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10. Januar 2008, 17:26 Uhr

"Das Leid spottete jeder Beschreibung"

Achim Wohlgethan war Bundeswehrsoldat in Afghanistan. Seine Erfahrungen hat er in einem Buch verarbeitet, die der stern in Auszügen veröffentlicht. Im stern.de-Interview klagt der ehemalige Elite-Soldat an: Die Bundeswehr vernachlässige die Sicherheit der Truppe.

Zoom

Achim Wohlgethan war Bundeswehrsoldat in Afghanistan© Marcus Vogel

Herr Wohlgethan, in Ihrem Buch das jetzt erscheint beschreiben Sie Ihre Schwierigkeiten, sich nach dem Einsatz wieder einzugewöhnen. Worunter leiden Sie noch heute?

Am Anfang war es wirklich schlimm. Als ich zurückkam, war ich 17 Kilo leichter. Im Einsatz hatte ich sechs Monate lang jeden Tag gearbeitet, mit extremen Belastungen für Körper und Psyche. Dann kam ich wieder und Freunde und Kollegen fragten mich: Na, wie war's im Urlaub? Das war furchtbar. Ich fühlte mich völlig allein. Auch heute noch, bei bestimmten Gerüchen, so süßlich, nach Fäulnis, da kommen alle Erinnerungen wieder hoch. So ein Einsatz verändert fürs Leben.

Sie beschreiben die Bundeswehr im Jahr 2002 als schlecht ausgerüstet. Im Ernstfall wäre eine Evakuierung niemals möglich gewesen. Ein düsteres Bild, das Sie da zeichnen.

Das macht mich bis heute wütend. Damals wie heute fehlen der Wille und die Mittel, um für die Sicherheit der Soldaten zu sorgen. Dabei gehören Evakuierung und Eigensicherung eindeutig zum Auftrag der Bundeswehr. Das schreibt das Mandat vor. Dass sich alle von mir überprüften Evakuierungsrouten als nicht praktikabel erwiesen haben, hat mich schockiert.

Fühlten Sie sich schlecht ausgebildet für einen derartigen Einsatz?

Die Ausbildung der Bundeswehr im militärischen Bereich war und ist sehr gut. Die kann mithalten mit den anderen Nationen. Aber auf die Situation im Land war ich schlecht vorbereitet. Ich besuchte einen Kurs, aber der bereitete eigentlich auf den Einsatz im Kosovo vor. Das hat sich aber heute sehr verändert. Inzwischen wird viel Zeit und Geld darauf verwendet, um die Soldaten richtig auf die Situation in Afghanistan vorzubereiten.

Afghanistan sei "extrem", schreiben Sie. Was genau war für Sie extrem?

Meine ersten Touren durch Kabul waren ein Kulturschock. Ich war in Krankenhäusern, der Geruch dort und das Leid, das spottete jeder Beschreibung. Weibliche Opfer von Selbstanzündungen lagen in überfüllten Zimmern und auf den Fluren. Verstümmelte Kinder, die beim Spielen auf eine Mine getreten waren, gebrechliche ältere Menschen mit leerem Blick und eingefallenen Gesichtern. Damit muss man fertig werden. Das ist nicht leicht.

Sie wurden dann zu einem Elitesoldaten des holländischen Spezialkommandos KCT. Bei Ihren Erkundungsaufträgen haben Sie immer wieder auch die so genannte Area of Responsibility verlassen. Widersprach das nicht eindeutig dem Bundestagsmandat?

Ja. Aber erstens ist man als Soldat darauf gepolt, seine Aufträge zu erfüllen. Und zweitens erhöhten die Aufklärungsergebnisse von außerhalb dieses Mandatsgebiets die Sicherheit für die gesamte Truppe. Terroristen machen ja nicht an einer vom deutschen Bundestag oder der NATO festgelegten Grenze halt, sondern platzieren ihre Raketenwerfer dann halt 500 Meter hinter dieser Linie.

Sie schreiben, dass die damalige Führung der Bundeswehr in Kabul die eigenen Soldaten zu wenig unterstützte, sie nach Zwischenfällen eher kritisierte als ihnen Mut zu machen.

Ich machte öfter die Erfahrung, dass gerade in der hohen und höchsten Führungsebene ein ausgeprägtes Gutmenschendenken zu finden war. Political correctness war ihnen wichtiger als die Unterstützung für ihre Untergebenen. In einem Land wie Afghanistan war das aber fehl am Platze und sogar höchst gefährlich.

Bisher schien aber doch die Deeskalationsstrategie der Bundeswehr aufzugehen. Die deutschen Soldaten sind weniger verhasst als die Amerikaner.

Deeskalation mag ja schön und gut und in vielen Fällen auch die richtige Strategie sein. So ein schlichtendes Verhalten wird von den Afghanen aber als Schwäche ausgelegt. Defensives Auftreten entsprach in keiner Weise den örtlichen Gegebenheiten und war meinen Erfahrungen nach eher töricht. Waffen sind nun mal wichtig in der afghanischen Gesellschaft. Neben Zigaretten sind sie der Türöffner Nummer zwei, um mit afghanischen Männern ins Gespräch zu kommen.

Warum haben Sie das Buch geschrieben?

Ich glaube, dass es nicht nur mir so ergangen ist. Vielen fällt die Rückkehr schwer. Es ist nicht einfach, das Erlebte zu verarbeiten und ich hoffe, dass das Buch eine Art Türöffner sein kann. Dass andere es lesen werden und vielleicht zu sprechen anfangen über ihre Erlebnisse. Das wäre schon eine Menge wert.

Auszüge aus dem Buch von Achim Wohlgethan...

Auszüge aus dem Buch von Achim Wohlgethan... ...lesen Sie im neuen stern.

Zur Person

Zur Person Achim Wohlgethan war als Stabsunteroffizier von April bis Oktober 2002 im Großraum Kabul und von November 2003 bis Februar 2004 im Norden Afghanistans im Einsatz. Der 41-Jährige ist im Januar 2006 aus dem Militärdienst ausgeschieden, lebt heute in Wolfsburg und arbeitet als Sicherheitsberater. Seine Erlebnisse hat er im Buch: "Endstation Kabul. Als deutscher Soldat in Afghanistan - ein Insiderbericht" aufgeschrieben.

Interview: Franziska Reich und Uli Rauss
KOMMENTARE (10 von 31)
 
CRazYYmauS (23.09.2009, 13:42 Uhr)
ansage
also ich muss mal soviel sagen ich hab genug freunde die in verschieden einsaetzen waren und sagen zum teil könn sie ihn recht geben zwar nicht in alles aber in vielen punkten also hört doch einfach auf darüber euch lustig zumachen denn der enige der wirklich unten war kann darüber reden solso mund zu . ich selber werde auch noch früh genug mein erfahrung sptest 2011
sachsenwini (11.01.2008, 12:47 Uhr)
Wenn das Alles nicht stimmen sollte

Wenn der Autor und ehemalige Angehörige der Bundeswehr Achim Wohlgethan, sich die Verbrechen an der Zivilbevölkerung nur ausgedacht hat, dann wird es doch gegen ihn ein Verfahren geben müssen. Wenn sie stimmen, dann muss ebenfalls ermittelt und bestraft werden.
.
Was hat man einst für ein Theater um die Fotos mit den Totenschädeln gemacht? Da können doch solche Verbrechen an Zivilisten nicht ignoriert werden.
Welsh (11.01.2008, 10:24 Uhr)
stimmt
@ Robert67: In der online-Version des Interviews steht es wirklich so. Aber im Buch (schon in den Vorabveröffentlichungen wird dieses deutlich "Zu dieser Spezialeinheit...abgestellt") ist es anders dargestellt. Und da beziehe ich mich lieber aufs Buch.
@all: Stimmt schon, der stern hat sich in der Vergangenheit nicht gerade mit Ruhm bekleckert :-) Nur der Lebenslauf ist wirklich so. Die Kombination der Spezialausbildungen "Einzelkämpfer" und "Scharfschütze" sind bei den Fallschirmjägern nicht ungewöhnlich. Personenschützer hat die BW auch eigene, dass ist einfach eine zusätzliche Qualifikation. Um für den MAD zusammen mit anderen Fernspähern Informationen zu sammeln oder Observierugen durchzuführen, bedarf es keiner besonderen weiteren Ausbildung. Alles bisher also nicht spektakulär oder ungewöhnlich. Zugegeben, der Hubschrauberpilot dazu ist sehr ungewöhnlich. Aber es gibt auch Scharfschützen und Einzelkämpfer mit LKW-Schein. Es gibt so einige Möglichkeiten... Und in diesem Fall stimmen die Daten.
charming (11.01.2008, 08:35 Uhr)
Hm, kann sein, kann nicht sein...
Der Author hat einige Ausbildungen genossen, das kann schon sein. Die Einzelkämpferausbildung haben beim Heer ja nun eine genze Menge "Kapmfschweine" absolviert. Ist nun auch nicht so etwas besonderes. Scharfschütze zu sein degegen schon. Der Job läßt sich nun wirklich schlecht mit dem des Hubschrauberpiloten vereinen, weil´s einfach keinen Sinn macht. Übrigens sind die Heeresfliegerpiloten in den Helis Unteroffiziere! Nur bei Luftwaffe/Marine sind Piloten auch gleichzeitig Offiziere, jedenfalls zu meiner BW-Zeit. Personenschützer? Kenne ich beim Bund nicht, außer bei der Polizei. MAD??? Oh Mann, jetzt wird´s wirklich Kinoreif. Was sollen die mit so einem Super-Stuffz?
Der Mann braucht Geld bzw. will mit dem Buch Geld verdienen. Ist ja auch nicht unredlich, nur soll er das doch auch sagen. Das Gerede von wegen aufrütteln usw.- Schmarrn.
rosenverschenker (11.01.2008, 08:18 Uhr)
Immer noch unglaubwuerdig
Der Dienstgrad und das hohes Alter passen einfach nicht zusammen. Die ganzen Ausbildungen die dieser Mann durchgemacht haben sollen sind voellig unrealistisch. Ausserdem streitet das BMVG auch noch ab das Sie Unterlagen ueber ihn haben. Das hoert sich wirklich ganz nach einer, wenn nicht frei erfundenen, aber wenigstens sehr uebertriebenen Geschichte an. Mir stellt sich auch die Frage warum die Hollaender fuer spezielle Operationen denn auf deutsche Soldaten zurueckgreifen muessen die nicht einmal Kommandosoldaten sind. Die Glaubwuerdigkeit des Stern ist fuer mich jedenfalls, der aus der Materie kommt, sehr angegriffen. Aber der Stern hat ja auch schon mal bestimmte Tagebuecher veroeffentlicht.
Robert67 (11.01.2008, 01:51 Uhr)
@Welsh
"Sie wurden dann zu einem Elitesoldaten des holländischen Spezialkommandos KCT. " - steht da.
Und da frage ich mich halt, wie das ein deutscher Soldat werden kann.
Welsh (10.01.2008, 23:38 Uhr)
Hauptsache dumme Kommentare schreiben?
Wenn man keine Ahnung hat, sollte man den Mund halten und die Finger ruhen lassen!!!
Die Einsätze können eh nur die beurteilen, die dort unten waren. Die anderen haben keine Ahnung davon.
Und zu der Laufbahn: Sehr häufig kommt die sicher nicht vor, aber richtig ist diese dennoch.
P.S.: Er schreibt nicht, dass er in einer holländischen Einheit gedient hat, sondern dass er ihr zeitweise unterstellt war. Das ist ein kleiner Unterschied. Er beklagt auch nicht, dass er im Auslandseinsatz war, sondern er prangert die Bedingungen des Einsatzes an. Ach ja, noch zu den Kämpfen: am ehesten am Beipiel KSK sollte es klar werden. Die Jungs sind da unten nicht, um Wölkchen zu zählen.
Robert67 (10.01.2008, 21:38 Uhr)
Deutscher Soldat bei einer niederländischen Elite-Einheit?
Ist das denn üblich, dass deutsche Soldaten in holländischen Einheiten dienen? Wie kommt das? Ist das üblich? Gibt es auch Deutsche z.B. in amerikanischen oder britischen Einheiten?
Werden die deutschen Soldaten in niederländischen Einheiten so ohne Weiteres akzeptiert?
Schnaafpaaf (10.01.2008, 20:13 Uhr)
Glaubt denn immer noch
jemand diesem Karl May- Verschnitt? Dagegen sind seine Erzählungen "In den Schluchten des Balkan" oder "Durchs wilde Kurdistan" reine Tatsachenschilderungen, obwohl gelogen bzw, erfunden. Um Himmelswillen, wer glaubt denn dem diese Lügerei?
interruter (10.01.2008, 19:17 Uhr)
Ich glaub es nicht!!
Hat der tatsächlich gegaubt er macht eine Urlaubsfahrt nach Afghanistan.
Ausserdem sind die Soldaten alle freiwillig da,warum beschwert er sich?Und das es dort keine grosse Gerechtigkeit gibt konnte er sich doch wohl vorher denken.
Na wenigstens kann er wieder über eine Wiese gehen :-))
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