. .
Panorama-Nachrichten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
15. Juli 2004, 10:18 Uhr

"Rollende Benzinbomben"

Gefahrgutteams der Polizei und Zollbeamte registrieren einen "eklatanten Anstieg des Benzinschmuggels". Bei der Aussicht auf Einsparungen riskieren viele Fahrer, erwischt zu werden. Wer ertappt wird, muss Steuern nachzahlen.

Dicht an dicht: Im luxemburgischen Grenzort Wasserbillig reihen sich die Tankstellen aneinander© Harald Tittel/DPA

"Rollende Benzinbomben" auf der Autobahn: Der Holzverschlag "Marke Eigenbau" auf dem Kleintransporter aus Wittlich zieht die Aufmerksamkeit des Gefahrguttrupps der Polizei schnell auf sich. Auf der Autobahn Luxemburg-Trier stoppen die deutschen Fahnder den Fahrer kurz hinter der Grenze. Unter dem Bretterkasten versteckt finden sie 500 Liter geschmuggelten Dieseltreibstoff, der in Luxemburg derzeit rund 30 Cent billiger ist als in Deutschland.

"Wir entdecken immer häufiger diese rollenden Benzinbomben", berichtet Günter Scalla, Leiter des Gefahrguttrupps des Polizeipräsidiums Trier. Nach dem Gefahrgutrecht dürfen in Luxemburg nur 20 Liter Sprit, in Deutschland 60 Liter in geprüften Behältern mitgeführt werden.

Monatlich 15 Fälle von Treibstoffdelikten

Im Schnitt verfolgt allein das deutsche Gefahrgutteam monatlich 15 Fälle von Treibstoffdelikten. Und auch die Zollbeamten registrieren seit einigen Wochen einen "eklatanten Anstieg des Benzinschmuggels". Bei der Aussicht auf erhebliche Spritpreis-Einsparungen riskieren viele Fahrer, dass sie erwischt werden. Je höher in Deutschland die Preise steigen, desto reger wird der Tanktourismus, bestätigt auch der luxemburgische Hauptzollinspektor Guy Loesch. In Wasserbillig etwa reiht sich eine Tankstelle an die andere. Oft gibt es bis spät am Abend Wartezeiten.

Loesch bemerkt, dass Tanktouristen von immer weiter her aus Deutschland kommen, um sich für eine längere Zeit einzudecken. "Das Schlimmste dabei ist, dass die Behälter in den meisten Fällen nicht geprüft und zugelassen sind", berichtet er.

Ein deutscher Zollbeamter berichtet, er habe im Juni im Gepäckraum eines Koblenzer Reisebusses 2500 Liter Diesel gefunden. Kurze Zeit davor stoppten die Zöllner einen Geländewagen aus Köln, der einen Aufbau mit 600-Liter-Tank hatte. Im Auto lag noch eine Quittung vom Vortag über die gleiche Menge. "Ermittlungen brachten uns schnell auf Belege über eine Menge von 35 000 Litern, die in Luxemburg gezapft wurden", erzählt der Beamte. Ein Spediteur soll meist ahnungslose Fahrer zu den Schmuggeltouren nach Luxemburg geschickt haben.

Wer ertappt wird, muss die Mineralölsteuer nachzahlen. Verfahren wegen Steuerhinterziehung und wegen unerlaubten Transports von gefährlichen Gütern sind möglich. Von 750 Euro für den fahrlässigen Gefahrguttransport bis zu 15 000 Euro bei Vorsatz reicht die Bußgeldspanne.

Abenteuerliche Transportmittel

"Meist informieren uns andere Autofahrer, die an luxemburgischen Tankstellen Verdacht über mögliche gefährliche Ladungen schöpfen", berichtet Scalla. Oft seien die Transportmittel abenteuerlich. "Da finden wir Wasserbehälter oder Großpackmittel", sagt Scalla.

Während an einer deutschen Tankstelle im vorigen Jahr im Schnitt rund 2,3 Millionen Liter Benzin verkauft wurden, lag der Vergleichswert in Luxemburg bei 5,4 Millionen Liter. Der Zentralverband des Tankstellen-Gewerbes (ZTG) warnt mit Blick auf das deutsch-luxemburgische Beispiel vor einem Tankstellensterben an anderen Grenzen wie etwa zu Polen und Tschechien.

Ulf Mauder/DPA
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Benzinpreis Schlangestehen für Billig-Sprit

Der Unmut über die hohen Benzinpreise wächst. Die Autofahrer im Aachener Grenzland haben ein Ventil, um ihren Ärger zumindest teilweise abzubauen: Sie tanken im billigeren Belgien. mehr...

Billigbenzin Mineralölbranche beklagt Tank-Tourismus

Ständig neue Höchstpreise für Benzin lassen die Verbraucher das Weite suchen: Nach Beobachtungen des ADAC fahren deutsche Autofahrer für billiges Benzin gerne mal weiter - besonders das Preisgefälle in Luxemburg und Polen lockt. mehr...

Ausland Auch Amerikaner schimpfen über hohe Spritpreise

Nicht nur in Europa stöhnen die Autofahrer über Schwindel erregende Benzinpreise, auch Amerikaner geraten an der Zapfsäule gehörig ins Schimpfen. Zwar kostet dort ein Liter Benzin umgerechnet nur 43 Cent, für US-Verhältnisse ist das aber richtig viel. mehr...

Preisschock Das Ende des billigen Öls

Rekordpreise für Benzin und Rohöl peinigen die Verbraucher und lähmen die Wirtschaft. Schuld sind nicht die Scheichs, sondern der Irak-Krieg, der Boom in China und Amerikas Autowahn. Auf Dauer wird der Rohstoff knapper und teurer. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe