Staatsanwälte ermitteln wegen Medikamenten-Betrugs

15. April 2010, 08:37 Uhr

Die Staatsanwaltschaft ist offenbar einem großangelegten Abrechnungsbetrug mit Krebs-Medikamenten auf der Spur. Einem Hörfunk-Bericht zufolge sind bundesweit Ermittlungen gegen 60 Apotheker im Gange, die billige Medikamente aus dem Ausland illegal eingeführt und teuer abgerechnet haben sollen.

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Bundesweit wird laut einem Radio-Bericth gegen 60 Apotheker wegen des Betrugs mit Krebsmedikamenten ermittelt©

Mehrere Staatsanwaltschaften ermitteln nach Recherchen des Rundfunksenders NDR-Info gegen bundesweit rund 60 Apotheker wegen Abrechnungsbetrugs mit Krebsmedikamenten. Laut Anklage haben sich die Apotheker über Pharma-Großhändler im Ausland die Bestandteile für sogenannte Zytostatika beschafft, Zellwachstums-Hemmer für Krebspatienten. Die Medikamente sind dort wesentlich günstiger, aber in Deutschland nicht zugelassen.

Verfahren im ganzen Bundesgebiet

Apotheker bereiten die Rezepturen individuell für Krebs-Patienten zu, in diesen Fällen mit ausländischen Substanzen. Weder Ärzte noch Patienten konnten so nachvollziehen, woher das Medikament stammte. Bei den Krankenkassen hätten die Apotheker laut Anklage den in Deutschland üblichen Satz abgerechnet und so einen erheblich höheren Gewinn erzielt. Die Behörden in Mannheim und im niedersächsischen Verden hätten bereits Anklage erhoben. Verfahren gibt es unter anderem gegen Apotheker in Augsburg, Braunschweig, Celle, Kiel, Mainz, Münster und Wuppertal. Teilweise stehe hier die Anklage kurz bevor. In Oldenburg und Hamburg habe es bereits Geldstrafen gegeben.

Aufgeflogen war die Masche laut NDR-Info, weil einem Pharma-Großhändler ein Krebs-Mittel aus dem Ausland zu auffällig günstigen Konditionen angeboten wurde. Bei der Überprüfung der Substanzen stellte sich heraus, dass das über die Schweiz und Dubai gelieferte Präparat wirkungslos war. Der Großhändler benachrichtigte daraufhin die Krankenkassen, die Nachforschungen anstellten.

Schaden in Höhe von mindestens zehn Millionen Euro

Alleine die AOK Niedersachsen beziffert den Schaden nach den Angaben auf über zwei Millionen Euro. Auch die Techniker Krankenkasse bestätigte NDR Info entsprechende Erkenntnisse. Die Ersatzkassen rechneten mit einer Schadenssumme von mindestens zehn Millionen Euro. Bundesweit haben etwa 300 Apotheken eine Zulassung für die Zytostatika-Zubereitung.

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KOMMENTARE (5 von 5)
 
jetrabbit (16.04.2010, 08:00 Uhr)
das ganze geld
durch korruption verloren, könnte man so gut in alternative heilung investieren. aber die pharma lobby wird das nicht wollen. quacksalben wie im mittelalter, mit farbigem wasser aus kleinen fläschchen, hautsache profit, gesundheit ist zweitrangig. aspirin ist ein gutes beispiel massloser profitgier der pharmalobby.
jonas50 (15.04.2010, 16:13 Uhr)
genommene Gesundungschancen
den Krankenkassen ist ja "nur" finanzieller Betrugsschaden entstanden, aber wer gibt den Krebskranken die Überlebenschance zurück, die ihnen mit wirkungslosen "Medikamenten" vorenthalten wurde?
Berufsverbot ist hoffentlich das Mindeste an Strafe.
knilch_59 (15.04.2010, 11:38 Uhr)
Das zeigt doch, was für eine Idiotie unser Apothekenwesen ist
Wer eine Apotheke betreiben möchte, muss Pharmakologie studiert haben. Das Zusammenstellen von Mixturen ist also deren Aufgabe, also der Bezug von Grundstoffen samt Beachtung von Qualitätsaspekten. Erkläre mir mal eine/r, dass irgendein Behördenfuzzi besser entscheiden kann, ob dieser oder jener Lieferant der Geeignetere wäre. An anderen Stellen sind die Nachrichten voll von Meldungen darüber, dass Kranken Medikamente vorenthalten werden, weil sie ein ominöses Zulassungsverfahren noch nicht durchlaufen haben.
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Sobald Apotheker, wie jetzt, das machen, wofür sie ausgebildet sind, sollen sie sich strafbar machen? Demnach wären sie in Wirklichkeit nur Einzelhändler, allerdings mit jahrelangem Studium.
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Wenn sie aber nur Händler wären, warum sollten sie dann vor Preiswettbewerb geschützt werden,, indem die Verkaufspreise gesetzlich reglementiert sind? Kein Wunder, dass eine solche ?Ordnung? im gesetzlichen Überbau dann zu Auswüchsen führt, die man als Abrechnungsbetrug ansehen kann.
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Und jetzt entscheiden Staatsanwälte und Richter darüber, was daran Unrecht gewesen sein soll. Na ja, damit ist dann wenigstens die umfassende Inkompetenz sichergestellt, weil Fachkunde über das Wirken von Arzneimitteln dann endgültig keine Rolle mehr spielt.
Administrator (15.04.2010, 11:35 Uhr)
Liebe User,
Wir haben an dieser Stelle einige off-topic Kommentare und Antworten darauf gelöscht. Bitte diskutieren Sie das Thema des Artikels und bleiben Sie sachlich.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihre stern.de-Admins
mehrDemokratie (15.04.2010, 11:17 Uhr)
Deutsche Arzneimittelpreise
Ein Grund für diesen Betrug liegt doch auch darin, daß wir hier in Deutschland die fast weltweit höchsten Arzneimittelpreise haben. Diese "Alchemisten" haben doch den Tod der Krebspatienten billigend in Kauf genommen. Also ich würde hier schon von fahrläßiger Tötungsabsicht sprechen.
Was mich weiterhin ärgert ist, daß ich für diese mordenden Gauner im weißen Kittel, außerhalb der Solidargemeinschaft, auch noch 8 Euro zusätzlich abdrücken muß.
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