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5. Oktober 2006, 07:16 Uhr

Amokläufer gibt Rätsel auf

Was trieb den Todesschützen an der Amish-Schule? Die Polizei steht vor einem Rätsel - denn in seinem Abschiedsbrief schrieb der Mann von zwei Vergewaltigungen, die offenbar gar nicht stattgefunden haben.

Trauer in Nickel Mines: Fassungslos stehen drei Frauen aus der Amish-Gemeinde am Zaun© Fred Comegys/AP

Das genaue Motiv des Mannes, der an einer Schule der Amish-Gemeinschaft in den USA ein Blutbad angerichtet hat, gibt den Ermittlern Rätsel auf. In einem Abschiedsbrief an seine Ehefrau hatte der 32-Jährige geschrieben, er habe sich in jungen Jahren an zwei kleinen Mädchen aus der Verwandtschaft vergangen und werde seitdem von Träumen gequält, dies wieder zu tun. Die Ermittler teilten nun aber mit, die beiden Frauen hätten ausgesagt, von Charles Carl Roberts nicht sexuell belästigt worden zu sein. Sie seien völlig sicher, niemals mit dem Täter Kontakt gehabt zu haben, sagte Polizeisprecherin Linette Quinn.

Roberts hatte am Montag eine Zwergschule der Amish im US-Staat Pennsylvania gestürmt und sich mit mehreren Schülerinnen in einem Klassenraum verbarrikadiert. Er schoss auf zehn Mädchen, bevor er sich selbst tötete. Fünf Kinder kamen ums Leben.

Täter richtete sich auf längeren Aufenthalt ein

Der Mann hatte sich offensichtlich darauf vorbereitet, für eine längere Zeit in der Ein-Zimmer-Schule zu verbarrikadieren und auch dort zu sterben. Sechs Tage, bevor Charles Carl Roberts in die Schule eindrang, kaufte der 32-Jährige nach Polizeiangaben Vorräte ein, die für längere Zeit ausgereicht hätten. Im Klassenzimmer wurde unter anderem Wäsche zum Wechseln gefunden, außerdem Toilettenpapier. In seinem Kleinlaster entdeckte die Polizei eine Checkliste. In die Schule brachte Roberts drei Gewehre, ein Betäubungsgewehr, zwei Messer, Holz zum Verbarrikadieren der Türen und einen Sack mit 600 Schuss Munition mit.

Nach Angaben der Polizei hatte der Täter außerdem zwei Tuben Gleitmittel, bei sich genauso wie Draht, Paketband, einen Hammer und eine Metallsäge - Gegenstände, mit denen er die Mädchen hätte quälen können. Zwar gebe es keine Beweise für einen geplanten sexuellen Übergriff des 32-jährigen Täters, sagte Jeffrey Miller von der Polizei im Bundesstaat Pennsylvania bei einer Pressekonferenz. Aber es sei sehr gut möglich, dass er "diese Kinder auf viele Arten schikanieren wollte, bevor er sie und sich selbst tötete".

In vier Abschiedsbriefen an seine Frau und seine drei Kinder hatte der Mann berichtet, er sei voller Hass und einer "unvorstellbaren Leere". Außerdem werde er noch immer vom Tod seiner Tochter 1997 verfolgt. Das Frühchen starb wenige Minuten nach der Geburt. "Er war ein sehr tief gestörter Mensch, aber nicht auf die Art und Weise, als dass es die Menschen oberflächlich hätten erkennen können", sagte Polizeisprecher Miller. Während er die Tat akribisch geplant habe, sei er durch die schnell eintreffende Polizei aus dem Konzept gekommen.

Amish-Schule war ein einfaches Ziel

An der Georgetown School im Landkreis Lancaster etwa 100 Kilometer westlich von Philadelphia wurden 26 Schüler im Alter zwischen sechs und 13 Jahren unterrichtet. Die Polizei erklärte, der Täter habe sich die Schule wohl ausgesucht, weil sie ein einfaches Ziel gewesen sei. Der christliche Amish-Gemeinde habe als Hintergrund offenbar keine Rolle gespielt.

Die Amish sind eine konservative Gruppe der Mennoniten, die sich 1693 in Europa abspalteten. Sie wanderte später in die USA aus und siedelte sich insbesondere in Pennsylvania und Ohio an. Bis heute werden Messen auch auf Deutsch abgehalten. Die Amish lehnen viele Aspekte des modernen Lebens ab, unter anderem Kraftfahrzeuge.

AP/Reuters
 
 
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