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"Ich werde nicht für die Schäden zahlen"

Viele der grauen Beton-Stelen des Berliner Holocaust-Mahnmals sind von Rissen durchzogen. Die Suche nach den Schuldigen läuft. stern.de sprach mit dem Architekten Peter Eisenman.

Von Anja Lösel

  Metallmanschetten sollen schlimmere Risse in den Beton-Stelen verhindern

Metallmanschetten sollen schlimmere Risse in den Beton-Stelen verhindern

Das Berliner Holocaust-Mahnmal bröckelt vor sich hin. Viele der 2710 Beton-Stelen haben Risse. 48 Stelen sind so schwer beschädigt, dass man ihnen aus Sicherheitsgründen Stahlmanschetten umlegen musste. Der Beton ist offenbar den extremen Witterungsschwankungen nicht gewachsen.

Nein, keine Angst, das Mahnmal, das in jedem Jahr Hunderttausende von Besuchern anzieht, muss deshalb nicht geschlossen werden. Aber darf ein 27,4 Millionen Euro teures Bauwerk nach gerade mal neun Jahren solche Schäden aufweisen? Sicher nicht. Was sagt der New Yorker Architekt Peter Eisenman, 81, dazu, der das 2005 fertiggestellte Mahnmal entworfen hat?

Mister Eisenman, sind Sie verärgert?


Peter Eisenman: Das würde ich niemals sagen. Aber natürlich habe ich nicht damit gerechnet, dass die Stelen brechen würden. Niemand konnte damit rechnen.

Wie konnte das passieren?


Offenbar wurden Dinge geändert, um Geld zu sparen. Es geht ja immer darum, Geld zu sparen. Das ist ein Riesenproblem.

Wer wollte sparen?


Der Fehler liegt im Kuratorium der "Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas".

Das sind 22 Leute, die über alle grundsätzlichen Fragen der Stiftung entscheiden: unter anderem Vertreter aller Fraktionen des Bundestages, des Denkmal-Förderkreises, der Jüdischen Gemeinde.


Ja.

Und was haben die gemacht?


Für so eine Stele braucht man eine bestimmte Menge von Armier-Eisen im Inneren, je nach Größe. Sagen wir mal zehn in einer großen Stele.

Die wirken den Spannungen entgegen und verhindern das Bröckeln des Betons.


Genau. Wenn aber ein paar Experten sagen, sechs statt zehn Eisen genügen, sonst kostet es zu viel Geld, dann ist das eben nicht okay.

Sie, Mister Eisenman, haben keine Schuld daran?


Ich werde ganz sicher nicht für die Schäden zahlen.

Damit kein Besucher verletzt wird, wurden 48 Stelen mit einem Stahlband gesichert. Das sieht nicht sehr schön aus. Ist damit Ihre Idee eines Steinfeldes, das einem jüdischen Friedhof ähnelt, zerstört?


Es geht nicht darum, dass Peter Eisenmans Idee zerstört ist. Aber es stimmt: Die Stahlbänder sehen nicht gut aus. Sie sind aber auch nur eine Lösung auf Zeit. Auf lange Sicht müssen beschädigte Stelen natürlich erneuert werden.

Nächstes Jahr wird das Holocaust-Mahnmal zehn Jahre alt. Bis dahin sollte alles wieder makellos aussehen.


Ja, das nehme ich an. Ich werde auf jeden Fall zu den Jubiläumsfeiern nach Berlin kommen. Für mich ist das Holocaust-Mahnmal ein sehr wichtiges Projekt. Und es verfolgt mich immer weiter.

Wie das?


Gerade hat der Iran mich ausgeladen. Obwohl ich ein Visum hatte, durfte ich nicht einreisen, um einen Vortrag an der Universität zu halten. Der Grund: Ich sei ein "Holocaust Believer", einer, der sogar ein Mahnmal gegen die Schrecken des Holocaust gebaut hat.

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