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9. September 2008, 15:10 Uhr

Schlammlawine verschüttet Hunderte Menschen

Eine gewaltige Schlammlawine hat in China vermutlich mehrere Hundert Menschen getötet. Zuvor war ein volles Ablagerungsbecken eines Bergwerkes geborsten, für das die Betreiber keine Erlaubnis hatten. Einem Dorfbewohner zufolge hatten sich Einwohner jahrelang erfolglos über die Missstände beschwert.

Früher war hier mal ein Marktplatz und eine Polizeistation: Eine Schlammlawine hat in China Hunderte Menschen unter sich begraben© Barry Leung/EPA

Nach einer gewaltigen Schlammlawine gelten mehrere Hundert Menschen in Nordchina als vermisst. Die chinesischen Behörden geben die Zahl der Toten bislang mit 34 an, die der Verletzten mit 35. Allerdings werden auch einen Tag nach dem Unglück in der Provinz Shanxi nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua noch immer Hunderte Menschen vermisst.

Als Ursache bezeichnete das staatliche Arbeitsschutzamt in Peking sintflutartige Regenfälle, die einen Damm bersten ließen. Die Wassermassen hätten flussabwärts ein volles Ablagerungsbecken eines Eisenerzbergwerkes zum Platzen gebracht. Die riesige Schlammlawine hat laut Augenzeugen "in wenigen Minuten einen Markt und Häuser weggerissen".

"Mindestens tausend Tote"

Ein Bewohner in dem benachbarten Dorf Taosi wollte von "mindestens tausend Toten" wissen. Der Markt, in dem viele Händler auch gewohnt hätten, sei weggeschwemmt worden, sagte der Mann telefonisch der Deutschen Presse-Agentur DPA in Peking. In der Marktanlage etwa 500 Meter unterhalb des Bergwerkes habe es auch ein großes Badehaus und einen Speisesaal für Grubenarbeiter sowie kleinere Restaurants gegeben. Ein Bürogebäude sowie zahlreiche Häuser in einem tausend Meter entfernt gelegenen Dorf seien ebenfalls von der 300 bis 400 Meter breiten Lawine aus Schlamm- und Erdmassen überrollt worden.

Mehr als 1000 Retter suchten in dem Schlamm, der teilweise mehrere Meter tief war, mit Stangen nach Opfern. Auf Fotos war zu erkennen, dass die Bergungstrupps aufpassen mussten, nicht selbst zu versinken. Örtliche Behörden weigerten sich auf Anfrage, eine Schätzung der Opferzahl zu geben. Der Dorfbewohner sagte der dpa, die Grube sei vor fünf oder sechs Jahren an einen privaten Besitzer verkauft worden. "Er hatte keine Ahnung von Werksschutz. Die Anwohner haben über die Gefahren des Dammes geklagt, aber er hat nichts getan."

Nach amtlichen Angaben hatte die Tashan-Eisenerzgrube nicht einmal eine Betriebserlaubnis. Der Besitzer und acht Verantwortliche wurden festgenommen, wie Xinhua berichtete. Verschiedene Funktionäre, darunter der örtliche Parteichef und der Dorfvorsteher, seien wegen Missachtung ihrer Aufsichtspflicht entlassen worden, meldete die Staatsagentur.

DPA
 
 
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