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21. September 2010, 15:20 Uhr

Amokläuferin schoss auf Rentnerin

Neue Erkenntnisse zum Amoklauf von Lörrach: Sabine R. schoss offenbar auf deutlich mehr Menschen. Die Anwältin zielte auch auf eine 70-jährige Rentnerin mit Gehhilfe und einen Mann mit Kind.

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Trauer in Lörrach: Blumen und Kerzen wurden vor dem Elisabethen-Krankenhaus abgelegt© Winfried Rothermel/DAPD

Was ging in der Amokläuferin von Lörrach vor? Nach der Tragödie mit vier Toten am Sonntag suchen die Ermittler weiter nach Hinweisen auf die Hintergründe. "Es geht weiter um das Motiv der Tat", sagte ein Polizeisprecher. "Außerdem wollen wir die Tat weiter dokumentieren. Es ist wichtig, um der Sache ein rundes Bild zu geben." Die Ermittler wollen am Mittwoch weitere Spuren auswerten und suchen dringend nach Zeugen.

Die Öffnung von zwei Tresoren in Wohnung und Kanzlei der Amokläuferin brachte keine neuen Erkenntnisse zu den Hintergründen der Tat. Die Ermittler hatten gehofft, darin eventuell Hinweise auf das Motiv sowie auf Probleme und die Persönlichkeit von Sabine R. zu finden.

Sie schlug und erstickte ihren Sohn

Die Obduktion der Leichen brachte dagegen grausige Details ans Licht: Die Sportschützin schlug ihren fünfjährigen Sohn erst bewusstlos und erstickte ihn dann mit einer Plastiktüte. Die 41-Jährige selbst wurde schließlich von der Polizei erschossen.

Der Obduktion zufolge tötete Sabine R. ihren Mann in ihrer Wohnung, in der sie auch ihre Anwaltskanzlei hatte, mit zwei Schüssen in Kopf und Hals. Die Frau lebte seit Juni getrennt von dem 44-Jährigen. Das Kind wohnte beim Vater und war am Sonntag bei der Mutter zu Besuch. Als der Vater das Kind abholen wollte, kam es zu der tödlichen Gewalt.

Dann lief Sabine R. ins gegenüberliegende Krankenhaus. Auf dem Weg verletzte sie zwei Passanten. Zeugenangaben zufolge schoss sie auch noch auf weitere Menschen auf der Straße. Ein Fußgänger ging demnach sofort in Deckung. Zudem soll Sabine R. auf eine etwa 70 Jahre alte Frau mit einer Gehhilfe, ein vorbeifahrendes Auto und einen Mann mit einem Kind gezielt haben. Sie wurden nicht getroffen. Die Polizei sucht dringend Zeugen.

Bündnis für härteres Waffenrecht

Im Krankenhaus erschoss sie dann einen 56 Jahre alten OP-Pfleger, einen Polizisten verletzte sie schwer. Die Frau galt zuletzt als psychisch stark angespannt und hatte offenbar die Trennung von Mann und Kind nicht verkraftet.

Nach Angaben des Deutschen Schützenbundes war die Amokläuferin bereits 1996 aus dem Schützenverein ausgetreten, hatte ihre Waffe aber behalten. Das Blutbad hat auch die Debatte um das Waffenrecht neu entfacht. Die Grünen, die Linkspartei und das Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden fordern eine erneute Verschärfung. CDU, FDP und Polizei lehnen dies ab.

swd/DPA
 
 
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