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24. August 2009, 14:07 Uhr

Piraten-Bande stammt aus Estland

Bei den gefassten Entführern der "Arctic Sea" handelt es sich offenbar um vorbestrafte Kriminelle aus Estland. Auch ein seit Jahren als tot gemeldeter Seemann gehört zu den Verdächtigen, die weiter ihre Unschuld beteuern.

Russland, Arctic Sea, Piratenüberfall

Ein russischer Soldat bringt einen der acht mutmaßlichen Entführer der "Arctic Sea" auf den Kapverden an Land© Ricky Lopez/AFP

Die von der russischen Schwarzmeerflotte auf dem finnischen Frachter "Arctic Sea" gefassten mutmaßlichen Piraten sind vermutlich vorbestrafte Kriminelle aus Estland. Wie die Moskauer Zeitung "Komsomolskaja Prawda" am Montag berichtete, haben mehrere Esten die "Seeräuber" auf den veröffentlichten Fotos wiedererkannt. Sechs der acht von Russland wegen Piraterie verhafteten Männer sollen in einem Viertel der estnischen Hauptstadt Tallinn als Nachbarn gelebt haben. Zudem sollen die meisten von ihnen wegen Drogendelikten, Körperverletzung und Diebstahl im Gefängnis gesessen haben.

Russische Medien berichteten, dass unter den Verdächtigen auch ein Seemann sei, der seit drei Jahren als tot gemeldet sei, dessen Leiche nach dem Untergang eines Fischkutters 2006 aber nie gefunden worden war. Eine Familie aus der russischen Stadt Kursk habe in dem gefassten Andrej Lunew ihren Verwandten wiedererkannt. Auch die 15 befreiten russischen Seeleute werden weiter vom russischen Geheimdienst festgehalten. Die Ermittler prüfen, ob sie mit den angeblichen Piraten zusammengearbeitet haben.

Piraten geben sich als Umweltschützer aus

Nach Recherchen der "Komsomolskaja Prawda" soll der 35 Jahre alte Alexander Bulejew die anderen Kleinkriminellen angeheuert haben, um den Frachter zu überfallen und Lösegeld zu erpressen. In ihrer Untersuchungshaft in Moskau halten die Männer allerdings an der Behauptung fest, in Wahrheit friedliche Umweltschützer zu sein, die in Seenot von der Besatzung der "Arctic Sea" gerettet worden seien. Sie beteuern, mit der Mannschaft ein "freundschaftliches Verhältnis" gehabt zu haben. Das Boulevardblatt "Moskowski Komosomolez" wies darauf hin, dass die Behörden bisher keine Waffen der Piraten als Beweismittel präsentiert hätten.

Der Fall der drei Wochen lang verschollen geglaubten "Arctic Sea" hatte einen wohl einmaligen Einsatz von Geheimdiensten aus 20 Ländern ausgelöst. Bei der Suchaktion des angeblich mit Holz beladenen Frachters hatte auch die Nato auf Bitten Russlands geholfen. Moskau hatte seine Schwarzmeerflotte mit mehreren Kriegsschiffen in Bewegung gesetzt, um die 15 russischen Seeleute aus der Gewalt der mutmaßlichen Entführer zu befreien. Wegen des immensen militärischen und geheimdienstlichen Aufwands halten sich Gerüchte, an Bord der "Arctic Sea" könnten Waffen geschmuggelt worden sein, was von Russland jedoch hartnäckig dementiert wird.

Die "Arctic Sea" war am 23. Juli nach Algerien aufgebrochen. Einen Tag später verschwand das Schiff, das unter maltesischer Flagge fährt und im Auftrag einer finnischen Reederei unterwegs war. Die mysteriöse Fahrt endete am Montag vor der Küste der Kapverden, wo ein russisches Kriegsschiff den Frachter aufbrachte.

DPA/AFP
 
 
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