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6. Juli 2006, 10:25 Uhr

Rien ne va plus

Die einarmigen Banditen langweilen sich, die Roulette-Kugeln verstauben: Alle zwölf Casinos von Atlantic-City mussten schließen. Grund dafür ist ein peinliches Versagen der städtischen Politiker.

Nicht nur im "Caesars" herrscht gähnende Leere. Zwölf Casinos mussten den Betrieb einstellen© Tim Shaffer/Reuters

In der Casino-Stadt Atlantic City an der Ostküste der USA stehen wegen einer Haushaltssperre des Bundesstaats New Jersey die Spielautomaten still. Sämtliche zwölf Glücksspieltempel der Stadt mussten nach Angaben der Aufsichtsbehörde bis auf weiteres den Betrieb einstellen. Grund ist eine Vorschrift, die den Betrieb der Casinos nur in Anwesenheit eines Vertreters der Behörde erlaubt. Wegen der Haushaltssperre hat der Staat jedoch seine meisten Angestellten beurlaubt. Neben den Casinos wurden auch Parks und kulturelle Einrichtungen des Staates geschlossen. Polizei, Gefängnisse, psychiatrische Kliniken und staatliche Jugendhilfe sollen aber weiterarbeiten.

Zu dem Schritt sah sich New Jerseys Gouverneur Jon Corzine wegen einer Haushaltslücke von 4,5 Milliarden Dollar gezwungen. Ein Berufungsgericht hatte einen Antrag abgewiesen, mit dem die Casinos die Fortsetzung ihres Betriebs erzwingen wollten. Auch zum Erlass einer Ausnahmeregelung für die Glücksspiel-Kontrolleure hat Corzine nach eigenen Worten keine Befugnis.

Tausende Arbeitsplätze in Gefahr

Der Branche drohen nach Einschätzung des Casinobetreibers Trump Entertainment Resorts Einnahmeverluste von 20 Millionen bis 22 Millionen Dollar für jeden Tag ohne Betrieb. Trump gehören drei Casinos in Atlantic City. Außerdem seien tausende Arbeitsplätze in Gefahr, sagte ein Firmensprecher. Die Ausfälle treffen auch den Bundesstaat empfindlich, weil dieser von den Steuermillionen aus dem Casinogeschäft profitiert.

Ohnehin ist der Boom der US-Glücksspielbranche nach Einschätzung des Marktforschungsunternehmens Majestic Research durch hohe Benzinpreise und steigende Zinsen gefährdet. "In der Vergangenheit war die Branche sehr widerstandsfähig", sagte Analyst Matthew Jacob. "Aber wir könnten an einen Punkt kommen, an dem diese wirtschaftlichen Faktoren anfangen, die Casino-Industrie zu beeinträchtigen."

Reuters/AP
 
 
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