eine Bombendrohung und wir mußten dann alles auf den Hof und uns direkt neben das Gebäude stellen, daß explodieren sollte. Wenn der "Dorfpolizist" dann keinen Pappkarton fand der irgendwo stand ging es weiter.
Damals hieß das Schreckgespenst noch gerade so RAF und heute heißt es Amoklauf...
Die wirklichen Taten werden kaum so angekündigt, daß man reagieren könnte.
Malt (20.11.2007, 09:39 Uhr)
Noch besser:
Er muss ja noch nicht mal drohen, denn es reicht ja, Bilder von Littleton ins i-net zu stellen...
Merkt hier eigentlich noch irgendwer etwas? Das hier mit Angstklischees um sich geworfen wird, was nur noch mehr Öl in die ohnehin schon flammende Angstgesellschaft giesen soll? Die Bedrohungen kommen ja auch wirklich von überall her... Terroristen, Islamisten, Amokläufer aus der eigenen Mitte, Klimakatastrophe um Katastrophe, CO2 Weltzertrörung, der Iran etv.pp....
Wir werden systematisch durch Angstszenarien mit äußerst geringen Wahrscheinlichkeiten konditioniert... und es funktioniert anscheinend auch noch!
Wer denkt denn in anbetracht solcher Geschichten schon darüber nach, dass in Deutschland pro Jahr am Alkohol mehr leute verrecken als seit 2001 inkl. der "Terroranschläge" am 11.09. Weltweit durch Terroaktionen gestorben sind? Oder das im Straßenverkehr alleine bei uns pro Jahr so viele Leute sterben, dass es 312,5 mal Erfurt geben müsste, um nur an diese Zahl ranzukommen? Viele führende Wissenschftler warnen mitlerweile vor der "Überstrahlung" unserer Welt durch Handysendetürme und das die Spätfolgen von Mobiltelefonen noch nicht mal annähernd erforscht wurden, da dies von den Konzernen UND der Regierung systematisch blockiert wird... nur, keine alte Sau interessiert es!!! Aber gut: Mit solchen Horrormeldungen, die beim Bürger ein gewisses "Feindbild" initialisieren, kann man die Massen wunderbar kontollieren und ablenken. Und wir saugen es dankbar auf!
.
So schlimm es auch ist: Amokläufe gab' es schon immer, und wird es wohl, solange der Mensch so ist, wie er ist, auch weiterhin geben. Ebenso wie Mord, Diebstahl, Ehebruch usw. Man kann sich davor einfach nicht schützen, denn 100% sicher ist halt nun mal nur der Tod. Aber lieber lebe ich mit dem Risiko, dass so etwas geschehen könnte, als, wie die Kühe im Stall, nur im Trockenen zu stehen, gemolken zu werden und auf den Tod zu warten!
Alex64 (20.11.2007, 09:28 Uhr)
Und dann
... noch hoffen, das die "Anonymität" nicht auffliegt. Sonst wird es teuer - hoffentlich SEHR teuer.
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