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30. Juni 2010, 08:50 Uhr

Hurrikan "Alex" behindert Kampf gegen Ölpest

Tropensturm "Alex" ist zum ersten Hurrikan der Saison hochgestuft worden. Seine Auswirkungen sind auch am am Ort der Ölpest spürbar, wo die Bergungsarbeiten unterbrochen werden mussten. Bei der Bekämpfung des Desasters wollen die USA nun doch Hilfe aus dem Ausland akzeptieren.

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Hoher Wellengang aufgrund des Hurrikans "Alex" behindert die Ölpest-Bekämpfung im Golf von Mexiko© Patrick Semansky/AP

Der Tropensturm "Alex" ist in der Nacht zum Mittwoch zum ersten Hurrikan dieser Saison hochgestuft worden. Es ist nach Auskunft des Nationalen Hurrikan-Zentrums der USA das erste Mal seit 1995, dass bereits im Juni ein Atlantik-Sturm zum Hurrikan der Stufe eins herangewachsen ist. Es wird erwartet, dass "Alex" am Mittwochabend (Ortszeit) an der texanisch-mexikanischen Grenze auf Land treffen wird. Derzeit haben seine Spitzenböen eine Geschwindigkeit von 120 Kilometer.

Auch wenn "Alex" nicht direkt am Ort der Ölpest im Golf von Mexiko wütet, behindert er den Kampf gegen die Katastrophe: Das kontrollierte Abfackeln von Teilen des Ölteppichs und das Errichten von Ölsperren wurde Behörden zufolge vorerst eingestellt, da mit starken Winden, hohem Seegang und immensen Regenfällen gerechnet wurde. Die Arbeiten direkt an der Unglücksstelle, wo seit dem Untergang einer Plattform des Ölmultis BP vor mehr als zwei Monaten täglich Zehntausende Barrel Öl ins Meer sprudeln, wurden zwar zunächst weitergeführt. Allerdings drohten sich Pläne, die Auffangkapazitäten zu erhöhen, um mehrere Tage zu verzögern.

Die Schiffe, die das ausgetretene Öl abschöpfen, setzten ihre Arbeit am Dienstag wegen rauer See aus. Nach Angaben der Küstenwache und des BP-Konzerns wurden die Reinigungsschiffe aus Sicherheitsgründen zurückbeordert. Wann die Maßnahmen im Golf von Mexiko wieder anlaufen können, war zunächst nicht abzusehen. Auch die Ölförderung hat unter dem Unwetter zu leiden. Nach Behördenangaben wurden 28 der 634 bemannten Plattformen und drei der 51 Bohrinseln aus Sicherheitsgründen evakuiert. Es handelt sich um Einrichtungen im westlichen Teil des Golfs von Mexiko und nicht im Gebiet der Ölkatastrophe.

USA greifen nun doch auf Hilfe aus dem Ausland zurück

Die USA haben unterdessen im Kampf gegen die Ölpest die Hilfe von zwölf Ländern und internationalen Organisationen angenommen. An der genauen Aufgabenverteilung wird noch gearbeitet, wie das Außenministerium in Washington mitteilte. Um wen es sich bei den Ländern und internationalen Organisationen handelt, wurde konkret nicht gesagt. Aus einer Grafik gehen sechs Länder hervor, die helfen: Kanada, Mexiko, Kroatien, die Niederlande, Norwegen und Japan. Sie haben Ölabschäumer, Schwimmbarrieren und Lösungsmittel avisiert. Insgesamt hatten über 30 Staaten und Organisationen ihre Hilfe angeboten, darunter auch Deutschland.

Warum einige akzeptiert wurden und andere nicht, ging aus der Mitteilung des Außenministeriums nicht hervor. Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen. Abgelehnt wurde ein Lösungsmittel aus Frankreich, das in den USA nicht zugelassen ist. Zuletzt hatten die Amerikaner nach dem Hurrikan "Katrina" internationale Hilfe in Anspruch genommen.

BP regt Notfallfonds für Ölindustrie an

Der britische Energiekonzern hat derweil infolge der Ölpest einen Notfallfonds für derartige Katastrophen vorgeschlagen, an dem die gesamte Branche beteiligt sein soll. Nicht nur höhere Kosten bei der Ölförderung, vor allem die Folgekosten von Unfällen wie dem Untergang der Bohrplattform "Deepwater Horizon" vor zehn Wochen, seien ein Problem, sagte der BP-Chefökonom Christof Rühl der "Financial Times Deutschland" ("FTD"). Kleinere Unternehmen könnten solche Kosten nicht tragen. "Das ist eine Schwäche im System, die angegangen werden sollte", forderte Rühl.

Es müsse über eine bessere Handhabung von Risiken nachgedacht werden, sagte der ranghöchste deutsche BP-Manager der "FTD". Es sei wichtig, weiterhin auch weniger kapitalstarke Unternehmen an den komplizierten Bohrungen im tiefen Wasser zu beteiligen. "Schließlich sind auch gerade die kleineren Firmen oft die Triebfedern des technologischen Fortschritts", so Rühl.

Die Ölpest im Golf von Mexiko ist die teuerste Katastrophe, die die Branche je erlebt hat. Schon jetzt kostete sie BP mehr als 2,7 Milliarden Dollar. Außerdem hat der Konzern einen Hilfsfonds über 20 Milliarden Dollar aufgelegt. "Die Auswirkungen auf die Industrie werden spürbar sein", sagte Rühl. "Sowohl die Aufsichtsbehörden als auch die Industrie werden reagieren müssen." Er rechne damit, dass die US-Regierung die Sicherheitsstandards verschärft und das Bohren in dem Land, das derzeit wegen niedriger Steuern noch sehr lukrativ ist, teurer wird.

kng/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
Lauterbach (01.07.2010, 05:37 Uhr)
33% der Flaeche des Golf von Mexico sind mittlerweile mit Oel verdreckt.
Das Dispersant Corexit das eingesetzt wurde ist so agressiv das es Boots-Koerper annagt.

Die wahnsinnigen Rettungsaktionen die voellig wirkungslos verpuffen beinhalten u. a. das verbrennen von Oel Laachen ohne sich darum zu scheren das Meeresschildkroeten mit verbrannt werden und qualvoll verrecken.

Ami-Land zeigt uns was es kann: Mord, Diebstahl, Ueberfall oder Verschmutzung.
Schlimm das diesen Wahnsinnigen die Atombombe ausgehaendigt wurde.
chatahootchee (30.06.2010, 20:58 Uhr)
@X-CUBE
Ein Mr. Obama hatte mehr als 60 Tage, den Schaden zu begrenzen und den Jones Act zu suspendieren. Viele Laender haben am Tag 2 der Katastrophe ihre Hilfe angeboten, aber BHO wollte nicht.
Man hat zwar Mitarbeiter, aber der Laden ist zu traege und hat die ganze Sache regierungsamtlich nur verschlimmert.
x-cube (30.06.2010, 18:44 Uhr)
PB ausgrenzen
und als Regierungsorganisation die Sache selber in die Hand nehmen. Mitarbeiter hat die Regierung genügend. Und freiwillige (auch Fachkräfte aus der Ölindustrie) gibt es viele.
.
Mir kommt es fast so vor als möchte man mit Absicht das Problem NICHT lösen.
chatahootchee (30.06.2010, 15:48 Uhr)
@ALLE
Beschaeftigen Sie sich mal mit dem "Merchant Marine Act of 1920", auch bekannt als Jones Act. Ein Hauptverantwortlicher in Washington kann dieses Gesetz ausser Kraft setzen, aber nicht die "Amerikaner". Die "Amerikaner" leiden unter der gegenwaertigen schlafmuetzenartigen Einstellung der Regierung.
aeternitas (30.06.2010, 15:16 Uhr)
Es gehen jeden Tag hunderte von Hilfsangeboten aus aller Welt ein
nur hat BP nicht genug Personal, die diese Angebote sichten und bewerten können.

Ein einziges Trauerspiel.
aeternitas (30.06.2010, 15:15 Uhr)
Nach 2 Monaten !!!!
und Millionen von Litern ÖL
kommen sie endlich auf die Idee,
dass sie vielleicht Hilfe brauchen könnten.

Wenn ich nur einen 100 L Kanister mit Öl in einem Naturschutzgebiet ausgieße und dabei erwischt werde, wie lange muss ich dafür wohl ins Gefängnis? Wie lange müssen die Verursacher dieses Desasters ins Gefängnis? Gibt es Verurteilungen wegen unterlassener Hilfeleistungen? Das Meer ist für Jahrzehnte verseucht! Da helfen auch die Aufschäumer etc. nichts mehr. Es schwimmt ja nicht alles oben, dass man es schön absaugen könnte. Ein Teil des Öls ist sicher auch wasserlöslich. Ein Teil ist abgesunken, es bildet Klumpen und Emulsionen... Und ich fürchte, die aktuellen Zahlen sind noch hoffnungslos untertrieben.

Wer auch immer dafür VERANTWORTLICH war soll jeden einzelnen Tag seines Lebens daran denken, wieviele Hunderttausend Tiere und Menschen er vernichtet hat mit seiner Gier (nicht umsonst eine Todsünde).
x-cube (30.06.2010, 14:47 Uhr)
Naja
"Hurrikan "Alex" behindert Kampf gegen Ölpest"

BP auch!
undueberhaupt (30.06.2010, 14:03 Uhr)
Wie kann man nur?
Die Dummheit der Amerikaner aus den 50´ er
und 60`er Jahren, wo sie Atombomben im Südpazifik haben hochgehen lassen, hat sich bis in die heutige Zeit, wo sie künstliche Ölkatastrophen erzeugen, übertragen.
the_pope (30.06.2010, 13:43 Uhr)
Ja, und wenn das Öl nicht schon schlimm genug gewesen wäre, kommt noch die Menschliche Dummheit dazu. Schreibt doch mal darüber wie es derzeit auf den Feldern von Louisiana ausschaut, wo die giftige Brühe aus Methan und Corexit, verdunstet über GOM, wieder als Regen runterkommt. Die nächsten Hurricanes werden sie dann über die gesamte amerikanische Kornkammer und die Ostküste verteilen.
chatahootchee (30.06.2010, 13:36 Uhr)
WEITERE FEHLEINSCHAETZUNG EINES BHO
die von verschiedenen Laendern sofort nach der Explosion angebotenen Hilfsleistungen erst jetzt teilweise zu akzeptieren.
Mehr als 60 Tage eines effektiveren Einsatzes gingen verloren Dank eines mittelaterlichen Gesetzes, welches aber durch den Jungspund im WH ausser Kraft gesetzt werden koennte. Er tat es nicht.
Statt Phototermine am Strand haette er auf den Governer von Louisiana hoeren sollen.
Der VP hat gestern wieder Sprueche abgelassen und eigentlich die Hilfsarbeiten behindert. Schlimm.
Aber Obama-Fans pruegeln nur auf BP. Falsch.
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