Exhumierung soll Mordverdacht gegen Pinochet-Diktatur klären

9. April 2013, 15:36 Uhr

Die Urne war in eine chilenische Fahne gehüllt. Nach der Exhumierung des Dichters Pablo Neruda soll festgestellt werden, ob er von Agenten während der Pinochet-Diktatur vergiftet wurde.

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Die Überreste des chilenischen Literaturnobelpreisträgers Pablo Neruda wurden exhumiert. Die Experten wollen herausfinden, ob der Dichter ermordet wurde.©

Große Zeltplanen verdeckten das Grabmal des Poeten Pablo Neruda (1904-1973) vor der Küste des Pazifiks. Am Montag wurden seine Überreste exhumiert, um feststellen zu können, ob Agenten der Pinochet-Diktatur den Nobelpreisträger ermordeten. Von dem Grab vor Nerudas langjähriger Wohnung in Isla Negra wurde die Urne nach Santiago de Chile gebracht. Dort soll ein internationales Expertenteam die Überreste untersuchen.

Die Exhumierung sei in relativ kurzer Zeit erfolgreich vollzogen worden, erklärte am Montag der Richter Mario Carroza dem Fernsehsender TV Chile. Das Meersalz habe dem in einer Zementkammer isolierten Grab keinen Schaden zugefügt.

Neruda lag neben seiner dritten Frau, Matilde Urrutia, "zum Meer schauend auf linker Seite", das erklärte der Leiter des Gerichtsmedizinischen Instituts SML, Patricio Bustos. Die Urne wurde laut Zeugen in eine chilenische Fahne eingehüllt transportiert. Das Museum in der Wohnung Nerudas blieb derweil für das Publikum geschlossen.

Familie will Wahrheit über Nerudas Tod ans Licht bringen

Der Neffe des Poeten, Rodolfo Reyes, identifizierte die Urne mit den Überresten. Die Exhumierung sei für die Angehörigen eine "ziemlich unbequeme" Angelegenheit, erklärte er der Zeitung "El Mercurio". Die Familie Nerudas sei aber entschlossen, die Wahrheit über seinen Tod in Erfahrung zu bringen. Die von dem Richter angeordnete Exhumierung geschah nach einer Klage der Kommunistischen Partei, der Neruda angehörte.

Der ehemalige Sekretär und Chauffeur des Poeten behauptete seit Jahren, Neruda sei am 23. September 1973, wenige Tage nach dem von Augusto Pinochet angeführten Militärputsch, an einer durch eine Spritze verursachten Vergiftung gestorben. In der selben Klinik, in der Neruda wegen seines Prostatakrebs war, wurde 1982 der ehemalige christdemokratische Staatschef Eduardo Frei Montalva von Schergen der Diktatur vergiftet - das kam nach dessen Exhumierung heraus.

Nach den ersten Untersuchungen im Gerichtsmedizinischen Institut SML in der chilenischen Hauptstadt soll entschieden werden, ob Proben des Leichnams Nerudas zur Überprüfung ins Ausland entsandt werden. Labors in Spanien, den USA, Schweden und der Schweiz haben ihre Mitarbeit angeboten. An der Untersuchung nimmt auch der prominente spanische Gerichtsmediziner Francisco Etxeberría teil, der Salvador Allendes Selbstmord bestätigt hatte. Ergebnisse werden nicht vor drei Monaten erwartet.

Juan Garff, DPA
 
 
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