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15. Februar 2010, 20:46 Uhr

Stadt Köln will U-Bahn-Baustelle notfalls fluten

Selbst der Rosenmontag hat in Köln nicht von den Sorgen um Pfusch und Betrug beim U-Bahn-Bau ablenken können. Im Gegenteil: Sollte das Frühjahrs-Hochwasser des Rheins heftig ausfallen, denkt die Stadt darüber nach, eine Baugrube zu fluten. Dies sei die beste Methode, den instabilen Schacht zu festigen.

Köln, U-Bahn, Hochwasser, Pfusch, Stadtarchiv, Bilfinger Berger

Verkehrsbetriebe-Vorstand Jürgen Fenske zeigt den Pfusch beim U-Bahnbau in Köln: Hier fehlen Stahlbügel© Oliver Berg/DPA

Nach Berichten über organisierten Betrug beim U-Bahnbau wächst in Köln die Nervosität. Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) kritisierte am Montag die federführende Baufirma und forderte eine Stellungnahme. Die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) denken als Bauherr schon über die Flutung einer besonders gefährdeten Baugrube im Falle eines Rhein-Hochwassers nach.

Roters verlangte vom Vorstandschef der federführenden Baufirma Bilfinger Berger, Herbert Bodner, eine Stellungnahme zu den jüngsten Enthüllungen. Das sei das Unternehmen der Kölner Bevölkerung schuldig: "Täglich wächst die Angst, weil immer neue Mängel bei der Bauausführung bekannt werden", schrieb Roters. Der Pfusch beim Bau der neuen U-Bahn-Linie gilt auch als Auslöser für den Einsturz des Historischen Stadtarchivs vor fast genau einem Jahr.

Baustelle wird für Hochwasser vorbereitet

Unterdessen sorgen sich die Kölner um die Stabilität der Baustellen bei Hochwasser. Während am Rosenmontag Hunderttausende Narren das Zentrum bevölkerten, war die Stadt damit beschäftigt, die innerstädtischen Baustellen gegen Hochwasser zu sichern. "Wir haben bereits mit vorsorglichen Stabilisierungsarbeiten begonnen", sagte Stadtdirektor Guido Kahlen.

Die KVB teilten am Montagabend mit, dass sie die U-Bahn-Baustelle am Heumarkt in der Innenstadt fluten wollen, wenn das Hochwasser des Rheins zur Gefahr werden sollte. "Das ist eine gute Möglichkeit, die Standfestigkeit zu garantieren", sagte KVB-Sprecher Franz-Wolf Ramien.

Eisenwände an Schrotthändler verkauft

Wegen Pfuschs am Bau droht die Baustelle instabil zu werden, wenn der Rheinpegel deutlich über vier Meter steigt und das Grundwasser dann gegen die Wände drückt. Am Donnerstag war bekannt geworden, dass in diesen Wänden teilweise 83 Prozent der stabilisierenden Eisenbügel fehlen. Arbeiter sollen diese an Schrotthändler verkauft haben.

Nach Zeitungsberichten wächst der Verdacht auf systematischen Betrug beim U-Bahnbau. Mittlerweile seien schon falsche Vermessungsprotokolle für 28 sogenannte Schlitzwände in den Baugruben entdeckt worden, berichteten der "Kölner Stadt-Anzeiger" und die "Kölnische Rundschau".

Stellungnahmen "unbefriedigend"

Roters hielt dem Bilfinger-Berger-Chef vor, dessen Äußerungen zu den offenbar gefälschten Protokollen stießen bei ihm auf Unverständnis: "Bei einem sicherheitsrelevanten Bauvorhaben wie der Nord-Süd-Stadtbahn Köln erwarte ich einen anderen Umgang mit Messergebnissen", kritisierte der Oberbrügermeister. Bodner hatte gesagt, bei der Erstellung der Protokolle seien "vielleicht aus Software-Unverständnis" Fehler gemacht worden.

Der KVB-Vorstand hatte die in einer Arbeitsgemeinschaft (Arge) vereinten Baufirmen aufgefordert, bis zu diesem Montag Fragen zur Sicherheitslage an den U-Bahnbaustellen zu beantworten. Die eingegangenen Antworten seien jedoch "unbefriedigend", erklärte KVB-Sprecher Ramien.

DPA/dho
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
leboz (16.02.2010, 10:45 Uhr)
Kölner Behörden und Politiker
scheinen sich zu einer Initiative "Kontra Köln" zusammengetan zu haben
Salzsteuer (16.02.2010, 10:23 Uhr)
Auf dem Balkan und im Orient...
war man teilweise schon vor Jahrzehnten auf dem Niveau von Köln !!
Damals haben wir gelacht wenn in Absurdistan ein Haus schon beim Bau einfiel.
Wie tief ist der köllsche Klüngel gesunken, gebt wenigstens die Parteispenden zurück, von solchen Leuten nimmt kein Bettler Geld.
VR46_979 (16.02.2010, 10:15 Uhr)
@JanvanHelsing
Leider kenne ich mich nicht so gut in Köln aus, wie Sie vielleicht denken.

Vor einigen Jahren gab es beim Bau der Bundesautobahn A 72 in Sachsen ähnlichen Pfusch und Betrügereien, der sich später allerdings deutlich in andere Richtungen ausweitete. Dennoch zeigte sich damals schon, mit welcher Zielstrebigkeit und Dreistigkeit getäuscht, getrickst und getarnt wurde.
MK80 (16.02.2010, 09:58 Uhr)
horst.pachulke / VR46_979
ich kann ihnen nur zustimmen. und wenn man sich dann noch mit der vergabepraxis der einen oder anderen kommune befasst wundert einen nichts mehr da werden angebote nicht mehr auf wirtschaftlichkeit geprüft, (also auch darauf, ob es sich um ein für den bieter auskömmliches angebot handelt) es geht nur noch darum, wer der billigste ist. und billig bedeutet halt nicht immer preiswert.
JanvanHelsing (16.02.2010, 09:45 Uhr)
Sie kennen sich ja aus in Köln
Selbst der Kölner Stadt Anzeiger, weder die hier kommentierenden erwähnen die eigentliche Ursache für diesen Bauskandal.

In Köln gibt es eine Behörde die für den Brücken-Straßen- und U-Bahnbau zuständig ist.
Nur im Falle der Nord-Süd-Bahn wurde dieser Behörde nicht die Bauaufsicht übergeben, sondern an die KVB.
Die o.g. Behörde hat bundesweit beachtete Standards gesetzt was Aufsicht und Kontrolle beim U-Bahn Bau anbelangt.
Dies steht aber im Gegensatz zu den Baukosten, denn preiswerter wird das bauen dadurch nicht, aber sicherer.
Et hätt noch immer jot jejange hat damit als kösches Gesetz versagt, Klüngel kann nit baue gilt da schon eher
VR46_979 (16.02.2010, 08:19 Uhr)
Die Ursachen
Die Ursachen und Gründe sind vielfältiger als im bloßen Baupfusch zu sehen. Es liegt am vorherrschenden Preiskampf der Baufirmen, welche sich gegenseitig mit Ihren Angeboten unterbieten müssen um Aufträge zu bekommen. Bei Ausschreibungen bzw. vor Angebotsabgabe wird bereits spekuliert, ob man bestimmte Materialien nicht einsetzt bzw. nicht gleichwertige einbaut, was dann natürlich zu Preisvorteilen gegenüber dem Mitbieter führt. Dennoch müssen nach Auftragserteilung die verantwortlichen Bauleiter und Abrechner mit viel "Kreativität" versuchen, Ihre Baustellen in die Schwarzen Zahlen bzw. auf Plus- Minus Null zu bekommen.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass bei jeder Baumaßnahme betrogen und falsch abgerechnet wird. Dies betrifft Hochbau, Straßen- und auch Tiefbau. Dabei sind gefälschte Messprotokolle noch das kleinste Übel. Es geht um gefälschte Rechnungen, Lieferscheine, falsche Betonsorten, gefälschte Vermessungs- und Abrechnungsunterlagen, falsche und nicht zertifizierte aber eingebaute Materialien bzw. zuwenig eingebaute aber voll abgerechnete Materialien und Mengen.

Dieser organisierte und durchaus komplexe Betrug ist von der Bauüberwachung bzw. Bauoberleitung nur sehr schwierig zu erkennen.
arniston (16.02.2010, 07:36 Uhr)
frage !
wie heisst eigentlich diese baufirma ?
Midnight_74 (16.02.2010, 06:41 Uhr)
Tolle Bauaufsicht
Schön, dass wir eine funktionierende Bauaufsicht bei diesem Klüngel haben. Kein Wunder wenn wir tolle Hochschulabsolventen damit beauftragen, die erst nach dem Studium zum Ersten Mal eine Baustelle sehen. Mehr Leute vom zweiten Bildungsweg ein Studium ermöglichen. Einem erfahren Poier, mit Studium, dem tanzen die Leute nicht auf der Nase rum. Ein Beispiel aus meiner Praxis: Baumassnahme in einer Behörde; grosse Besprechung; dem Kantinenchef (Koch), der privat baut, fallen dann Mängel wie nicht beachtete Referenzmasse und Überschneidungen auf, obwohl er den Plan erst wenige Minuten, im Gegensatz zu den Anderen, gesehen hat. Gute Nacht Deutschland!
allesklar (16.02.2010, 03:18 Uhr)
Ich wusste nicht das die
bau mafia schon in koeln ist. haette ich nicht gedacht! und was macht unsere blinde justiz? 3 x raten - nix - wie immer!
horst.pachulke (16.02.2010, 01:36 Uhr)
@ budbundy69: Et hät net jooot jejange!
Das Stadtarchiv ist weg.

Ein guter Rat: Alkohol sorgt schnell für Realitätsverlust. Also nicht so viel Alkohol konsumieren. Dann fällt es auch Ihnen auf, wenn plötzlich in einer Straße ein größeres Loch ist, in dem ein paar Gebäude und zwei Tote liegen.

Dass das das Gegenteil von "jooooot jejaaaaaangeeeeeeee" ist, kann man merken, wenn man innerhalb des Jahres, das zwischen Einsturz und heute liegt, einen kleinen Moment der annähernden Nüchternheit hatte, die für die Aktivierung rudimentärer Verstandesreste ausreichte.
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