Fabrikmanager sollen Arbeiter eingesperrt haben

28. November 2012, 14:39 Uhr

Die Aufpasser der Textilfabrik in Dhaka stehen unter einem schrecklichen Verdacht: Sie haben die Arbeiter während des Feuers offenbar an der Flucht gehindert. Die Männer wurden festgenommen.

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Die drei Manager der zerstörten Textilfabrik in Dhaka sollen die Notausgänge abgeriegelt haben, als das Feuer ausbrach©

Manager der Unglücksfabrik in Bangladesch sollen die Arbeiter während des Brandes eingeschlossen haben. Am Mittwoch wurden drei Männer festgenommen, die für Lager, Verwaltung und Sicherheit verantwortlich waren. Sie würden nun fünf Tage lang in Untersuchungshaft befragt, sagte Staatsanwalt Anwarul Kabir Babul in Dhaka. Ein Untersuchungsbericht der örtlichen Polizei kommt zu dem Ergebnis, dass die Männer die Tore abschlossen, als das Feuer ausbrach. Bei dem Brand am Rande der Hauptstadt Dhaka waren nach Angaben eines Regierungssprechers 112 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 1000 Arbeiter befanden sich im Gebäude.

Auch Zeugen hatten lokalen Medien berichtet, Notausgänge seien auf mehreren Etagen abgeschlossen worden und Feuerlöscher hätten nicht funktioniert. "Überlebende sagten uns, sie hätten Arbeitern nicht erlaubt, vor dem Feuer zu fliehen und hätten von einer Routinefeuerübung gesprochen", sagte der Polizeichef von Dhaka, Habibur Rahman, über die drei festgenommenen Führungskräfte.

Der Staatsanwalt meinte, die Verantwortungslosigkeit der Aufpasser habe den Tod der Arbeiter verursacht. Die drei Manager erklärten, sie seien unschuldig. Ihre Befragung soll auch dabei helfen, die Brandursache zu ermitteln. Nach Erkenntnissen der Regierung waren Brandstifter für das fatale Feuer verantwortlich. Die Polizei vernahm zudem den auf der Flucht gefassten Inhaber der Firma Tazreen Fashion, Delwar H. Dieser werde verdächtigt, sich nicht an die Bauvorschriften gehalten zu haben. Für das neunstöckige Fabrikgebäude habe nur eine Genehmigung über drei Stockwerke vorgelegen, sagte der Polizeichef.

Proteste in Dhaka gehen weiter

Überlebende des Feuers und Kollegen angrenzender Fabriken gingen auch am Mittwoch wieder auf die Straße, um für mehr Brandschutz zu demonstrieren. Auch forderten sie die Festnahme des Fabrikbesitzers und die Auszahlung von drei Monatslöhnen. Die rund 5000 Menschen blockierten Straßen, bewarfen Autos mit Ziegelsteinen und gerieten mit der Polizei aneinander, die die Menge mit Gummigeschossen, Tränengas und einem Wasserwerfer zerstreuen wollte. Die rund 100 Fabriken im Industriegebiet Ashulia blieben erneut geschlossen.

Unterdessen ereignete sich in Bangladesch ein weiterer Brand in einer Textilfabrik. Mindestens 50 Menschen wurden verletzt, als sie nach dem Ausbruch eines Feuers in der Fabrik Section Seven Limited in der Hafenstadt Chittagong in Panik gerieten und zum Ausgang stürmten. Das Feuer sei im vierten Stock des fünfstöckigen Gebäudes wegen eines Kurzschlusses ausgebrochen, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Die Feuerwehr konnte den Brand schnell unter Kontrolle bringen.

Am Dienstag hatte Bangladesch einen Trauertag im Gedenken an die Opfer der Brandkatastrophe begangen. Auf den Dächern von Regierungsgebäuden und den etwa 4500 Textilfabriken hing die grün-rote Landesflagge auf Halbmast. Die Regierung setzte zwei Kommissionen ein, um den Vorfall zu untersuchen. In der Textilindustrie des südasiatischen Landes arbeiten rund drei Millionen Menschen, Bangladesch ist der zweitgrößte Textilexporteur der Welt.

mlr/AFP/DPA
 
 
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