"So gut enden solche Geschichten selten"

7. Mai 2013, 07:26 Uhr

"Helfen Sie mir, ich bin Amanda Berry", mit diesen Worten flehte sie um Hilfe. Ihre Flucht gelang - nach zehn Jahren Gefangenschaft mit zwei weiteren Frauen. Die Opfer sind körperlich erstaunlich fit.

Ich hörte Schreie und dachte erst, es handele sich um häusliche Gewalt. Dann ging ich raus auf die Veranda und sah diese verwirrte junge Frau zusammen mit einem kleinen Mädchen im Nachbarhaus. 'Helfen Sie mir, rufen sie 911 (die US-Notruf-Nummer, d. Red.). Mein Name ist Amanda Berry.' Erst konnte ich mit ihrem Namen nichts anfangen, bis die Polizei mir erzählte, wenn ich da eigentlich gerettet hatte." Dieser jemand, dem Charles Ramsey aus der Seymour Avenue in Cleveland, Ohio zur Flucht verhalf, ist heute Ende 20 und verschwand vor zehn Jahren spurlos. Bis zu diesem Montag.

Zusammen mit einem anderen Nachbarn traten sie die Tür ein, um Amanda und das kleine Mädchen zu befreien. Sie waren nicht die einzige Gefangene. Wenige Minuten später stürmte die Polizei das Haus und fand zwei weitere Frauen: Gina DeJesus und Michele Knight. Nach einer ersten Untersuchung stellte ein Arzt erleichtert fest, dass die Frauen körperlich in Ordnung seien. "So enden solche Geschichten üblicherweise nicht, deswegen freuen wir uns sehr für sie", sagte der Mediziner Gerald Maloney.

Die mutmaßlichen Täter - Schulbusfahrer, Musiker, freundlich

Wie die Polizei in Cleveland auf ihrer Facebook-Seite mitteilte, wurden kurz nach der Befreiung drei Verdächtige zwischen 50 und 54 Jahren festgenommen. Medien berichteten, es handle sich um drei Brüder lateinamerikanischer Herkunft, was die Polizei zunächst nicht bestätigte. Der Besitzer des Hauses, in dem die drei Frauen gefangen gehalten worden waren, wurde von Nachbarn als freundlicher Schulbusfahrer und Musiker beschrieben. Seine Tochter sei häufig mit ihren Kindern zu Besuch gekommen.

Amanda Berry war 16 Jahre alt, als sie im April 2003 nach der Arbeit in einer Burger-King-Filiale nicht mehr auftaucht. DeJesus verschwand ein Jahr später auf dem Heimweg von der Schule, sie war damals 14. Knight war nach Medienberichten 21 Jahre alt, als sie im August 2002 letztmals gesehen wurde. Die Details der jahrelangen Gefangenschaft der drei Frauen waren zunächst noch unklar, Mindestens eine von ihnen brachte in der Zeit jedoch offenbar ein Kind zur Welt. Clevelands Bürgermeister Frank Jackson erklärte seine Dankbarkeit darüber, "dass diese drei jungen Frauen gefunden wurden und leben." Es gebe jedoch noch viele offene Fragen in dem Fall, die Ermittlungen liefen.

Freudenfeier auf der Straße

Nach der dramatischen Befreiung der Frauen versammelten sich hunderte jubelnde Menschen in der normalerweise ruhigen Wohnstraße und feierten die Nachricht, dass die Vermissten noch am Leben sind. Eine Schulfreundin von DeJesus, Kayla Rogers, sagte der Zeitung "Cleveland Plain Dealer", ihr fehlten die Worte vor Erleichterung: "Normalerweise werden Vermisste nie gefunden", sagte sie.

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