25. November 2008, 13:57 Uhr

Das bringt ein Sabbatical

Einfach mal viel Zeit haben für sich: Das wünschen sich viele Arbeitnehmer, aber nur wenige gönnen sich ein Sabbatical. Wie sinnvoll ist eine Auszeit? Was bringt sie dem Arbeitgeber? Im stern.de-Interview gibt Arbeitszeitberater Andreas Hoff Tipps für das entscheidende Gespräch mit dem Chef - warnt aber auch vor den Risiken des überlangen Urlaubs.

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Eine lange Auszeit: Viele Arbeitnehmer wünschen sich das, nur wenige verwirklichen sich diesen Traum©

Herr Hoff, warum sollte man ein Sabbatical nehmen?

Eine solche längere Auszeit bietet vor allem die Möglichkeit, einen Blick von außen auf sein bisheriges Leben zu werfen. Im normalen Urlaub vergeht meistens ein Großteil der Zeit mit Stressabbau. Und oft kommt dann noch Urlaubsstress hinzu. Die Zeit reicht also bei weitem nicht, um wirklich Abstand zu bekommen.

Ist der Wunsch nach einem sehr langen Urlaub der Hauptgrund für die meisten Leute, ein Sabbatical zu nehmen?

Ja, den meisten Menschen geht es vor allem darum, mal etwas anderes zu machen und Orte kennen zu lernen, die sie sonst nie so intensiv sehen würden. Aber manche Leute nutzen diese Auszeit auch für ganz andere Absichten. Etwa um ein Haus zu bauen, sich intensiver um die Familie zu kümmern oder einen Angehörigen zu pflegen.

Wie viele Arbeitnehmer interessieren sich für ein Sabbatical und wie viele verwirklichen letztlich ihren Wunsch?

Interesse haben zwischen 10 und 20 Prozent der Arbeitnehmer. Eine Auszeit nehmen dann aber nur rund zwei Prozent.

Sind die Firmen zu restriktiv?

Es gibt schon einige Unternehmen, die ihren Angestellten eine Auszeit sehr erfolgreich anbieten, viel Erfahrung damit haben und die Motivationskomponente eines Sabbaticals positiv einschätzen. Aber ich denke, diese Angebote werden von den Arbeitgebern positiver verkauft als sie es wirklich meinen.

Sie glauben also nicht, dass die befristete Auszeit einzelner Mitarbeiter auch für den Arbeitgeber Vorteile hat?

Für die Firmen ist es im wesentlich ein Instrument der Anziehung und Bindung. Ich glaube, Arbeitgeber bieten die Möglichkeit eines Sabbaticals meist nur an, um attraktiver für potentielle Mitarbeiter zu sein oder um Angestellte noch intensiver an das Unternehmen zu binden. Aber gerade hoch qualifizierte Mitarbeiter sind bei der heutigen oft dünnen Personaldecke in vielen Firmen kaum adäquat zu ersetzen.

Einen wirklichen Nutzen sehen Sie nicht?

Man hört schon oft, dass die Arbeitnehmer danach frisch und motiviert zurückkehren. Und es kann sein, dass in besonders stressigen Berufen ein Burn-Out-Syndrom von Mitarbeitern zumindest hinausgeschoben wird. Aber ich bezweifele einen langfristigen Effekt.

Was sollte der Arbeitnehmer beachten, wenn er sich für ein Sabbatical interessiert?

Zunächst sollte man sich, bevor man den Chef fragt, erkundigen, ob in der Firma schon jemand anderes eine solche Auszeit genommen hat. Denn es ist einfacher, einen solchen Wunsch durchzusetzen, wenn man nicht der Erste ist. Und dann sollte man sich erkundigen, ob generell Teilzeitvereinbarungen oder Langzeitkonten angeboten werden.

Wie kann man den Chef am besten von seinem Vorhaben überzeugen?

Ganz wichtig: Der Arbeitgeber sollte so rechtzeitig wie möglich eingeweiht werden, so dass die Fehlzeit in die Jahresarbeitsplanung aufgenommen werden kann. Außer natürlich, es geht um einen akute Situation, etwa einen Pflegefall in der Familie. Hierbei hat man aber auch rechtliche Ansprüche. Dann sollte der Mitarbeiter dem Chef eine Idee präsentieren, wie die Arbeit in der Zeit erledigt werden kann. Der Chef muss überzeugt werden, dass er keine Nachteile durch die Abwesenheit hat.

Wie lange sollte eine Auszeit dauern?

Sie sollte schon deutlich länger sein als ein normaler Urlaub, aber auch nur so lange, dass man seinen Arbeitsplatz danach noch wieder erkennt. Ich meine, zwei bis drei Monate sind optimal.

Aber unter einem Sabbatical stellen sich die meisten doch eine Auszeit von einem Jahr vor?

Viele Leute legen großen Wert darauf, nach dem Sabbatical auf ihren alten Arbeitsplatz zurückzukehren. Aber viele Firmen garantieren dies nach einer sehr langen Auszeit nicht mehr.

Welcher Zeitpunkt im Berufsleben ist am besten für ein Sabbatical?

Das hängt natürlich stark von der Lebens- und Berufssituation des Einzelnen ab. Manche Leute nützen ihr Sabbatical für einen langen Urlaub mit der ganzen Familie. Aber meistens sind es Alleinstehende, die eine Auszeit nehmen, da es doch sehr schwierig ist, bei zwei Arbeitsstellen ein gleichzeitiges Sabbatical durchzusetzen. Generell ist es auch für Berufseinsteiger oder -anfänger nicht ratsam, gleich mit dem Wunsch nach einem Sabbatical zum Chef zu gehen. Das könnte falsch ausgelegt werden. Zudem bieten Firmen eine solche Auszeit meist erst nach einer Betriebszugehörigkeit von einigen Jahren an.

Ist es sinnvoll, sich vor dem Sabbatical einen genauen Plan zurechtzulegen?

Grundsätzlich kann man sich natürlich auch treiben lassen und es auf sich zukommen zu lassen, Aber die meisten Leute wollen während ihres Sabbaticals etwas ganz besonderes erleben und die Zeit sehr intensiv für sich nutzen. Und dafür muss man natürlich planen.

Ist das Sabbatical ein Trend in Deutschland?

Natürlich wird viel über das Thema Arbeitszeitkonten oder Lebensarbeitszeit diskutiert. Aber in der derzeitigen schlechten wirtschaftlichen Lage ist eine Auszeit vom Job nicht das Richtige für einen Arbeitnehmer. Zwar kann der Arbeitgeber etwas Lohn sparen. Doch man läuft Gefahr, seinem Chef zu zeigen, dass man verzichtbar ist.

Andreas Hoff

Andreas Hoff Andreas Hoff ist seit seiner Promotion 1983 an der Freien Universität Berlin zum Thema "Betriebliche Arbeitszeitpolitik" als selbständiger Arbeitszeitberater tätig. Er ist Mitgründer eines Arbeitszeitberatungsbüros in Berlin.

 
 
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KOMMENTARE (8 von 8)
 
Kiezzabel (29.12.2008, 14:38 Uhr)
Botox-
ia ...
.. scheinst dich da ja prächtig auszukennen ;D
botoxia (27.12.2008, 16:48 Uhr)
Rausreden
In vielen Bewerbungen werden Lücken im Lebenslauf, über die man eigentlich nicht reden kann, ohne gleich abgelehnt zu werden, dann gerne Sabbatical genannt. Z.B. Nervenzuzsammenbruch mit anschliessender Therapie, Knast, Sucht etc. Oftmals wird persönliches oder berufliches Scheitern so nur schöngefärbt.
STR_EDDS (27.12.2008, 15:48 Uhr)
Neumodischer Mist
Früher nannte man das Kururlaub und es gabs auf Rezept. Heute bappt irgendein Lebensberater einen neuen Namen drauf (Bäh! Wie ich diesen Denglisch-Unfug hasse!) und plötzlich wirds hip und man spricht darüber...
.
In meinem Bekanntenkreis haben zwei Leute dieses Sabbadingsbums durchgezogen. Einer ist Schriftsteller und der Andere freier Architekt. Beide ohne Kinder und Frau (oder Mann). D.h. das finanzielle Polster erlaubte es einfach, sich mal kurz aus der Umlaufbahn zu schiessen. Der normale Angestellte kann davon nur träumen.
-Lea- (27.12.2008, 11:23 Uhr)
Und Freiberufler?
Das ist doch barer Unsinn, wer nicht in der Lage ist, durchzuarbeiten und Leistung zu bringen, nimmt sich ein "Sabbatical". Alleine schon der Name ist Schwachsinn. Nein ich bin nicht neidisch, ich halte es nur für vollkommen Schwachsinnig. Ich kann mir das in der Steuerberatenden Branche garnicht leisten, dann sind die Mandanten am Ende weg.
Übrigens schon wieder ein "Akademiker", den niemand benötigt und sich deswegen um unnütze Dinge kümmert. Da kann man doch sehen, wer in Deutschland arbeiten will, der findet auch Arbeit. Sie liegt auf der Straße. Werden Sie doch bitte Arbeitszeitberater. Wenns damit nicht klappt, werden sie eben Avon-Berater.
Clemens1964 (27.12.2008, 10:56 Uhr)
komisches thema...?
wo doch angestellte spätestens ab 30 irgendwie doch als sondermüll betrachtet werden...?!
Countryjoe (27.12.2008, 10:53 Uhr)
Insel der Glückseligen?
Alleine die Inbetrachtnahme dieser denglischen Erfindung mag das Privileg von nur ganz wenigen "Arbeitnehmern" sein, die zu denen gehören die sowieso die Schäfchen im Trockenen und den Papst in der Tasche haben. Anbetracht der drohenden Superrezession kann dieser Bericht von der Insel der Glückseligen nur als blanker Hohn auf diejenigen wirken denen das "Sabbatical" beim Arbeitsamt blüht.
JanvanHelsing (27.12.2008, 07:58 Uhr)
Neid ist grenzenlos
Ich habe es gewagt mir ein Sabbatical zu gönnen...
Ich hatte Zeit für mich, habe diese u.a. genutzt mich intensivst fortzubilden, mit dem Resultat das mir bei Bewerbungsgesprächen, von zu meist jüngeren "Entscheidern", nur Neid und Missgunst entgegen schlagen.
Fragen wie was ich mir dabei gedacht hätte, wie ich sowas in D wagen könnte, wohl bequem im "Alter" (50)geworden sei, sind da noch relativ harmlose Argumente.
Bei Gehaltsgesprächen wird man dezent darauf hingewiesen das Erfahrung kein Argument sei und man ja schließlich längere Zeit nicht gearbeitet habe und man somit beim Gehalt kräftige Abstriche hinnehmen müsste.
Solange in D Personalchefs jung, dynamisch u. unerfahren sind, wird sich auf dem Arbeitsmarkt nichts bis wenig ändern.
Mir persönlich ist aufgefallen das sowohl in Personal Vermittlungsagenturen, als auch i d Firmen die Personaler immer jünger werden und somit nur Ihresgleichen einstellen und die Erfahrung u das dadurch erlangte Wissen für diese Leute keine Argumente sind.
Dort zählt nur billig an Arbeitskräfte zu kommen.
gmathol (27.12.2008, 06:19 Uhr)
In Deutschland hat das fatale Folgen!
Meistens kann man nicht mehr in den Job zurueck, da man es ja gewagt die Kontinuitaet zu brechen.
Wer eine Auszeit will, sollte darueber nachdenken Fremdsprachen zu erlernen um im europaeischen Ausland oder Uebersee arbeiten zu koennen. Natuerlich sollte man schon eine gute Ausbildung oder Erfahrungen besitzen.
Gut ausgebildeten Menschen kann man nur emfpehlen Deutschland schleunigst zu verlassen, das Diktat der Personalbueros und der unsaegliche Hass auf aeltere Menschen die noch Beschaeftigung haben wollen gibt es nur in Deutschland.
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