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18. Dezember 2009, 16:54 Uhr

Diebe schänden Gedenkstätte Auschwitz

Der historische Schriftzug "Arbeit macht frei" am Eingangstor des früheren NS-Konzentrationslagers Auschwitz ist gestohlen worden. Ex-Häftlinge und Politiker sind empört und fordern eine rasche Aufklärung der "Schande". Doch von den Tätern fehlt jede Spur.

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Über diesem Eingangstor war der Schriftzug "Arbeit macht frei" angebracht© Reuters

Als Symbol von Nazi-Terror und Holocaust ist Auschwitz ein wichtiger Gedenkort für Millionen Menschen auf der ganzen Welt. Gut einen Monat vor dem 65. Jahrestag der Befreiung letzter Überlebender des deutschen NS-Konzentrationslagers durch die Rote Armee am 27. Januar 1945 versetzte nun ein dreister Diebstahl die Weltöffentlichkeit in einen Schock. Unbekannte hatten in der Nacht zum Freitag vom Eingangstor des Stammlagers den historischen Schriftzug "Arbeit macht frei" entwendet. "Das ist kein Diebstahl, das ist eine Entweihung dieses Ortes", sagte Museumssprecher Pawel Sawicki.

Empörung bei Ex-Häftlingen

Die Vorsitzende der Auschwitz-Gesellschaft Stefania Koziol berichtete, sie werde seit dem frühen Morgen von verzweifelten Ex-Häftlingen angerufen. Diese wollten nicht glauben, dass sich jemand an diesem "weltweit größten Friedhof ohne Gräber" vergriffen hat. Das sei ein brutaler Raub gewesen, der hart bestraft werden müsse, forderte Koziol.

Denn die Aufschrift über dem Tor, durch das Häftlinge ins Lager getrieben worden waren, galt nicht nur als Symbol der Vernichtung, sondern auch des Widerstandes. Das B im Wort Arbeit wurde von den polnischen Häftlingen, die die Aufschrift auf SS-Befehl anfertigten, auf den Kopf gestellt. Es habe als ein Zeichen des Widerstandes gegolten und die Häftlinge zum Überleben ermuntert, erläuterte Sawicki. Ob das B absichtlich oder zufällig so angebracht wurde, lasse sich heute nicht mehr feststellen.

Erschüttert zeigte sich Polens Staatspräsident Lech Kaczynski. Nur ein Verrückter könnte solche Tat begehen, sagte Kaczynskis Sprecher. Das Museum sei als Holocaust-Symbol "unantastbar". Polens Deutschlandbeauftragter, Ex-Auschwitz-Häftling Wladyslaw Bartoszewski, nannte die Tat eine "Schande". Ministerpräsident Donald Tusk ordnete "schnellstmögliche Aufklärung" an. Das habe absolute Priorität, betonte Regierungschef.

Von den Tätern fehlt jede Spur

Trotz intensiver Polizeiarbeit fehlte aber von den Tätern zunächst jede Spur. Für Museumsmitarbeiter stand aber vom Anfang an eins fest: Es handelte sich nicht um eine Tat von Schrottdieben, die Eisengegenstände klauen, um Geld für Alkohol zu gewinnen. Museumssprecher Jerzy Mensfeldt bewertete den Einbruch als "gut vorbereitet". "Das hat jemand getan, der gut wusste, was er will", sagte er.

Die Frage, wie mindestens drei - wie die Polizei vermutet - Diebe unbemerkt das Stahl-Element am zentralen Museumsort abmontieren und wegschaffen konnten, beschäftigte seit dem Morgen die Ermittler und Medien. Wie der Fernsehsender TVP-Info berichtete, habe eine am Eingangstor angebrachte Kamera das Geschehen nur direkt übertragen können, ohne es aufzuzeichnen.

Zudem sei der Ort zu schlecht beleuchtet, als das die Bilder hätten polizeilich genutzt werden können. Die Beleuchtung stamme noch aus den 1940er Jahren, hieß es bei TVP-Info. Auch die Zahl der Wächter für das 200 Hektar große Gelände soll unzureichend gewesen sein. Museumsbesucher schimpften inzwischen auf das Wachpersonal. Die Wächter hätten tief geschlafen, kein Wunder, es sei eine kalte Nacht gewesen, sagte ironisch ein Mann in die Kamera.

"Diebstahl auf Bestellung"

Weil es eine heiße Spur fehlte, spekulierten Fernsehen und Rundfunk in Polen wie wild über den Hintergrund der Tat. Die Rede war vom "Diebstahl auf Bestellung" oder sogar von einer Aktion der Neonazis, die angeblich auf sich aufmerksam machen wollten. Doch Beweise oder wenigstens Anhaltspunkte für diese Theorien gab es nicht.

In Auschwitz und in benachbartem Vernichtungslager Birkenau hatten die Nationalsozialisten in den Jahren 1940 bis 1945 mindestens 1,1 Millionen Menschen ermordet. Die Mitarbeiter der Gedenkstätte, die jährlich von rund einer Million Menschen besucht wird, lassen sich durch den dreisten Diebstahl und die laufenden Polizeiermittlungen in ihrer Arbeit nicht behindern. Die entwendete Aufschrift wurde schnell durch eine Kopie ersetzt. Das Museum bleibe für Besucher offen, sagt Mensfelt. Er hofft, dass die Täter gefasst und das Original bald an seinen Platz zurückkehre.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 21)
 
Administrator (21.12.2009, 09:57 Uhr)
Liebe User,
Wir schließen die Debatte an dieser Stelle.

Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins

SpringbokCT (20.12.2009, 11:37 Uhr)
@ ESELSDRIEVER
Was wollen Sie mit dem Hinweis auf Ihr Wahlverhalten ausdrücken, dass Sie kein Neonazi sind? Neonazis gibt es in fast allen Ländern der Welt, es ist kein spez. dt. Problem.

Was Sie und mich allerdings von Menschen in anderen Ländern unterscheidet ist, dass unsere Großeltern ein sechs millionenfachen Völkermord begingen. Wir beide unterscheiden uns jetzt wieder darin, dass Sie nicht darin erinnert werden möchten und auch keine Verantwortung übernehmen wollen.

Warum wollen Sie keine Verantwortung übernehmen? Auf unserer Stirn erscheint kein Hakenkreuz sobald wir ins Ausland reisen. Allerdings werde ich auch niemals mit einem Juden über das Holocaust sprechen können. Was sollte ich auch sagen, dass meine Großeltern davon nichts wussten?

Es wäre gelogen, sie wussten das die Menschen verschwanden und "tolerierten" es sogar.
ESELSDRIEVER (19.12.2009, 18:30 Uhr)
ich versteh den Zirkus nicht..
der um deses geklaute Schild gemacht wird.Es hat zwar einen hohen Symbolwert,aber laßt uns erst mal abwarten bis sich herausstellt wer das Schild geklaut hat.
Ich denke es kann uns noch eine große Überraschung bevorstehen wenn das geklärt ist.
Aber von allem mal abgesehen:Ich denke man sollte mal langsam Schluß machen mit dem ganzen "Gedenken".Ich kann dann ebenso ständig die Gedenkkeule raushohlen um an die Toten im 30 jährigen Krieg zu ermahnen.Man kann auch Stalin seine mörderischen Leistungen am eigenen Volk thematisieren.
Achso, bevor jemand mich politisch verkehrt einordnet:ich wähle CDU
cobdet (19.12.2009, 14:35 Uhr)
@whismerh2
Sie erwarten doch jetzt nicht ernsthaft eine Antwort auf ihren Beitrag ?

Wer seine Geschichte nicht kennt, ist dazu verdammt, diese zu wiederholen!

Sie und ich werden unsere Verantwortung nicht dadurch los in dem wir auf andere Verbrechen zeigen.
Natürlich bin ich persönlich nicht Schuld an den Greueln der Nazis. Mir ist bei all meinen Reisen auch nie dieser Vorwurf gemacht worden. Aber meine Schuldigkeit gegenüber den Opfern besteht darin ihr Andenken zu wahren und dafür zu sorgen das ähnliches nicht wieder passieren kann. Dazu gehört auch die Kenntnis der eigenen Geschichte . So lange noch (oder schon wieder) so intelligenzbefreite Hohl/Glatzköpfe bei uns diese Verbrechen leugnen ist es notwendig immer wieder daran zu erinnern

Übrigens nur so am Rande: Merkwürdig ist doch das genau diese Leute die am lautesten schreien man solle sie doch endlich mit der Vergangenheit in Ruhe lassen, genau die sind die unbedingt der Soldaten des 1. und 2. Weltkrieges gedenken wollen. Gehören die nicht zu unserer Vergangenheit ?
SpringbokCT (19.12.2009, 11:39 Uhr)
@cobdet
Erklären Sie mir bitte: Wie sollte ein Holocaustleugner oder Relativierer der behauptet, der sechs millionenfache zur Ausrottung zielende Völkermord sei nur ein Massenmord ohne historische Bedeutung gewesen, sich mit einem Überlebenden unterhalten?

Bei der Relativierung erschreckt mich als Deutscher insbesondere, wenn der Holocaust mit anderen Ereignissen verglichen wird. Erschreckend mit solchen Menschen in einem Staat zu leben!
keule380 (19.12.2009, 11:03 Uhr)
Arbeit macht frei geklaut
Ja,ja diese verdammten Neonazis, da klauen sie nicht nur laufend unsere Autos und alles was nicht niet und nagelfest ist, sondern auch noch das Schild über dem KZ.
Oder waren es vielleicht welche von einer Partei bei uns, die sagen doch immer
" soizal ist was Arbeit schafft "
Sollte doch nicht etwa der Oskar da die Finger im Spiel haben......................
whismerh2 (19.12.2009, 10:39 Uhr)
@cobdet
Wie wäre es dann mal, uns über all die Zivilopfer zu unterhalten, die bis jetzt beginnend ab unsrer Zeitrechnung sterben mussten oder brutal getötet worden sind.
Was mich nervt, scheinbar gibt es kein größeres Verbrechen an der Menschheit, wie das der Nazis.
Manchmal beschleicht mich hier das Gefühl, das all diese Verbrechen, schön gerechnet werden seitens dieses Vergehen.
Nichts sollte hier vergessen werden, aber unsere Gesellschaft würde dieses nicht mehr zulassen.
Und dann machen Sie mal Ihre Augen auf, wo in dieser Welt, Heute Greultaten zugelassen werden und nicht geahndet werden.
cobdet (19.12.2009, 09:49 Uhr)
für alle die bisher geschrieben haben
Wie wäre es denn wenn sie sich einmal mit einem Überlebenden von Ausschwitz unterhalten würden ? Wie wäre es denn wenn sie sich einmal Ausschwitz anschauen würden um wenigstens einen Hauch von dem Grauen zu erfahren ?
Selbst wenn man in ihren geistlosen Kommentaren auch nur etwas Sinn sehen wollte :
SOLANGE NOCH EIN KZ-OPFER LEBT und solange noch Kinder und Enkel nach dem Schicksal ihrer Angehörigen fragen müssen..aber vor allem solange sich noch dieser Ungeist in einigen hohlen Birnen festgesetzt hat, bedarf es jede Form der Erinnerung an diese Greuel.
Preston (19.12.2009, 09:48 Uhr)
wahrscheinlich würden selbst 600 Millionen Euro im Jahr
nicht reichen, um Leute wie "Egalius" (der Name ist offenbar Programm) zum Nachdenken zu bringen.
Er würde vermutlich lieber ein "Auschwitz-Videospiel" spielen - und Punkte als Aufseher sammeln - als sich einmal selbst den "dunklen Ort" anzuschauen, an dem seine Großväter 6 Millionen Menschen vergasten.
Daniel Jonah Goldhagen hat einmal ausgerechnet, daß mindestens 100.000 Deutsche direkt in Lagern, Bahnhöfen oder Polizeistationen an diesen Morden beteiligt waren = 100.000 Mörder.
Noch nicht einmal 1000 davon wurden verurteilt - und nur 3 (meines Wissens) saßen "lebenslänglich". Der Rest tat so, als sei nichts geschehen. Und offenbar hat er diese Gleichgültigkeit ganz gut an seine Nachkommen weitergegeben (wie man sieht).
whismerh2 (19.12.2009, 09:30 Uhr)
@Stony2005
Dem gibt es nichts mehr hinzu zufügen.
Wir haben zum Großteil aus unserer Geschichte gelernt, was man von anderen Nationen nicht wirklich behaupten kann, oder sagen wir mal noch immer totschweigen.
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