Kommt ein Papst in die Herberge...

14. März 2013, 22:17 Uhr

Schüler kommen seinetwegen zu spät zur Schule, und er fährt er gern Bus. Den Kardinälen riet Franziskus: Gott möge ihnen für ihre Wahl vergeben. Über den neuen Papst gibt es schon viele Geschichten.

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Bildchen mit Papst Franziskus wurden bereits einen Tag nach seiner Wahl durch das Konklave am Vatikan verkauft.

Es scheint, als will Papst Franziskus die Katholiken mit Tatkraft aus der Krise ihrer Kirche führen. Gleich am ersten Tag nach seiner überraschenden Wahl setzt der Nachfolger von Benedikt XVI. Akzente. Eine tiefe Marienfrömmigkeit, eine Aufforderung zum unmissverständlichen Bekenntnis zu Jesus und eine Respektbekundung für die Juden: Vieles von den ersten Taten und Worten Franziskus' liegt auf der Linie seines aus Altersschwäche zurückgetretenen Vorgängers - neu ist aber die Frische, die der Argentinier in die Kirche bringt.

Der neue Papst setzt schon am frühen Donnerstagmorgen das erste Zeichen. Er verlässt das Gelände des Vatikan, um in der zur Stadt Rom gehörenden Basilika Santa Maria Maggiore vor der dortigen, bekannten antiken Marienikone zu beten. Der Jesuit betet auch vor einem Seitenaltar in der Kirche, vor dem der Gründer seines Ordens, Ignatius von Loyola, im 16. Jahrhundert regelmäßig betete. Doch Franziskus zeigt sich nicht nur fromm - er plaudert auch in der Kirche mit den dort Anwesenden, eine Gruppe Schüler kommt deshalb zu spät zur Schule.

Warum eine Limousine, wenn es auch ein Bus tut?

Vatikansprecher Pater Federico Lombardi, selbst auch ein Jesuit, kann von den ersten Stunden im Pontifikat des 266. Papst viele Anekdoten erzählen. So lehnte es Franziskus am Abend nach seiner Wahl ab, in der ihm zustehenden Limousine zum Essen mit den Kardinälen zu fahren - er stieg lieber zu diesen in den Kleinbus. Und bei diesem Essen zeigte er eine gute Portion Humor. Zuerst dankte Franziskus laut Lombardi den Kardinälen für die Wahl, um dann aber hinterher zu schieben: "Möge Gott Euch vergeben für das, was Ihr getan habt!"

Noch andere kleine Anekdoten, die Lombardi preisgibt, verraten eine für den Vatikan unbekannte Frische. So ließ sich der Papst in einem einfachen Polizeiwagen ohne die übliche Motorrad-Eskorte zum Gebet zur Basilika fahren. Auf dem Rückweg machte er kurz in dem Gästehaus halt, in dem er vor dem Einzug ins Konklave gelebt hat: Der Papst habe dort dann selbst seine Taschen gepackt und danach selbst seine Rechnung beglichen - so, als habe er ein gutes Beispiel geben wollen.

Die menschliche Art, die Franziskus auch schon bei seiner Vorstellung auf dem Balkon des Petersdoms zeigte, weckt Hoffnungen. Die der Amtskirche kritisch gegenüber stehende Laienbewegung Wir sind Kirche startete direkt eine Online-Petition unter dem Schlagwort "Für eine katholische Kirche MIT den Menschen". Eine Aufklärungskommission für die Missbrauchsfälle, eine neue katholische Sexualethik und die gleichen Rechte für Frauen in der Kirche fordern die Macher. Der mit der Amtskirche über Kreuz liegende Theologe Hans Küng nannte Franziskus "die bestmögliche Wahl".

Brief an die jüdische Gemeinde in Rom

Ersten Respekt errang er dadurch, dass er gleich am Donnerstag einen Brief an die jüdische Gemeinde in Rom schrieb. Franziskus zeigte aber auch gleich, dass er nicht jedermanns Liebling werden, sondern ein fordernder Papst sein will. Eine "geistliche Erneuerung" der Kirche versprach er im Abschlussgottesdienst des Konklaves. "Wenn wir uns nicht zu Jesus Christus bekennen, bekennen wir uns zur Diesseitigkeit des Teufels." Mehr Mut zum Bekenntnis zum Glauben verlangte der neue Papst von den Katholiken. Ohne Wandel werde die Kirche zu einer "barmherzigen Nichtregierungsorganisation".

Ob Papst Franziskus bei seinem Ziel einer Erneuerung wohl auch die deutsche Kirche im Blick hat? Anders als bei Benedikt dürfte Deutschland beim neuen Papst derzeit nicht im Fokus stehen. Als erste Auslandsreise von Franziskus, so wird vermutet, könnte der Besuch des Weltjugendtags in Brasilien im Juli anstehen.

Kölns Kardinal Joachim Meisner beschrieb die Bedeutung Deutschlands für den neuen Papst am Abend nach der Wahl so: "Es ist doch ganz klar: Wenn er träumt, dann träumt er von zuhause und nicht von Köln oder von Deutschland, und so weiter, nicht?" Franziskus werde die Akzente anders setzen - viele Gläubige sind gespannt, wie er sie setzt.

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