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1. Dezember 2009, 11:25 Uhr

Polizei rammt Michalski vom Fahrrad

Seine spektakuläre Flucht endete abrupt: Bei der Festnahme Peter Paul Michalskis hat die Polizei den bewaffneten Schwerverbrecher kurzerhand vom Rad geholt.

Peter Paul Michalski, Heckenhoff, Ausbrecher

Jezt sind beide gefasst: Nach Michael Heckhoff ging auch Peter Paul Michalski (r.) der Polizei ins Netz

Die Polizei hat am Dienstag in Schermbeck am Niederrhein den gesuchten Mörder Peter Paul Michalski festgenommen. Der bewaffnete Michalski war dort nach Angaben der Kölner Polizei mit einem Fahrrad unterwegs. Der Zugriff erfolgte an der Bundesstraße 58 im Osten der 15.000-Einwohner-Gemeinde. Bei der Festnahme um 9.50 Uhr seien weder Michalski noch Polizeibeamte verletzt worden, obwohl die Einsatzkräfte den Rad fahrenden Michalski bei der Aktion rammten.

Zusammen mit seinem Mithäftling Michael Heckhoff war der 46-jährige Michalski am Donnerstagabend aus der Justizvollzugsanstalt Aachen geflüchtet. Offenbar bestachen beide einen Wärter. Der schon am Sonntag gefasste Heckhoff schilderte der "Bild"-Zeitung den Ausbruch wie folgt: "Die Waffe haben wir im Knast von einem Mitarbeiter gekauft." Anschließend habe er "von einem Wärter den Schlüssel bekommen und auf den Kopierer gelegt." Nach dem Muster habe sein Komplize schließlich in der Schlosserei einen Schlüssel gemacht. "Den haben wir dann in einem günstigen Augenblick genutzt."

Es begann eine Flucht mit gekidnappten Wagen und kurzzeitig auch mit Geiseln, denen nichts passierte, quer durch Nordrhein-Westfalen: Zunächt ging es von Aachen nach Kerpen, anschließend weiter nach Köln. Von da aus führte die Odyssee über Essen nach Mülheim an der Ruhr. Dort schnappte die Polizei den 50-jährigen Heckhoff.

Unter einer Brücke versteckt

Auf ihrer Flucht waren die beiden Verbrecher der Polizei offenbar mehrfach nur um Haaresbreite entgangen. Heckhoff sagte laut "Bild"-Zeitung, bereits in den ersten Stunden nach ihrem Ausbruch seien die Fahnder ihnen hart auf den Fersen gewesen. "Wir haben uns in einer Pommesbude Pommes und Sprudel gekauft. Während wir gegessen haben, kreiste ein Polizei-Hubschrauber über uns. Da haben wir uns unter einer Brücke versteckt", erzählte der Verbrecher laut dem Bericht.

Auch in der Nacht zum Samstag seien er und sein Komplize am Baldeneysee in Essen fast in eine Polizeistreife gelaufen. "Auf einmal waren da Polizisten. Peter wollte erst wegrennen, aber dann haben wir zwei Schubkarren gesehen und uns darunter versteckt", zitierte das Blatt den Gewaltverbrecher. Später seien SEK-Beamte direkt an dem improvisierten Versteck vorbeigekommen. "Einer meinte: 'Da hör' ich was!' Aber zum Glück hat der uns nicht gesehen", schilderte der Verbrecher dem Bericht zufolge die Situation.

Als Heckhoff am Sonntag festgenommen wurde, soll Michalski ebenfalls in unmittelbarer Nähe gewesen sei. Sie hätten eine bewaffneten Polizisten gesehen und versucht abzuhauen. "Der Paul ist los. Aber ich bin da ausgerutscht und irgendwie hängen geblieben. Ich hab Paul gesagt, dass er abhauen soll. Das hat er auch gemacht", schilderte der Verbrecher laut der Zeitung die Situation. Er selbst sei dann von dem Beamten festgenommen worden.

Aus der Sicherungsverwahrung entkommen

Zuletzt hatten die Fahnder seinen Komplizen, den verurteilten Mörder Michalski, in dessen alter Heimat in Ostwestfalen vermutet. Noch am Montagabend hatte die Polizei nach einem Zeugenhinweis ein Gelände in Gütersloh-Niehorst nach dem Flüchtigen durchsucht - allerdings ohne Erfolg. Da der 46-Jährige aus dem ostwestfälischen Herford stammt, nahmen die Ermittler an, dass er dort noch über "soziale Kontakte" verfügte. Wie es nun zu der Festnahme in dem über 140 Kilometer entfernten Schermbeck kam, will die Polizei erst auf einer Pressekonferenz am Nachmittag sagen.

Beide Schwerverbrecher sind zu lebenslangen Haftstrafen und Sicherungsverwahrung verurteilt. Michalski erschoss 1993 im Hafturlaub einen Mittäter. Heckhoff war 1992 an einer Geiselnahme in der JVA Werl beteiligt. Wo der 50-Jährige nach seiner Festnahme untergebracht wurde, wollte die Polizei nicht sagen.

DPA/AFP/AP/ben
 
 
KOMMENTARE (10 von 20)
 
appaz (01.12.2009, 20:46 Uhr)
@ Schulse
Gerne, wenn's sich anbietet, immer wieder! :-)

Aber ernsthaft(er): Solch ein Unsinn sollte hier nicht veröffentlicht werden dürfen, selbst wenn dabei auf die "BILD" verwiesen wird, die wiederum nur einen offenbar zu Scherzen aufgelegten Ex-Ausbrecher zitiert.
Solch ein Quatsch führt nur zu Verunsicherung, wenn er nicht direkt korrigierend kommentiert wird.

PS
Stony2005 soll nach Angaben der "BILD" heute einen Mini-Tresor für sein Schlüsseletui angeschafft haben ...
appaz (01.12.2009, 19:38 Uhr)
@ Stony2005
Stimme Ihnen bzgl. Ahnung und der sich daraus ergebenden Verhaltensmaßregel vollauf zu:
Ich dachte weniger an Schließzylinder für EUR 9,99 aus dem Baumarkt, sondern war der (ggf. ja irrigen) Meinung, dass im Hochsicherheitstrakt einer JVA Bauteile zur Anwendung kommen wie sie z.B. auch der Eigner eines Einfamilienhauses einbauen lässt.
Und bei solchen Schließsystemen, werter Ahnungsinhaber, hilft selbst das "fotografischste" Gedächtnis absolut nichts, weil die wesentlichen Komponenten des "Bartes" beweglich sind und man u.a. deshalb auch das Innere des Schließzylinders kennen müsste, um auch nur in die Nähe der Möglichkeit einer Duplikatsfertigung kommen zu können.
Ihre Story von den Aufsehern, die ihre Schlüssel vor den bösen Gefangenen verstecken müssen, passt vielleicht so gerade noch in die Fünfziger Jahre des vergangenen Jahrtausends.
die.elly (01.12.2009, 17:04 Uhr)
Alles der Reihe nach...
...Hallo zusammen !

Habe eine tolle Auflistung gefunden, wo alles was passiert ist hintereinander steht. Wer es auch mal sehen mag, unten der Link.

http://haas.homelinux.net/index.php?option=com_content&view=article&id=854%3Achronologie-die-flucht-der-aachener-ausbrecher&catid=36%3Ashortmessage&Itemid=58&showall=1

*Hinweis*

Der Link auf der Seite zu Googel-Maps ist voll interessant, bis denne,

Elly
arniston (01.12.2009, 16:14 Uhr)
radler
der kann aber von seiner radtour lange erzählen .
Nadeera (01.12.2009, 15:58 Uhr)
@Springbok
Sie sprechen mir aus der Seele!
SpringbokCT (01.12.2009, 15:43 Uhr)
Das verdächtige Schweigen der Kanzlerin
Vom Fahrrad gestoßen, ob die Polizei da nicht was verschwiegen hat? Was wusste der Innenminister?

Es ist nur eine Frage der Zeit bis der nächste Artikel von H-P Schütz erscheint.
dreicon (01.12.2009, 15:36 Uhr)
@administrator
Nun seit doch nicht päpstlicher als der Papst. Die Kommentare von @jurisxx und @undauchnochder waren doch nun wirklich weder beleidigend, noch gemein odgl. Etwas Humor solltet sogar Ihr haben.
Administrator (01.12.2009, 15:31 Uhr)
Liebe User,
wir haben an dieser Stelle einige Kommentare gelöscht. Bitte bitte bleiben sie sachlich.
Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins
dreicon (01.12.2009, 15:27 Uhr)
So dumm ist das gar nicht,
in Baden-Baden wurde einem Zivilisten der Prozess gemacht, weil dieser es mit einem um sich schießenden Täter genauso gemacht hatte.
AxelR. (01.12.2009, 14:34 Uhr)
@Nadeera
Eben, man kann überall nur lesen, dass er 1993 einen Mittäter erschoss. Über die Hintergründe der Tat erfährt man ebenso wenig, wie über die Gründe der Sicherungsverwahrung. Viele Mörder laufen nach 16 Jahren schon lange wieder frei rum.
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