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21. April 2009, 16:56 Uhr

Was trieb die Familie ins tiefe Wasser?

Nach dem tödlichen Badeunglück im ostfriesischen Leer am Sonntag bleibt die Frage: Wieso ging die Mutter mit ihren drei Kindern ins tiefe Wasser? Nach Angaben des Vaters konnte keiner von ihnen schwimmen. Jetzt untersucht die Polizei eine mögliche Schuld der Bademeisterin.

Leer, Badeunglück, Badeunfall, Hallenbad, Ostfriesland

Rettungsfahrzeuge stehen vor der Schwimmhalle in Leer, in der eine Mutter und drei Kinder leblos auf dem Beckengrund entdeckt wurden© Bodo Wolters/DPA

Nach dem tödlichen Badeunfall in einem Hallenbad im ostfriesischen Leer prüft die Staatsanwaltschaft ein mögliches Verschulden der Bademeisterin. Dabei soll geklärt werden, ob sie "durch bessere Beaufsichtigung, durch früheres Einschreiten" den Tod des achtjährigen Mädchens hätte verhindern können.

Die vietnamesische Frau, ihr siebenjähriger Sohn und zwei Töchter im Alter von fünf und acht Jahren waren am Sonntagnachmittag im Hallenbad von Leer leblos am Boden des Beckens entdeckt worden. Sie konnten von Badegästen und Bademeistern geborgen und erfolgreich reanimiert werden. Das ältere der beiden Mädchen starb dann in einer Spezialklinik in Oldenburg.

Vater: Keiner von ihnen konnte schwimmen

Der siebenjährige Junge und das fünfjährige Mädchen schweben weiter in Lebensgefahr. Die Mutter ist am Dienstag aus dem Koma erwacht. Körperlich gehe es ihr zwar besser, "aber sie weiß jetzt auch, dass ihre Tochter tot ist", sagt der Leitende Oberstaatsanwalt Werner Kramer in Aurich. An die näheren Umstände des mysteriösen Unfalls kann sich die Verletzte nicht erinnern. "Die Ärzte haben Hoffnung, dass sich ihr Zustand weiter bessert", sagt Kramer. Doch so lange bleiben die Details im Dunkeln.

Nach Angaben des Vaters, der seine Frau und die Kinder von ihrem Besuch im Hallenbad hatte abholen wollen, konnten die vier nicht schwimmen. Zeugen hatten die Leeraner Familie vor dem Unglück im Nichtschwimmerbecken gesehen. Warum sich Mutter und Kinder dann ins Schwimmerbecken begaben, ist immer noch unklar. Hinweise auf Selbstmordabsichten gebe es nicht, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Es hätten sich allerdings neue Zeugen gemeldet, die möglicherweise die Umstände des Badeunfalls klären könnten.

Nach den bisherigen Ermittlungen der Polizei kamen die Mutter und ihre drei Kinder am Sonntag gegen 15.15 Uhr und damit eine Dreiviertelstunde vor Badeschluss in das Hallenbad der Stadt und gingen ins Schwimmbecken. Gegen 15.35 Uhr wurden ihre Körper in rund zwei Meter Tiefe am Boden liegend gefunden. "Es gab keinen Hilferuf, kein lautes Planschen - es gab nur eine seltene Stille", sagte der Geschäftsführer des Hallenbads. Er stellte sich öffentlich vor die Bademeisterin und erklärte, sie sei sofort ins Wasser gesprungen und habe die vier Bewusstlosen nacheinander aus dem Wasser gezogen. Zu dem Zeitpunkt waren 20 bis 30 Kinder sowie zehn Erwachsene in dem Becken.

AFP/DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 27)
 
vera-janine (22.04.2009, 18:09 Uhr)
keinesfalls "stiller tod"
ein ertrinkungstod ist mit einem sehr heftigen todeskampf verbunden.
ein "badetod" (oder "trockenes ertrinken") ist schon stiller, dem muss aber ein stimmritzenkrampf oder jegliche andere vorfälle, die dem organismus schaden vorausgesetzt sein.
Ich bin in der Lehre zur "Fachangestellten für Bäderbetriebe" also quasi "bademeister" wie man uns wohl im Volksmund "schimpft". Ich empfinde auch die Vermutung, dass sie in den Schwimmerteil des Kombibeckens "getrieben" sind am relevantesten, aber gut, warten wir ab, ich denke alle sind sehr gespannt.
Hoffentlich kann die Bademeisterin ihre Aufsichtspflicht nachweisen und hat alles menschenmögliche für die vier getan.
toleranz26 (22.04.2009, 13:01 Uhr)
@oberharz
Genau das ist ja das fatale am Ertrinken. Wie soll man denn unter Wasser auf sich aufmerksam machen? Es ist ein stiller Tod, vollkommen unbemerkt von daneben stehenden.
Countryjoe (22.04.2009, 06:23 Uhr)
@SinaSina
Gratulation zu ihrer Zivilcourage!
vegefranz (21.04.2009, 16:22 Uhr)
hier in berlin haben die bademeister vor der agressiven arabischen und türkischen Klientel resigniert
der Badebetrieb ist nur noch mit zusätzlicher security möglich. danke C Roth
oberharz1980 (21.04.2009, 16:16 Uhr)
...
In einer Notsituation ist es der menschliche Überlebensinstinkt andere darauf aufmerksam zu machen, dass man in Lebensgefahr schwebt.
Mir kommt ein Unfall daher etwas merkwürdig vor. Vier Menschen gehen unter und keiner von ihnen macht auf seine Not aufmerksam?
SinaSina (21.04.2009, 16:13 Uhr)
Gibt es nicht oft Situationen, die kritisch sind – und keiner sagt etwas?
Ich kann nur berichten, was ich selbst vor einigen Jahren mit meinen Enkeln erlebt habe:
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Bei uns gibt es ein räumlich abgetrenntes Kinderbecken, welches an der breiten Treppe ganz flach ist, dann allerdings immer tiefer wird, so dass kleine Kinder (ca. 10 Jahre und je nach Größe) dort nicht mehr stehen können.
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Es waren viel klein Kinder (bis ca. 7 Jahre) im Becken, alle mit Schwimmflügen, Reifen oder diesen Brettern zum Schwimmen lernen, etliche Mütter /Großmütter.
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In der Mitte des Kinderbeckens saßen 5 Jugendliche, die sich einen Spaß daraus machten, mit Schwung und Platsch möglichst Nahe an die kleinen Kinder heran zu springen, was die kleinen Kinder mit Erschrecken, Quietschen, Aufschreien quittierten – was den Unterhaltungswert für die Jugendlichen erhöhte.
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Einige Mütter haben etwas gesagt, aber die Jugendlichen lachten nur und machten immer weiter.
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Schließlich bin ich hin geschwommen und habe zu den Jugendlichen gesagt: Hört bitte auf, ihr sehr doch, es macht den kleinen Kindern Angst, wenn ihr fast auf sie draufspringt.
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Als Antwort erntete ich schallendes Gelächter (was ich keinem Jugendlichen übel nehme) und übelste unflätige Beschimpfungen (die ich allerdings auch Jugendlichen übel nehme). Du Drecks Hure war, neben fick Dich, noch die Ausdrücke, die man hier wieder geben kann.
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Bademeister? Fehlanzeige.
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Also habe ich gesagt: Der nächste der springt, bekommt eine Ohrfeige, da ihr nur diese Sprache zu verstehen scheint.
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Ich hatte meinen Satz noch nicht richtig vollendet, als der erste sprang und beim Auftauchen von mir eine Ohrfeige bekam.
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Sein vollkommen verblüffter Blick wurde untermalt vom schallenden Gelächter seiner Freunde und von Sprung des nächsten Jugendlichen. Als auch dieser eine Ohrfeige bekam, wurde er sehr aggressiv, angeheizt durch das schallende Gelächter seiner Freunde vom sicheren Beckenrand aus.
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Reaktion der anderen, erwachsenen Badegäste, die sich ja zuvor ebenfalls an diesem Verhalten der Jugendlichen störten, weil es die Sicherheit der kleinen Kinder gefährdete: Fehlanzeige.
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Also bin ich wieselflink, was die Jugendlichen mir wohl aufgrund meines Alters nicht zutrauten, zum Beckenrand, habe einen Jugendlichen ins Wasser gezogen und gefragt: Möchtest Du auch eine Ohrfeige?
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Der war, ebenso wie die anderen Jugendlichen so überrascht, dass sie sich alle aus dem Raum verzogen, um kurz darauf mit dem Bademeister wieder zu kommen, der mich gleich anbrüllte, was mir den einfiele – und der sein Gebrüll auch nicht stoppte, als ich versuchte, ihm die Situation zu schildern.
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1 Mutter ! hat versucht, etwas zu sagen, die anderen der vielen Anwesenden schwiegen fein still.
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Nachdem ich die Fahne des Bademeisters roch, sagte ich nur: Noch ein Wort und ich hohle die Polizei, die dann klären wird, wo Sie eigentlich die ganze Zeit waren und warum sie so nach Alkohol riechen.
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So schnell konnte ich gar nicht gucken, wie der Bademeister mit den Jugendlichen verschwunden war.
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Und nun auf einmal meldeten sich die vielen anderen Badegäste zu Wort …. super, endlich hat mal jemand was gesagt, bin ich froh, die Jugendlichen tyrannisieren hier schon seit Wochen die kleinen Kinder …
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Ich fand`s zum Kotzen, denn diese Menschen hatten vorher geschwiegen, sich weggedreht! Was, wenn die Situation mit den Jugendlichen gekippt wäre und die Jugendlichen ihren Aggressionen freien Lauf gelassen und mich zum Beispiel zusammen unter Wasser gedrückt hätten?
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Wie lange hätte es dann wohl gedauert, bis jemand „bemerkt“ hätte, dass ich unter Wasser liege?
grafbyte (21.04.2009, 15:57 Uhr)
und wenn es absicht war..
jetzt mal angenommen dass die mutter gezwungen wurde? oder zu der tar getrieben wurde? und was würde passieren wenn alle ertrunken währen?
es würde eine riesen medienwelle durchgehen ..das schwimmbad könnte zumachen... &&&... ich kenne die gründe nicht. aber es gibt viele seiten bei sowas..
Clamaria (21.04.2009, 15:24 Uhr)
@undjetztnochder
Du hast Recht. Geduld ist jetzt eine Tugend.
Mir fällt noch ein: Wenn sich alles in der fremden Sprache abgespielt haben sollte, haben die Leute ringsherum die Notsituation gar nicht mitgekriegt.
undjetztnochder (21.04.2009, 15:13 Uhr)
Fakten fehlen
Leute, beruhigt Euch und lasst die Vorverurteilungen.
Aus dem, was man bisher in den Medien lesen konnte, ergibt sich kein klares Bild des Geschehens, so dass man erst einmal die Ermittlungen der Polizei abwarten sollte. In einigen Tagen wird hoffentlich mehr Klarheit herrschen und so manche Ungereimtheit sich in Luft aufgelöst haben. Verfrühte Spekulationen helfen niemanden weiter, Geduld ist die nun notwendige Tugend.
Vincent_Vega (21.04.2009, 15:10 Uhr)
Vermutung
Eins von den Kindern -vielleicht die Älteste und somit Verstorbene- ist in den Schwimmerbereich gelangt oder getrieben. Beim Versuch, es rauszuziehen, sind Mutter und anschließend die Kinder mit unter gegangen. Die Mutter kann eventuell schlecht deutsch - sie ist wohl Vietnamesin - und die Kinder folgen zuerst der Mutter anstatt Fremden. Dass man Andere um Hilfe rufen kann, begreifen fünf - siebenjährige nicht unbedingt, da die anwesende Mutter die Autoritätsperson ist.
Die anderen Gäste waren so mit sich selbst beschäftigt und auf ihre eigenen Kinder konzentriert, dass sie die Familie zu spät entdeckten.
Wenn ich mit meiner Tochter, die vier Jahre alt ist, ins Schwimmbecken gehe, sind meine Augen auch nur auf mein Kind und niemand anderen gerichtet. Da müsste ich schon über jemanden stolpern.
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