Toter liegt tagelang auf Klinik-WC

13. März 2009, 15:01 Uhr

Entsetzen in Europas größtem Universitätsklinikum: Auf einer Toilette in der Berliner Charité haben Mitarbeiter einen Toten entdeckt, der dort schon tagelang unbemerkt gelegen hatte. Nach Polizeiangaben zeigte der Leichnam bereits Anzeichen von Verwesung.

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In der Berliner Charité haben Mitarbeiter eine Leiche gefunden, die dort schon tagelang gelegen hatte©

Auf einer Toilette des Virchow-Klinikums der Berliner Charité ist die teilweise bereits verweste Leiche eines Mannes gefunden worden. Nach bisherigen Ermittlungen bestehe jedoch kein Verdacht auf ein Verbrechen, sagte eine Polizeisprecherin am Freitag. Warum die Leiche des 29 Jahre alten Dresdners tagelang unentdeckt auf der Toilette lag, ist bislang unklar.

Der Mann war nach Angaben des Krankenhauses am 6. März von Mitarbeitern auf dem Klinik-Gelände bemerkt und in die Notaufnahme gebracht worden. Der 29-Jährige sei ansprechbar gewesen, sein Kreislauf stabil. Bei ihm fanden Helfer jedoch Spritzbesteck für Drogen, das sie ihm abnahmen.

Der Mann verweigerte allerdings eine weitere Behandlung und verließ nach nur zehn Minuten die Notaufnahme. "Da eine akute Vitalgefährdung zu diesem Zeitpunkt sicher auszuschließen und die Geschäftsfähigkeit ausreichend gegeben war, wurde keine polizeiliche Suche veranlasst", erklärte Charité-Sprecherin Kerstin Endele.

Was danach geschah, ist bislang nur Gegenstand von Spekulationen. Fest steht lediglich, dass die Leiche am Mittwochvormittag in einer öffentlich zugänglichen Besuchertoilette des Krankenhauses entdeckt wurde. Das gab die Klinik am späten Donnerstagabend bekannt. Mitarbeitern sei am Vormittag ein strenger Geruch aus der Behindertentoilette aufgefallen. Da diese von innen abgeschlossenen war, wurde ein Schlosser gerufen. Dieser entdeckte die Leiche.

Ähnlicher Fall in Thüringen

Ende Dezember war in Thüringen ein ähnlicher Fall bekannt geworden. Kurz vor Silvester hatten Krankenhausmitarbeiter in einem Klinikum in Weimar eine 20-Jährige gefunden, die ebenfalls tagelang unbemerkt tot in einer Toilette gelegen hatte. Im Charité-Klinikum Benjamin Franklin im Süden der Stadt war im Juni 2006 ein 68 Jahre alter behinderter Rollstuhlfahrer rund 80 Stunden unbemerkt in einem Fahrstuhl eingesperrt gewesen.

An der gesamten Charité werden die Toiletten von Mitarbeitern des Tochterunternehmens CFM gereinigt. Normalerweise erfolge täglich die Reinigung aller Toiletten, sagte Sprecherin Endele. Doch es sei auch denkbar, dass eine Reinigungskraft eine Toilette nicht putze, wenn diese abgeschlossen sei. Dass die Tür so lange verschlossen bleibe, sei möglicherweise wegen des regelmäßigen Personalwechsels nicht aufgefallen. "Das ist aber nur eine Vermutung", betonte Endele. Möglicherweise kann erst eine Obduktion klären, warum der 29-jährige Mann auf der Toilette starb und wie lange er dort tot lag.

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KOMMENTARE (10 von 13)
 
daf. (15.03.2009, 11:22 Uhr)
Schweinestall Hoch 3
Diejenigen die an der WC Türe klopfen und fragen sollten sprechen meistens kein Deutsch. Billig und schnell muss es eben sein. Hoffentlich werde ich nie in so einem Siffstall eingeliefert. Niemand da in Berlin für verantwortlich ? Pfui Teufel
Johann58 (14.03.2009, 14:34 Uhr)
@zappuser
schon mal in deinem Leben was von Verantwortung gehoert? Was istdabei, wenn man als Reinigungskraft an eine verschlossene Tuer klopft und fragt ob alles in Ordnung ist. Keiner sagt, dass die Privatspaere gestoert werden soll. Wenn jemand in Ruhe scheissen will kann er das tun und sagen. Es sollte jemandem auffallen, dass eine Toilette laengere Zeit besetzt ist, es sein denn dass die Reinigung der Toilette weniger als 1 Minute dauert. Aber das sagt dann nochmehr aus. Oeffentlich Toiletten in den USA sind so konstruiert, dass man unter der Tuer einen Spalt hat, durch den man sehen kann ob jemand die Toilette benutzt, das ist unangenehm haette aber in diesem Fall geholfen.
zappuser (14.03.2009, 13:25 Uhr)
Nun mal halblang,
warum soll das Reinigungspersonal an die Tür der Toilette klopfen und fordern, daß man aufmacht. Wenn sich einer in der Toilette einschließt, wird nicht immer nachgesehen (Privatsphäre). Und so wird man, wenn verstorben, erst viele Tage später gefunden. Ein ganz normaler Vorgang, den man doch nicht der Charite anlasten kann. Nicht mal eine Meldung in der Presse wert, denn soetwas passiert garantiert öfter. Klar jedoch, daß wieder Gutmenschen auf diese Meldung einsteigen.
Nostradamus (14.03.2009, 13:16 Uhr)
Deutsches Krankensystem
Ich könnte hier noch anderes über die Charite berichten aber das würde wohl dazu führen, dass diejenigen, die meiner Identität hinterher schnüffeln zu schnell darauf kämen wer ich bin.
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Auch in der Charite sterben Leute wie in der USA in der Notaufnahme.
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Das Gesundheitssystem wurde von Sozis zu einem Industriebetrieb umfunktioniert und das Ergebnis ist, dass nicht mehr der Mensch im Vordergrund steht sondern die Wirtschaftlichkeit.
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In den 70'iger und 80'iger Jahren hätte man so einen Menschen zum Einen erstmal eingewiesen und ihm ein Bett gegeben, ihn dann hoch gepäppelt und fertig. Heute?
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Die meisten, die heute im Gesundheitssystem arbeiten haben eine Haltung zur Heilung eines Menschen wie ein Elektrogerätemechaniker der einen Roboter repariert.
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Das ist eben das Problem des Verlustes aller moralischer und ethischer Grundsätze, der Verlust des Glaubens aber auch zum Teil auf Multikulti zurückführbar. Macht weiter so. Schöne Zukunft die ihr euch da baut.
tagora-sagittara (14.03.2009, 00:40 Uhr)
@ utospatz
sehr treffend formuliert!!
appaz (13.03.2009, 20:12 Uhr)
"Qualität"smanagement
Ich nehme an, der Laden verfügt über ein zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem!?
Liebe Leute, auf der Pappe ruht man sich nicht aus! Die Kontrolle u.a. der "Zulieferer" (wie z.B. Reinigungsfirmen) gehört dazu.
stwberlin (13.03.2009, 19:51 Uhr)
Erschreckend
Eigentlich wollte ich weiteren Besuchern zuliebe im Sitzen ... statt im Stehen.
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Betrachtet man(n) diesen Fall, so sollte man sich aber scheinbar überlegen, ob man überhaupt in einem Krankenhaus auf ein WC gehen sollte. Nicht wegen der in der Presse hochgespielten Sterblichkeitsrate (es sterben mehr Menschen im heimischen Bad/WC) - sondern wegen der offensichtlich mangelhaften hygienischen Bedingungen.
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@vital0069 : ich stimme Ihnen nicht zu. Verantwortungsbewusstsein ist nicht durch höhere Gehälter zu erreichen. Das sieht man aktuell bei den Bankern. Es ist eine Einstellung, die man von zuhause mitbekommt - oder eben nicht.
Johann58 (13.03.2009, 18:56 Uhr)
vielleicht
sollte man dem Reinigungspersonal mal zeigen wie man an einer Tuer anklopft und fragt wie lange der Schiss noch dauert um a) zu fragen ob alles OK ist und b) um darauf hinzuweisen dass man sauber machen will. Es zeigt aber wirklich den Zustand vieler Bereiche in Deutschland wo man Arbeiten an Dritte vergibt und dann glaubt die Verantwortung los zu sein. Ueberschrift in der 'Bild' koennte auch lauten; Verstopfung in Deutschen Krankenhaeusern kann toedlich sein.
vital0069 (13.03.2009, 18:23 Uhr)
Hygiene
Anscheinend wird die Hygiene in diesem Spital nicht so ernst genommen. Man kann nur hoffen, dass im Umgang mit den Patienten etwas mehr auf die Hygiene (Gesundheit) geschaut wird.
Wenn Angestellte zu Harz-Konditionen arbeiten müssen, dann kann man von ihnen nicht mehr erwarten!
laluna3 (13.03.2009, 17:56 Uhr)
Toter liegt tagelang im WC
Da ist wohl niemand vom Reinigungspersonal mal auf die Idee zu kommen, an die Tuer zu klopfen?
Und wenn ich lese, die Toiletten werden fast taeglich geputzt, kann ich mir nur mit grauen vorstellen, wie dreckig es dort sein muss. Da bemerkt man nicht einmal eine verweste Leiche.
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