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9. August 2005, 09:27 Uhr

Acht Menschen verbrannt

Beim Brand in einem Berliner Wohnhaus starben in der Nacht zum Dienstag acht Menschen, darunter mehrere Kleinkinder. Mit verantwortlich für die hohe Opferzahl unter den ausländischen Bewohnern waren auch Sprachprobleme.

Blick in das verbrannte Treppenhaus des Mietshauses in Berlin-Moabit© Michael Kappeler/DDP

Eine Brandstiftung im Treppenhaus ist möglicherweise die Ursache des verheerenden Feuers, bei dem in der Nacht zum Dienstag in einem Wohnhaus in Berlin-Moabit acht Menschen starben und weitere sieben schwer verletzt wurden. Ermittler des Landeskriminalamtes (LKA) entdeckten im Hausflur im Erdgeschoss mehrere verkohlte Kinderwagen. Vermutlich seien diese in Brand gesetzt worden, teilte die Polizei mit. Zu möglichen Tätern machten die Behörden keine Angaben. Ersten Ermittlungen zufolge hatten sich die Flammen über das hölzerne Treppengeländer nach oben ausgebreitet.

Anweisungen nicht verstanden

Mitverantwortlich für die hohe Zahl der Opfer in dem von Ausländern bewohnten Haus waren nach Einschätzung der Feuerwehr Sprachprobleme. Die meisten Bewohner hätten arabisch gesprochen und die Anweisungen der Polizei und der Feuerwehr nicht verstanden.

Unter den Todesopfern sind auch vier Kinder, wie der Chef der Berliner Feuerwehr, Albrecht Broemme, am Unglücksort mitteilte. Die Leichen wurden zur Identifizierung in die Gerichtsmedizin gebracht. Acht Menschen kamen nach einer Bilanz der Polizei mit teils schweren Brandwunden und Rauchgasvergiftungen ins Krankenhaus. In einem Feuerwehrbus versorgten Notärzte und Sanitäter ambulant weitere 43 Hausbewohner mit leichten Rauchvergiftungen. Laut Broemme war es im Hinblick auf die Zahl der Opfer der zweitschwerste Brand in Berlin seit dem Zweiten Weltkrieg. Vor dem Unglückshaus versammelten sich während der Löscharbeiten viele entsetzte Menschen aus der Nachbarschaft.

Vermutlich Brandstiftung

Brandspezialisten des LKA nahmen noch in den Morgenstunden die Ermittlungen zur Unglücksursache auf. "Wir gehen von Brandstiftung aus", sagte eine Polizeisprecherin.

Der Brand war nach Angaben der Feuerwehr im Erdgeschoss eines fünfstöckigen Altbaus ausgebrochen. Die Flammen krochen am Treppengeländer des Hausflurs Stockwerk für Stockwerk nach oben. Laut Broemme waren die ersten Feuerwehrleute sechs Minuten nach der Alarmierung durch einen Mieter am Brandort. Sie löschten die Flammen binnen 15 Minuten. Drei Wohnungen waren völlig verrußt, nachdem offensichtlich Mieter die Türen geöffnet hatten.

Panik führte zu Fehlverhalten

Im Lagezentrum der Berliner Feuerwehr hieß es, es hätte vermutlich keine Todesopfer und Schwerverletzten gegeben, wenn diese Mieter die Wohnungstüren geschlossen gehalten und auf die Rettungskräfte gewartet hätten. "Dann hätten unsere Leute die Mieter mit Rettungshauben und Sauerstoff in Sicherheit gebracht", so Feuerwehrsprecher Gerd Hoffmann. Doch offensichtlich sei unter einigen Hausbewohnern Panik ausgebrochen. Anstatt in der Wohnung zu bleiben, hätten sie versucht, sich durch das Treppenhaus in Sicherheit zu bringen.

"Es gab mit Sicherheit ein krasses Fehlverhalten der Hausbewohner, weil sie die Sprache nicht verstanden haben", sagte Broemme. "Einige Hausbewohner sind in ihr Verderben gerannt. Die Flucht ins Treppenhaus war die Flucht in den Tod", sagte Berlins Feuerwehrchef. Drei der Toten wurden nach ersten Angaben in einer Wohnung gefunden, die anderen im Treppenhaus. Die Feuerwehr war mit 150 Mann im Einsatz. 25 Rettungswagen und sieben Notarztwagen standen zur Versorgung der Verletzten bereit.

DPA, AP
 
 
 
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