Zu wenig Bewegung ist genauso tödlich wie Rauchen

18. Juli 2012, 15:03 Uhr

Die Ergebnisse sind dramatisch: Weltweit sind 5,3 Millionen Menschen 2008 an Bewegungsmangel gestorben. Denn ohne körperliche Belastung können Organe nicht richtig arbeiten. Gefährdet sind besonders Frauen.

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Auch Kinder müssen sich bewegen. Wer als Kind übergewichtig ist, kann eher an Diabetes mellitus Typ 2 erkranken.©

Gut ein Drittel der Weltbevölkerung bewegt sich zu wenig und gefährdet die eigene Gesundheit damit genauso stark wie durch Rauchen oder Fettleibigkeit: Nach einer in Großbritannien veröffentlichten Studie geht weltweit jeder zehnte erfasste Todesfall auf Bewegungsmangel zurück. Die Verfasser der Studie warnen vor der unterschätzten Gefahr.

Nach der in der Fachzeitschrift "Lancet" veröffentlichten Studie war mangelnde Bewegung allein im Jahr 2008 Schuld am Tod von 5,3 Millionen Menschen weltweit. Körperlich inaktiv ist der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge, wer nicht mindestens fünf Mal pro Woche einer leichten oder drei Mal die Woche einer kräftigen körperlichen Aktivität nachgeht. Dies trifft einer zweiten Studie zufolge auf drei von zehn Menschen über 15 Jahren zu. Bei den 13- bis 15-Jährigen seien es sogar vier von fünf.

Der menschliche Körper braucht die physische Belastung, damit Knochen, Herz und andere Organe richtig arbeiten. I-Min Lee vom Medizinischen Institut der Universität Harvard schätzt, dass sechs bis zehn Prozent der nicht-übertragbaren Krankheiten durch Bewegungsmangel entstehen. Zu wenig Bewegung ist laut der Studie für sechs Prozent der koronaren Herzerkrankungen verantwortlich, die Herzschwäche, Herzrhytmusstörungen oder Herzinfarkte auslösen. Sie verursacht demnach sieben Prozent der Typ-2-Diabetes und zehn Prozent der Brust- und Dickdarmkrebsfälle. Die Gefährdung durch Bewegungsmangel steigt mit dem Alter und trifft insbesondere Frauen.

Gefahr durch Bewegungsmangel wird unterschätzt

Laut der Studie ist Bewegungsmangel ungefähr so tödlich wie Rauchen oder Fettleibigkeit. Nach den Berechnungen der Forscher würde das Durchschnittsalter der Weltbevölkerung um 0,68 Jahre steigen, wenn sich alle Menschen ausreichend bewegten - denselben Effekt hätte es, wenn alle übergewichtigen US-Amerikaner wieder Normalgewicht hätten. Mit geschätzten fünf Millionen Toten jährlich ist die Zahl der Opfer von Tabakkonsum zudem ebenso hoch wie die der Couch-Potatoe-Opfer.

Der Experte Gregory Heath von der US-Universität von Tennessee wertete Kampagnen zwischen 2001 und 2011 aus, die Menschen zu mehr Bewegung animieren sollten. Am effektivsten waren demnach PR-Kampagnen und kleine Botschaften, wie zum Beispiel Empfehlungen, die Treppe anstatt den Lift zu nutzen. Ebenfalls wirksam sind laut Heath Wandervereine, der Ausbau von Fahrradwegen und Autofahrverbote in der Stadt.

Mit ihren neuen Zahlen untermauern die Wissenschaftler eine eigentlich altbekannte Gefahr. "Die Bedeutung des Bewegungsmangels wird weiterhin unterschätzt, obwohl es seit 60 Jahren handfeste Beweise für seine Auswirkungen auf die Gesundheit gibt", stellt Autor Harold W. Kohl von der Universität Texas fest. Bewegungsmangel sei "ein ernsthaftes Problem für die öffentliche Gesundheit". Die Wissenschaftler sehen eine wachsende Gefahr vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern, in denen sich die Lebensverhältnisse schnell ändern und die physische Aktivität der Menschen plötzlich stark zurückgeht.

AFP
 
 
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