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23. Oktober 2008, 16:41 Uhr

Holt die Elite in die Klassenzimmer

Lehrer haben einen schweren und wichtigen Beruf. Doch in ihrer Auswahl und Ausbildung liegt das Hauptproblem des kränkelnden deutschen Schulwesens. Dabei sollten nur die Besten in Klassenräumen unterrichten dürfen - und dafür nach Leistung und nicht nach Beamtentarifen bezahlt werden. Ein Kommentar von Catrin Boldebuck

Lehrer haben eine wichtige pädagogische Aufgabe zu erfüllen© colourbox

Lehrer haben einen der schönsten und wichtigsten Berufe. Sie formen junge Menschen. Sie stoßen ihnen das Tor zu neuen Welten auf. Sie entscheiden ob Primzahlen schillern oder Angst einjagen, Hannibals Feldzug zum Abenteuer-Trip wird oder eine verstaubte Legende bleibt. Lehrer haben einen anstrengenden Job. Es ist keine leichte Aufgabe, 25 bis 30 Kinder einzeln zu fördern, alle 45 Minuten vor eine neue Klasse hin zu treten. Lehrer machen nicht irgendeinen Job wie in der Schraubenfabrik. Sie haben viel Verantwortung. Denn Lehrer verteilen Chancen: Sie entscheiden, wer Abitur macht, wer es zu etwas bringt und wer nicht. Das kann nicht jeder.

Aber in Deutschland kann jeder Lehrer werden, der ein mittelmäßiges Abitur hat. Für ein Viertel der angehenden Pädagogen ist der Beruf nur eine Verlegenheitslösung. Das zeigt eine Langzeitstudie des Erziehungswissenschaftlers Udo Rauin von der Universität Frankfurt. Viele Junglehrer stellen erst während des Referendariats fest: "Der Job ist nichts für mich."

Zu wenig gute Lehrer

Denn die brutale Wahrheit ist: In Deutschland gibt es zu wenig gute Lehrer. Aber wir diskutieren nicht über das Personal an den Schulen, wir doktern lieber an den Strukturen herum. In Hamburg streiten Lehrer, Eltern und Schüler über die Einführung der Primarschule bis 2010, Schleswig-Holstein schafft die Hauptschule ab. Alle Bundesländer verkürzen die Zeit bis zum Abitur von neun auf acht Jahre. Doch es ist nicht entscheidend, ob Schüler ein Jahr länger oder kürzer zur Schule gehen. Wichtig ist, wie sie unterrichtet werden. Wie gut die Pädagogen sind.

Bundeskanzlerin Angela Merkel war auf Bildungsreise - im eigenen Land. Sie besuchte 13 Kitas, Schulen, Betriebe und Universitäten. Aber kaum ein Wort zum Kernproblem: den Lehrern. In einem Beschluss des Bundesvorstands der CDU aus der vergangen Woche heißt es: "Der Lehrerberuf verdient mehr Respekt und Anerkennung." Eine Exzellenzinitiative "Lehrerbildung" soll helfen, die besten Ausbildungskonzepte an deutschen Hochschulen weiter zu entwickeln. Konkrete Maßnahmen? Fehlanzeige.

Das Problem beginnt bereits bei der Auswahl. Lehrer müssen handverlesen werden. Nur die Besten sollten zum Studium zugelassen werden. Dazu müssen Tests eingeführt werden, bei denen es vor allem auf Pädagogik ankommt und nicht auf Fachwissen.Wie das funktioniert kann man bei den Finnen abkucken. In Finnland sind die Schüler vor allem deshalb so gut, weil ihre Lehrer gut sind. Die Auswahl der Lehrer ist hart und gefürchtet: Nur jeder zehnte Bewerber besteht die drei Tests, bei denen sich alles um Pädagogik dreht.

Gute Lehrer sorgen dafür, dass jedes Kind in seinem Tempo lernt. Damit kein Kind mehr zurück bleibt. Doch zu wenig Lehrer wissen, was bei ihren Schülern ankommt, wie sie jeden einzelnen fördern. Deshalb muss das Studium reformiert werden: weniger Fachwissen, mehr Pädagogik. Die Hälfte der Lehrer ist über 50 Jahre alt. In den nächsten Jahren läuft eine gigantische Pensionierungswelle durch die Lehrerzimmer. Doch die Chance, Lehrer neuen Typs einzustellen, wurde vertan. Der Bildungsforscher Klaus Klemm sagt: "Die Lehrer werden nach altväterlicher Sitte ausgebildet. 35 Jahre lang habe ich Lehrerprüfungen abgenommen - es hat sich nichts verändert."

Beamtentum sollte abgeschafft werden

Leistung muss sich für Lehrer lohnen. Für Pädagogen ist es vollkommen egal, wie viele ihrer Schüler fehlerfrei lesen können, den Dreisatz kapieren oder beim Abitur durchfallen. Ihr Gehalt steht fest. Sie verdienen mehr wenn sie älter werden, heiraten oder Kinder bekommen. Aber nicht, wenn sie besseren Unterricht machen. Am wenigsten erhalten Grund- und Hauptschullehrer, obwohl sie die meisten Stunden in der Klasse stehen und die schwierigsten Schüler haben. Alle Lehrer sollen das gleiche Grundgehalt bekommen und dazu Prämien für Leistung. Auch hier lohnt sich ein Blick über die Grenze: nach Finnland, Dänemark oder den Niederlanden. Dort bekommen Lehrer für die Förderung von Schülern oder die Betreuung der Theater AG zusätzliches Geld.

Und wenn man schon mal dabei ist, den Beruf der Lehrer zu reformieren, dann sollte auch gleich das Beamtentum abgeschafft werden. Es sendet das falsche Signal: Es suggeriert Sicherheit, geregelte Arbeitszeiten, wenig Stress. Aber Lehrer ist kein Halbtagsjob, viele Pauker arbeiten 40 Stunden und mehr, sind auch am Wochenende für die Schüler da. Sie machen einen wichtigen und schweren Job. Dafür sollte die Elite gerade gut genug sein. Zum Wohl der Schüler - und der Lehrer. Denn nur die Pädagogen, die nie wirklich für ihren Beruf entflammt waren, brennen am Ende aus.

Und was haben Sie erlebt? Bildung baut oft keine Brücken - sondern vertieft Gräben. Schreiben Sie uns, was Sie erlebt haben. An folgenden Themen sind wir sehr interessiert: 1) Wie sieht es in Kindergärten aus?

2) Wie klappt der Sortierungsprozess in der vierten Klasse?

3) Was sind die Vor- und Nachteile der Gesamtschule?

4) Wie erleben Sie die Abwertung der Hauptschule?

Bitte schildern Sie uns - möglichst konkret - Ihre Erlebnisse. Schreiben Sie dafür einfach eine Mail an aktion@stern.de. Vielen Dank!

Mehr zum Thema Bildung...

Mehr zum Thema Bildung... ...lesen Sie im neuen stern. Darin: Warum Deutschland bessere Lehrer und einen Kurswechsel an den Schulen braucht.

Ein Kommentar von Catrin Boldebuck
 
 
KOMMENTARE (10 von 58)
 
minihami86 (25.10.2008, 22:39 Uhr)
@EdgarUhl
Das ist das erste mal, dass ich von einem Lehrer eine solche Beschreibung seiner Schule, des Unterrichtes und der entsprechenden Maßnahmen höre. Es ist wirklich klasse, wenn dies bei Ihnen so gut umgesetzt wird. Ich jedoch habe meine Zweifel daran, dass es sehr viele Schulen dieser Art gibt. Es scheint aber zu zeigen, dass der richtige Weg eingeschlagen wird, jedenfalls regional oder zumindest lokal. Die Frage, die dabei in mir aufkam, ist, woher die entsprechenden Gelder kommen und ob dies ggf. auch mit der Region Frankfurt zu tun haben könnte. Oder ist dies vielleicht sogar eine Art "Investitionsprojekt" oder so etwas Ähnliches? Alle Schulen, von denen ich jedenfalls bisher gehört habe, kommen BEI WEITEM nicht an ihre Beschreibung heran - leider!
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Außerdem denke ich trotzdem nach wie vor, dass eine Schule dieser Art keinen Beweis für die Nicht-Existenz eines ggf. vorhandenen Lehrerproblems liefern kann. Zu den ERFAHRUNGSkommentaren einiger stern-Leser wurde hier nämlich irgendwie kaum etwas gesagt, obwohl teilweise ja erlebt wurde, was im Artikel beschrieben wurde. Ich weiß außerdem auch nicht genau, ob der Artikel wirklich "die gesamte Lehrerschaft" Deutschlands so sehr verreißt, wie es hier teilweise behauptet wird. In meinen Augen soll eher eine negative Tendenz aufgezeigt werden, die unter Umständen beobachtet wurde (vielleicht noch nicht mal in ganz Deutschland, sondern nur an ein paar Unis). Grundsätzlich finde ich es aber klasse, dass anscheinend bereits Schulen existieren, die bestimmte Ideen und Anregungen schon länger erfüllen und umsetzen können!
Gerd2 (25.10.2008, 22:22 Uhr)
Abstrus
Glaubt Frau Boldebuck wirklich allen Ernstes, die Creme de la creme eines Akademikerjahrgangs durch nochmalige Verschlechterung der Rahmenbedingungen - Unterricht am besten für Gottes Lohn - zu gewinnen? Kommt mir vor wie das Schavan'sche Rezept zwecks Erhöhung der Studentenzahlen: Einführung von Studiengebühren.
Urban (25.10.2008, 20:36 Uhr)
Gelungene Polemik!
Liebe Frau Boldebuck,
ich habe ihren Artikel in der Printausgabe gelesen. Sollte es ihr Ziel gewesen sein, mit Aufwärmen alter Schauergeschichten, Halb- und Unwahrheiten polemisieren zu wollen, dann kann ich Ihnen nur einen großen Glückwunsch aussprechen: Sie haben ihr Ziel erreicht.
Sollte Sie ihren Artikel aber tatsächlich für seriös halten, wäre ich doch sehr an einem Gedankenaustausch mit Ihnen interessiert.
Für Ihre weitere Zukunft wünsche ich Ihnen viele gute Artikel.
EdgarUhl (25.10.2008, 20:33 Uhr)
Ich kanns nicht mehr hören
...nicht mehr lesen und sehen. Ich bin Lehrer an einer konventionellen Realschule im hessischen Frankfurt, mitten in einem sozialen Brenn, 90% Schüler mit Migrationshintergrund.
Enger Kontakt zum Jugenamt und den Eltern ist bei uns alltäglich. Mein Schulleiter macht persönlich Besuche bei Schülern, die ohne Entschuldigung fehlen oder mit denen es größere Probleme im Unterricht gibt. Das so medienwirksame Entrümpeln der lehrpläne wird an allen mir bekannten Schulen durchgeführt, in hessen sind die Schulen dazu verpflichtet - nur nennt es sich im Amtsdeutsch Erstellen von Schulinternen Kerncurricula. Es wurden Konzepte zur Vertretungsregelung, Förderung und Hausaufgabenbetreuung entwickelt und umgesetzt, gemeinsam mit der hiesigen Universität, um unseren Schülern ein höchstmögliches Maß an Förderung zukommen zu lassen und zukünftigen Kollegen die Möglichkeit zur Unterrichtserfahrung zu geben. Die Fortbildungen der Lehrer werden den Bedürfnissen der Schule angepasst, um eine Beliebigkeit hierbei zu vermeiden. Es findet regelmäßig austausch mit den umliegenden Grundschule statt, um den übergang für die Schüler zu erleichtern. Eine Schulbibliothek wurde aufgebaut und wird ständig erweitert. Konzepte zur Gewaltprävention, Berufsberatung und -vorbereitung werden umgesetzt. Die meisten Kollegen unterrichten auch fachfremd witere Fächer in ihren klassen. somit wird eine zerfaserung verhindert, den Schülern ist der Klassenlehrer als Ansprechpartner häufig vor Augen. Rektor und Konrektorin unterrichten zusätzlich zu ihren Pflichtstunden weitere Gruppen, um den Mangel an Englisch- und Mathematiklehrern auszugleichen - und das bei explodierendem Verwaltungsaufwand. Kollegium und Schulleitung sind städig für Schüler und eltern ansprechbar, damit Unklarheiten, Probleme, Fragen schnell geklärt werden können. Konflikte innerhalb des Kollegiums werden offen angesprochen und / oder gemeinsam mit dem zuständigen Schulpsychologen zu lösen versucht, damit eine schweigende Schule verhindert wird. Darüberhinaus werden ständig Referendare und Praktikanten ausgebildet und betreut. Es gibt auch bei uns noch Sitzenbleiber, Schulwechsler und große Konflikte, doch ihre zahl hat sich in den letzten jahren deutlich verringert. Die Ergebnisse in den Abschlussprüfungen verbessern sich kontinuierlich, die Zahl der Übergäge an weiterführende Schulen steigen. Dies alles funktionier nur durch den großen Einsatz des Kollegium. Das Bild des trägen, faulen und gleichgültigen paukers stimm an den allermeisten Schulen schon lange nicht mehr. Noch ein Wort zum Beamtenstatus: Nur duch den Beamtenstatus ist ein stabiles, homogenes Kollegium an Schulen zu erreichen. Schafft man diesen ab, entstehen Verhältnisse wie in vielen anderen Ländern - schlecht ausgebildete Geisteswissenschaftler gehen halt mal in die Schule, findet man was besseres, dann macht man eben das. Solche Verhältnisse gab es zu Beginn de Vertretungskonzeptes Unterrichtgarantie Plus, als Ingenieure, Handwerker, Pensionäre und Studienanfänger unterrichten sollten und zumeist ein Chaos entstand, das der genesene Klassenlehrer in stundenlanger Arbeit entwirren musste. Ich lade die Redakteure herzlich zu mir in den Unterricht ein, um sich ein Bild von Schule zu machen und nicht mundgerechte Parolen zu liefern bzw. nach zu plappern. Herzlichst Edgar Uhl , Frankfurt am Main
minihami86 (25.10.2008, 14:17 Uhr)
@Sethus
Ja, vollkommen richtig, da stimme ich zu... dafür ein Konzept auszuarbeiten, würde sich als sehr schwierig erweisen... vielleicht sollte man auch einfach erstmal im Kleinen anfangen, zunächst nur wenige, mehr oder weniger allgemeingültige Aspekte betrachten. Wie genau dies aussehen könnte, weiß ich so konkret ehrlich gesagt natürlich auch nicht. Aber ein MÖGLICHES (sicher nicht perfektes) System ist die Bewertung seitens der Schüler. Solcherlei Bewertungsportale gibt es bereits im Internet, zeitweise wurde darüber in den Medien berichtet. Problem dabei: Einige Lehrer werden bloßgestellt, Schüler lassen teilweise einfach nur ihren Frust aus, an dem die Lehrer natürlich meist nicht die Schuld tragen (außer natürlich in den Augen der Schüler selbst). Interessanterweise wurden im Zuge dessen auch Lehrerstimmen eingefangen und - oh Zufall - haben die gut bewerteten Lehrer sowie manche Direktoren das System absolut befürwortet, während schlecht bewertete Lehrer sich absolut angegriffen fühlten. Hier kommt man dann auch zum Punkt der Kritikfähigkeit. Dies ist natürlich kein "Lehrer"-Problem, im Gegenteil findet man dies auch in jeglichen anderen Bereichen. Aber vielleicht sollten gerade auch Lehrer sich Kritiken stellen können und damit auch in gewisser Weise Vorbild- und Bildungsfunktion für die Kinder und Jugendlichen wahrnehmen. Eine Kombination aus einem solchen Bewertungssystem und Prüfungsergebnissen (funktioniert natürlich nur bei Zentralprüfungen) wäre vielleicht effektiv. Beobachter in die Klassen zu schicken wäre nämlich in meinen Augen nicht der richtige Weg, wenngleich man es sich manchmal wünschen würde.
SethusCalvisius (25.10.2008, 12:45 Uhr)
@bauerdick
Auch wenn ich hier eigentlich zu den Verteidigern der Lehrerschaft gehöre, muss ich Ihnen in einem Punkt widersprechen: Lehrer, die gezielt Schüler "zum Affen" machen, gibt es leider sehr wohl. Ich habe diese "Pädagogen" schon in meiner eigenen Schulzeit kennegelernt und weiß von meinen Kindern, dass es sie immer noch gibt. System: "Suche dir den im sozialen Spektrum schwächsten Schüler heraus und hacke auf ihm rum, dann hast du den Rest der Klasse auf deiner Seite!" Das funkioniert bis heute. Ich sage ganz klar, dass das die Ausnahmen sind, aber ich kenne Menschen, denen auf diese Weise ihre Schulzeit zur Hölle gemacht wurde.
@minihami86
Natürlich ist es grundsätzlich richtig, nach Leistung zu bezahlen. Ich wüsste allerdings wirklich nicht, wie man die Leistung eines Lehrers objektiv bewerten kann. Notendurchschnitt der Klasse? Beliebtheit bei Schülern? Ständige Unterrichtsbesuche von externen Prüfern? Na, ich weiß nicht.
bauerdick (25.10.2008, 10:28 Uhr)
Alle Jahre wieder
Guten Morgen, an dieser Diskussion möchte ich mich nach 36 Dienstjahren als Lehrerin an einer Realschule in NRW mit den Fächern Deutsch und Englisch nicht weiterhin beteiligen. Nur so viel: Ich habe noch keinen Kollegen erlebt, der einen Schüler vor der Klasse und damit sich selbst zum ,,Affen" machte. Außerdem: Als ich Lehrerin wurde, ergriffen nur die Klassenbesten diesen Beruf, weil sie Hochachtung für ihre Lehrer empfanden, diese verehrten und ihnen nacheifern wollten. Mit anderen Worten, sie liebten die Schule und damit wohl auch die Kinder! Die ,,alle Jahre wieder" auftauchende Lehrerschelte ist vor allem in Zeiten größer werdender Arbeitslosigkeit und damit verbundener Existenzangst zu hören. Wir sind ein ,,Neid-Volk", aber wir haben auch die freie Berufswahl. Wer zu Beginn meiner Studienzeit ,,viel Geld" verdienen wollte, wurde Arzt, Pharmazeut oder Jurist. Ich bin dennoch Lehrer geworden und habe diesen Schritt nie bereut. Aber diesen Beruf kann man nur ausüben, wenn man zufrieden ist und keine existentiellen Sorgen hat. Wenn ich während des Studiums Prüfungsangst hatte, überlegte ich, was ich ohne Staatsexamen anfangen könnte. Vielleicht wäre ich dann Journalist geworden und würde mich heute an der Lehrerschelte beteiligen!
minihami86 (25.10.2008, 05:28 Uhr)
@Sibby
Wenn du dir meinen Kommentar auf der vorigen Seite anschaust, wirst du mindestens 2 deiner 5 Punkte widerlegt finden, zumindest in Bezug auf den Artikel. Insbesondere kam ein weiteres mal das Argument mit einem mittelmäßigen Abitur auf, welches der Artikel selbst bereits entkräftet!
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Außerdem: Wird im Artikel eigentlich überhaupt kritisiert, dass Lehrer Ferien haben, wenn auch die Schüler frei haben? Hab ihn gerade noch mal kurz überflogen und nichts dergleichen gefunden.
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Zur Bezahlung nach Leistung: In zahlreichen anderen Berufen und Berufsgruppen wird es auch so gehandhabt, dass die Leistung entscheidend ist. Auch dort wird nicht zwingend Rücksicht auf die Grundvoraussetzungen genommen. Allerdings geschieht es natürlich auch nur selten, dass ein Lehrer ausschließlich Klassen mit einer Stärke von nur 15 Mann unterrichten kann, während ein Kollege doppelt so große Klassen bewältigen muss. Und selbst wenn - selbst solcherlei Faktoren könnte man ggf. in die Leistungsbewertungen einfließen lassen.
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Und ja, gute Beziehungen beruhen auf Gegenseitigkeit. Schlechte auch? Bei DEM Punkt würde ich nämlich anfangen, zu widersprechen. Des Weiteren muss das "gut auskommen" mit einem Lehrer nicht allzu viel mit seiner pädagogischen sowie fachlichen Kompetenz und Leistung zu tun haben.
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Damit ich nicht falsch verstanden werde, ich möchte um Gottes Willen nicht behaupten, dass alles falsch ist, was du geschrieben hast... es sind ja absolut richtige Ansätze dabei (wie z.B. die unterschiedlichen Klassenstärken, die man nicht gleichermaßen einfach bewältigen kann). Aber man sollte sich ggf. in der Hinsicht sensibilisieren, dass man solche Gedankengänge auch weiterführen kann und sollte sowie nicht solche absoluten Meinungen und Schlüsse entwickeln muss. Denn eine bloße Aneinanderreihung von Klischees usw. ist der Artikel nicht... und selbst, wenn dem so wäre, wird damit zumindest erreicht, dass wir hier eine solche Diskussion führen und uns über das Thema Gedanken machen.
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Gruß aus Münster
Minemane (24.10.2008, 19:46 Uhr)
Mit Dreck bewerfen
Ich habe den Artikel beim Arzt gelesen und habe gedacht: Die armen Lehrer werden mal wieder mit Dreck beworfen. Na klar, mit den Lehrern kann man es ja auch machen. Jeder meint, dass er sich in deren Beruf auskennt, weil ja auch jeder zu Schule geht. Ob diese Schlauberger einem KFZ-Mechatroniker auch so reinreden? Man weiß es nicht.
Naja und dann sind des die Lehrer ja auch gewohnt, dass sie beschimpft werden. Also ducken sie sich oder schimpfen zurück. Wem hilft die Beschimpfungsaktion? Na, dem Selbstbewusstsein. Wo sollen die Lehrer es her nehmen, wenn sie die persönliche Kritik persönlich nehmen? Denn Selbstbewusstsein und eine gefestigte Persönlichkeit, die braucht wann sicher, wenn man vor heranwachsenden Menschen steht und erst Recht, wenn es Kinder von Schmutzwerfern sind.
Jeder, der "Stimmt" "Genau" "faule Beamte" etc. geschrieben hat, der sollte sich fragen, wie er es findet, wenn seine Berufsgruppe pauschal durch den Kakao gezogen wird.
DER SVEN MIT SEINEN "WAHREN WORTEN" hätte einige davon lieber im Duden nachschlagen sollen.
So, und nun werden sich einige gefragt haben, ist er oder sie Lehrer bzw. Lehrerin.
Ja, das ist sie. (An dieser Stelle ein Dank an die junge Dame - Sibby, die den Kommentar mit der Hetzjagd geschrieben hat) Aber sie hat auch einen kaufmännischen Beruf gelernt und zwar in einem Weltkonzern. In diesem Konzern habe ich mehrere Jahre nach der Ausbildung gearbeitet und dann erst studiert.
Ich habe mir gewünscht Lehrerin zu werden und diesen Wunsch habe ich realisiert. Freunde fragen, ob ich diese Entscheidung bereue. Ich bin mir unsicher. Ich weiß nicht, ob ich diesen Schritt mit dem Wissen von heute unternommen hätte.
Damals hatte ich nämlich noch ein Privatleben. Ich war recht fit, nachdem ich nach acht oder neuen Stunden meinen Schreibtisch verlassen habe.
Mittlerweile habe ich viele Freunde verloren, weil ich sehr oft keine Zeit habe oder einfach zu müde bin, um noch etwas zu unternehmen.
Sibby (24.10.2008, 14:38 Uhr)
Hetzjagd auf Lehrer
Ich kann nicht fassen, wie eine doch eigentlich recht gute Zeitschrift so einen Hetzartikel abdrucken kann. Dieser Artikel ist eine Frechheit.
1. Lehrer sind auch Menschen. Überall wo Menschen arbeiten passieren Fehler, das ist ganz natürlich. Auch Lehrer können keine Wunder vollbringen und sie haben auch noch ein Leben außerhalb der Schule, so wie andere Arbeitnehmer eben auch. Dieses Privatleben beeinflusst immer mal wieder unsere Arbeit, schließlich sind wir keine Maschinen, die man an- und ausschalten kann.
2. Es ist nur logisch, dass ein Lehrer Ferien hat, wenn seine Schüler es auch haben. Oder soll er vielleicht Schulbänke unterrichten? Man sollte doch mal überlegen: Gäbe es weniger Ferien, würden sich sämtliche Eltern beschweren, weil ihre Kinder überlastet sind.
Außerdem endet die Arbeit eines Lehrers nicht mit dem Gongschlag. Hefte, Proben, etc korrigieren sich nicht von alleine. Was glauben Sie, wie lange ein Deutschlehrer am Gymnasium braucht, um eine literarische Erörterung mit durchschnittlich 7 Seiten, von 30 Schülern zu korrigieren?
3. Zur Bezahlung nach Leistung: Um etwas bewerten zu können, muss man vergleichen. Wie aber soll das funktionieren, wenn manche Lehrer 18 und andere 28 Schüler in der Klasse haben, vielleicht noch 3 mit Lese-Rechtschreib-Schwäche?
Beispiel: In einer Grundschule mit 22 Lehrern gibt es 2 Beförderungsämter zu vergeben. Es gibt aber 4 Lehrer die dieses Amt verdient hätten. Für das Betriebsklima ist so etwas nicht unbedingt förderlich.
4. Ich möchte einen Lehrer sehen, den alle, wirklich alle Schüler gut finden, und bei dem keiner sagt, dass er heute keine Lust auf das Fach hat. Sie können ihn gerne suchen, aber Sie werden ihn nicht finden. Weil es ihn nicht gibt.
Wir alle stimmen überein, dass nicht jeder jeden mögen kann. Das gilt dann aber auch für eine Lehrer-Schüler-Beziehung.
Welcher Angestellte findet es spannend 10 Rechnungen am Tag zu schreiben? Ich denke, die meisten werden in ihrem Beruf etwas finden, das langweilig ist. Sie machen es aber trotzdem, weil es nun einmal nötig ist. So läuft es auch in der Schule.
5. Ein mittelmäßiges Abitur macht keinen schlechten Lehrer aus. Was bringt es, wenn jemand viel weiß, er aber nicht in der Lage ist, sein Wissen an den Schüler zu bringen?
Ich habe den kritischen Umgang mit Texten gelernt und bin zu dem Schluss gekommen, dass dieser Artikel eine bloße Aneinanderreihung von Klischees und oberflächlichen Allgemeinargumenten ist, ohne jegliche Begründungen oder tiefergehende Schilderungen. Außerdem werden nur die negativsten der Negativbeispiele aufgeführt.
Falls sie jetzt glauben, ich wäre eine erzürnte Lehrerin, dann haben Sie sich geirrt. Ich bin angehende Abiturientin. Ich hatte in den fast 13 Jahren Schule viele verschiedene Lehrer. Mit den allermeisten bin ich sehr gut ausgekommen, gute Beziehungen beruhen nämlich auf Gegenseitigkeit. Natürlich mochte bzw. mag ich manche Lehrer nicht, das ist aber normal – wie war das zu Ihrer Schulzeit – und diese Sympathie lässt sich auch nicht durch meine Zeugnisse erschließen.
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