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8. Mai 2008, 12:16 Uhr

Der "Josi" aus dem Tanzlokal

Im Verlies hielt er sich eine Zweitfamilie, nach außen gab er den erfolgreichen Geschäftsmann. Der stern beschreibt in seiner neuen Ausgabe das perfide Doppelleben des Josef Fritzl. Als "Josi" war der Inzest-Vater im Tanzlokal bekannt, als korrekter Herr am Mondsee. Von Martin Knobbe

Ein Mann mit perfidem Doppelleben: Josef Fritzl© Polizei/DPA

Er kam stets gegen Mitternacht. Den Schnäuzer gestutzt, die Wangen glatt rasiert, in einer Wolke von Aftershave stolzierte "Josi", wie ihn alle nannten, über die Tanzfläche im "James Dean", einem Tanzlokal für gesetzteres Publikum mitten in Amstetten. Zu den slawischen Bedienungen sagte er immer das Gleiche: "Na, was gibt's Neues?" und manchmal auch: "Heut sind ja nicht so viele Frauen da." Er stand an der Theke, schlürfte Kaffee mit zwei Milch, redete mit alten Schulfreunden seiner Kinder, über die Rosemarie, seine Ehefrau, oder die Elisabeth, seine Tochter, die ja "abgängig" sei, bei einer Sekte, ein Trauerspiel. Josef Fritzl gab den trauernden Vater, den lamoryanten Gentleman und erfolgreichen Geschäftsmann. Er besaß mehrere Immobilien, fuhr Mercedes, trug maßgeschneiderte Anzüge und handgenähte Schuhe.

Von seinem Ordnungszwang und kleinbürgerlichen Spießigkeit findet man heute noch ein Zeugnis, 160 Kilometer von Amstetten entfernt, am Mondsee, wo Josef Fritzl bereits 1973 die Gaststätte "Seestern" gekauft und einen Teil eines nahegelegenen Campingplatzes gepachtet hatte. Er trat als höflicher, etwas unnahbarer, aber durchaus sympathischer Mann auf. Bewohnern des 1500-Einwohner-Örtchens Unterach imponierte damals, wie gepflegt sich der Neue ausdrücken kann.

"Ein integrer Herr, der nie ausfällig wurde", sagte Gemeindeamts-Leiter Helmuth Greifeneder zum stern. Wenn er Verträge aufsetzte, achtete der korrekte Herr Fritzl auf jedes Wort. Er pochte auf strikte Ordnung, all die Jahre bis 1996, als er die Pension verkaufen und den Platz abgegeben hat. "Hundekot am Campingplatz unbedingt entfernen", pappt noch heute auf einem vergilbten Papier am Eingang. Die Campingwagen stehen nach wie vor in Reih und Glied, dazwischen Blumenbeete in strenger geometrischer Formation und Rasenflächen, die mit der Nagelschere geschnitten zu sein scheinen.

Drill und Strenge bedeuteten viel

"Ich habe immer viel Wert auf Anstand und gutes Benehmen gelegt, das gebe ich zu", zitiert heute die österreichische Zeitschrift "News" Josef Fritzl aus Gesprächen seinem Anwalt Rudolf Mayer. "Dieses Verhalten ist darin begründet, dass ich aus einer alten Generation stamme, die anders als heute erzogen wurde. Ich bin in der Nazi-Zeit aufgewachsen, da bedeuteten Drill und Strenge viel. Ich hab davon wahrscheinlich einiges übernommen."

Seine Strenge deutet Josef Fritzl nun als das Motiv um, warum er seine Tochter und drei der gemeinsamen Kinder unter der Erde gefangen hielt. "Seit Beginn ihrer Pubertät hatte sie sich an überhaupt keine Regeln mehr gehalten. Sie trieb sich nächtelang in üblen Lokalen herum, trank Alkohol, rauchte. ... Sie riss sogar zweimal aus und trieb sich in dieser Zeit mit miesen Personen herum, die kein guter Umgang für sie waren. Ich brachte sie nachhause zurück, aber sie entzog sich mir immer wieder, deshalb musste ich vorsorgen, einen Ort schaffen, an dem ich Elisabeth irgendwann möglicherweise zwangsweise von der Außenwelt fernhalten konnte."

Er habe während der 24 Jahre gewusst, dass nicht richtig war, was er tat, erklärte Josef Fritzl seinem Anwalt. "Aber trotzdem konnte ich nicht raus aus meinem zweiten Leben. Wenn ich oben war, war ich ganz normal. Ich habe voll funktioniert, Geld gemacht, meine Familie gut versorgt." An das Verlies habe er nur gedacht, wenn er für seine "Zweitfamilie Besorgungen zu erledigen hatte". Irgendwann sei sein "zweites Leben" unter der Erde selbstverständlich für ihn geworden. Soweit er zurück denken könne", sagte Fritzl weiter, sei es sein "innigster Wunsch" gewesen, einmal viele Kinder zu haben. "Kinder, die nicht wie ich als Einzelkind aufwachsen müssten, die immer jemanden an ihrer Seite zum Spielen haben würden."

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Von Martin Knobbe
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
herrenloserHund (08.05.2008, 22:39 Uhr)
Frust
Als wohlerzogener und staatstreuer Bürger mit lockerer "post-68er-Anti-Spiesser-Neigung" hat man ja selbstverständlich das alt-testamentarische Auge-um-Auge-Zahn-um-Zahn-Geschwätz leid, das einem bei verschiedenen (Sexual-)Verbrechen immer wieder um die Ohren geklatscht wird. (Und genau dieses hat Hinz und Kunz bestimmt auch von "Josi" zu hören bekommen...)
Nun sollte man ihm, wie von guinnness1 empfohlen, alle drei Tage Ex-Knackis , wie er selber einer war, nämlich mit der nachgewiesenen Fähigkeit zu vergewaltigen, ins Verlies schicken. 24 Jahre lang.
So weit kann mich diese unsägliche Verbrechen aufregen.
mekkie (08.05.2008, 16:38 Uhr)
Monster?
Intelligent - ja sonst wäre er nicht so lange unendeckt geblieben.
Intelligenz ist die mit abstand gefährlichste Macht in den falschen Köpfen...
Gescheitert - na ja er ist 73 jahre alt, mir wäre lieber er wäre viel früher gescheitert.
Unmenschlich - nein leider nicht, es gab und gibt solche Menschen unter uns.
Todesstrafe - nein wozu? Die Ausübung von Gewalt und sei es vom Staat führt nicht zu einer friedfertigeren Gesellschaft, sondern zur Verrohung dieser und tendeziell klar zu mehr Gewalt, nicht weniger.
Ohnmacht und Wut sind keine seriösen Ratgeber! aber natürlich verständlich.
einen friedvollen Abend wünscht mekkie
fr1951 (08.05.2008, 15:31 Uhr)
Ich schau mir das bild an....
Wie hat Fritzl das Dopplebett in den Keller geschafftt? Und die Washmaschine? Und die Toilette? Allein? Seine Frau muss blind gewesen sein.
An Elisabeth's stelle würde ich meine Mutter in den Hintern treten anstatt mich mit ihr zu befreunden. Es wäre Ihre Pflicht gewesen die Kinder zu hüten. Blödheit ist keine Entschuldigung für kriminelle Vernachlässigung.
Birkar (08.05.2008, 15:29 Uhr)
Die mieseste Person
mit der sich Elisabeth "herumgetrieben " hat war doch wohl zwangsweise ihr eigener Vater. Kein Mitleid und kein Verständniss für diese Unperson.
Möge er in der Hölle verotten !
guinness.1 (08.05.2008, 15:26 Uhr)
Mein Verständnis von Gerechtigkeit wäre...
... den Herrn Fritzl nun ebenfalls für 24 Jahre in genau diesen Keller zu sperren und ihn nur unregelmäßig zu besuchen. So könnte er Eben genau nachzuerleben, was er seiner Tochter und einem Teil ihrer Kinder zugemutet hat, ohne ärztliche und zahnärztliche Betreuung, und ohne Hoffnung auf Befreiung.
.
Sehr bedauerlich, daß dies unser Rechtssystem nicht vorsieht.
.
So bekommt er wohl nur ein warmes helles Zimmer auf Staatskosten, wenn überhaupt.
Und wenn ihm das nicht passt, hat er das Recht, sich zu beschweren.
Akrim (08.05.2008, 15:14 Uhr)
Genau das ist aber der Punkt...
...Fritzl ist leider kein "Monster", sondern ein Mensch der schreckliche Verbrechen die mit einer psychischen Störung zwar nicht entschuldigt aber erklärt werden können und solange soziale Einrichtungen und Polizei kleingehalten werden oder rumschludern wird es sowas wie Fritzl oder auch jugendliche Gewalttäter immer wieder geben.
Einigen scheint hier nicht klar zu sein das man mit Sozialeinrichtungen und Psychatrien nicht versucht Täter zu entschuldigen, sondern vorzubeugen damit es sowas gar nicht gibt.
Johann58 (08.05.2008, 15:08 Uhr)
Verlogen
Der Mann ist so was von verlogen. Keine normaler Mensch plant fuer eine pubertierende ein Verlies im Keller, kein normaler Mensch vergeht sich an seiner Tochter, kein normaler Mensch tut dann auch noch so als ob er der Gute waere. Der Mann ist Geistesgestoert aber voll zurechnungsfaehig denn sonst hatte er die Tat nicht bis in das kleinste Teil hinein geplant. Nichts kann zu irgendeiner Art von Entlastung fuehren. Er gehoert ein gesperrt bis an sein Lebensende. Er hat keine Sekunde in Freiheit verdient. Dass er seinen verbalen Schwachsinn jetzt auch noch veroeffentlichen laesst zeigt um so mehr was fuer ein Dreckschwein er ist
Sunnyflower (08.05.2008, 14:49 Uhr)
...seine Tochter trieb sich mit miesen Personen herum....
Jo, schon klar. Aber er ist in den vergangenen Jahren ein besserer Umgang für seine Tochter gewesen? Hallo? Wie respektlos und einfältig ist das denn?
Ryan2k (08.05.2008, 13:54 Uhr)
is doch klar.....
warum die das veröffentlichen. Mit so einem Artikel schnürrt man den HASS auf diese Person(merke ich bei mir selber) so wird das Thema interessanter ;) Eine wirkliche angemessene Strafe gibt es für so einen nicht. Wichtig ist das die Opfer volle unterstützung bekommt damit diese vielleicht irgendwann ein halbwegs normales leben führen können.
gruß
manesse (08.05.2008, 13:08 Uhr)
Diesen ganzen verlogenen Dreck
aus dem verquasten Innenleben dieses Monstrums muss man nun wirklich nicht der Öffentlichkeit präsentieren. Dieser Seelenmüll ist uninteressant. Ich habe nach den ersten Sätzen aufgehört zu lesen.
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