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5. Dezember 2007, 13:21 Uhr

Mit der Lebensversicherung nach Panama

John Darwin will sich an nichts erinnern können, was in den vergangenen Jahren passiert ist. Seine Familie glaubte angeblich, dass er 2002 mit seinem Kanu ertrunken sei. Doch die Polizei scheint der Geschichte nicht zu glauben. Denn es kommen immer mehr Ungereimtheiten ans Licht. Von Cornelia Fuchs, London

Der wieder aufgetauchte britische Kanufahrer John Darwin auf einem privaten Foto aus dem Familien-Album© Cleveland Police/Handout/Reuters

Schon kurz nachdem John Darwin, gebräunt und sehr fit, am Wochenende in einer Polizei-Station im Londoner West End auftauchte, zweifelten einige an seiner Version der Geschehnisse. Darwin war im März 2002 verschwunden, sein Kanu wurde zerschmettert am Strand angetrieben. Trotz einer aufwendigen Suche auf See blieb der Mann verschwunden. Am Wochenende erzählte er der Polizei, er könne sich an die letzten sieben Jahre seines Lebens nicht erinnern, seit einem Urlaub in Norwegen im Jahr 2000 sei sein Gedächtnis wie leer.

Hinweise wiesen schon früh nach Panama

Doch es scheint, als ob die Polizei schon am Wochenende eine andere Vorstellung von dem hatte, was Darwin in den vergangenen fünf Jahren gemacht hat. Angeblich ermitteln die Behörden schon seit drei Monaten. Es hat Bewegungen auf Darwins Konto schon in den Jahren 2004 und 2005 gegeben und sogar eine Kreditkarte wurde in seinem Namen beantragt. Die Hinweise, so schreiben heute englische Tageszeitungen, wiesen schon früh nach Panama. Dorthin ist Darwins Ehefrau Anne vor wenigen Wochen gezogen ohne eine Adresse in ihrem Heimatort Seaton Carew zu hinterlassen. Sie hat die zwei Häuser des Paares in Großbritannien verkauft. Von englischen Journalisten in Panama aufgestöbert, hat sie außerdem zugegeben, die Lebensversicherung ihres Mannes ausgezahlt bekommen zu haben. Fast eine halbe Million Pfund soll sie insgesamt nach Panama mitgenommen haben, etwa 750.000 Euro.

Die Geschichte der Darwins hat englische Zeitungen zu einem Art Recherche-Wettbewerb herausgefordert, wer am schnellsten welche Ungereimtheiten entdecken kann. Gewinner ist wohl der "Daily Mirror": Er hat auf der Titelseite der heutigen Ausgabe ein Bild aus dem Internet, das Anne Darwin mit zwei Männern zeigt. Das Foto ist in Panama aufgenommen worden, nach Datumsangabe am 14. Juli 2006. Zu ihrer Rechten steht Mario Vilar, Chef der Agentur "Move to Panama", der Ausländern hilft, in sein Land einzuwandern. Auf ihrer Linken steht ein Mann im dunkelroten Hemd und Halbglatze, es könnte durchaus ihr Ehemann John sein, auch wenn es dafür bisher keine Beweise gibt. Sollten dies tatsächlich die Darwins sein, wäre dieses Foto der Beweis, dass John und Anne schon vor einem Jahr glücklich vereint in Panama ein neues zu Hause suchten.

Bekannt für windige Geschäftsideen

Als sicher gilt, dass John Darwin hohe Schulden hatte, als er mit seinem Kanu verschwand. Die Käufer eines seiner Häuser berichten von Schuldeneintreibern, die regelmäßig an ihre Tür klopften und nach Darwin suchten. Darwin war bekannt für seltsame Geschäfts-Ideen. Verwandte erinnern sich, dass er auf einer Familienfeier damit prahlte, spätestens mit 50 Jahren Millionär sein zu wollen. In einem Haus ließ er dutzend Telefonleitungen legen, angeblich, um an der Börse zu spekulieren.

Seine Söhne haben in den vergangenen Tagen von dem Schock erzählt, plötzlich ihren Vater wiederzusehen. Darwins eigener Vater ist 90 Jahre alt und hat nach eigenen Angaben seit vielen Jahren nichts mehr von seinem Sohn gehört. Nach Aussage seiner Tante Margaret Burns hat John Darwin seinen Vater schon vor seinem Verschwinden nicht regelmäßig besucht. Die 80-jährige Dame wird in mehreren Zeitungen mit der Vermutung zitiert, dass Darwins Verschwinden inszeniert gewesen sei: "Der Großteil der Familie glaubt, dass das Trauma das Fast-Ertrinkens genug war, um den Gedächtnisverlust zu provozieren. Ich bin mir da nicht so sicher. Ehrlich gesagt, ich bin eine Zynikerin geworden. Ich glaube, er hat sich noch nicht einmal die Füße nass gemacht."

Statt Eheglück lieber erst auf die Möbel warten

In Panama City hat Anne Darwin inzwischen mehreren englischen Journalisten in Interviews gesagt, dass sie sich zwar über die Wiederkehr ihres Mannes sehr freue, aber nicht sofort plane, wieder nach England zurückzukehren. Zuerst müsse sie sich hier um ihr Visum kümmern und dann die Ankunft ihrer Möbel abwarten. Auf die Zahlung der Lebensversicherung angesprochen, sagte sie: "Das Geld muss vielleicht zurückgezahlt werden. Das wird nicht leicht sein. Aber ich habe es im guten Glauben beantragt, dass ich meinen Ehemann verloren habe. Es war niemals das Geld, das ich wollte, sondern meinen Ehemann."

Von Cornelia Fuchs, London
 
 
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