Weltweit hat sich der Zorn gegen die mächtigen Finanzmärkte entzündet. In vielen Städten bleibt der Protest friedlich, in Rom dagegen brennen Autos. Ein Überblick.

Wie dieser Demonstrant in Frankfurt am Main protestieren weltweit Menschen gegen die Macht der Finanzmärkte© Arne Dedert/DPA
Die Welt im Protestfieber: Viele Menschen machen das Treiben des globalen Finanzsystems und der Bankenwelt verantwortlich für die Wirtschafts- und Finanzkrise, dafür, dass immer mehr Länder ihren Bürgern harte Sparmaßnahmen zumuten müssen. Eine Bewegung, die an der New Yorker Wall Street ihren Anfang nahm, breitet sich nun weltweit aus. An diesem 15. Oktober gehen auf allen Kontinenten in fast 1000 Städten die Menschen auf die Straße, um sich mit den US-amerikanischen Kapitalismuskritikern solidarisch zu zeigen und gegen die Macht der Finanzakteure zu demonstrieren.

In Sydney gingen die Demonstranten mit Masken auf die Straße© Marianna Massey/AFP
Den Auftakt für die globalen Proteste hatten Demonstranten in Neuseeland und Australien gemacht. In der größten Stadt Neuseelands, in Auckland, versammelten sich Hunderte auf den Straßen, um gemeinsam zur Hauptkundgebung mit rund 3000 Teilnehmern zu ziehen. Etwa 200 Demonstranten kamen in der Hauptstadt Wellington zusammen. In Sydney protestierten rund 2000 Menschen - darunter zahlreiche Ureinwohner Australiens - vor der Notenbank Australiens. Ein Sprecher der Aktionen in Melbourne sagte: "Ich denke, die Menschen wünschen sich eine wirkliche Demokratie". Sie seien gegen den Einfluss von Unternehmen auf Politiker.

In Manila standen sich Demonstranten und Polizei in der Innenstadt gegenüber© Francis R. Malasig/DPA
Auch im asiatisch-pazifischen Raum demonstrierten am Samstag zahlreiche Menschen gegen die Macht der Banken. Im Bankenviertel von Hongkong versammelten sich rund 500 Menschen. In der japanischen Hauptstadt Tokio demonstrierten etwa 100 Menschen unter dem Motto "Occupy Tokyo". In der Hauptstadt Südkoreas, Seoul, versammelten sich etwa 70 Demonstranten bei strömendem Regen vor dem Hauptquartier der Finanzaufsicht. Auch sie riefen "Besetzt den Finanzdistrikt". Auch in der philippinischen Hauptstadt Manila beteiligten sich Menschen an dem weltweiten Aktionstag gegen einen schrankenlosen Kapitalismus.

Farbenfroh war der Protest in Berlin© Tobias Schwarz/Reuters
Allein an der zentralen Demonstration vor der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main beteiligten sich nach Angaben von Veranstaltern und Polizei rund 5000 Menschen. Hier verschafften die Kapitalismuskritiker ihrem Unmut mit Plakat-Parolen wie "Ihr spekuliert mit unserem Leben" oder "Ihr verzockt unsere Zukunft" Luft. In München riefen etwa 1000 Protestler dazu auf, Konten bei "üblen Banken" zu kündigen und Finanzspekulationen zu besteuern. "Rettet die Sparer, nicht die Banken" war auf einem Plakat zu lesen. In der Kölner Innenstadt versammelten sich mehrere hundert Demonstranten unter dem Motto "Echte Demokratie - jetzt!".
Nach zunächst zögerlichem Zulauf haben sich nach Veranstalterangaben mehr als 5000 Menschen den Demonstrationen in Berlin angeschlossen. Sie forderten direkte Teilhabe an der Demokratie und soziale Gerechtigkeit. In der Hauptstadt veranstaltet das globalisierungskritische Netzwerk Attac eine "Krisenanhörung" zu den Auswirkungen der Finanzkrise. Am Nachmittag sind Demonstrationen vor dem Bundeskanzleramt und im Stadtteil Kreuzberg geplant. Auch in Hamburg versammelten sich Demonstranten zu einer Kundgebung.