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12. Mai 2008, 09:28 Uhr

Tausende Tote bei Erdbeben

Beim schwersten Erdbeben in China seit mehr als 30 Jahren sind mehr als 8500 Menschen umgekommen, die Zahl der Opfer steigt jedoch stündlich an. Das Epizentrum lag im Kreis Wenchuan, selbst im 1500 Kilometer entfernten Peking schwankten die Wolkenkratzer.

Patienten werden nach der Evakuierung aus einem Krankenhaus in Chongqing versorgt© Reuters

Ein gewaltiges Erdbeben hat in Zentralchina mehr als 8500 Menschen das Leben gekostet. Das Epizentrum des Bebens lag im Kreis Wenchuan, nordwestlich der 10-Millionen-Stadt Chengdu. Selbst im 1500 Kilometer entfernten Peking schwankten die Wolkenkratzer, Menschen liefen in Panik auf die Straße. Der Erdstoß, der sich gegen 14.30 Uhr Ortszeit ereignete, dauerte etwa drei Minuten und erreichte die Stärke 7,8 auf der Richterskala.

Die Region um Wenchuan gleicht einer Trümmerlandschaft. Im Bezirk Beichuan Qiang habe das Beben etwa 80 Prozent der Gebäude zerstört, darunter Schulen und mindestens ein Krankenhaus, hieß es. 10.000 Menschen sollen allein dort verletzt worden sein. Völlig zerstört wurde eine Schule im Stadtgebiet von Dujiangyan, in der zum Zeitpunkt des Bebens 900 Kinder unterrichtet wurden. Rettungskräfte konnten zunächst nur 50 Kinder aus den Trümmern bergen, meldete die Nachrichtenagentur Xinhua. Mehrere Kräne waren vor Ort. Freiwillige versuchten mit bloßen Händen, die Trümmer beiseite zu schaffen.

Von der Außenwelt abgeschnitten

Nach Angaben der örtlichen Behörden sind drei schwer betroffene Kreise in der 874.000 Einwohner zählenden Präfektur Aba von der Außenwelt "völlig abgeschnitten", weil die Straßen nicht mehr passiert werden können. Auch die Telefonverbindungen seien unterbrochen. Es habe Erdrutsche gegeben. Viele Häuser seien zerstört.

US-Präsident George W. Bush hat den Opfern des Erdbebens sein Mitgefühl übermittelt. Die USA seien bereit, in jeder Art und Weise zu helfen, hieß es in einer Erklärung, die das Weiße Haus veröffentlichte. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach China wegen der vielen Toten ebenfalls ihr Beileid aus. Gleichzeitig bot sie ihrem Amtskollegen Wen Jiabao rasche Hilfe an.

5000 Soldaten im Einsatz

Das genaue Ausmaß der Schäden ist unklar, da viele Kommunikationsverbindungen unterbrochen sind. Die chinesische Armee hat 5000 Soldaten geschickt, um bei Bergungs- und Aufräumarbeiten zu helfen. Aus Peking wurden spezielle Erdbebenteams mit Suchhunden in die Provinz Sichuan geflogen.

Die Erdstöße und Nachbeben waren in der gesamten asiatischen Region von Bangkok bis Peking und in den Hafenstädten Hongkong und Shanghai zu spüren, wo die Wolkenkratzer schwankten. Die Olympiastadt Peking erlebte sieben Minuten nach dem Erdbeben in Sichuan ein Beben der Stärke 3,9. Bürohäuser in der Hauptstadt wurden evakuiert. Ein Seebeben der Stärke 5,1 wurde aus Taiwan gemeldet.

Krisenstab gebildet

Regierungschef Wen Jiabao flog sofort ins Erdbebengebiet nach Südwestchina, um sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen. Präsident Hu Jintao rief zu vereinten Anstrengungen auf, um den Opfern zu helfen. Das nationale Erdbebenamt bildete einen Krisenstab mit 180 Mitgliedern, der ebenfalls nach Sichuan reisen wollte.

Entwarnung kam unterdessen vom gigantischen Drei-Schluchten-Damm am Jangtse-Strom in Zentralchina: Dieser sei von dem Erdbeben nicht betroffen gewesen. "Es gibt keine Anzeichen", sagte ein Sprecher. "Alles läuft normal."

DPA/AP
 
 
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