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1. November 2006, 11:37 Uhr
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Herumtreiber sucht Schlangenmenschen

"Beeilen Sie sich. Die Uhr tickt, und mein Herzschrittmacher auch." Wo sonst, wenn nicht im Land des skurrilen Humors, könnte jemand derart charmant um die Gunst des anderen Geschlechts buhlen? Briten haben eine neue Literaturform entdeckt: Die Kontaktanzeige.

Wortwitz statt Online-Firlefanz: Briten haben mit dem Kontaktanzeigenmarkt ein neues Genre entdeckt© London Book Review

Die Romantik ist tot. Meine Mutter auch. Mann, 42, ererbtes Vermögen..." Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass es in "Merry England" viele lustige Käuze gibt, das Studium der Kontaktanzeigen so mancher britischen Zeitung würde ihn liefern: "Mann, 53, glatzköpfig, kleinwüchsig und fett, sucht kurzsichtige Frau", lässt sich da zum Beispiel finden. Oder: "Absoluter Mistkerl. Schreiben Sie nicht - sie würden es schwer bereuen."

Trend zu skurrilem Humor auf dem Kontaktmarkt

Zwar überwiegen in den Boulevardblättern des Königreichs immer noch Annoncen, in denen Partner nach dem Schema "attraktive Brünette mit Interesse an liebevoller Zweisamkeit" gesucht werden. Doch der Trend zu skurrilem Humor auf dem Kontaktmarkt ist nicht mehr zu übersehen. Gestartet hat ihn vor einiger Zeit ausgerechnet eine anerkannte Intellektuellen-Zeitschrift.

Mit seinen ungewöhnlichen Annoncen wurde das Literaturmagazin "London Book Review" (LBR) zu einer Art "Zentralorgan" für die Partnersuche der exzentrischen Art. Früher gab es in der ehrwürdigen LBR gar keine Sparte "Einsame Herzen". Doch kaum hatte David Rose (32), Leiter der Anzeigenabteilung, sie gestartet, fragte jemand, ob er sich trauen würde, diesen Text zu drucken: "67 Jahre alter Herumtreiber in den Wirren der Stadt, zahnlos, selbstzerstörerisch, Neigung zum Pathos, aufgepumpt durch Viagra, sucht Schlangenmenschen, der Trompete spielt."

Exzentrik wichtiger als Aussicht auf Erfolg

Rose traute sich und wurde damit zum Geburtshelfer eines - nach Ansicht der Zeitung "Times" - "zutiefst englischen" Phänomens: "Eine Art der Partnersuche, bei der Verlockung durch Selbst-Missbilligung, Witz und Skurrilität ersetzt wird, bei der Exzentrik wichtiger ist die Aussicht auf Erfolg." Mit diesem Rezept hat die LBR mittlerweile ihren Anzeigenteil erheblich ausgeweitet und ihre Auflage von 25.000 auf 43 500 Exemplare gesteigert.

"Narzisstischer Mann, 32. Wenn Sie wirklich besser aussehen, als ich (und vielleicht Zweifel haben), warum schreiben Sie dann nicht?", konnte man da lesen. Eine "jugendliche Blondine von 52" suchte einen Typen, "der seinen eigenen Namen schreiben kann". Kleiner Zusatz: "Und zwar auf Schecks, vorzugsweise solche, die ihm gehören."

Ein Zwei-Meter-Mann teilte mit: "Römischer Gladiator kann jetzt näher besichtigt werden." Und ein anderer Witzbold machte so auf sich aufmerksam: "Diese Anzeige dient nicht der Findung einer neuen Partnerin. Sie ist lediglich ein Versuch, ins Guinness Buch der Rekorde zu kommen - mit der höchsten Zahl von Zurückweisungen."

Ein 35-Jähriger dachte weit voraus: "Schreiben Sie für mich ihre zehn Lieblings-CDs auf. Ich will feststellen, ob es etwas gibt, das zu behalten sich lohnt, wenn wir uns wieder trennen." Und ein 81- Jähriger mahnte potenzielle Dating-Partnerinnen: "Beeilen Sie sich. Die Uhr tickt, und mein Herzschrittmacher auch."

Anzeigen als Buch veröffentlicht

Bei so vielen guten Vorlagen hatte Anzeigenleiter Rose nicht viel Mühe, Buchautor zu werden. Er sammelte die lustigsten Annoncen, veröffentlichte sie zwischen zwei Buchdeckeln und wurde damit zum Erfolgsautor. Den Titel entnahm Rose natürlich einer Anzeige: "Sie nennen mich die ungezogene Lola. Null-Acht-Fünfzehn-Physiker mit Bart, 46".

Für die ganz Neugierigen ging Rose auch der Frage nach, was für Zuschriften die Partnersuchenden denn so bekommen. Da zeigte sich allerdings auch, dass Witz und Skurrilität durchaus keine Garantie für eine neue Beziehung liefern: Eine attraktive 60-Jährige, die als "Bathseba" einen "Gabriel" gesucht hatte, klagte, es habe sich neben vielen anderen Enttäuschungen auch ein älterer Deutscher gemeldet und ihr erklärt: "Sie erinnern mich an meine tote Frau."

Thomas Burmeister/DPA
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