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14. Mai 2008, 16:42 Uhr

"Ich mag die Sonne"

Die Opfer des Inzest-Dramas von Amstetten haben sich erstmals an die Öffentlichkeit gewandt. Auf ein Poster schrieben sie in gemalte Umrisse ihrer Hände Botschaften - die "Kellerkinder" offenbarten dabei andere Wünsche als ihre Geschwister aus der "Oberwelt". Von Özlem Gezer und Christian Parth, Amstetten

Auf einem Plakat wenden sich die Inzest-Opfer an die Öffentlichkeit. Der Bildausschnitt zeigt die Botschaft von Elisabeth F., die von ihrem Vater vergewaltigt wurde und mit ihm sieben Kinder zeugte© Ronald Zak/AP

Die Opfer der Inzestfamilie von Amstetten haben sich mit Botschaften auf einem Plakat persönlich aus dem Krankenhaus gemeldet und sich damit erstmals an die Öffentlichkeit gewandt. Gestern Nachmittag hängten Mitarbeiter der Gemeinde ein von Mitgliedern der Familie F. bemaltes Plakat in ein Schaufenster der Stadtwerke am Marktplatz der österreichischen Kleinstadt. Sowohl die Kinder, die im Verlies von Josef Fritzl aufwuchsen, als auch ihre Geschwister, die im Säuglingsalter von ihrem Vater vor der Tür des Hauses an der Ybbstrasse abgelegt wurden, haben ihre Sehnsüchte und Wünsche für die Zukunft darauf formuliert. "Das Plakat war ein ausdrücklicher Wunsch der Familie", sagte der Pressesprecher des Landesklinikums Amstetten-Mauer.

"Wir, die gesamte Familie, möchten diesen Anlass nutzen, um Ihnen allen für ihre Anteilnahme an unserem Schicksal zu danken", steht mit schwarzem Edding geschrieben auf der weißen Leinwand. "Ihr Mitgefühl hilft uns sehr, die schwere Zeit zu bewältigen und zeigt uns, dass es auch gute und ehrliche Menschen gibt." Eingerahmt sind die Sätze mit gezeichneten Umrissen von den Händen der Kinder, Mutter Elisabeth und Fritzls Gattin Rosemarie.

"Freue mich über die Freiheit"

Vor allem die Worte der Kinder, die ihr gesamtes Leben in jenem Kerker verbringen mussten, in den Josef Fritzl vor 24 Jahren seine Tochter gesperrt, vergewaltigt und mit ihr sieben Kinder gezeugt hatte, bewegten die Bürger. Stefan, das zweitälteste Kind von Elisabeth, schreibt: "Freue mich über die Freiheit und meine Familie. Mag die Sonne, die frische Luft und die Natur." Sein Bruder Felix freut sich auf "Schlitten fahren, mit dem Auto fahren, Ball spielen und Schwimmen." Gerne möchte er bald mit anderen Kindern spielen und auf einer Wiese laufen.

Die ganze Familie betont, wie sehr sie ihre Schwester und Tochter Kerstin vermissen, die noch immer im künstlichen Tiefschlaf gehalten wird. Für die 19-Jährige haben sie stellvertretend ein Herz mit ihrem Namen darin gezeichnet.

Kerstins Zustand ist stabiler

Die schwere Erkrankung des Mädchens hat am 19. April zur Befreiung der Familie aus dem Verlies geführt. Kerstin litt unter schweren Krampfanfällen, die einen Sauerstoffmangel verursachten. Mutter Elisabeth hatte ihren Vater und Peiniger dazu überredet, die bewusstlose Kerstin in ein Krankenhaus zu bringen. Ein Arzt, dem der Zustand der Patientin merkwürdig erschien, verständigte daraufhin die Polizei. Es folgte das Geständnis von Josef Fritzl, der seitdem in Untersuchungshaft in der Vollzugsanstalt von St. Pölten sitzt. Noch ist unklar, wie lange das Mädchen im künstlichen Tiefschlaf gehalten werden müsse, aber ihr Zustand werde zunehmend stabiler, sagt ihr betreuender Arzt Albert Reiter.

Die Botschaften auf dem Plakat zeigen, wie unterschiedlich die Wünsche der Kinder aus den beiden Welten sind, die sich Josef Fritzl für seine Bedürfnisse geschaffen hat. Während sich die beiden Söhne, die im Verlies groß geworden waren, an elementaren Dingen wie Menschen, dem Anblick der Natur und der frischen Luft erfreuen, sehnen sich die Kinder aus der Oberwelt zurück nach ihrem normalen Leben. Lisa, die nach Informationen von stern.de bereits seit einem Jahr ein Internat in der Nähe von Wien besucht, vermisst die Schule, ihre Freunde und die Klasse. Ihre Schwester Monika sehnt sich nach der Jugendgruppe der Freiwilligen Feuerwehr und der Musikschule, in der sie Trompete spielt.

Auch Elisabeth, die allein und ganz ohne medizinische Hilfe im Verlies sieben Kinder zur Welt brachte, äußerte sich erstmals über das gemalte Plakat. Nach einem wochenlangen Belagerungszustand der Klinik Amstetten-Mauer, in der die beiden Familienteile nach und nach spielerisch zueinander finden sollen, wünscht sich die 42-Jährige den "Schutz der Familie" und "Menschen mit viel Herz und Verständnis". Ihre schlohweißen Haare soll sie sich inzwischen gefärbt haben.

Jugendfreund Elisabeths erzählt

Wie stern.de erfuhr, versuchte Elisabeth bis kurz vor ihrer Einkerkerung im dunklen Keller in der Ybbsstraße 40 den Kontakt mit ihrem Vater zu vermeiden. Während ihrer Zeit auf der Berufschule Waldegg, 180 Kilometer von Amstetten entfernt, verbrachte sie auch die Wochenenden im angeschlossenen Internat. Ehemalige Mitschüler erzählen, dass sie damals ein vertrauliches Verhältnis zur Familie eines ihrer Berufschullehrer pflegte. Manche Wochenenden soll sie demnach im Haus der Familie verbracht und auf den kleinen Sohn aufgepasst haben.

Im Jahre 1984, kurz vor ihrer Abschlussprüfung zur Kellnerin, lernte sie schließlich Andreas K. kennen. Der smarte Mann mit dem halblangen dunklen Haar ging in die Parallelklasse. "Sie war nicht wirklich schüchtern und auch nicht labil", sagte Andreas K. zu stern.de. "Sie war mehr ein kumpelhafter Typ, mit dem ich über alles reden und der auch aus sich herausgehen konnte." Die beiden verliebten sich ineinander. Mit einem Lächeln denkt Andreas zurück an den Abschlussball seiner Freundin Elisabeth. Es sei ein Gelage gewesen, das der verantwortliche Lehrer abgebrochen hätte, nachdem ein Schüler nach dem anderen im Delirium vom Stuhl gekippt war. Zu einer tieferen Beziehung zwischen Elisabeth und Andreas kam es jedoch nicht mehr. Denn kurz darauf sperrte Josef Fritzl seine Tochter ein. Mehrfach versuchte Andreas noch, seine Freundin telefonisch zu erreichen. Doch er wurde abgeblockt. "Rufen sie nicht mehr an. Elisabeth ist nicht da", sei ihm am Telefon gesagt worden. Ob er damals immer nur den Vater von Elisabeth an der Strippe gehabt habe, wisse er heute nicht mehr, sagte Andreas K.

Noch immer bezweifeln viele Bürger von Amstetten, das Rosemarie F. nicht einmal vom Missbrauch in der Kindheit ihrer Tochter Elisabeth gewusst haben will. Der "Daily Mirror" hatte berichtet, dass die Ehefrau von Josef Fritzl aus diesem Grund erneut vernommen werden soll. Franz Polzer, Leiter des LKA Niederösterreich, indes weiß nichts von diesem Vorhaben. "Dieser Auftrag wurde uns nicht erteilt", sagte er zu stern.de. "Dazu gibt es auch keinen Anlass." Es gebe zudem weiterhin keinerlei Hinweise darauf, dass Fritzl bei seiner Tat von einer weiteren Person unterstützt wurde.

Die Ermittlungen konzentrieren sich derzeit weiter auf den Keller selbst. Der Einsatz von Leichenspürhunden soll Gewissheit darüber geben, dass es keine weiteren Opfer gibt. Ein Zwillingskind, das kurz nach der Geburt gestorben sein soll, hatte Fritzl in einem Holzofen verbrannt. Überdies sei noch immer unklar, wie der Inzestvater genau das Problem mit der Luftzufuhr gelöst hat, sagte Polzer. Experten suchten mit einem Bodenradar derweil nach weiteren Hohlräumen im Keller, "obwohl wir nicht damit rechnen, hier eine Überraschung zu erleben".

In ihrer Aussage hatte Elisabeth ihre Mutter entlastet. Gemeinsam kümmern sie sich nun in der Klinik um die Kinder, bereiten Frühstück und Abendessen. "Die Kinder spielen, malen und sind besonders von den Computerspielen angetan, bei denen sie sich ausgesprochen geschickt anstellen", sagte Berthold Kepplinger, Ärztlicher Direktor des Krankenhauses. Allmählich strömt auch das Tageslicht in die Räume, die aufgrund der Lichtempfindlichkeit der Opfer bislang abgedunkelt worden waren.

Auch Oma Rosemarie hat ihre Spuren auf dem Plakat der Familie hinterlassen. In den gemalten Umrissen ihrer Hände ist zu lesen: "Ich wünsche mir, dass ich mit meinen Kindern in Frieden leben kann, mit viel Kraft und Gottes Hilfe."

Von Özlem Gezer und Christian Parth, Amstetten
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
Tfirst (15.05.2008, 15:49 Uhr)
Grüße nach Chile
Unser Herr Bundeskanzler weilt z. Z. in Chile und dort wurde er auch auf Amstetten angesprochen! Ich (ein ehemaliges sexuelles Missbrauchsopfer von kath. Kirchenleuten aus Österreich) sende hiermit herzliche Grüße an unseren Herrn Bundeskanzler nach Chile.

S. g. Herr BK Dr. Alfred Gusenbauer!
Sie brauchen unser Land nicht anders darzustellen versuchen, als es leider ist!
Über sehr viele vertuschte sexuelle Missbrauchsfälle von kath. Kirchenleuten in Österreich informierte ich Sie schon seit Jahren…doch das hat Sie leider nie interessiert….Auf meiner Homepage liste ich zig Fälle aus Österreich auf (vor allem aus NÖ), denen absichtlich nicht nachgegangen wurde oder wo das Recht gebeugt wurde…
Ich lade Sie daher wieder einmal ein (sogar bis nach Chile richte ich meine Einladung), bei der schonungslosen Aufklärung endlich mitzuhelfen…
http://michaeltfirst.blogspot.com/2007/03/der-generalvergleich.html
http://michaeltfirst.blogspot.com/
MfG
Michael Tfirst
Tfirst (15.05.2008, 13:15 Uhr)
AUCH ALLES IN NIEDERÖSTERREICH:
Stift Seitenstetten, Stift Göttweig Groer, Schulbrüder aus Strebersdorf (Opfer Manuel Nowatschek), Groer in Hollabrunn, P. Paterno wird in NÖ bis zu seinem Tode als Unschuldsopfer hoffiert, Fälle Stift Geras, bis Abt Angerer in Ruhestand treten muss, Stift Herzogenburg, Vikar aus Heiligenkreuz, Minoritenpfarrer begeht an einer Frau sexuelle Belästigungen, dann wird er deswegen von seinem Opfer mehrmals gestalkt und die Frau wird verurteilt…Stift Klosterneuburg, NÖ: Mord im Priesterseminar St. Pölten 2003 (nicht aufgeklärt) usw, usf… Fr. Kampusch will Aufklärung in ihrem eigenen Fall…. Und lange bevor Dr. Gusenbauer Bundeskanzler wurde, schrieb ich ihm, dass es in Österreich so nicht weitergehen kann mit den verschleppten/unaufgeklärten Fällen.
Ich schrieb auch am 16.1.2006 einen Brief an Herrn LH Dr. Pröll über sexuelle Missbrauchsgeschichten von Kirchenleuten und über die Haltung des ORF NÖ, u. a. P. Paterno betreffend!
Es war für mich als sexuelles Missbrauchsopfer kath. Kirchenleute einfach schrecklich anzusehen, dass Vorwürfe von fast 30 Opfern über P. Paterno, die sich noch dazu untereinander nicht kannten, als unglaubwürdig abgetan wurden, während P. Paterno in der Öffentlichkeit in NÖ so tun konnte, als ob nie etwas gewesen wäre!!! Der ORF NÖ bat den bei allen möglichen Festen anwesenden P. Paterno, der in NÖ wohnte, immer (bis zu dessen Tod) um Wortspenden…Ich ersuchte Herrn LH Dr. Pröll schriftlich, dass er endlich eingreifen soll und dagegen etwas unternehmen soll, doch Dr. Erwin Pröll ließ mir kurz und bündig von Herrn Dr. Kirbes antworten, dass er als LH gar nichts machen könne…
http://michaeltfirst.blogspot.com/2007/03/der-generalvergleich.html
http://michaeltfirst.blogspot.com/
MfG
Michael Tfirst
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