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10. Juni 2008, 15:34 Uhr
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Wassermassen in Mianyang gebannt

Die Gefahr eines Dammbruchs in der chinesischen Provinz Sichuan ist offenbar gebannt. Rund die Hälfte des Wassers des durch einen Erdrutsch entstandenen Sees soll bereits abgeflossen sein. Damit scheint eine Flutwelle, die rund eine Million Menschen gefährdet hätte, ausgeschlossen.

Chinesische Truppen suchen in den Fluten des Erdbebensees nahe Mianyang nach Leichen und Gefahrgut© AFP

Die Gefahr eines Dammbruchs am Tangjiashan-See in der chinesischen Provinz Sichuan ist den Behörden zufolge gebannt. Rund die Hälfte des Wassers des durch einen Erdrutsch entstandenen Sees sei bereits abgeflossen, erklärte der Chef der Kommunistischen Partei Sichuans, Liu Qibao. Damit scheint eine Flutwelle, die flussabwärts rund eine Million Menschen gefährdet hätte, ausgeschlossen. Das ist ein "klarer Sieg", sagte Liu der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge.

Die Städte unterhalb des Sees waren wegen der Überflutungsgefahr in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden. Das abfließende Wasser ließ die Flussläufe anschwellen, tiefliegende Gebiete wurden überflutet. Städte und Dörfer waren jedoch kaum betroffen, wie Xinhua berichtete. Die Zeitung "Shanghai Daily" schrieb jedoch auf ihrer Website, Mianyang habe eine Flutwarnung ausgegeben. Rund 8.800 Millionen Kubikmeter Wasser seien bis zum späten Nachmittag (Ortszeit) über den Abflusskanal abgeflossen. Damit sei ein Gleichgewicht zwischen den Zu- und Abflüssen erreicht, hieß es.

In den Wassermassen sahen Reporter von Xinhua den Berichten zufolge Bäume, Fernseher, Kühlschränke und "gelegentlich Leichen von Erdbebenopfern" schwimmen. Rettungskräfte bargen unterdessen einen Hubschrauber, der mit 19 Personen an Bord Ende Mai abgestürzt und seither verschwunden war. Es gab keine Überlebenden.

Soldaten und Ingenieure hatten seit zwei Wochen an der Errichtung eines Abflusskanals gearbeitet, um das Brechen des vom Erdbeben aufgeschütteten Damms aus Schutt und Felsbrocken zu vermeiden. Zuletzt sprengte die Armee mit Dynamit und Raketen große Trümmerteile und Steine, um den Kanal freizubekommen.

Ein Nachbeben der Stärke 5,3 erschütterte am Dienstag die dünn besiedelte Provinz Qinghai rund 2.300 Kilometer südwestlich von Peking. Zwei Stunden später folgte ein weiteres Beben der Stärke 5,0 in der gleichen Region. Es gab zunächst keine Berichte über größere Sachschäden oder Verletzte.

Wegen ihres schlechten Krisenmanangements sind in Sichuan 15 Regierungsvertreter entlassen worden. Den Behördenmitarbeitern wird unter anderem vorgeworfen, zu langsam auf die Katastrophe Mitte Mai reagiert zu haben, meldete Xinhua. Manche der Beschuldigten hätten sich zudem bei den Hilfs- und Aufräumarbeiten gesetzeswidrig verhalten. Details wurden nicht bekannt. Die Volksrepublik hat im vergangenen Monat ein Gesetz erlassen, wonach etwa der Handel mit Hilfsgütern, die als Teil der Beben-Hilfe geliefert wurden, mit der Todesstrafe geahndet werden kann.

Der Tangjiashan-See ist einer von Dutzenden, die in dem gebirgigen Gebiet durch Erdrutsche bei dem verheerenden Erbeben der Stärke 7,8 vom 12. Mai entstanden waren. Dabei kamen nach jüngsten Angaben knapp 70.000 Menschen ums Leben, weitere 17.000 gelten weiterhin als vermisst.

DPA/Reuters
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