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Am Nachmittag sollen die Bäume fallen

Rund 175 Bäume müssen dem Bau des neuen Stuttgarter Bahnhofs weichen. Die Polizei räumte am Morgen ein Blockade der S21-Gegner. Die Aktivisten wollen aber nicht aufgeben.

Der Stuttgarter Schlossgarten ist am Mittwochmorgen zur Vorbereitung der Abholzung von dutzenden von Bäumen für das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 weitgehend geräumt worden. Der Einsatz der rund 2500 Beamten sei "im Großen und Ganzen sehr friedlich" verlaufen, sagte ein Polizeisprecher. Derzeit sei die Polizei noch damit beschäftigt, mit einer Hebebühne Aktivisten von Bäumen zu holen, die dort in Holzverschlägen und unter Planen vermutet werden. Zudem hätten sich zwei Männer an einem Protestzelt einbetoniert. Etliche Protestler hätten zuvor die Möglichkeit genutzt, das Gelände freiwillig zu verlassen.

Der Sprecher des Bahnprojekts zeigte sich erleichtert über den friedlichen Verlauf der Proteste. "Ich bin sehr froh, dass die Demonstranten friedlich geblieben sind", sagte er. Er gehe nun davon aus, dass die Fällarbeiten am frühen Nachmittag beginnen können. "Es sieht im Moment so aus, als wenn wir im Zeitplan bleiben können." Er hoffe, dass die Demonstranten auch in den kommenden Tagen vernünftig blieben und den Abtransport der Bäume sowie das Verpflanzen nicht behinderten.

Die S21-Gegner machten derweil deutlich, dass die ihren Protest fortsetzen wollen. Auch nach der Räumung des Stuttgarter Schlossgartens sollen die Montagsdemonstrationen weitergehen. Dies kündigte der Sprecher der "Parkschützer", Matthias von Herrmann, an. Mit dem Fällen der Bäume gehe zwar der "emotionale Aufhänger" für die Demonstrationen verloren, aber es gebe weiterhin viele ungeklärte Fragen, sagte er. Die nächste Montagsdemonstration werde am 20. Februar stattfinden.

"Parkschützer" werfen Polizei Aggressivität vor

Nicht alle Teilnehmer haben den Verlauf der Proteste als "friedlich" wahrgenommen. Während die Polizei lediglich von einer angespannten Atmosphäre sprach, warfen die Aktivisten der Polizei vor, "aggressiv und provozierend" aufzutreten. Die Beamten hätten direkt beim Betreten des Schlossgartens "grundlos" Schlagstöcke eingesetzt und Umstehende geschubst, kritisierten die "Parkschützer". Die Schlagstöcke seien nur vereinzelt eingesetzt worden, wo S21-Gegner partout nicht hätten zur Seite gehen wollen, entgegnete der Polizeisprecher. Ein Mann soll festgenommen worden sein, weil er in Besitz von Pyrotechnik gewesen sei.

Gegen drei Uhr waren rund 2500 Beamte aufmarschiert, um das Baufeld in der Nähe des Hauptbahnhofs abzusperren. Sie stellten Gitter entlang des 40.000 Quadratmeter großen Geländes auf. Nach Angaben eines Polizeisprechers hielten sich dort zu dieser Zeit etwa 1000 Stuttgart-21-Gegner auf.

Der erwartete massive Widerstand der Projektgegner blieb zunächst aus. Initiativensprecher von Herrmann berichtete von bis zu 2000 Demonstranten, die ein "Signal für den friedlichen Protest" setzen wollten. Über den Einsatz sagte er: "Die Polizei ist rasch und hektisch aufgelaufen." Es sehe nicht nach einem besonnenen Einsatz aus, wie ihn Stuttgarts Polizeipräsident Thomas Züfle angekündigt hatte.

174 Bäume fällen oder verpflanzen

Die Protestler hatten sich in kleinen Gruppen auf dem Gelände verteilt. Einige waren auf Bäume geklettert oder hatten sich im Kreis darum gesetzt. Andere errichteten Barrikaden. Rund 70 Leute bildeten eine Menschenkette am Grundwassermanagement. Mit Trillerpfeifen, Trommeln und Plakaten demonstrierten sie gegen das Bahnprojekt. "Wir werden den Protest erst dann aufgeben, wenn Stuttgart 21 beendet ist", sagte von Herrmann. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt sollten Lagerfeuer Wärme spenden.

In den kommenden Tagen sollen 108 Bäume gefällt und 68 Bäume verpflanzt werden, damit der Trog für den heftig kritisierten Tiefbahnhof ausgehoben werden kann. Es ist der zweite große Polizeieinsatz innerhalb von gut einem Monat. Am 13. Januar war der Südflügel des alten Bahnhofs abgesperrt worden, um ihn abreißen zu können.

Polizei will keine neue Eskalation

Regierung und Polizei wollten eine Eskalation wie bei den Baumfällarbeiten am 30. September 2010 unbedingt vermeiden. Damals hatte die Polizei Wasserwerfer und Pfefferspray eingesetzt; mehr als 100 Menschen wurden verletzt. Die Ereignisse hatten eine Entwicklung in Gang gebracht, die zu einem Regierungswechsel in Baden-Württemberg führte. Allerdings wird von den Protestgegnern inzwischen auch die neue grün-rote Regierung dafür kritisiert, dass sie S21 nicht verhindert hat.

Das Projekt Stuttgart 21 umfasst eine unterirdische Durchgangsstation und die Anbindung an die geplante Schnellbahnstrecke nach Ulm. Die Bahn schätzt die Kosten auf rund 4,1 Milliarden Euro. Die Grünen und andere Projektgegner halten den Bahnhofsumbau für unnötig und rechnen mit einer Kostenexplosion. Seit der Volksabstimmung Ende November 2011, bei der sich die Befürworter durchsetzten, hat sich die Debatte etwas beruhigt.

dho/DPA/Reuters/AFP/DPA/Reuters

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