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3. Februar 2010, 19:04 Uhr

"Ich liebe Euch alle"

War es Hass? Oder war es Habsucht? Was trieb die Vierfachmörder von Eislingen? Andreas Häussler, einer der beiden Angeklagten, hat nun vor Gericht einen Brief an seine Eltern verlesen, die Opfer. Von Malte Arnsperger, Ulm

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Andreas Häussler, hier ein Bild von der Internetseite der Schützengilde Eislingen e.V., hat gestanden, seine Eltern und seine beiden Schwestern erschossen zu haben© DDP

"I love U all". Das sind die Worte von Andreas Häussler, einem der mutmaßlichen Vierfachmörder von Eislingen, gerichtet an seine Eltern und seine beiden Schwestern, seine späteren Opfer. Mit dieser Liebeserklärung endet ein Entschuldigungsbrief, den er Anfang 2009 geschrieben hatte - nur wenige Wochen vor der Tat. Am Mittwoch hat Häussler den Brief noch einmal vorgelesen, diesmal als Angeklagter vor dem Ulmer Landgericht.

Häussler hat bereits gestanden, zusammen mit seinem Freund Frederik Begenat seine Eltern und seine Schwestern erschossen zu haben, aus Wut auf den angeblich herrschsüchtigen und cholerischen Vater und aus Frust angesichts der fehlenden Unterstützung von Mutter und Schwester. Der heute zitierte Brief wirft allerdings erneut Fragen nach der wahren Beziehung von Andreas Häussler zu seiner Familie auf. War der heute 19-jährige wirklich der von allen Familienmitgliedern unterdrückte Junge, der auf keinerlei Verständnis stieß? War Vater Hans Jürgen tatsächlich ein unerträglicher Tyrann? Und wurde Andreas' Hass auf ihn deshalb letztlich so groß, dass er sich nur noch mit dem Mord an der ganzen Familie zu helfen wusste?

"Ich bin in einer kleinen Depression"

Die Ulmer Staatsanwaltschaft zweifelt seit Beginn des Prozesses daran. Sie geht davon aus, dass Andreas und sein 19-jähriger Freund Frederik aus Habgier töteten und an ein Schweizer Bankkonto der Familie Häussler gelangen wollten.

Andreas Häussler selber übersetzte vor Gericht den Brief an seine Eltern. Unter der Überschrift "Top secret. For Mum and Dad. Open together", hatte er die Entschuldigung auf Englisch formuliert - seine Mutter hat amerikanische Wurzeln. Mit langsamen Worten las Andreas die wenigen Zeilen an seine Eltern vor: "Hey, ich will mich für die letzten drei Wochen entschuldigen. Ich war gestresst und überarbeitet. Ich will, dass ihr wisst, dass ich in einer kleinen Depression bin. (…) Ich will mich bedanken für eure Hilfe. (…)Aber denkt nicht, dass ich mich umbringe. Dafür liebe ich mein Leben zu sehr. (…) Ich liebe euch alle. Andreas."

Vom Vorsitzenden Richter Gerd Gugenhan nach dem Anlass für das Verfassen des Briefs gefragt, antwortete Andreas, es habe es in den Wochen zuvor Auseinandersetzungen mit seinen Eltern gegeben. So habe er zusammen mit Frederik ein Zimmer mit Holz vertäfelt. Dies habe seinem Vater aber zu lange gedauert. "Da gab es Streit mit ihm", sagte Andreas. "Mir war das unangenehm, und ich habe mich ungerecht behandelt gefühlt. Denn ich habe das ja nicht für mich gemacht." Seine Mutter, so erzählte Andreas vor Gericht, habe ihn auf den Brief angesprochen. "Mach dir keinen Kopf. Das mit der Depression ist doch Quatsch", habe sie ihm gesagt.

"Er war bekannt als Porno-Hansi"

Dass Hans Jürgen Häussler seine Familie mit harter Hand regierte, hatten zuvor schon einige Zeugen gesagt. Auch am Mittwoch sagte eine Nachbarin der Häusslers: "Es galt nur die Meinung von Hans Jürgen. Er hat sich nie umstimmen lassen." Die ganze Nachbarschaft habe mitbekommen, wie der Heilpraktiker seine Familie und insbesondere seine Frau angebrüllt habe. "Der Andreas hat immer versucht sich aufzubäumen und sich zu widersetzen", sagte die Nachbarin. Doch auch von seinen Schwestern Annemarie und Ann-Christin sei er "ziemlich gepiesackt" worden. "Die haben auf ihm rumgehackt wie die Hühner."

Andreas Häusslers Vater war sehr engagiert in der Eislinger Kinderkirche. Seit Jahren leitetet er die Jugendgruppen und war für Aufführungen verantwortlich. Und auch dort soll er es verstanden haben, seinen Willen durchzudrücken. Der Eislinger Lehrer Markus L. war selber früher in der Kinderkirche aktiv, und wurde von Häussler vergrault. Sichtlich frustriert berichtete er: "Wenn es um die Aufführungen ging, hat Hans Jürgen alles durchgesetzt. Selbst wenn es ein unmögliches Stück war." Ähnlich unnachgiebig sei Hans Jürgen Häussler mit seinem Sohn umgesprungen. "Andreas musste singen, obwohl er es nicht konnte", sagte Markus L. "Andreas musste sich öffentlich blamieren, beim Gottesdienst, im Altenheim. Er hatte dabei Tränen in den Augen."

Viele Zeugen beschrieben den Vater als einen disziplinierten Mann, dem eine positive Außendarstellung seiner Familie wichtig war. Dass Häussler verschiedene Gesichter hat, wird im Prozess nun immer deutlicher. In den 70er Jahren betrieb er im Nachbarort Geislingen einen Sexshop. Ein alter Bekannter erinnerte sich: "Er war bekannt als Porno-Hansi."

Von Malte Arnsperger, Ulm
 
 
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