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21. Juni 2007, 07:37 Uhr

Mordprozess gegen Schüler beginnt

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit beginnt heute in Schwerin der Mordprozess gegen zwei 17-jährige Schüler, die ein Ehepaar getötet haben sollen. Die Tat hatte wegen der Brutalität der Täter bundesweit für Aufsehen gesorgt.

Einer der beiden Angeklagten nach seiner Festnahme in der Tatnacht© Roland Magunia/DDP

Rund fünf Monate liegt die Bluttat von Tessin zurück. Längst sind die Kamerateams verschwunden, die im Januar das 200-Seelen-Dorf bei Boizenburg in Mecklenburg- Vorpommern in den Mittelpunkt der Nachrichten rückten. Doch zum "normalen Leben" zurückgefunden hat wohl noch niemand in dem beschaulichen Ort. "Es wird nichts wieder so, wie es war", sagt Bürgermeisterin Gertrud Geistlinger. Am Donnerstag beginnt vor dem Landgericht Schwerin der Prozess gegen die beiden Gymnasiasten, die am 13. Januar ein Ehepaar in der Nachbarschaft niedergemetzelt haben sollen. Das Gerichtsverfahren findet aufgrund des Alters der Angeklagten unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Den 17-jährigen Schülern aus Tessin und einem Nachbarort werden unter anderem zweifacher Mord und Geiselnahme vorgeworfen. Sie haben, davon geht die Anklage aus, das Leben eines 46-jährigen Mannes und seiner 41-jährigen Frau brutal ausgelöscht. Mit unzähligen Messerstichen gegen Kopf und Rumpf sollen sie das Ehepaar getötet haben, nachdem sie sich Zutritt zu dessen Haus verschafft hatten. Den Ermittlungen zufolge wurden allein der Frau mehr als 60 Schnitt- und Stichverletzungen zugefügt.

Tatablauf gestanden

Dem 16-jährigen Sohn war es gelungen, sich zu verbarrikadieren und die Polizei zu rufen. Nach der Bluttat wollten die Angeklagten laut Staatsanwaltschaft mit dem Auto des Ehepaares fliehen, rammten aber mehrere Wagen und kamen nicht weit. Nach gut einer Stunde gaben sie auf. Die ganze Zeit hatten sie der Anklage zufolge eine Geisel dabei, die sie mit einem Messer bedrohten. Das 15-jährige Mädchen, der vor der Öffentlichkeit abgeschirmte Sohn des Paares und die Schwester der toten Frau sind Nebenkläger im Prozess. Die beiden Angeklagten haben der Staatsanwaltschaft zufolge den Tatablauf eingestanden.

Die 15-Jährige leidet noch immer unter dem Drama des 13. Januar. Nach mehrwöchigem Krankenhausaufenthalt gehe es ihr jetzt etwas besser, sagt der Opferjurist Thomas Kämmer. Das Mädchen wird als Zeugin im Prozess aussagen, für den vorerst vier Termine bis Mitte Juli angesetzt sind.

Motiv unklar

Die Frage nach dem Warum bleibt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die beiden Angeklagten die Schule abbrechen und in Japan ein neues Leben beginnen wollten. Deshalb wollten sie sich ein Fahrzeug beschaffen, um sich auf den Weg zu machen. Doch hätten sie keine "realistische Vorstellungen" von der Zukunft gehabt. Für die Ermittler liegt zumindest bei einem der beiden Schüler noch ein anderes Motiv nahe: Macht auszuüben.

Unmittelbar nach der Tat hatte ein Nachrichtenmagazin Jugendliche zitiert, die von "Ausrastern" bei einem der beiden 17-Jährigen berichteten. Im Wald soll er Rollen- und Fesselspiele inszeniert haben, auch mit dem Sohn des getöteten Ehepaares. Hinweise auf Schuldunfähigkeit der Angeklagten etwa durch krankhafte Störungen sieht die Staatsanwaltschaft, die beide von Sachverständigen begutachten ließ, aber nicht. Vermutungen, dass Gewaltvideos und - videospiele Auslöser für die Tat waren, hätten sich nicht bestätigt, sagte Oberstaatsanwalt Hans-Christian Pick.

"Die Dinge liegen tiefer", sagt Norbert Stern, Direktor des Elbe- Gymnasiums Boizenburg, das beide Schüler besuchten. Er hatte die Jungen kurz nach der unfassbaren Tat als nett und höflich beschrieben. Beide hatten jüngere Schüler in einem Computerkurs unterrichtet, waren nicht straffällig geworden und stammen aus wohl situierten Elternhäusern. "Es ist ein riesiges gesellschaftliches Problem", sagt der Direktor. "Gewalttaten werden so normal. Schlechte Nachrichten über Krieg und Mord sind aufregender als gute. In der Musik werden Rapper mit den brutalsten Texten ausgezeichnet. Gewalt wird, so scheint es, gemeinhin akzeptiert."

Erkennbare Anzeichen für die brutale Tat habe es zuvor nicht gegeben, sagt der Direktor auch heute noch. "Ich kann Kollegen nur den Rat geben, noch mehr auf die Schüler zu achten, zu schauen, was sie tun und stets als Ansprechpartner da zu sein." Zwei Tage pro Woche kommt noch immer ein Pastor zu Gesprächen in die Schule. Schulpsychologen stehen zusätzlich bereit.

Corinna Pfaff/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 16)
 
Freaker (22.06.2007, 17:13 Uhr)
Hmm, heftig
das ist echt heftig, sowas kann man selbst einem massenmörder nicht antun... deshalb gleich abknallen.
Prometheus90 (21.06.2007, 16:05 Uhr)
ushcf
Forscher haben übrigens herausgefunden, dass die Todesstrafe nicht so schlimm ist wie ein Lebenslanger Gefängnissaufenthalt in Isolationshaft. Für die Gefangenen ist DAS viel schlimmer. Bereits seit 1983 ist in den USA der Gefängnistyp des Supermax in Anwendung. Dieser sieht die Verwahrung der Gefangenen in vollkommener Isolationshaft 23 Stunden am Tag vor (zeitweise auch bei ständiger Beleuchtung). Die akuten und langfristigen, zum Teil chronischen Folgen von Isolationshaft sind, je nach Länge, Art und Ausmaß der Deprivation, unterschiedlich. Ebenso finden sich individuelle Unterschiede dahingehend, wann Folgen der Isolationshaft bei einem Menschen auftreten, nicht jedoch, dass sich Auswirkungen zeigen. Dies ist lediglich eine Frage der Zeit und keine Frage der Persönlichkeit oder Art der Deprivation. In Untersuchungen von Häftlingen vor, während und nach außerordentlich langer Isolationshaft konnten u. a. folgende Auswirkungen als "klassische Erscheinungen der Isolationshaft im Sinne der sensorischen Deprivation und sozialer Isolation" (Stöwsand in: Klusmeyer, 1985: 46) dokumentiert werden:
erhebliche Beeinträchtigung der Funktionsfähigkeit des vegetativen Nervensystems
erhebliche Störungen im Hormonhaushalt
Beeinträchtigung von Organfunktionen
Ausbleiben der Menstruation bei Frauen ohne physiologisch-organische, alters- oder schwangerschaftsbedingte Ursache (sekundäre Amenorrhoe)
verstärktes Gefühl, essen zu müssen: Zynorexie / Heißhunger, Hyperorexie, Fresssucht
im Gegensatz dazu Verringerung oder Ausbleiben des Durstgefühls
starke Hitzewallungen und/oder Kältegefühle, die sich nicht auf eine entsprechende Veränderung der Umgebungstemperatur oder auf eine Erkrankung (Fieber, Schüttelfrost o.ä.) zurückführen lassen
erhebliche Beeinträchtigung der Wahrnehmung und der kognitiven Leistungsfähigkeit (was insbesondere im Hinblick auf Gerichtsverfahren / Strafverteidigung Probleme schafft)
starke Störung der Verarbeitung von Wahrnehmungen
starke Störungen des Körpergefühls
starke allgemeine Konzentrationsschwierigkeiten
starke Schwierigkeiten bis hin zum Unvermögen, zu lesen bzw. das Gelesene gedanklich zu erfassen, nachzuvollziehen und in einen sinnvollen Zusammenhang zu bringen
starke Schwierigkeiten bis hin zum Unvermögen, zu schreiben bzw. Gedanken schriftlich zu verarbeiten (Agraphie / Dysgraphie)
starke Artikulations-/Verbalisierungsschwierigkeiten, die sich besonders in den Bereichen Syntax, Grammatik und Wortwahl zeigen und bis hin zu Aphasie, Aphrasie und Agnosie reichen können
starke Schwierigkeit oder Unvermögen, Gesprächen zu folgen (nachgewiesenermaßen aufgrund einer Verlangsamung der Funktion des primären akustischen Kortex der Schläfenlappenanteile aufgrund von Reizmangel)
Weitere Beeinträchtigungen
Führen von Selbstgesprächen zur Kompensation der akustischen und sozialen Reizarmut
deutlicher Verlust an Gefühlsintensität (z.B. gegenüber Angehörigen und Freunden)
situativ euphorische Gefühle, die später in eine depressive Stimmungslage umschlagen
Gesundheitliche Langzeitfolgen
soziale Kontaktstörungen bis hin zur Unfähigkeit emotional enge und langfristige partnerschaftliche Beziehungen einzugehen
Depressionen
Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls
Wiederkehren der Haftsituation in Träumen
behandlungsbedürftige Störungen des Blutdrucks
behandlungsbedürftige Hauterkrankungen
Nicht Wiedererlangen von insbesondere kognitiven Fähigkeiten (z.B. im Bereich der Mathematik), die vor der Isolationshaft beherrscht wurden
extrem lange und strenge Isolationshaft führt zum Tod, da der menschliche Organismus auf lange Sicht gesehen das Fehlen von Außenreizen nicht allein durch sich selbst (Körperreize) kompensieren kann...! Insbesondere die Langzeitfolgen von Isolationshaft zeigen diverse Überschneidungspunkte mit den Symptomen des sogenannten Überlebenden-Syndroms, das bei vielen ehemaligen Gefangenen, die in Konzentrationslagern inhaftiert waren, beobachtet werden kann. Das stand bei wikipedia.
hardrain (21.06.2007, 15:53 Uhr)
mann-der-nichts-isst...
na gut, aber denken Sie daran:" Hier!"
rufen !!!
manndernichtdaist (21.06.2007, 15:33 Uhr)
Na gut....
... dann eben keine Todesstrafe für brutale Mörder.
Schön, wenn sich Pädophile, Vergewaltiger und Mörder bei etlichen hier im Forum so sicher sein können, dass sie höchstens im Gefängnis landen würden und sich dann ein Leben lang von unseren Steurgeldern durchessen dürfen.
Ich wünsch es keinem, aber wenn einer eurer Verwandten ohne Grund umgebracht werden sollte - dann denkt ihr zu 100% so wie ich. Glaubt mir.
Prometheus90 (21.06.2007, 14:20 Uhr)
KANADA!!!
In Kanada gibt es mehr Waffen pro Einwohner, als in den USA und trotzdem weniger Morde. Zum Thema DNA, wohl zu viel CSI gesehen, wa?
Evil-King (21.06.2007, 13:58 Uhr)
So einfach kann man es machen...
Wie wärs mit Hände abhacken bei Dieben?
Zunge raus bei Lügen?
Steinigung bei Ehebruch?
Oder wir killen einfach jeden, der mal was verbotenes gemacht hat?
Moment... letzteres nehm ich zurück... dann gäbs ja keine Menschen mehr...
Egal, lang lebe die Sharia!!!
Auge um Auge? Zahn um Zahn?
Der Typ hat jemanden getötet und soll getötet werden? Nun gut, führen wir diesen Vorschlag doch mal fort... Blubb: Henker tot... Blubb:Henkershenker tot... Blubb: uns gehen die Henker aus...
Wie wärs, wenn du einfach mal hingehst und ihn erschiesst? Kannst du nicht? Warum denn? Is doch nen Mörder!!!
So ne beknackte "Pro-Todesstrafe"-Scheisse kommt meist von Menschen, die dann rumjammern, wenn sie der Vollstrecker sein sollen. Na klar, du kannst das natürlich... wissen wir doch...
Für die Erde wäre ne fortführende Todesstrafe natürlich das Beste... also, warum nicht: Save the nature, kill all humans!!!
manndernichtdaist (21.06.2007, 12:56 Uhr)
@Prometheus90
Und was für eine Wurst sind sie?
Die USA als Argument zählt allein wegen deren Waffengesetz nicht! Lesen sie nur das was sie lesen wollen oder wie?
Warum wurde denn der Mann als unschuldig erkannt? hm? na? richtig! Die DNA Analyse gabs vor 18 Jahren noch nicht. Na da schau her! Jetzt hat man die Möglichkeit.
Mittlerweile ist durch diese genaue Analyse ein "perfektes" Verbrechen so gut wie auszuschliessen! Irgendwo findet sich immer Speichel, ein Haar oder Schuppen, Haut oder sonstiges, was den wahren Mörder zwangsläufig überführen wird.
Ich sag ja nicht, dass alle Verbrecher an den Galgen sollen, aber ein erwiesener Mehrfachmörder/Mehrfachvergewaltiger - der gehört weg. Und bei der Meinung bleibe ich!
Unsere Justiz geht viel zu oft viel zu lasch mit solchen Leuten um.
Prometheus90 (21.06.2007, 12:16 Uhr)
Todesstrafe...
Was für ein "Hans Wurst" Manndernichtdaist sind sie eigentlich? In den USA ist die Mordrate durch die Todesstrafe nicht niedriger, im Gegenteil. Auf den Staat muss man sich verlassen können, stellen sie sich vor sie, oder ein ihnen nahe stehender Verwandter wird zum Tode verurteilt, obwohl er gar nichts getan hat. Letztes war bei Johannes B. Kerner ein Mann, der 18 Jahre unschuldig in der Todeszelle saß, meiner Meinung nach darf sich der Statt so etwas nicht leisten, weil es theoretisch jeden treffen kann. Es darf nicht sein, dass der Staat "nur einen" unschuldigen Bürger hinrichtet!
Hat man nicht damals das "Killerspiel" Final Fantasy dafür verantwortlich gemacht, scheint so als hätte sich diese nette Idee in Luft aufgelöst. Gestörte wird und hat es immer geben, nur durch die Medien hat man den Eindruck, dass es vor lauter Mördern, Vergewaltigern nur so wimmelt sind.
manndernichtdaist (21.06.2007, 11:57 Uhr)
@hardrain
Dich möchte ich hören, wenn deine Familie so abgeschlachtet werden würde....
Ich habe Hirn, keine Sorge und mein Vorschlag gilt: Todesstrafe einführen. Durch Abschreckung lassen sich viele Gewalttaten eindämmen.
Und kommt mir nicht mit den USA als Gegenbeispiel, deren lasches Waffengesetz haben wir nicht
hardrain (21.06.2007, 10:52 Uhr)
Heh, Ihr Kommentatoren,
nach dem Arschabwischen wird das Papier weggeworfen und nicht gegessen - sonst kommt da nur so eine Scheiße bei raus!
Beim nächsten Hirnverteilen: Hier! rufen!
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