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Frau stirbt nach Zwangsräumung

In Berlin fand an diesem Freitagabend eine Mahnwache für eine 67-jährige Rentnerin statt. Zwei Tage, nachdem sie bei einer Zwangsräumung ihre Wohnung verloren hatte, starb sie in einer Notunterkunft.

Mahnwache für Rosemarie F. Bei der Kundgebung in der Aroser Allee demonstrierten die Menschen auch gegen Zwangsräumungen in der Hauptstadt.

Mahnwache für Rosemarie F. Bei der Kundgebung in der Aroser Allee demonstrierten die Menschen auch gegen Zwangsräumungen in der Hauptstadt.

In Berlin macht der Fall einer 67-jährigen schwerbehinderten Frau Schlagzeilen, die zwei Tage nach der Zwangsräumung ihrer Wohnung in einer Notunterkunft starb. Etwa 350 Menschen nahmen nach Angaben von Berliner Medien am Freitagabend mit einer Kundgebung vor der zwangsgeräumten Wohnung symbolisch Abschied von der Frau. Die Versammlung vor dem Haus in der Aroser Allee 92 im Stadtteil Reinickendorf blieb demnach friedlich. Die Polizei war mit 200 Beamten vor Ort, auch der Verkehr auf einem Teil der Straße war gesperrt

Zur Todesursache gibt es keine genauen Angaben. Die Frau wird als herzkrank und sehr schwach beschrieben. Der Fall bewegt schon seit Wochen die Berliner - auch weil Mietsteigerungen und Zwangsräumungen inzwischen Themen für viele Menschen in der Hauptstadt sind.

Einsam und mit der Miete im Rückstand

Die Wohnung der schwerbehinderten Frau sollte schon Ende Februar geräumt werden, der Termin war jedoch kurzfristig abgesagt worden. Damals hatte es massive Proteste gegen die geplante Zwangsräumung gegeben.

Doch am Dienstag dieser Woche wurden "die Schlösser zu Rosemarie F.s Wohnung in der Aroser Allee 92 dann endgültig ausgewechselt", wie es im "Tagesspiegel" heißt. Die Seniorin habe ein Zimmer in einer Notunterkunft bezogen, in der "Kälte Nothilfe" im Stadtteil Wedding. Sie habe noch zu einem Gesundheitscheck gehen sollen, diesen aber abgesagt, weil sie sich zu erschöpft gefühlt habe. Am Donnerstag starb Rosemarie F. nach Polizeiangaben. Sie wurde am Abend tot auf ihrem Bett in der Notunterkunft gefunden.

Medienberichten zufolge war die Zwangsräumung durchgesetzt worden, obwohl ein Arzt der Frau zuvor einen sehr schlechten Gesundheitszustand bescheinigt hatte. Die Initiative "Kälte Nothilfe" erhebt schwere Vorwürfe gegen die Behörden. Der Initiator der Einrichtung, Zoltan Dominic Grasshoff, spricht von "Mord durch die Staatsgewalt".

Rosemarie F. soll mit der Miete für ihre Wohnung etwa ein halbes Jahr im Rückstand gewesen sein. Ob das aber der Grund für die Zwangsräumung war, ist nach jetzigem Stand nicht ganz klar. Denn zuständig für die Mietzahlungen sei das Bezirksamt gewesen, heißt es in der Berliner Presse. Die Miete haben 350 Euro im Monat betragen.

Zuletzt soll die Frau völlig zurückgezogen in ihrer Wohnung gelebt und auch kaum noch Kontakte gehabt haben. Es ist auch die Rede davon, dass die Wohnung der Rentnerin verwahrlost war.

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