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2. Mai 2008, 10:58 Uhr

Inzest-Vater ist verurteilter Vergewaltiger

Josef Fritzl ist bereits vor rund 40 Jahren wegen der Vergewaltigung einer jungen Frau verurteilt worden. Dies belegen Gerichtsunterlagen, die einer österreichischen Zeitung vorliegen. Unterdessen erzählen immer mehr Ex-Mieter vom Leben im Horror-Haus und von ihrem Vermieter Josef Fritzl.

Das Haus von Josef Fritzl in Amstetten: Mieter berichten über mysteriöse Vorgänge© AFP

Der Inzest-Täter Josef Fritzl ist vor rund 40 Jahren wegen der Vergewaltigung einer jungen Frau verurteilt worden. Dies belegen jetzt wieder aufgetauchte Gerichtsakten, wie die "Oberösterreichischen Nachrichten" Linz berichteten. Er habe sein 24 Jahre altes Opfer 1967 vergewaltigt. Außerdem habe er im gleichen Jahr versucht, eine damals 21 Jahre alte Frau bei einem Spaziergang in einen Wald zu zerren, um sie zu vergewaltigen. Nach Angaben des Blattes liegen der Justiz des Landes seit Mittwoch entsprechende Akten vor. Danach sei Fritzl der Polizei auch im Zusammenhang mit einem Fall von Exhibitionismus gemeldet worden.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft St. Pölten gilt der Vorgang jedoch inzwischen als verjährt. Die Schwägerin Fritzls hatte bereits in einem Interview des Boulevard-Blatts "Österreich" erklärt, ihr Schwager sei bereits vor 40 Jahren wegen Vergewaltigung im Gefängnis gesessen.

Ex-Mieter berichten über Horror-Haus

Unterdessen hat sich ein ehemaliger Mieter des Hauses von Josef Fritzl geäußert. Er hat nach eigenen Angaben mehrmals verdächtige Geräusche aus dem Kellergeschoss gehört. Er habe gelegentlich Klopfen vernommen und Geräusche, als ob Gegenstände fallengelassen würden, sagte Alfred Dubanovsky der Nachrichtenagentur AP. Josef Fritzl habe ihm auch einmal gesagt, das Haus werde eines Tages noch Geschichte schreiben.

Der Mann wohnte von 1995 bis zum vergangenen Jahr im Erdgeschoss des Hauses im niederösterreichischen Amstetten, in dem Fritzl seine Tochter Elisabeth und drei mit ihr gezeugte Kinder im Keller eingekerkert hatte. Er habe Fritzl gefragt, ob die Geräusche von einer Gasheizung im Keller kämen, und dieser habe mit Ja geantwortet, sagte Dubanovsky. Alle Mieter hätten zustimmen müssen, dass sie den Keller nicht beträten, sagte Dubanovsky. Sie durften keine Fotos von diesem Bereich machen. Fritzl habe gedroht, jeden hinauszuwerfen, der gegen diese mündliche Vereinbarung verstoße.

Der britischen BBC sagte der Ex-Mieter, er habe neben Fritzl auch einen anderen Mann in den Keller des Hauses gehen sehen. Ihm sei gesagt worden, es sei ein Installateur. Bisher haben die Ermittler stets betont, dass niemand anderes als Fritzl Zugang zum Keller hatte und es auch keine Mitwisser oder gar Mittäter gebe.

Insgesamt wohnten seit 1984, dem Jahr, in dem das Inzest-Drama mit der Gefangennahme von Elisabeth begann, angeblich rund 100 Mieter in dem Haus. Die Ermittler suchen auf dem Grundstück mit moderner Sonartechnik nach weiteren möglichen Kellerräumen. Das gesamte Gelände werde durchkämmt, sagte Chefermittler Leopold Etz. Außerdem setzte die Polizei ihre Befragungen von früheren Hausbewohnern und Bekannten von F. fort. "Wir werfen ein weites Netz aus", sagte Etz. Es hätten sich einige Zeugen gemeldet, sagte Polizeichef Franz Polzer. "Wir wissen, dass Josef Fritzl in großen Supermärkten große Mengen Nahrungsmittel einkaufte", sagte Polzer. "Wir haben auch gehört, dass er manchmal die Nacht im Keller verbrachte - da überprüfen wir noch die Einzelheiten."

Ex-Mieter hatte zu hohe Stromrechnung

Dies scheint sinnvoll, denn die Ex-Mieter berichten über einige interessante und mysteriöse Einzelheiten aus dem Horror-Haus. So auch Sepp Leitner, der nach eigenen Angaben vier Jahre im Erdgeschoss lebte, direkt über dem Verlies. Niemand habe Zugang zum Keller gehabt, sagte er der österreichischen Zeitung "Die Presse".

Trotzdem berichtete Leitner über einige andere Details. So sollte er wohl über Jahre hinweg den Strom für die Bewohner des Verlieses bezahlen. Er habe jahrelang eine exorbitant hohe Stromrechnung gehabt, erzählt der Ex-Mieter. Statt einigen hunderten österreichischen Schilling, wie die der anderen Mieter, betrug sie 5000 Schilling (rund 400 Euro). Der Zähler sei auch weitergelaufen, wenn alle Stromquellen ausgeschaltet waren. Zwar versuchte Leitner diesen Umstand aufzuklären, auch mit einem Elektrotechniker, doch es blieb bei dem Versuch. Nun macht er sich schwere Vorwürfe. "Wenn ich weiter gebohrt hätte und nicht locker gelassen hätte, bis das Rätsel mit dem hohen Stromverbrauch komplett aufgeklärt ist, dann wäre man vielleicht schon viel früher auf das Versteck gekommen", sagte Sepp Leitner in dem Interview. "Ich hätte drauf bestehen müssen, dass ich genau weiß, wo das herkommt. Ich mach mir jetzt einen Vorwurf, warum ich nicht weitergeschaltet habe." Letztlich hat sich Leitner geweigert, die Rechnung zu bezahlen. Dies führte zu einem Streit mit Josef Fritzl und zum Rausschmiss aus der Wohnung.

Besonders angenehm war es wohl sowieso nicht, in dem Fritzl-Haus zu wohnen. Denn der Vermieter hatte angeblich die Schlüssel und den Zugang zu allen Wohnungen. Dies hatte schlimme Folgen, sagte Leitner. Ihm und den anderen Mietern seien wiederholt Lebensmittel aus der Küche gestohlen worden. Der Verdacht liegt nahe, dass Josef Fritzl womöglich mit diesem Essen seine Opfer versorgte. Wo genau Fritzl sonst die nötigen Lebensmittel einkaufte, ist bislang noch unklar. Aber für die vierköpfige Gruppe muss er oft im Supermarkt gewesen sein. Dies bestätigte auch Ex-Mieter Leitner. Er habe seinen Vermieter häufig gesehen "wie der zwischen 22 und 23 Uhr in den Garten gekommen ist, immer mit Einkaufs-Sackerln. Wenn der F. mit seinem grau-silbernen Mercedes gekommen ist, hat er immer was in der Hand gehabt."

mta/AP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 25)
 
sachsenwini (03.05.2008, 18:10 Uhr)
@ h-p-t … Ja, es wäre tatsächlich sehr verwunderlich,
wenn niemanden etwas außergewöhnliches aufgefallen wäre.
.
Allerdings ist die Tat des Herrn Fritzl derart abnormal und unvorstellbar, dass wahrscheinlich niemand die Auffälligkeiten deuten konnte. Jetzt wo die Tatsachen auf dem Tisch liegen, gewinnen natürlich die einzelnen Beobachtungen plötzlich an Bedeutung und ergeben einen Sinn. Jetzt fängt man, eins und eins zusammenzuzählen.
h-p-t (03.05.2008, 08:48 Uhr)
ist es wirklich so verwunderlich ?
das niemand etwas gemerkt hat ?
das was ich aus den medien kenne ist, dass alles von diesem fritzl geplant war. so kann man jede frage die hier gestellt wird entkräften, z.b. lebensmittel im urlaub: da die tochter ja im besitz ihrer geistigen kräfte ist, kann man davon ausgehen das sie durchaus die lebensmittel von 14 tagen einteilen kann, ebenso den müll in einer tonne sammeln kann etc., das die niemand gehört hat erklärt sich an dem lageplan, das war ja kein keller wie wir ihn kennen, der lag zum einen unter dem garten weit weg vom "normalen" keller, gesichert und vor allem sehr gut schallisoliert. wenn ich recht gelesen habe konnte man sogar als mieter / frau in einen teil des keller gehen ohne dort misstrauisch zu werden, nur in "seinem" keller von dem der abgang in das verlies ging durfte niemand, er begründetet dies ( für mich plausibel) mit der aussage dies wäre sein arbeitsraum wo er technische zeichnungen liegen habe die er an firmen verkaufe und re wolle dort a. nicht gestört werden, und b. nicht das dort etwas durcheinander gerät etc. vermutlich war der keller auch verschlossen so das man schon hätte einbrechen müssen um überhaupt in die nähe des verlieses zu kommen ( wer von uns würde bei dem vermieter in den keller einbrechen ? )welcher mieter würde dannn dort hingehen ohne begründeten verdacht ? beheizt wurde der keller wohl mit einem heizlüfter wenn überhaupt, soviele personen auf so engem raum bedürfen keiner großen heizung... ich denke das man selbst u.U. auch nichts gemerkt hätte, komisch ist nur "Kein Amt wurde stutzig, dass hintereinander drei Kinder mit je einem Begleitschreiben ihrer Mutter vor dem Haus abgelegt wurden." das wundert mich auch...
aber wer will schon mehr staatliche kontrolle ?
das die ehefrau nicht in den keller ginge erklär ich mir damit das sie wohl schon genügend schläge vor dieser zeit bekam und schon recht willig und angepasst war.
traurige geschichte
sophisticated (02.05.2008, 18:32 Uhr)
Sachsenwini bringt es auf den Punkt!
Bei all dem, was jetzt bekannt geworden ist, will ein Vierteljahrhundert lang niemand bemerkt haben, dass in diesem Haus bis zu 8 Menschen eingekerkert waren? In eine Miethaus mit mehreren Parteien? Trotz Kellerverbot, Klopfgeräuschen und Stromdiebstahl? - Das ist schon sehr sehr unglaubwürdig! - Letztlich (meine Unterstellung) wird es so gewesen sein, dass man weghört, weil man keine Lust hat, sich einzumischen. Und auf einmal kommen alle Ratten aus ihren Löchern und erzählen von ihren Beobachtungen, im vollem Licht der Fernsehkameras. Ätzend! (Man könnte langsam Angst dabei bekommen...)
felice4711 (02.05.2008, 17:52 Uhr)
@dylan
Nö, glaub ich nicht, daß dieser Vorfall die Ösis vor der EM reinreißt. Da hätte auch keiner zur WM nach Deutschland kommen dürfen. Hier werden doch bald wöchentlich Kleinkinder von Balkonen geworfen, in Kübel eingetopft, verhungern lassen oder sonstwie entsorgt. Das ist auch kein österreichisches Problem. Belgien (Dutroux, wir erinnern uns) und Österreich haben als Land insofern Pech gehabt, als dort die Keller bzw. Verliese aufgedeckt wurden. Wer weiß, wie viele davon es auch in Deutschland gibt, sie sind nur noch nicht entdeckt worden. Und die Scherze aus UK sind nun auch nicht wirklich lustig.
felice4711 (02.05.2008, 17:48 Uhr)
Ich versteh gar nicht,
wieso hier so viele so sicher sind, daß die Ehefrau und das andere Umfeld, wie Mieter z.B., unbedingt etwas hätten wissen oder mitbekommen müssen. Gab es nicht vor ca. 70 Jahren ein Land, in welchem rd. 6 Mio. Menschen eingekerkert, weggesperrt, wie Tiere gehalten und getötet wurden. Da hat doch im nachhinein auch keiner was mitbekommen oder gewußt. Da will man aber gerne dran glauben. Sarkasmus beiseite. Ich kann mir durchaus vorstellen, daß es diesem perfiden Unmenschen tatsächlich gelungen ist, alles unter Verschluß zu halten. Generell gilt hier auch, was die vorschnelle Verurteilung der Familienmitglieder angeht: Wer nicht selber jemals durch so eine oder ähnlich gelagerte Hölle gegangen ist, in der Gewalt, Psychofolter, Despotismus usw. an der Tagesordnung war, kann sich nur ganz schlecht eine Meinung bilden und sollte in seiner Beurteilung vielleicht etwas mehr Zurückhaltung üben. Der F. war schließlich nicht immer 73 Jahre alt, und eine Ohrfeige in Kindertagen oder eventuell besonders strenge Eltern sind nicht vergleichbar mit einem Sadismus in dieser Größenordnung. Das verwechseln viele. Insbesondere die, heute laut krähen "mit mir hätte man das nicht gemacht".
Dylan1941 (02.05.2008, 17:46 Uhr)
So sehen die Engländer es mit schwarzem Humor
Habe heute eine SMS aus UK erhalten.
Dort wird es mal wieder mit britischen Humor gesehen:
JOSEF FRITZEL LTD,Cellar Conversions and soundproofing,aa family business established 25 years !
und
A journalist asked an neighbour how long he had known Josel Fritzels daughter Alice !
Alice ? He replied.Who the fuck is Alice? For 24 years.I've be living next door to Alice ? Alice ? Who the fuck is Alice ?
Würde sagen das Thema reißt die Ösis nach Kampusch kurz vor der EM rein...
Johann58 (02.05.2008, 17:27 Uhr)
@reality
Es ist eine interesante Frage warum immer wieder in den USA derartige Dinge vorkommen. Die Amerikanische Gesellschaft ist ja nun in Vielem nicht mit der Europaeischen vergleichbar auch wenn ich oft darueber nachdenke, dass ein Grossteil der Amerikaner Europaeische Wurzeln hat und dann eine so unterschiedliche Entwicklung eingetreten ist. Wenn Sie die Interviews der Frauen aus dem Camp gesehen haben dann werden sie relativ schnell feststellen, dass es sich nur um Gehirnwaesche handeln kann. Hier ueben einige Maenner Macht aus und bezeichnen sich als von Gott berufen. Leider gibt es zu viele Frauen, die sich statt zu wehren glauben sich in ein vermeintliches Schicksal fuegen zu muessen. Man denke nur an Charles Manson zurueck und die jungen Frauen, die gemordet haben ohne offensichtlich wirklich zu wissen was sie tun. Im uebrigen gestattet die Amerikanische Gesellschaft und die Verfassung jedem eine Kirche zu gruenden und auf seine Art und Weise die Bibel zu interpretieren und zu predigen. Gluecklicherweise sieht man auf derartiges in Deutschland um einiges genauer und was hier in den USA als Religion oder Kirche bezeichnet wird, ist in Deutschland Sekte und wird auch genauer betrachtet. Das hat aber nicht mit dem von mir angesprochen 'Sex offender register' zu tun. Beispiel: www.familywatchdog.us/
sachsenwini (02.05.2008, 17:07 Uhr)
Vor vierzehn Tagen war Herr Fritzl noch der angesehene freundliche Herr von nebenan.

.
Kein Mensch hatte auch nur den geringsten Verdacht, dass Herr Fritzl etwas Rechtswidriges tun könnte. Keine Behörde forschte nach, wohin seine Tochter verschwunden war. Kein Amt wurde stutzig, dass hintereinander drei Kinder mit je einem Begleitschreiben ihrer Mutter vor dem Haus abgelegt wurden.
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Kein Mieter nahm Anstoß daran, dass der Keller nicht betreten werden durfte. Auch die Ehefrau fand es normal, dass sich der Herr des Hauses nächtelang im Keller aufhielt. Niemand hörte Geräusche der vier im Keller Eingekerkerten.
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In den Kellerräumen soll 24 Jahre lang die Tochter eingekerkert gewesen sein, sieben Kinder zur Welt gebracht, gestillt und gewindelt haben, und niemand bemerkte etwas Auffälliges?
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Wer hat denn die Häftlinge versorgt während der Haustyrann in Urlaub war?
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Wer hat die Kellerräume beheizt?
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Vierundzwanzig Jahre geschah nichts auffälliges, aber jetzt will jeder etwas bemerkt haben.
undueberhaupt (02.05.2008, 16:57 Uhr)
Tatsachen
Die Opfer sind befreit und sind für ihr ganzes Leben gezeichnet. Der Täter sitzt hinter Gittern und wird es lange bleiben, wohl bis zu seinem Ende. Und ... wer sich noch aufgeilen will, der lese die Blöd-Zeitung oder schaue die Nachrichten für Doofe um 18.45h auf einem privaten in Köln ansässigen Fernsehsender mit dem bekloppten Moderator.
Livia008 (02.05.2008, 16:50 Uhr)
Übel!
Hier scheinen sich viele ganz schön aufzuspielen und sich im Glanze der medialen Spots zu sonnen. Vieles klingt schon sehr unglaubwürdig. Was für mich aber als Frage bleibt: welche ernsthaften Konzepte werden entwickelt, um solche Taten aufzudecken? Auch ich bin der Meinung, dass das nicht bei den paar bekannten Fällen bleiben wird. Wieso funktioniert auf einmal die soziale KOntrolle nicht, die doch sonst jeden Pups in der Nachbarwohnung registriert und kommentiert?
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