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5. Dezember 2003, 16:12 Uhr

"Kannibalen"-Memoiren interessieren Verlage

Bereits mehrere Verlage haben an den Memoiren des "Kannibalen von Rotenburg" Interesse angemeldet. Unterdessen distanzierte sich die Landeskirche von dem Interview einer Kasseler Kirchenzeitung mit dem "Kannibalen".

Armin Meiwes will seine Lebensgeschichte aufschreiben© Boris Roessler dpa

An den Memoiren des "Kannibalen von Rotenburg", der in Kassel vor Gericht steht, haben bereits mehrere Verlage Interesse angemeldet. Es seien allerdings noch keinerlei Vereinbarungen getroffen worden, sagte der Anwalt des Angeklagten, Harald Ermel, am Freitag und bestätigte Angaben aus der "Bild"-Zeitung. Der "Kannibale" habe mit dem Schreiben seiner Lebensgeschichte auch noch nicht begonnen. Es gebe bislang lediglich einige Tagebuchaufzeichnungen.

Kritik an Interview

Unterdessen distanzierte sich die Landeskirche von einem Interview einer Kasseler Kirchenzeitung mit dem "Kannibalen". Journalistisches Vorgehen sei unzulässigerweise mit dem seelsorgerischen Auftrag vermischt worden, teilte die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck in Kassel mit. Der Chefredakteur, dessen Gehalt von der Landeskirche bezahlt wird, sei bei dem Interview nicht im Auftrag der Kirche tätig gewesen. Der Herausgeber und Verleger der Zeitung wies die Anschuldigungen der Kirche zurück.

Im Auftrag des Verlages

Reinhard Heubner, Chefredakteur des "Kasseler Sonntagsblatts", der zugleich Pfarrer ist, hatte den Angeklagten im "Kannibalen"-Prozess vor Beginn des Verfahrens im Gefängnis zu seiner Tat und zu seinem Glauben befragt und das Interview später etlichen Zeitungen in Deutschland zur Auswertung angeboten. Verleger und Herausgeber Rolf Schwarz stellte klar, der Chefredakteur habe das Interview im Auftrag des Verlages geführt. Das Gespräch sei dem Gefängnis und dem Angeklagten als Interview angekündigt worden, so dass eine Vermischung seelsorgerischer und journalistischer Tätigkeit nicht vorliege.

Der angeklagte Armin Meiwes hatte zu Prozessbeginn am Mittwoch gestanden, einen Ingenieur aus Berlin erstochen und Stücke der Leiche gegessen zu haben. Vor den tödlichen Stichen will der "Kannibale" nach seiner Aussage vor Gericht gebetet und um Vergebung gebeten haben.

 
 
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