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2. Oktober 2009, 13:42 Uhr

Babyleichen im "Liebesnest"

Nach dem Selbstmord seiner Ex-Freundin hat ein Mann in Berlin eine grausige Entdeckung gemacht: In ihrer Wohnung fand er die Überreste von vier Säuglingen. Von Uta Eisenhardt

Charlottenburg, Anwalt, Selbstmord, Freitod

Hochhaus in Berlin-Charlottenburg: Fundort der vier Babyleichen© Tim Brakemeier/DPA

Die schreckliche Entdeckung machte ein Potsdamer Anwalt bei der Auflösung einer Wohnung in Berlin-Charlottenburg: In Müllsäcke verpackt fand er in einem Hocker kleine, verweste Leichen. Umgehend brachte der 49-Jährige den Fund zur nächsten Polizeiwache. Inzwischen steht fest: Es sind die Überreste von vier Säuglingen. Die Mutter war offenbar Heike W., die Ex-Freundin des Anwalts. Sie hatte sich Ende Juli aus dem 12. Stock des Hauses in den Tod gestürzt. Derzeit wird ermittelt, wie und wann die Babys starben.

"Nach bisherigen Ermittlungen gehen wir davon aus, dass die verstorbene Frau auch die Mutter der Kinder war", sagt Martin Steltner, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft. "Nur gegen einen Toten können Sie nicht ermitteln." Es werde nun das Lebensumfeld der Frau mit der Frage geprüft, ob es neben ihr noch weitere Tatverdächtige gibt. In etwa einer Woche rechne er mit neuen Erkenntnissen, sagt Steltner.

Dass Mütter ihre Babys direkt nach der Geburt töten und die Leichen jahrelang in ihrer Nähe versteckt halten, kommt immer wieder vor. Rund 30 Fälle werden jedes Jahr bekannt, Experten gehen von einer wesentlich höheren Dunkelziffer aus. Für großes Entsetzen sorgte 2005 ein Fall im brandenburgischen Brieskow-Finkenheerd, wo die Leichen von neun Babys in mit Blumenerde gefüllten Gefäßen entdeckt worden waren. Auch der jetzige Fund in Berlin-Charlottenburg hat eine außergewöhnliche Dimension.

Heike W.s Wohnung, in der die Leichen gefunden wurden, befindet sich in einem videoüberwachten blau-weißen Eckhochhaus, das 1972 erbaut wurde. Die Mieten seien nicht billig, sagen die Bewohner. In der ersten Etage befinden sich Arztpraxen. Geht man nach links aus dem Haus, befindet man sich sofort im Westberliner Kneipen-Kiez. Hält man sich rechts, gelangt man zur Deutschen Oper, zum Schiller-Theater und zur Bundesbank.

Hier hatte vor zwei Monaten die 46 Jahre alte Heike W. ihr Leben mit einem Sprung aus dem 12. Stock beendet. Kurz vor Mitternacht ließ sie sich auf den Hof fallen, in die Ecke, wo die Müllschlucker stehen. Ihr Körper landete auf den Fahrrädern, von denen etliche kaputt gingen. Sie war nicht die erste Mieterin in dem 17-stöckigen Haus, die auf diese Weise aus dem Leben schied. Die Nachbarn erinnern sich an ein junges, depressives Mädchen, das vor kurzem aus dem vierten oder fünften Stock gesprungen war. "Hochhäuser ziehen so etwas an", sagt eine Bewohnerin.

72 Mietparteien wohnen in dem Haus, etwa die Hälfte der Wohnungen hätten nur ein Zimmer. Auch die Wohnung der Verstorbenen war klein. Über einen braunen, abgetretenen Teppich gelangt man zu Heike W.s letzter Wohnung, die sich am Ende eines schmucklosen Flurs mit weißen Rauhputz-Wänden befindet. Ein Verschlusssiegel der Polizei prangt auf der Tür. Darauf steht, wer es öffnet, mache sich nach Paragraph 136 des Strafgesetzbuches strafbar.

Kaum einer der Nachbarn kannte die Frau, höchstens die Bewohner der 12. Etage. Vor einem Jahr etwa hatte der Potsdamer Anwalt die Wohnung für seine Freundin angemietet. "Als Liebesnest", kolportiert eine Mieterin die Informationen des Hausmeisters. Dessen Wohnzimmer geht zum Hof heraus: Durch einen Schrei aufmerksam geworden, hätte der Hausmeister die Tote unmittelbar nach ihrem Sturz gefunden, sagt eine andere Nachbarin. Ihr Freund soll sich kurz vorher von der schwangeren Heike W. getrennt haben, sagt die Mieterin. Der Hausmeister habe ihr auch von den Worten des Potsdamer Anwalts berichtet: "Es soll nicht schade um die Frau gewesen sein - so ein richtiger Macho-Spruch."

Wer der Vater der toten Säuglinge war, steht noch nicht fest. Martin Steltner von der Berliner Staatsanwaltschaft sagt: "Derzeit steht im Vordergrund, erst mal zu klären, wie die Säuglinge zu Tode gekommen sind, wenn sie denn überhaupt lebend geboren worden sind."

Von Uta Eisenhardt
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
soondecember (03.10.2009, 10:04 Uhr)
Verlust von gesellschaftlicher Kompetenz
Diesen Vorfall, der sich jetzt ausserhalb der sogenannten Prekariatsschicht befand, sehe ich in einem gesamtgesellschaftlichen Umfeld, in dem ein massiver Verlust von gesellschaftlicher Kompetenz zu beobachten ist.
Wir hören Eltern können den Kindern nicht mal mehr Radfahren beibringen, Kinder die nur per Ritalin -scheinbar- erziehungsfähig bleiben nehmen extrem zu, dazu die vielen Erwachsenen die offensichtlich garnicht mehr mit dem Leben zurechtkommen, auf die Eine oder Andere Weise.
Die Nachfahren der Wohlstandsgeneration können kaum mehr Kinder grossziehen, ehrlich gesagt manche Schulen sind dazu heute Orte extremer real praktizierter Anarchie, vor allem wird dort antisoziales Verhalten gelernt. Wer mehr Disziplin oder klassische Tugenden fordert, wird der Forderung nach einer schwarzen Pädagogik beschuldigt. Bei den Erwachsenen sieht es ebenso schlecht aus, auf der Strasse unzählige Leute deren Gesichter den Missbrauch von Alkohol oder Drogen widerspiegeln. Die Führungsschicht kokst, die dadurch veränderte Psyche (Aggressivität, Risikobereitschaft) hat die Finanzkrise zumindest mitbegünstigt.
Führungskräfte mit Doktortitel haben heute ein Benehmen - zumindest manchmal- dass früher nur in Kasernen im Vollsuff üblich war, Bücher wie der A...-Faktor sind nicht umsonst Bestseller.
Deutschland sollte mal bei den Basics anfangen, seinen desolaten Zustand wahrnehmen und Korrekturren einleiten.
Wäre wichtiger als in fernen Bergregionen per Waffeneinsatz irgendwelche Werte zu verteidigen, das Geld für die Parallelwirtschaft afghanischen Mohnanbaus stammt sowieso aus dem Westen, eben von den Quellen die ich zuvor nannte, der Endkonsument ist auch Deutscher.
Zurück zum Artikel: auch das Kinder die Überforderung an sich sind, hat doch einen Zusammenhang mit dem Verlust elementarer Fähigkeiten sowohl auf individueller Ebene, als auch auf gesamtgesellschaftlicher Ebene.
stinkesocke (03.10.2009, 00:11 Uhr)
Erschreckend
Das eine Frau so etwas fünfach macht entsteht nicht aus Verzweiflung, wenn man als Frau an einen Mann gerät der nicht zu seinen Kind stehen kann oder will und man hat als Frau ein Verantwortungsgefühl und liebt sein Ungeborenes sorgt dafür ist egal wie .
Man kann als Frau sehr wohl dafür sorgen das es nicht fünfach passiert.
Es gibt gottseidank heutzutage viele möglichkeiten so etwas zu vermeiden.
wenn das Kind da ist und man kann selbst nicht dafür sorgen, es gibt Ämter, Adoption und inzwischen ganz tolle
Pilotprojekte vom Staat,Caritas, AWO usw. für Alleinerziehende ob weiblich oder männlich.
Die Gänge sind sicherlich nicht einfach und teilweise peinigend aber wenn man sein Kind aus Liebe bekommen hat, egal wie sich die Partnerschaft etwickelt hat ,nimmt man das in Kauf und man bringt es nicht einfach um.
Hanesi (02.10.2009, 23:41 Uhr)
Jawoll...
...und jetzt noch eine überflüssige Abtreibungsdebatte im Kommentarteil. Weil jeder, der kein strikter Abtreibungsgegner ist, sich auch über tote Säuglinge nicht aufregen darf und ein Heuchler, wenn er nicht auch Kleinkinder zum Frühstück verspeisen okay findet, denn das ist alles das selbe, und somit ist dann auch der thematische Bezug zum Artikel ausreichend hergestellt, ne?
Hanesi (02.10.2009, 23:39 Uhr)
In der Tat widerlich...
...überflüssiger Fülltext und diffamierendes Hörensagen um drei Ecken... Bah, wie eklig. Nachbarn werden doch in solchen Artikeln nicht zitiert, weil sie wirklich was beizusteuern haben, sondern weil sie bereit sind mit der Presse zu reden. Das Ergebnis sieht man ja.
Luciano (02.10.2009, 23:05 Uhr)
@swissmiss
Wo sie gar kein richtiges Leben darstellen? Bist du selber zu der Erkenntnis gekommen, dass Föten kein richtiges Leben darstellen oder plapperst du nur das nach was dir die Feministinnen einreden?
Dann hätte ich eine Quizfrage für dich: Ab wann beginnt denn das menschliche Leben?
(kleiner Tipp: biologisch ist ein Lebewesen dann ein Mensch, sobald es über die Genetik eines Menschen verfügt.
Und dies ist ab dem Zeitpunkt der Befruchtung einer Eizelle durch ein Spermium der Fall).
Und du denkst im Ernst es sind alles vollkommen überlastete Mütter, die abtreiben? 100.000 pro Jahr? Glaub mir, 99 Prozent der Abtreibungen geschehen aus
- dem Drücken vor der Verantwortung
- Bequemlichkeit
- Egoismus
Übrigens ein komisches Argument von dir: Du denkst es ist besser bestimmte Kinder gleich zu töten, weil ja eine Wahrscheinlichkeit besteht, dass sie später irgendwann mal getötet werden? Äh ja, sehr einleuchtend.
Swissmiss (02.10.2009, 22:01 Uhr)
@ Luciano
Was wäre denn gewesen, wenn diese 100'000 Föten nicht abgetrieben, sondern ausgetragen wurden? Vermutlich wären nicht wenige davon kurz nach der Geburt getötet worden und ein schöner weiterer Teil wäre unter Umständen aufgewachsen, die man sicher nicht als "schöne Kindheit" bezeichnent könnte, sondern eher das Jugendamt auf den Plan gerufen hätten. Nein, da ist es eindeutig besser, die Föten werden in einem Stadium abgetrieben, wo sie noch gar kein richtiges Leben darstellen.
Luciano (02.10.2009, 20:32 Uhr)
Heuchler
Mal ganz ehrlich: Wieso sind in einem Land, in dem es jeder normal findet, dass jährlich über 100.000 Kinder im Mutterleib zum Zweck der Familienplanung getötet werden, der Fund von vier Säuglingsleichen eine "grausige Entdeckung"?
Mule (02.10.2009, 20:06 Uhr)
Nachtrag
Stern und Spiegel nähern sich immer mehr der BUNTEN und der BLÖDzeitung an.
Mule (02.10.2009, 20:04 Uhr)
Das paßt
genau zu dem Satz : " Es soll nicht schade um die Frau gewesen sein".
Für viele Männer sind "diese" Frauen gerade gut genug - ein Stück D.... genauer gesagt. Traumhafte Zeiten - Sarkasmus aus!!!!!
paull (02.10.2009, 19:01 Uhr)
oje!
ich reihe mich ja echt ungern in die stern.de Artikel basher ein, aber dieser hier ist mit Abstand das mieseste Stück journalistischer Dreck, das ich je lesen musste.

"Ihr Körper landete auf den Fahrrädern, von denen etliche kaputt gingen"

das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen..
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