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Ursula Böttcher ist tot

Die bekannteste Dompteurin der DDR, Ursula Böttcher, ist tot. Die 82-Jährige starb bereits am Mittwoch in einem Dresdner Krankenhaus, wie die "Dresdner Morgenpost" berichtete.

Die bekannteste Dompteurin der DDR, Ursula Böttcher, ist tot. Die 82-Jährige starb bereits am Mittwoch in einem Dresdner Krankenhaus, wie die "Dresdner Morgenpost" berichtete. Böttcher war die erste Frau überhaupt, die eine Eisbären-Nummer in der Manege zeigte. Bei Tourneen wurde sie weltweit gefeiert und erhielt zahlreiche Preise, unter anderem den Zirkus-Oskar. Berühmt wurde sie mit einer Dressur, bei der sie einen der Bären von Mund zu Mund mit einem Leckerbissen fütterte.

Der legendäre "Todeskuss" wurde 1978 sogar auf einer DDR-Sonderbriefmarke verewigt. Die Dresdnerin, die nicht aus einer Zirkus-Familie stammt, fing 1952 beim Zirkus Busch zunächst als Putzfrau an, bevor sie zwei Jahre später auf einem störrischen Esel erstmals in der Manege ihr Debüt gab. 1955 folgten dann im Zirkus Barlay erste Auftritte mit einer Löwengruppe. Beim DDR-Staatszirkus begann sie Ende 1961 schließlich die Arbeit mit den Eisbären.

Dabei hätte der Kontrast kaum größer sein können: Auf der einen Seite die nur 1,58 Meter kleine und zierliche Frau, auf der anderen die mehrere hundert Kilogramm schweren und gewaltigen Eisbären, denen sie gerade mal bis zum Bauch reichte. Seit 1964 trat sie gemeinsam mit ihrem Partner Manfred Horn mit der international einmaligen Eisbären-Dressur auf und zeigte bis zu zwölf Tieren im Käfig, wo es langgeht. Eisbären gelten als die gefährlichsten Raubtiere überhaupt. Als Zirkustiere sind sie daher äußerst selten.

Böttcher war in zahlreichen Ländern die Attraktion der Zirkus-Programme - und brachte der DDR damit reichlich Devisen ein. Unter anderem gastierte sie in Japan, Griechenland und Spanien. Auf ihren USA-Tourneen wurde die kleine, aber resolute Dompteurin als "Princess of Bears" gefeiert. Auch nach dem tragischen Tod ihres Partners trat sie weiter auf. Horn kam 1990 bei der Arbeit mit Braunbären ums Leben. Nachdem er unglücklich zu Fall gekommen war, hatten sich mehrere Tiere auf ihn gestürzt.

Nach der Wiedervereinigung kam das Aus für den ehemaligen DDR-Staatszirkus. Obwohl Böttcher Auftritts-Angebote aus mehreren Ländern hatte, erhielt auch sie die Kündigung. Die Eisbären wurden 1999 an verschiedene Zoos verkauft. Eines der Tiere kam in den Berliner Zoo und wurde dort Ende 2006 Mutter von Knut, der anschließend zum Medienstar avancierte.

Böttcher gab an, nie Angst vor großen Raubtieren gehabt zu haben. Sobald sie die verspürt hätte, wäre sie nicht mehr in den Käfig gegangen. Die einzigen Tiere, vor denen sie wirklich Angst hatte, waren angeblich Spinnen. In einem ihrer seltenen Interviews nach der Abwicklung durch die Treuhand sagte sie auch, trotz des bitteren Endes sei es ein wunderbares Leben gewesen. "Ja, ich würde alles noch mal so machen."

APN/APN

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