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16. Juli 2009, 16:20 Uhr

Justiz nimmt sich Nazi-Zwerge vor

Er wollte sein Werk als Persiflage verstanden wissen, doch die Justiz kennt keinen Spaß: Der Nürnberger Kunstprofessor Ottmar Hörl muss sich wegen seiner "Nazi-Gartenzwerge" verantworten. Die Wichtel kamen in Belgien und Italien beim Publikum gut an, in Deutschland jedoch sind Zwerge, die den rechten Arm heben, nicht jedermanns Sache.

Nazi-Gartenzwerge, Nürnberg, Ottmar Hörl

Hätte der putzige Kerl doch nur seinen Arm unten gelassen. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft© Daniel Karmann/DPA

Gartenzwerge, die den rechten Arm zum Hitlergruß ausstrecken und in Nürnberg zu sehen sind, haben die Justiz auf den Plan gerufen. Die Nürnberger Staatsanwaltschaft ermittelt wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, wie ein Sprecher am Donnerstag sagte. Schöpfer der in Italien und Belgien ohne Beanstandungen gezeigten Figuren ist der Nürnberger Kunstprofessor Ottmar Hörl, der seine Wichtel als Persiflage auf das Herrenmenschentum der Nazis verstanden wissen will.

Laut Justiz ist die Verwendung strittiger Symbole nur dann straffrei, wenn damit verfassungswidrige Organisationen kritisiert werden. "Wir prüfen jetzt, ob dies bei Gartenzwergen genauso eindeutig der Fall ist wie etwa bei Plakaten mit durchgestrichenen Hakenkreuzen", sagte Justizsprecher Wolfgang Träg. Die Staatsanwaltschaft wolle zunächst dem Künstler Gelegenheit zu einer Stellungnahme geben. Möglicherweise müsse sich auch ein Nürnberger Galerist wegen der Präsentation des Nazi-Gartenzwergs verantworten. In einem anynomen Schreiben hatte sich ein Unbekannter über die Präsentation der puppengroßen Skulptur in der Galerie beschwert und damit das Vorgehen der Justiz ausgelöst.

400 Gartenzwerge sind nach Hörls Angaben noch bis zum Wochenende in einer Ausstellung des Aschaffenburger Kunstvereins zu sehen. Ursprünglich hatte Hörl den Gartenzwerg mit "Führergruß" für eine Ausstellung der Kunstmesse im belgischen Gent geschaffen. Im Foyer der Messe waren im Frühjahr 700 Exemplare des Nazi-Zwerge zu sehen. Kurz darauf waren die Gartenzwerge in Bozen/Südtirol ausgestellt.

Zwar habe es an allen drei Ausstellungsorten die üblichen Diskussionen über Kunst im öffentlichen Raum gegeben. Niemand sei aber auf die Idee gekommen, sein Werk in die Nähe von Nazis zu rücken, sagte Hörl der Deutschen Presse-Agentur (DPA). Insgesamt hätten seine Ausstellung in Gent 40 000 Menschen gesehen. Die jüdische Gemeinde dort sei von seinem Werk, das den Titel "Dance with the Devil" (Tanz mit dem Teufel) trägt, beeindruckt gewesen. Jede Figur trage zudem auf der Unterseite die Inschrift "Poisoned" (vergiftet).

Künstler "völlig erstaunt"

"Ich bin völlig erstaunt, dass ein einzelner Gartenzwerg in einer mir völlig unbekannten Galerie in Nürnberg wegen der anonymen Beschwerde eines Denunzianten eine solche öffentliche Diskussion auslöst", sagte er. Inhaltlich habe er kein Verständnis für die Kritik. In Belgien habe jeder verstanden, was es politisch bedeutet, "wenn man die Herrenrasse als Gartenzwerg darstellt. Im Jahre 1942 wäre ich für das Werk von den Nazis massakriert worden". Auch andere Städte seien an der Gartenzwerg-Ausstellung interessiert.

Der 59 Jahre alte, aus Hessen stammende Künstler ist seit 2005 Präsident der Nürnberger Akademie der Bildenden Künste. Bekannt wurde er vor allem durch seine Großinstallationen. So drapierte er beim "Großen Hasenstück" in Nürnberg im Jahr 2003 mehrere tausend Dürer-Hasen effektvoll auf einem öffentlichen Platz.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
Margrit1 (18.07.2009, 17:10 Uhr)
zum Totlachen
es wäre doch zum Totlachen, wenn jetzt in jedem Vorgarten so eine Zwerg stehen würde.
Oder vielleicht eine Barbie-Puppe?
Diese Politker mit ihrem Fanatismus sollte man eigentlich auf diese Art so verarschen, sie haben es nicht anders verdient
Margrit1 (18.07.2009, 17:07 Uhr)
konstruiert
es war ja auch lange kein sogenannter rechter Vorfall. Lebkuchen-Mannichl ist lange her und bis heute nicht klar, was es wirklich war.
Dann lasen wir letzte Tage von dem linken Gewaltaufruf gegen Soldaten. Und das kann ja nun mal gar nicht sein, dass man sich über die linken Antifasprimitiven aufregt, sie sind schließlich die Lieblinge der Politik und werden seit Jarhen gehätschelt
Also muß schnell was neues Rechtres her, um dem Volk mal wieder die Nazikeule um die Ohren zu hauen und sie auf dem politisch-korrekten Weg zu halten.
So passiert es nun seit 20 Jahren, seit der Wende, da offenbar die Wendehälse und Blockflöten meinen, wir müßten nun noch einmal die Geschichte aufarbeiten so wie sie es für richtig befinden.
Deutschalnd macht sich immer lächerlicher.
GordonBleu (17.07.2009, 09:07 Uhr)
ent .... kunst?
nun entscheidet der staatsanwalt wieder, welche kunst politisch korrekt ist. insofern hat doch der zwerg den arm in vorauseilendem gehorsam schon gehoben. vielleicht ist es, wenn man wirklich GEGEN rechts vorgehen will, doch sinnvoller, die nazi-schläger einzusperren, statt kunst verbieten zu wollen ....
traldors (16.07.2009, 18:38 Uhr)
Naja (...)
der Justiz jetzt schon in den Allerwertesten zu treten finde ich komplett überzogen. Warten wir es doch ab ob die StA sich "entblödet" und falls, was der "Vorsitzende" dazu zu sagen hat. Ich für meinen Urteil urteile dann, wenn die Geschichte auch zu Ende gebracht wurde. Capiche?
chelestex (16.07.2009, 18:34 Uhr)
Im Kampf gegen Rechts...
...wird keine Rücksicht auf Verluste genommen und so macht man sich wieder mal lächerlich.
Aber gleichzeitig will die Bundesregierung keine speziellen Programme zur Bekämpfung des Linksextremismus initiieren. Die Ausschreitungen am/im Flughafen Tempelhof, am 1.Mai in Berlin, im Hamburger Schanzenviertelfest usw.
reichen offenbar nicht für eine Erkennung des Gefahrenpotentials, da wird nur zu gern von Politik, der Justiz und den Medien mit zweierlei Maß gemessen.
johnniedeamonic (16.07.2009, 18:22 Uhr)
jämmerlich....
tja, kein land ist sogut in Vergangenheitsbewältigung wie Deutschland, wir haben unsere Vergangenheit anscheinend sogut bewältigt das man sie nichteinmal mehr zeigen darf....
lächerlich, kleinkarriert,extrem gefährlich,
aber auch nicht anders zu erwarten aus deutschland...
Pixelschubser (16.07.2009, 18:03 Uhr)
Hurra, Deutschland
Ich habe den Verdacht, dass jeder ungebildete Hilfswilly diese goldige Persiflage auf jegliche Form dumpfer Deutschtümelei eher versteht als unsere Justizflappmänner. Der Gartenzwerg als DAS Symbol von Deutscher Kleingeistigkeit hebt den bösen rechten Arm... Ich hab das Bild gesehen und habe geschmunzelt. Wenn meine Nachbarn sich so ein Kerlchen in den Garten stellen würden, würde ich jedem einzelnen zu so viel Chuzpe gratulieren.
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Wenn die Her- und Ausstellung dieser Zwerge verboten werden sollte, sollte man im gleichen Atemzug auch Satiren wie die Hitler-Parodie bei "Switch" sowie den Film "Der große Diktator" verbieten.
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Dass Frau Knoblauch (zumindest bisher) darüber schweigt, spricht für ihren klaren Blick und ihr Urteilsvermögen - hoffentlich enttäuscht sie mich jetzt nicht!
Helmers (16.07.2009, 17:57 Uhr)
Was will uns der Künstler sagen?
Was will der Künstler damit zum Ausdruck bringen?
Wer einen Hitlergruß zeigt, ist ein geistiger Zwerg, der sich wichtig macht. er will damit die Öffentlichkeit provozieren und das ist in der Kunst genaus so wenig strafbar, siehe § 86 a StGB. Wer sich hierüber wieder künstlich aufregt und wichtig macht ist ebenfalls nur ein geistiger Zwerg. Wer hiermit gleich wieder versucht das Nazierbe zusammen mit der Stadt Nürnberg zu diffamieren ist nichtmal ein Zwerg, er ist ein Floh, weil er nicht kapiert hat, was der Künstler zum Ausdruck bringen will.
sportartmakler (16.07.2009, 17:49 Uhr)
was sagt denn die knoblauch dazu
bißchen entrüstung wäre schon angebracht. geschichte verarbeiten heißt also auch 60jahre später immer erst mal ganz aufgeregt ermitteln und wahrscheinlich mind. ein ausstellungsverbot als folge?
nerventanz (16.07.2009, 17:35 Uhr)
Ist schon witzig
dass Deutsche überall zwanghaft Hitler hineininterpretieren.
Das erinnert mich an den Bombenalarm in Boston, als Leute vor Leuchtreklamen Angst hatten. Sie waren neu montiert worden und viele Leute haben dermaßen Angst gekriegt, dass sie abmontiert werden mussten.
http://en.wikipedia.org/wiki/2007_Boston_bomb_scare
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