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11. Dezember 2008, 14:39 Uhr

Heftige Kritik an TV-Selbstmord

Angst vor Nachahmern: Ärzte und Hilfsorganisationen haben die TV-Dokumentation über die Selbsttötung eines Menschen massiv kritisiert. Der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, warnte davor, dass durch solche Beiträge Menschen in den Suizid getrieben werden.

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Der 59-jährige Craig Ewert hatte sich 2006 selbst getötet© AP

Nach der Ausstrahlung einer Dokumentation über die begleitete Selbsttötung eines Menschen in Großbritannien reißt die Kritik an der Sendung nicht ab. Ärzte und Hilfsorganisationen in Deutschland und Großbritannien riefen Medien am Donnerstag zu einem Verzicht auf solche Beiträge auf. Erneut wurde vor Nachahmungs-Effekten gewarnt.

Sterbehilfe dürfe nicht "als scheinbar ideale Handlungsanleitung zum Freitod" inszeniert werden, sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe. Durch die öffentliche Inszenierung verliere der Sterbende seine Würde. Diese Menschen bräuchten Zuwendung und Linderung ihrer Schmerzen. Dabei könnten ihnen Hospize und die Palliativmedizin helfen. "Wenn nun aber medial dargestellt wird, dass Selbsttötung der vermeintlich leichtere Weg ist, dann wird das unverantwortliche Konsequenzen gerade für labile Menschen nach sich ziehen", so Hoppe.

Auch die Deutsche Hospiz Stiftung sprach von einer "verwerflichen Inszenierung". "Suizid ist ansteckend, Berichte darüber lösen wieder neue Suizide aus", warnte Eugen Brysch, Geschäftsführender Vorstand der Stiftung. Heftige Kritik äußerte er an der umstrittenen Schweizer Sterbehilfeorganisation Dignitas, die den Freitod des Mannes begleitet hatte. Der Verein sei nicht qualifiziert, professionelle Sterbebegleitung zu leisten. Der Film sei "eine brandgefährliche Werbung für einen Verein, der mit stümperhaften Mitteln seine zynischen Ziele verfolgt", erklärte Brysch. Nach seinen Angaben wäre dem im Film gezeigten Mann ein sanfterer Tod möglich gewesen, wenn einfach die Beatmung eingestellt worden wäre - begleitet von Ärzten und mit entsprechenden Medikamenten.

In dem Film, der am Mittwochabend im britischen Sender "Sky Real Lives" ausgestrahlt worden war und bereits im Vorfeld eine heftige Debatte ausgelöst hatte, wird das Sterben des 59-jährigen US-Bürgers Craig Ewert gezeigt. Der frühere Universitätsprofessor, der an einer unheilbaren Nerven- und Muskelkrankheit litt, hatte sich 2006 in einer Klinik der Sterbehilfeorganisation Dignitas in Zürich das Leben genommen.

AFP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 21)
 
Tiburon_Blanco (12.12.2008, 12:08 Uhr)
Vorsicht !
Ich denke so lange man gesund ist, ist es sehr schwer einzuschätzen ob man im Falle einer grausamen Krankheit tatsächlich lieber eher sterben würde, oder trotz Krankheit das Leben wirklich bist zum Letzten Atemzug führen will.
Jeder der schon einmal sehr eng mit schwerstkranken Menschen zu tun hatte wird wohl zustimmen wie schwierig diese Situation ist - viel zu sensibel um hier, wie teils geschehen bagatellisiert zu werden.
Ich war vor ein paar Monaten in dieser Situation und konnte feststellen dass es auch in Deutschland Ärzte gibt die im Rahmen der Gesetze sehr sensibel und im Sinne des Patienten mit Totkranken und deren Familien umgehen.
Es ist letztendlich ein sehr weites Feld zwischen einem begleiteten Selbstmord und dem Wunsch des Patienten gewisse medizinische Versorgung nicht mehr zu erhalten um menschenwürdig und selbstbestimmt sterben zu können. Was in der Dokumentation zu sehen war, ist nur die Spitze des Eisberges, denn wie Craig Evert zu Beginn sagte, wäre er ohne die Medizin ja letzendlich gar nicht in die Situation gekommen, sondern längst vorher gestorben.
Ich denke auch dass dort der Hebel angesetzt werden muss. Wir dürfen Medizin nicht auf Gedeih und Verderb dazu nutzen um Leben zu verlängern, wenn dies nicht gewünscht ist und wir müssen lernen offen und behutsam mit dem Sterben umzugehen - vor allem aber dürfen wir Menschen die sterben möchten und diejenigen die sie dabei unterstützen nicht kriminalisieren.
botoxia (12.12.2008, 11:18 Uhr)
Früh genug vorsorgen
Wenn ich sterben will, wenn ich alt, krank etc. bin, und dann leider nicht mehr in der Lage, vom Balkon zu springen, wenn ich also Gift brauche um zu sterben, es mir aber niemand geben wird, weil es verboten ist, was sollte ich daraus folgern? Dass ich vielleicht in jüngeren Jahren mir ein Gift besorge, das ich dann, wenn ICH sterben WILL, einfach aus dem Schrank hole, und nicht anfangen muss dann um Sterbehilfe zu betteln.
sportartmakler (12.12.2008, 11:17 Uhr)
@giangastone
es geht doch gar nicht darum "medientabus" zu durchbrechen, wenn schon dann gesellschaftliche tabus. ich will ihre genannten beispiele auch nicht im fernsehen sehen, weil sie natürlich zu weiteren verrohungen der gesellschaft führen könnten. es geht hier lediglich um den selbstbestimmten tod. um den selbstbestimmten tod aus schwerster krankheit heraus und nicht aus jux und dollerei. wie erreicht man denn aufmerksamkeit für ein gern totgeschwiegenes thema? ich möchte nicht dem wohlwollen von ärzten und maschinen ausgesetzt sein wenn nix mehr klappt außer denken. gefangen im eigenen körper, eine reizvolle vorstellung. sterbehilfe mit def. kriterien muß legalisiert werden.
sportartmakler (12.12.2008, 11:07 Uhr)
@mk80
diese doku ist nicht auf dem unterschichtenniveau von rtl und co angesiedelt. von daher bitte nicht beides in einen topf werfen. ich könnte mir freilig auch "besseres" fernsehen zur primetime vorstellen. aber der tod wird hier nicht als quotenbringer ausgeschlachtet. zumindest war das nicht das anliegen des regisseurs. dass die senderbosse mit dieser doku natürlich quote verfolgen ist normal, was sollen die denn auch sonst wollen? als nebeneffekt entsteht aber zum glück eine breite diskussion darüber.
giangastone (12.12.2008, 11:02 Uhr)
Nieder mit den letzten Tabus
Wir leben in einer aufgeklärten Welt. Jeder hat die Freiheit die Mattscheibe an oder ausmachen. Also zeigt doch einfach alles, Abtreibungen, Exekutionen, Suizide, Vergewaltigungen, Folter, Schlägereien ..., alles zur besten Sendezeit, damit keiner zu kurz kommt und jeder was davon hat. Jeder darf sich entrüsten oder zustimmen. Nieder mit den überholten Medien-Tabus! Die Zeiten haben sich halt geändert!
sportartmakler (12.12.2008, 10:55 Uhr)
nachahmer - was für ein beklopptes argument
wir reden hier von todkranken, unheilbaren menschen bzw. menschen die nur mithilfe der technik leben??? können. die, sofern sie sich für den vorgezogenen tod entscheiden, brauchen doch nicht erst die ermutigung wie von kritikern unterstellt. das video und die tatsache dass sterbehilfe wieder dikutiert wird ist in anbetracht der kritiker und der endtabuisierung bitter nötig
MK80 (12.12.2008, 10:35 Uhr)
ist doch super
nur weiter so. ich bin gespannt wann das erste mal der mißbrauch oder die mißhandlung eines kindes zu "dokumentarischen" zwecken im Fernsehen gezeigt wird.
Sendungen wie diese, oder die "Supernanny" leisten hier ja gute vorarbeit. ... immer schön die kamera drauf. es ist zum kotzen. selbst wenn bei den betroffenen selbst - wie in dem Beispiel aus england- vielleicht noch ein aufklärerischer hintergrund, soetwas zu tun vorhanden sein mag, bei den anwesenden fernsehleuten ist dies offenbar nicht der fall, da geht es nur um eins: quote. werbung. geld.
und das publikum spielt da brav mit. wer will sich schon quarks und co anschauen, wenn ich doch bei rtl zuschauen kann, wie eine offensichtlich überforderte mutter von dabei rtl gefilmt wird, wie sie ihr kind verprügelt? und danach noch von den selben fernshemachern zu jauch in die sendung geschleppt wird, um sich dort weiter bloß zu stellen?
Anemone (12.12.2008, 10:26 Uhr)
Nichts Neues!
Nicht etwa der Wunsch des Menschen, wie Gott zu sein, ist neu, sondern das Aufbauschen dieses Themas und das öffentliche freche Bekenntnis dazu, wie hier vielfach demonstriert! Immer wollten Menschen über Geborenwerden und Sterben herrschen, indem sie ungeborene Kinder töteten und Menschen – einschließlich sich selbst – mordeten.
Alles nichts Neues! Nur eines scheint relativ neu zu sein, dass man im Zusammenhang mit dem Tod von „Würde“ spricht. Ja, jeder Mensch – auch der Kranke oder Behinderte oder alt Gewordene – hat Würde, weil er von Gott gewollt und geliebt ist; aber der Tod hat keine Würde! Er ist der Feind! NACHdenken ist sehr zu empfehlen.
Skorti (12.12.2008, 09:18 Uhr)
Vor 7 Wochen
hat sich keiner dafür interessiert. Aber da lief es auch nur im schweizer Fernsehen. Doch kaum kann die BILD mal wieder einen Beitrag in der englischen Presse abschreiben, muss jeder andere "Journalist" auch seinen Senf dazu abgeben. Laßt Euch Eure Themen doch nicht von der BILD diktieren.
insane (12.12.2008, 08:18 Uhr)
...hahaha
wisst ihr was das wirklich tolle dabei ist ? weder Politik, noch Ärzte noch sonstjemand auf dieser Welt - kann "uns" davon abbringen sich selber das Leben zu nehmen. Das entscheidet Mensch ganz allein ! Wenn es mir so dreckig ginge, das ein Leben nurnoch unter unwürdigen Zuständen (für mich) möglich wäre - würde ich natürlich den einfachereren Schritt gehen und KEINER ... wirklich KEINER dieser Affen könnte mich dabei aufhalten :) Kein GESETZ dieser Erde kann daran hindern ;-)
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