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14. Dezember 2007, 10:36 Uhr

"Marco ist psychisch an der Grenze"

Wandert Marco W. jahrelang hinter Gitter? Das glaubt der Anwalt des Mädchens, das der deutsche Schüler sexuell missbraucht haben soll. Doch davon will Marcos Anwalt, Michael Nagel, vor der achten Verhandlung nichts wissen. Im stern.de-Interview erklärt er seine Strategie und berichtet vom Zustand Marcos und dessen Eltern.

Marco W. befindet sich seit mehreren Monaten in türkischer Haft© AFP/Dogan News

Herr Nagel, Marco. W erwartet eine Haftstrafe von acht bis 15 Jahren. Das sagte der Anwalt des Mädchens Charlotte, die Marco angeblich sexuell missbraucht zu haben soll. Was sagen Sie zu den Äußerungen von Ömer Aycan?

Das ist typisch für Aycan und bestätigt meinen Eindruck, dass es dem Kollegen lediglich um Stimmungsmache geht und nicht um eine sachliche Vertretung seiner Mandantin. Seine Methode ist es, zuzuschlagen und nicht sachlich zu argumentieren. Dass sich die Anwälte mit extremen Positionen bombardieren, ist aber wohl üblich in türkischen Verfahren. Dies entspricht nicht unserem Prozessverständnis.

Was erwarten Sie sich von der Verhandlung?

Wir erwarten, dass Marco Haftverschonung bekommt und aus der Untersuchungshaft entlassen wird. Dabei schwingt aufgrund der bisherigen Erfahrungen auch ein Stück Hoffung mit, aber ich glaube an eine Entlassung am Freitag.

Was wird denn in der Verhandlung passieren?

Wir werden einen Antrag auf Haftverschonung stellen. Wenn diesem Antrag nicht entsprochen wird, werden wir natürlich auf anderem Wege versuchen, auf die Entscheidungsfindung Einfluss zu nehmen. Wir haben deshalb ein Gutachten zur Glaubwürdigkeit des Mädchens vorbereitet. Es könnte sein, dass wir dieses auch vorlegen. Zu den Inhalten sage ich aber nichts. Und dann muss man sehen, in welcher Form die Aussagen von Charlotte in den Prozess eingebracht werden. Dem Gericht liegen zumindest die kompletten Unterlagen vor.

Die Inhalte der Aussage sind ja schon vor einigen Wochen publik geworden. Charlotte wirft Marco darin versuchte Vergewaltigung vor. Was sagen Sie dazu?

Zum Inhalt der Aussage äußere ich mich nicht.

Wird in der Verhandlung überhaupt über den Vorwurf von Charlotte gesprochen?

Nein, wenn es nach dem türkischen Gesetz geht, wird es ausschließlich darum gehen, ob Marco Haftverschonung bekommt. Und natürlich über die Frage, ob die Aussage von Charlotte in das Verfahren eingebracht werden kann. Ich hoffe natürlich, dass sie nicht eingeführt wird. Sie darf gar nicht eingeführt werden, da es eine polizeiliche Aussage ist, die grundsätzlich nicht gerichtlich verwertbar ist, auch nicht in der Türkei.

Wie geht es Ihrem Mandanten?

Die Haftumstände in dem Gefängnis, in das er nach der letzten Verhandlung verlegt wurde, sind zwar in Ordnung. Aber es ist sehr kalt. Und Marco ist psychisch an der Grenze dessen, was ein junger Mann aushalten kann.

Marcos Eltern weisen immer wieder auf ihre sehr angespannte finanzielle Lage hin. Was können Sie dazu sagen?

Die Situation ist sehr schwer für sie, weil sie mittlerweile einfach nicht mehr wissen, was auf sie zu kommt. Sie drehen jeden Pfennig um, sparen, wo es nur geht, buchen die billigsten Flüge in die Türkei und versuchen, die preiswertesten Hotels zu bekommen. Auch ihnen geht es nicht gut. Sie werden aber, so weit ich weiß, beide morgen zur Verhandlung erscheinen, um Marco zu unterstützen.

Werden Sie eine Beschwerde vor dem Europäischen Gerichtshof einreichen, wenn Marco nicht entlassen werden sollte?

Dazu werde ich mich erst nach der Verhandlung äußern.

Michael Nagel

Michael Nagel Michael Nagel ist Rechtsanwalt aus Hannover und Rechtsbeistand des deutschen Schülers Marco W.

Von Malte Arnsperger
 
 
KOMMENTARE (10 von 16)
 
mona.lisa (14.12.2007, 23:55 Uhr)
necad - Gefühllosester Kommentar
Der Kommentar von Necad "Verlogene Doppelmoral" ist wohl das gefühlloseste, was ich seit langem gelesen habe. Er hat wohl leider nichts verstanden.
necad (14.12.2007, 15:56 Uhr)
Verlogene Doppelmoral
Die hier an den Tag gelegte Doppelmoral ist unerträglich.
Es werden einfach unsere Moralvorstellungen anderen Kulturen übergestülpt.
Wir fordern von den bei uns lebenden Türken, dass Sie sich unseren Gesetzen, Moral- und Wertevorstellungen anpassen.
Aber gleichzeitig erdreisten wir uns, das Selbe nun auch in Ihrem eigenen Land zu fordern.
Zum einen erhebt man ein riesen Geschrei, wie hier im Falle des "armen Marco", oder stellt bei verhungerten oder von Ihren Eltern ermorderten Kindern Kerzen vor die Türe,
gleichzeitig wird einem jungen Mädchen, das von durchgeknallten Jugendlichen zu Tode gequält wird, jede Hilfe von vorbeikommenden Passanten versagt.
Sorry, aber euer Gesülze nötigt mein Mittagessen, sich auf den Rückweg zu begeben.
kuni40 (14.12.2007, 14:27 Uhr)
Welten
Hier sind 2 (3)Welten aufeinander gestossen. In den angelsaechsischen Laendern (England/USA) ist man sicherlich (nach aussen hin)konservativer als in Deutschland, was sexulle Spielerei Jugendlicher angeht. Dann noch ein Land wie die Tuerkei, das darueber richten soll. Ich bin mir sicher, dass es der Mutter von Charlotte zu verdanken ist, dass die Geschehnisse zwischen zwei normalen Jugendlichen so ins Extreme gezogen werden.
Die Gebaerden des Anwalts von Charlotte scheinen auch angelsaechsischer Herkunft zu sein.
Ich hoffe fuer Marco, dass das alles bald vorbei ist.
leboz (14.12.2007, 14:22 Uhr)
endlich - endlich
wird jetzt das Gericht für Menschenrechte eingeschaltet.
Japan-Fetischist (14.12.2007, 14:13 Uhr)
Schlimme Masche..
was die mit dem Jungen dort abziehen. Die Türkei als Urlaubsland zu boykottieren, sollte jeder selbst entscheiden, allerdings sollte man trotz Wut die realen Fakten beachten. Die Türkei ist mittlerweile das Lieblingsurlaubsland der Oststaatler, die sich bestimmt nur freuen keine Konkurrenz mehr vor Ort zu haben. In der Türkei sprechen fast alle in den Urlaubsorten etwas oder sogar gut deutsch, alles ist preiswert, so dass auch weniger gut situierte Familien dort Urlaub machen können. Es ist nicht so, dass die nur was von uns wollen, und wir nur geben ohne was zu bekommen. Die Dönerläden in Deutschland sind oft die Existenz einer ganzen Familie. Diese Leute sind oft unsere Landsmänner und können nichts für die Politik ihres Ursprungslandes. Ihnen die Existenzgrundlage zu entziehen, hat nur weitere Hartz 4 Anwärter zur Folge.
mutti1 (14.12.2007, 13:32 Uhr)
unmöglicher skandal
gerade in der türkei, wo noch alte sitten herrschen u. der mann über die frau herrscht, weil ein mädel, das echt selbst schuld hat an dem sexuellen tun, denn wer schläft schon neben 1 jungen ein, wenn er angst hätte, bzw. mit 13 nicht wüßte, das das kein kindergetue mehr ist. besonders sah das mädchen echt überreif aus. und grad in england ist sex und mutterschaft- bzw- vaterschaft im alter zwischen 13-15 mehr als der durchschnitt der länder vertreten.
weil die mutter hysterisch reagiert, und im urlaub ihre tochter außer augen lies, muß nun 1 traumatisierter junger mann ein ewiges hin und her zwischen lust und ! sublimierung bis ans lebensende erleben.
was soll aus diesen 2 menschen werden, wenn man sie so behandelt.
eine strenge aussprache mit beiden hätte gereicht, und wird 1000-fach so gehandhabt. und sie ist ja noch jungfrau und wer will noch so 1
durcgehecheltes mädel und so 1 armen jungen als partner?
total pervers gerade die türken.
etobicoke (14.12.2007, 13:24 Uhr)
Türkei existiert für mich nicht mehr.
Falls Marco heute nicht frei gelassen wird, storniere ich umgehend meinen gebuchten Türkei-Urlaub. Wird nicht viel bringen, ich weiß, aber vielleicht denken ja andere potenzielle Touristen genauso, und dann würde es zumindest ETWAS bringen. Ich für meinen Teil werde diesem Unrechts-Staat nicht einen einen einzigen Cent gönnen. Im Übrigen sind auch Dönerbuden für mich passé. Nicht wegen es Gammelfleisches, abe weiß denn ich, wieviel von meinem Geld auf Umwegen in die Türkei fliesst? Ich hoffe, ich bin nicht der Einzige, der so denkt. Diesem korrupten Pack gehört das Handwerk gelegt. Wie kann man einen minderjährigen Jungen aufgrund dubioser Beweise so lange einsitzen lassen? Wie knn man ein juges Leben dermaßen bewusst und sytematisch zerstören? Und on top: Wieso sind sich unsere Politiker nur bei Diätenerhöhungen einig, nicht aber, wenn es darum geht, einen jungen Deutschen aus den Klauen dieses Menschen verachtenden Unrechtstaates zu befreien? Ich bin auf das Urteil gespannt!
sachsenwini (14.12.2007, 12:33 Uhr)
Das ganze Verfahren ist eine bewusste Rache und Schlamperei des Gerichtes in Antalya
und ein Willkürakt des Anwaltes der Nebenklage.
.
Dass es weder einen Geschlechtsverkehr noch gar eine Vergewaltigung gab, wussten die Ermittler in Antalya bereits im April.
Charlotte hatte das glaubhaft vor dem Staatsanwalt und dem Krankenhausarzt Levent Hekim
ausgesagt. Bei der missglückten Liebesnacht waren drei weitere Zeugen in diesem Hotelzimmer von denen lediglich der 17- jährige Sascha G. wurde vor Gericht geladen. Er sagte am 8. August vor Gericht aus, dass von einer Vergewaltigung oder sonstiger Gewaltanwendung keine Rede war und dass sich Charlotte zum Schluss noch von Marco freundschaftlich verabschiedete.
.
Wenn das alles dem Gericht und dem Anwalt für ein Urteil nicht genügte, dann hätte es einmal Charlotte vor Gericht laden müssen, und ihr Anwalt Ömer Aycan hätte sie nicht daran hindern dürfen.
Den englischen Behörden ist kein Vorwurf zu machen, da sich das Gericht in Antalya erst ende September mit einem Amtshilfeersuchen an die britische Justiz wandte.
.
Wer hier von einem normalen fairen Prozess faselt für den ist die Erde noch eine Scheibe.
Alex64 (14.12.2007, 12:33 Uhr)
Oder doch
... nach der scharia geurteilt werden? Da der Prophet ja mit bestem Beispiel (seiner Aischa) vorangegangen ist, könnte Marco eigentlich nicht viel passieren ....
Tom3 (14.12.2007, 12:33 Uhr)
Türkische Justizt & Gerechtigkeit?!?!
Also ich bin ehrlich schockiert, wie man in der Türkei mit noch nicht einmal verurteilten, minderjährigen ausländischen Mitbürgern umgehen kann.
Das ist doch der pure Wahnsinn, dass dieser Junge, ob er nun etwas mit dem Mädchen hatte oder nicht, so lange in U-Haft sitz.
Die Türkei sollte wohl lieber mehr Kraft darauf verwenden, ihr Rechstsystem gründlich zu überdenken u. zu überarbeiten, als im Nordirak Kurden zu jagen.
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