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21. Mai 2009, 15:16 Uhr

Heimspiel für die Pastorentochter

So entspannt hat man sie lange nicht mehr gesehen: Bundeskanzlerin Angela Merkel genoss ihren Auftritt auf dem Kirchentag in Bremen sichtlich. Das kam auch bei den 10.000 Gläubigen gut an.

Kirchentag, Angela Merkel, Bremen

Bundeskanzlerin Angela Merkel nahm auf dem Kirchentag in Bremen ein Bad in der Menge© Kay Nietfeld/DPA

Für Bundeskanzlerin Angela Merkel ist der Auftritt auf dem Kirchentag in Bremen ein Heimspiel. Als Tochter eines ostdeutschen Pfarrers ist sie mit der evangelischen Kirche seit Jahren bestens vertraut. Entsprechend euphorisch wird die CDU-Politikerin bei einer Diskussion über Menschenwürde und Demokratie auf dem Kirchentag begrüßt: Rund 10.000 Menschen jubeln ihr begeistert zu. Merkels Diskussion mit dem britischen Historiker und Publizist Prof. Timothy Garton Ash ist Auftakt einer Diskussionsreihe mit Spitzenpolitikern wie Altbundespräsident Richard von Weizsäcker und Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt. Auch SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier spricht auf dem Kirchentag - ein Fernduell liefern Merkel und ihr Herausforderer sich aber nicht.

Vielmehr greift Merkel in ihren Antworten die Losung des Kirchentages, "Mensch wo bist Du?" auf, und stellt die Verantwortung jedes einzelnen in den Mittelpunkt. "Freiheit muss gelebt werden, das heißt, jeder einzelne muss sich auf die Freiheit einlassen", ermuntert die Kanzlerin. Auch in der Demokratie verlange es Mut, etwa wenn es gelte, eine von der Mehrheit abweichende Meinung zu vertreten. Ansonsten drohe Konformität. Als Wahlkampfbühne nutzt die Kanzlerin den Kirchentag nicht. Stattdessen ruft sie die Menschen zum Einsatz für die Demokratie auf, etwa indem sie ihr Wahlrecht nutzten, ihre Meinung sagten und Konflikten nicht aus dem Weg gingen.

Scherze und klare Antworten

Ein "intensives Wohnzimmergespräch" versprach der Moderator im Vorfeld der Diskussion. Dank Angela Merkel wird die zweistündige Unterhaltung auf der Bühne das auch. Sie meidet politische Parolen oder schwammige Floskeln. Stattdessen spricht sie ihr Publikum direkt an, antwortet mit klaren Worten auf dessen Fragen, macht Scherze, plaudert entspannt über Erinnerungen aus ihrer Jugend und lässt sich auch vom verärgerten Zwischenruf eines Milchbauern nicht ins Bockshorn jagen. "Es hat mich sehr gereizt, ihre Meinung zu den Themen Demokratie und Menschenwürde zu hören", sagt Kristina Deminatus aus Langen bei Bremerhaven. "Sie ist sehr erfrischend. Das kommt sonst nicht so rüber, dass sie so viel Witz hat."

Bei der Kirchentagseröffnung am Vorabend tut SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier sich noch schwer, bei der Begrüßung der zehntausenden Gläubigen einen anderen Ton als bei Wahlkampfreden zu finden. Er spricht über die Krise, die Gier, die gezähmt werden muss und den Anstand, der nun auch überall in der Wirtschaft einziehen müsse. "Wir dürfen nicht zum Alten zurück. Sondern wir brauchen den Aufbruch zum Besseren. Wir brauchen einen Neustart der sozialen Marktwirtschaft." Am Donnerstag geht Steinmeier dann mit dem Kirchentag auf Tuchfühlung, besucht Stände und stellt sich der Diskussion zur "Menschenwürde in einer solidarischen Weltgemeinschaft."

Michael Evers und Christiane Gläser/DPA

 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
raptor-xl (22.05.2009, 16:44 Uhr)
studieren im osten?
nun, ein pastorensohn aus greifswald durfte, trotz durchschnitt 1,2 nicht studieren. dabei sollte es theologie werden und dazu hätte wahrscheinlich der dienst als spatensoldat und der beitritt in die cdu gereicht. aber so wurde er erst einmal dachdecker!
und eine pastorentochter studiert physik? ganz einfach so?
welcher aus dem osten kann mir noch so ein beispiel bringen? ich kenne keines!!! ich kenne nur die anderen... die fälle der verweigerung der bildungsentfaltung innerhalb der kirche.
unsere kath. kirche wurde gesprengt, weil dort eine große digitaluhr nebst sozialismusbanner ausgestellt wurde.
Omom (22.05.2009, 11:46 Uhr)
Neoliberale Mediendominanz
Zum Kommentar von mackeldei:
Ich kann die "Furcht" des schwarz-gelben Interessenkartells (Politik, Medien und Wirtschaftslobbyisten) vor dem "SPD-Medienimperium" geradezu bis in die letzten Hautfasern hinein verspüren.
Mal ernsthaft: Wo kommt dieses "Medienimperium" der SPD in unserer medialen Berichterstattung zum Tragen? Die Schwarz-Gelben haben sämtliche privaten Medienkonzerne im Rücken. Merkel hat beste Beziehungen beispielsweise zu Liz Mohn (Bertelsmann)und Friede Springer (Springer-Konzern).
Von den wenigen noch verbliebenen SPD-Beteiligungen an Zeitungen ist die Minderheitsbeteiligujng an der rankfurter Rundeschau die aus meiner Sicht bedeutendste. Und diese Minderheitsbeteiligung ändert gar nichts an der Tatache, daß auch die FR zunehmend ins konservativ-neoliberale Lager abdriftet.
Ich empfehle Ihnen folgenden Beitrag aus der Neuen Rheinzeitung:
"Medienmonopole – eine Gefahr für die Demokratie".
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=12411&css=print
Auch die öffentlich-rechtlichen Sender segeln mehr und mehr im konservativ-neoliberalen Fahrwasser (vor allem beim ZDF ist dies schon seit langen Jahren an der Tagesordnung).
balldurian (22.05.2009, 11:24 Uhr)
@ aeternitas
... es ist doch hinreichend bekannt, dass in der 'DDR' nur systemfeinde studieren durften und stipendien erhielten. Der überzeugte rest (1%) war längst vergriffen, frühzeitig in die SED oder zum Stasi abgewandert. Da ging es garnicht mehr anders wenigstens einen kleinen rest vom wissen zu ergattern ....
balldurian (22.05.2009, 11:16 Uhr)
Und überhaupt ist ostzone geographisch 100% korrekt ...
... immerhin war deren vorhandensein im wortschatz und kenntnis fehlerfreier schreibweise bestandteil jedes abiturs und damit - zumindest im westen - grundvorraussetzung zu höheren akademischen weihen auserkohren zu sein. Erdkunde war eines der hauptfächer, direkt gefolgt vom kollektiv beliebten stopfen der care pakete, wo sich der wiederholung und einprägsamkeit willen, die ostzone jedesmal in den postleitzahlen wiederspiegelte.

Nebenbei umso dienlicher, da sich dank vorangestellten 'O's' nur noch knapp 30 - 35% der sendungen bis nordvietnam, nordkorea oder kuba verliefen und den wert zurückerhaltener danksagungen aus anderen hemisphären sprunghaft steigerte. Mit späterer übernahme der ostzone in die BRD wurde,nicht zuletzt um solche irrläufer weitestgehend auszuschliessen, das 'O' zur visuell gleichgestellten maschinenlesbareren 'null'. Zweifellos erkennbar an bis heute gültigen beispielen, etwa der einige Leipziger strassenbezirke betreffenden 04229.
Für viele eben immer noch gar nicht so einfach mit der geschichte ihres landes klar zu kommen, aber wenigstens macht die D-Mark den aufenthalt nun ja erträglicher ...
aeternitas (22.05.2009, 10:24 Uhr)
Und als gläubige Pastorentochter
wurde ihr in der DDR ein Studium der Physik in Russland ermöglicht.
So liebe Kinder jetzt schlaft schön und morgen erzähle ich euch das Märchen vom Wolf und den 7 Geißen
quakenderfrosch (22.05.2009, 09:24 Uhr)
Heimspiel ?
Vielleicht mal die Bremer fragen wie die es sehen. Kaum vorstellbar in den für jederman sichtbar verslumten Wohnvierteln, welche unmittelbar an eiligst fein herausgeputzte Oasen des Kirchentagsspektakels angrenzten, ähnliche Sympathien zu entdecken.
Vielleicht war die Location deshalb so gewählt ? Tanzpuppen aus dem Osten die für gewöhnlich ihr Stimmvieh in Altenheimen und auf der Kanzel rekrutieren lassen ist das durchaus zuzutrauen - Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Eines jedenfalls war deutlich erkennbar, wer da nicht aufwuchs und somit dazugehört, hat es trotz Vortrages allerspannenster Geschichten des eigenen Migrationshintergrundes in nördlichen Hafenrandgebieten schwer und sollte nächstesmal besser an der Ostsee zu Hause bleiben !
Sisko2008 (22.05.2009, 08:10 Uhr)
Kommentar zum Beitrag von "undueberhaupt
Liebe Admins,
Begriffe wie "Ostzone" und "Bimbestussy" sind beleidigend. Von Sachlichkeit und Unkenntnis möchte ich in diesem Zusammenhang noch nicht einmal reden.
Vielen Dank
Dr. Silke Vieweg
mackeldei (21.05.2009, 23:56 Uhr)
sachlicher Artikel
"Was stört es den Mond ,wenn ihn die Köter anbellen"(Das Sprichwort passt gut zu einigen Kommentaren).Da die SPD etwa an 100 deutschen Zeitungen und Privatsendern finanziell beteiligt ist ,muss man über jeden sachlichen Artikel dankbar sein.
Angel_of_Mercy (21.05.2009, 20:44 Uhr)
Wo sind denn die Fragen und "klaren" Antworten,
die in dem Bericht zwar erwähnt aber nicht explizit aufgeführt sind?
Wenn ich so eine hohle Phrase schon lese:
"Auch in der Demokratie verlange es Mut, etwa wenn es gelte, eine von der Mehrheit abweichende Meinung zu vertreten. Ansonsten drohe Konformität."
Da kann sie ja in der CDU Fraktion im Bundestag anfangen und den Fraktionszwang abschaffen.
Wie auch immer, das Änschie ist unter "Gläubigen" gut aufgehoben. Sie glaubt ja selber, dass sie eine gute Politik macht.
Und ihr Vater war kein Ostdeutscher. Das Änschie ist in Hamburg geboren, kurz bevor ihr Vater in die SBZ übersiedelte, weil in der Uckermark Pastoren knapp waren.
Und Steinmeier sollte sich einen Spiegel vorhalten, wenn er solche Sprüche von sich gibt. SPD ist mitschuldig an dieser Gier.
Omom (21.05.2009, 20:04 Uhr)
Merkel-Hofberichterstattung auf allen Kanälen
Wer wie Merkel fast alle Medien (nicht nur die privatwirtschaftlichen Konzernmedien) hinter sich weiss, der kann selbstverständlich auch locker auftreten. Unsere Medien werden bis zum Wahltermin im September alles versuchen, die von ihnen bereits im Jahre 2005 erhoffte schwarz-gelbe Koalition Wirklichkeit werden zu lassen. Sie erhoffen sich davon "neue Schwungkraft" für die Fortsetzung der neoliberalen "Reformen".
Zu der aktuellen Medien-Hofberichterstattung zu Gunsten Merkels veröfftenlichten die NachDenkSeiten einen Beitrag unter der Überschrift:
"Deutschlands Medien - Stichwortgeber und unkritisch bis zur Selbstaufgabe. Konkret: Sandra Maischberger mit Angela Merkel".
http://www.nachdenkseiten.de/wp-print.php?p=3953
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