. .
Panorama-Nachrichten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
6. April 2008, 19:59 Uhr

"Kurnaz erreicht amerikanische Herzen"

300 Leute sind in die New York Library gekommen, um die Geschichte von Murat Kurnaz zu hören - einem Fall, der in den USA bislang nur wenige interessierte. Bei der Veranstaltung sprach sein Anwalt mit stern.de über den Grund, warum sich der US-Umgang mit Guantanamo ändern könnte.

© Franka Bruns/AP

Am Ende sieht man ihn doch noch, in den USA, in der New York Public Library, im South Court Auditorium, wohin etwa 300 Leute gekommmen sind, um seine Geschichte zu hören. Die Geschichte des Bremer Türken Murat Kurnaz und seiner Leidenszeit in Guantanamo. Die Deutschen kennen diese Geschichte schon seit Jahren, in den USA entdecken sie den Fall erst allmählich. Murat Kurnaz wurde jahrelang unschuldig im US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba festgehalten und gefoltert. Sein Erlebnisbericht wurde bereits in zwölf Sprachen übersetzt, nun erscheint das Buch in den USA. Es trägt dort den Titel: "Five years of my life: An innocent man in Guantanamo".

Der Schauspieler Wallace Shawn hat an diesem Abend einige Passagen aus dem Buch vorgelesen, die Rockmusikerin Patti Smith hat das Vorwort geschrieben und sogar einen Song für Kurnaz, "Without chance" wird mehrmals eingespielt. Auf der anschließenden Podiumsdiskussion haben Anwälte, Journalisten und Vertreter von Bürgerrechtsorganisationen die menschenrechtswidrige Praxis solcher Lager wie in Guantanamo angeprangert, die Folter mit der Kälte in den Isolationszellen oder die Folter mit der Luftlosigkeit, so dass Gefangene öfter in Ohnmacht fallen. Die Zuhörer schüttelten mehrmals fassungslos den Kopf. Bernhard Docke, der deutsche Anwalt von Murat Kurnaz, erzählte mit bewegenden Worten von der Rückfahrt mit Kurnaz nach dessen Freilassung nach Bremen und wie Kurnaz auf dem Parkplatz einer Raststätte aus dem Auto stieg und dann minutenlang nach oben schaute - es war das erste Mal nach 44 Monaten Haft in einer kleinen Zelle, dass er den Himmel und die Sterne wieder sah. Und nun kommt Murat Kurnaz.

Er erscheint bei seiner Buchpremiere riesengroß auf einem Bildschirm, er richtet auf Englisch eine Grußbotschaft ans Publikum und bedauert, dass er an diesem Abend nicht bei ihnen sein kann. Kurnaz wurde im August 2006 freigelassen, er gilt also nun auch in den USA als unschuldiger Mann, doch das heißt nicht, dass er so einfach in dieses Land einreisen darf. Murat Kurnaz hat, wie alle ehemaligen Guantanamo-Häftlinge, den Status eines "unlawful enemy combattant", eines "feindlichen Kämpfers". Deshalb haben er und sein Bremer Anwalt Bernhard Docke beschlossen, dass er der Buchpremiere lieber fern bleibt. "Wir haben kein Visum beantragt, weil wir uns sicher waren, dass er es nicht bekommen hätte", sagte Bernhard Docke.

Fall Kurnaz in "60 Minutes"

Am vorvergangenen Sonntag strahlte der US-Fernsehsender CBS in seinem hoch angesehenen Politikmagazin "60 Minutes" zur besten Sendezeit einen langen Beitrag über den Fall Kurnaz aus. Der Sender wollte mit der Geschichte von Kurnaz das Thema Guantanamo in den anstehenden US-Präsidentenwahlkampf tragen. Doch das Echo auf den Fall und den Beitrag ist kaum zu hören. Von hochrangigen Politikern gibt es keine Statements dazu, die Kandidaten für das Präsidentenamt haben gerade andere Themen und Probleme.

Alle großen Zeitungen in den USA haben über Murat Kurnaz schon berichtet, es wird Buchbespechungen geben, aber bisher ist dieser Fall nicht in den Mittelpunkt einer Debatte gerückt. Und wie US-Bürger auf die Story reagieren, konnte man auf der Webpage von CBS lesen, einige schrieben Kommentare nach dem Motto: Wir hätten den Kerl erschießen sollen, dann könnte er jetzt nicht solche Lügen erzählen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Das Gespräch mit Kurnaz-Anwalt Bernhard Docke über den Fall seines Mandaten in den USA

Zur Person Murat Kurnaz, 25, wurde in Deutschland zur Symbolfigur für Guantanamo. In dem Lager auf Kuba hielten ihn US-Militärs viereinhalb Jahre als Terrorverdächtigen gefangen. Zuvor hatten sie ihn in Afghanistan gefoltert. Dank des Einsatzes von Bundeskanzlerin Merkel (CDU) kam der junge Türke aus Bremen im August 2006 frei. Zuvor war die Rückkehr des Gefangenen unter der Regie des damaligen Kanzleramtschefs Steinmeier verhindert worden. Kurnaz lebt heute bei seiner Familie in Bremen. Ein US-Bundesgericht hat bereits entschieden, dass er trotz der widerrechtlichen Inhaftierung in dem Gefangenenlager keinen Anspruch auf Entschädigung hat.

  zurück
1 2
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
Einwegfeuerzeug (07.04.2008, 23:18 Uhr)
@countryjoe
Ist Kurnaz nicht unschuldig? Und selbst wenn er es nicht wäre, hätte er es dann verdient, so behandelt zu werden, wie er es scheinbar wurde?
Auch "schuldigen" Menschen stehen ihre Menschenrechte zu! Und sollten diese verletzt worden sein, dürfen auch "schuldige" Menschen darüber Bücher schreiben. Selbst als "türkische Staatsbürger". [Warum wird darauf eigentlich so rumgeritten? Ist die Staatsbürgerschaft von Belang, wenn es um Menschenwürde geht?]
Fatal, dass der Krieg zur Verteidgung der "westlichen Werte" (teilweise) ohne Berücksichtigung derselben geführt wird.
Countryjoe (07.04.2008, 08:42 Uhr)
Dreistheit!
Die Dreistheit dieses sich als unschuldiges Opfer feiernden türkischen Staastbürgers kennt ja wirklich keine Grenzen. Die Naivität der Gutmenschen, die auf diesen Zug aufsprigen auch nicht.
gmathol (07.04.2008, 06:47 Uhr)
@042020
Diese Informationen kann man auf Youtube und bei den Menschenrechtskommissionen abrufen.
Fakten tun nun mal weh! Sorry! Das Zeitalter der Information kennt nun mal keine Opfer und auch keine Gnade mit den Taetern.
Schoenen Tag noch!
Dirk_37 (07.04.2008, 03:14 Uhr)
no comments
Gut, in dem Fall Kurnaz wie in vielen anderen auch ging es nicht mit rechten Dingen zu. Jedoch vergessen hier wieder die Üblichen, das der saubere Herr Kurnaz alles andere als ein unbescholtenes Blatt war. Und Guantanamo wird hier in den USA, Gott sei Dank immer mehr, sehr kritisch beäugt! Es ist ein Schandfleck welcher die Demokratie als solche in ein schlechtes Licht rückt und gehört unbedingt abgeschafft! Allerdings, Geheimdienste mit KZ´s zu vergleichen oder die abgedroschene Antiamerika-Debatte bringt niemandem was, am wenigsten den Betroffenen! MfG Dirk
042020 (06.04.2008, 23:49 Uhr)
@gmathol
nun kannst wieder uber die amis loslegen. 15 jahriger junge in Gitmo. und das fur 6 jahre. man hast du probleme.in NY Tibet demo
zusammengeschlagen ? wo bekommst den diesen dreck her ? nicht war.
und 300 sind gekommen, wir haben
300 millionen, um dem Kunaz von
Munchhausen seine geschichte zu hohren. doch am ende geht es ja
seinem Rechtsanwalt und Kunaz nur
um das liebe geld, geld, geld.
thats my 2 cents.
gmathol (06.04.2008, 23:06 Uhr)
Justiz?
Im Iraq werden einige Tausend Kinder von den USA in Gefaengnissen gehalten! Ein 15 jaehriger Afghane sitzt seit 6 Jahren in Guantanamo Bay.
Auch mit den Menschenrechten gegenueber Tibetern nimmt man es nicht so genau. So hat die New Yorker Polizei protestierende Tibeter vor der UN zusammengeschlagen - Video existiert auf Youtube.
Es war uebrigens der ehemalige Bader-Meinhoff Terrorist Fischer und sein Freund Schily die an einer Auslieferung von Kurnaz nicht interessiert waren. Die rot/gruene Koalition hat dem Faschismus einen kraeftigen Anschub gegeben - Militarismus und Hartz IV Verarmung wurden als Reform 2010 verkauft.
Wer waehlt eigentlich so etwas. Nicht nur die Amis sind fuer die Kriegsverbrechen in Afghanistan verantwortlich, auch die unterstuetzenden Nationen wie die BRD haben ihren Anteil.
Stefan12 (06.04.2008, 22:36 Uhr)
Schande auch über unsere Bundesregierung
Ja, es stimmt - "wir" haben mitgemacht. Es ist eine Schande, wie unsere Medien, Stammtische und Bundesregierung reagiert haben! Da wird ein Deutscher in Mazedonien vom US-Geheimdienst entführt und keinen interessiert es, da wird ein Deutsch-Türke vier Jahre in Guantanamo festgehalten und es interessiert wieder keinen.
Und unser Außenminister Steinmeier stellt sich hin und findet sein Verhalten ok. Unterstützt wird er dazu noch vom ehemaligen Terroristen-Anwalt und (zwischenzeitlich) Rechtsaußen-Politiker Schily.
Wir haben uns wahrhaftig nicht mit Ruhm bekleckert!!!
Stahlkappe (06.04.2008, 22:19 Uhr)
@reality
als ob das bei uns anders ist...
Was war denn damals los als über den Herrn Kurnaz berichtet wurde???
Er war im vorfeld für alle Schuldig...
Keine Sau hat sich um ihn gekümmert ausser seinem Anwalt und seiner Familie
Die Medien hier haben doch auch auf den BRemer Taliban eingeprügelt.....
AUch der STERN
Reality (06.04.2008, 22:06 Uhr)
Und dabei tun unsere amerikanischen Freunde...
so vehement von Menschenrechtsverletzungen in Tibet berichten und dagegen protestieren.
Sie hätten Grund genug bei sich zu Hause reinen Tisch zu machen.
Da erkennt man, was Medienbeeinflussung alles bewirken kann.
Armes amerikanisches Volk, wohin triftest du ?
Und vor allem wen ziehst du in diesen Sog des unheilvollen Studels alles mit hinein ?
Deine Menschenrechte gibst du scheinbar auf, lässt dich scheinbar auch manipulieren wo immer es geht..
Sandygirl (06.04.2008, 21:09 Uhr)
...und wir haben mitgemacht...
Und wir deutschen haben geholfen und wußten schon lange davon. Haben wir nicht genug Erfahrungen mit KZs gemacht, dass unsere Geheimdienste nach Guantanamo reisen, den Menschen verhören und dann ohne ein Sterbenswörtchen wieder verschwinden?
Wer weg sieht ist auch schuldig.
MEHR ZUM ARTIKEL
Guantanamo-Haft Kurnaz empfindet keinen Hass

Der Fall Murat Kurnaz sorgte in Deutschland für harte politische Auseinandersetzungen, nun kommt sein Buch "Fünf Jahre meines Lebens" auch in den USA heraus - mit der Unterzeile "Ein unschuldiger Mann in Guantanamo". Für stern.de beschreibt Coautor Helmut Kuhn, wie Kurnaz heute lebt. mehr...

Murat Kurnaz "I learnt that pain is a part of life"

He spent over four years in Guantánamo Bay, the infamous US detention camp. The tale of Murat Kurnaz, as told by himself, will hit US bookstores this week. In his first interview since his release from Guantánamo Bay in 2006, Kurnaz tells Germany's "Stern"-magazine all about torture, solitary confinement, being humiliated, and his life in fear. mehr...

Murat Kurnaz im Interview "Jetzt habe ich meine Privatsphäre wieder"

Über vier Jahre lang war Murat Kurnaz im US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba interniert. Im stern-Interview schildert er, wie sein Leben nun aussieht - und präsentiert sich dabei ohne seinen Bart. stern.de zeigt erstmals Bilder von dem bartlosen Bremer. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe