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15. April 2008, 10:15 Uhr

Vom Mittelpunkt der Erde

Seit Jahrtausenden versteht sich China als Mittelpunkt der Erde. Noch heute findet sich dieser Gedanke in der Sprache und im Selbstverständnis. "Außerhalb-des-Reichs-
Menschen" gelten oft als seltsame Exoten, die höchstens bei Partys für Gaudi sorgen. Von Adrian Geiges

Die Chinesische Mauer: Sie trennt das Reich der Mitte von den "Alten da draußen"© Diego Azubel/DPA

Für einen Manager musste ich einmal folgenden Satz übersetzen: "China, das Reich der Mitte, entwickelt sich immer mehr zu einem Reich der Mitte." Gut gesprochen, dachte der Urheber, doch im Chinesischen wurde daraus Unsinn. Denn China heißt in der Landessprache "Zhongguo", "zhong" bedeutet "Mitte", "guo" "Land, Reich". Die Übersetzung lautete dann: "Das Reich der Mitte, ein Reich der Mitte, entwickelt sich immer mehr zu einem Reich der Mitte." Für chinesische Ohren klingt das wie: "Der Himmel, ein Himmel, wird immer mehr zu einem Himmel."

Natürlich liegt auf chinesischen Weltkarten China in der Mitte - so, wie europäische Karten Europa in den Mittelpunkt stellen. Aber der Name China in der Landessprache rührt daher, dass die chinesischen Kaiserdynastien in ihrem Reich den Mittelpunkt der Zivilisation sahen und außerhalb der Grenzen Barbaren vermuteten.

Noch 1796 antwortete Kaiser Qianlong auf ein Handelsangebot des Königs George III. von England: "Die majestätische Tugend unseres Reiches hat alle Länder unter dem Himmel durchdrungen, und Könige aller Länder haben kostbare Tribute geschickt. Wie Ihr Gesandter sehen mag, besitzen wir bereits alles. Ich sehe keinen Wert in unbekannten und kunstreichen Dingen und habe keine Verwendung für die Waren Ihres Landes."

Heute wissen die Chinesen, dass China nur eines von mehreren wichtigen Ländern ist und viele weiter entwickelt sind. Aber die Abgrenzung zwischen "uns Chinesen" und "den anderen" hat sich erhalten - nicht nur in der Sprache. Der Chinese ist in Mandarin der "zhongguoren", also wörtlich der "Reich-der-Mitte-Mensch", der Ausländer der "waiguoren", der "Außerhalb-des-Reichs-Mensch". Das entspricht noch ungefähr dem deutschen Wort "Ausländer". Doch Chinesen kommen, besonders wenn sie untereinander reden, zu manch generellem Urteil über die Menschen außerhalb des Reichs: Sie duschen morgens statt abends, essen ungern Fleisch mit Knochen, leben sexuell ausschweifend.

Der Alte von draußen

Das liegt wohl daran, dass China so groß ist, tatsächlich eine sehr eigene und alte Kultur besitzt und die meisten Chinesen noch nie persönlichen Kontakt zu Ausländern hatten. Nicht nur in abgelegenen Provinzen, sondern selbst in Außenbezirken von Peking kann es passieren, dass einem "laowai" hinterhergerufen wird, und zwar nicht nur von Kindern. Wörtlich bedeutet das: "Der Alte von draußen". Seien Sie nicht beleidigt, wenn Ihnen das passiert, gemeint ist nicht: "Sie sehen alt aus." Alt steht in China für weise und erfahren, es ist also eher ein Kompliment.

Überhaupt werden Ausländer in China als Gäste respektiert und eher bevorzugt als benachteiligt. Selbst Taschendiebe beklauen hier lieber Einheimische als Fremde, wohl nicht aus multikultureller Gutmütigkeit, sondern weil sie wissen, dass die Polizei einen Fall mit ausländischem Opfer intensiver untersucht. Von Nachteil ist der internationale Pass beim Zugang zu einigen offiziellen Gebäuden, für die Ausländer eine Sondergenehmigung benötigen. Das hat aber weniger mit chinesischer Kultur zu tun als mit kommunistischer Politik, der jahrelangen Abgrenzung vom Ausland aus ideologischen Gründen, die sich allerdings in den letzten Jahrzehnten stark abgemildert hat.

Anders als der Rest der Welt

Doch trotz der weitgehenden Veränderungen ist für die meisten Chinesen der "Außerhalb-des-Reichs-Mensch" noch etwas Exotisches, auf das sie neugierig sind. Wenn ein solcher in einer Kleinstadt - das sind hier die Orte mit etwa einer Million Einwohnern - eine Disco besucht, kann es leicht passieren, dass der Conferencier ihn auf die Bühne ruft und zur Hauptattraktion des Abends macht. Alltäglicher ist das freudig-überraschte: "Was, Sie können mit Stäbchen essen?!" Nicht bedacht wird, dass dies auch weniger reisefreudige Europäer oft bereits im China-Restaurant probiert haben.

Schon ein kurzes "ni hao" - das heißt "hallo", wörtlich "du gut" - entlockt ein freundliches: "Sie sprechen aber gut Chinesisch." Weiß der "Außerhalb-des-Reichs-Mensch" dann zusätzlich noch das eine oder andere über China, wird man sofort als "Zhongguotong", "Reich-der-Mitte-Experte", gelobt. Natürlich wird hier auch aus chinesischer Höflichkeit übertrieben. Aber es drückt auch ehrliche Überraschung aus, weil Chinesen glauben, sie seien etwas völlig anderes als der Rest der Welt. Wobei dieses Bild immer mehr ins Wanken gerät, auch dank des Internets und der Raubkopien von Hollywood-DVDs. Olympia kann weiter dazu beitragen Klischees aufzuweichen.

Die große China-Serie im stern Lesen Sie in Teil 3:
Die Macht der Ming - die Mongolen werden zurückgeschlagen, das Reich entfaltet seine ganze Pracht. Kaiser Yongle lässt die größte Flotte der Menschheit bauen.

Von Adrian Geiges
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
madeingermany (16.04.2008, 07:42 Uhr)
chinesische kultur
chinesische kultur muss vor einigen jahren stehen geblieben sein. das einzige das uebrig ist: (1)nase bohren, gefundenes rausziehen, rollen und wegschnippen (2) heftiges husten und niesen ohne handvorhalten > SARS und andere Viren lassen grussen (3) hochziehen und ausspucken wo auch immer man ist > in restaurants besonders lecker!!!
alles leider zu oft erlebt in china. das sind keine themen der politik sondern ein reines hygiene problem und das thema sprache und schrift: schon mal eine aus dem chinesisch uebersetzten bedienungsanleitung gelesen? viele deutschen ba's sind zu technisch, aber chinesische sind schwachsinnig da die sprache fuer viele begriffe kein wort hat und somit die uebersetzung keinen sinn macht!
gruss aus china...
eltalein (15.04.2008, 21:03 Uhr)
So richtig Verstehen
kann ich diesen Bericht nicht.
Heute hat ia, die Hinrichtungen in China von 2007,… 750 offiziell, aber auf bis zu 7000 geschätzt, weil ja Keiner so richtig weiß, was in diesem Land getrieben wird.
China hat ein großes Wirtschaftswachstum, aber wer muss darunter leiden, Natur, Umwelt, die Menschen selbst und nicht zu vergessen, China hat noch immer keinen Tierschutz, Hunde werden vor den Augen der Besitzer mit Knüppeln erschlage, 60 Cent für einen Hund.
Die Chinesische KP. ist der Meinung, Menschen-Rechte, bestimmen wir, da lassen wir uns von dem Rest der Welt nicht reinreden. Tier-Rechte,…brauchen wir nicht, können wir auch nicht, denn wie würde das Aussehen, ein Tierschutz-Gesetz, aber kein Recht für Menschen.
Wer gibt China und seiner KP.-Führung das Recht, das Hunde und Katzen bestialisch gequält werden dürfen, in Tausenden von Tierfarmen, die Felle importiert EU und Deutschland.
China hat kein Tierschutzgesetz,...Hunden werden da auf den großen Märkten bei lebendigem Leben das Fell rausgeschnitten und die Tiere lebendig unter Qualen in die Ecke geschmissen.
Ich habe nichts dagegen, wenn Chinesen Hunde und Katzen verspeisen müssen.
Doch ich habe was dagegen, wenn die Tiere behandelt und gequält werden, wie der letzte Müll.
Nur der Dalai Lama hat die Menschen in Tibet aufgerufen, Tierfelle zu verbrennen.
Der Deutsche Tierschutzbund berichtet, dass vor allem in China große Zuchtfarmen zur Fellgewinnung eingerichtet wurden. Dort müssen Millionen Katzen und Hunde einen qualvollen Tod erleiden, eine unvorstellbare Barbarei an den Tieren, die sich nicht wehren können.
Bernhardiner, bei uns unverzichtbare Rettungs-Hunde, lieb und zutraulich, müssen in China als Fleischhunde in engen Käfigen ihr Leben verbringen, können sich in den Käfigen nicht bewegen, danach schrecklich zu Tode gequält und verspeist, das haben Bernhardiner und andere Fell-Tiere nicht verdient.
In den USA, Australien, Schweiz ist der Import von Fellen aus ganz Asien seit 2000 strengstens verboten.
In Deutschland und den meisten EU-Ländern hat man es bis heute nicht geschafft, einen sofortigen Import-Stopp dieser Schweinereien aus China zu veranlassen.
Was nützt uns ein Tierschutzgesetz in Deutschland, wenn wir Quälereien an Hund und Katze Millionenfach aus China importieren, das ist doch krank und pervers.
Mit der falschen Etikettierung wird die Öffentlichkeit über den wahren Ursprung des Fells in die Irre geführt", bestätigt Struan Stevenson. "Auf den Etiketten steht Gae-Wolf, Sobaki, asiatischer Schakal, China-Wolf oder asiatischer Maderhund. Doch in Wahrheit werden die Felle aus Haustieren hergestellt."
Die Pelzindustrie versucht die wahre Herkunft der Tierhäute zu beschönigen oder zu vertuschen.
Deshalb liebe Leser, kein Fell kaufen, auch kein Kunstfell, 80% stammt von Hund und Katze aus China, bzw. Asien.
Haus-Tiere und Alles was Fell hat, wird in China schrecklich gequält,...schaut Euch die Videos an.....und helft den Tieren,.....kein Pelz,...auch auf Jacken und Mänteln, Handtaschen usw.
Was mich bei diesen ganzen Diskussionen der letzten Zeit nervt,..über die Schwächsten in der Kette, Tiere, wird kein Wort verloren.
Olympia -- China, IOC und die Politik, ich ziehe den Stecker raus.
Größter Tierschutz "PETA" hat Videos und Fotos zur Aufklärung über China ins Net gestellt, doch Vorsicht, nichts für schwache Nerven und Kinder.
http://www.pusseliese.de/china.htm
http://www.peta.de/
zaxxon (15.04.2008, 18:28 Uhr)
@teruoc
Frage mich nur, bei wem die Chinesen vor 5000 Jahren irgend etwas abgekupfert haben ;-)
Heutzutage kann ich jedenfalls nicht erkennen, was die Chinesische Zivilisation ausmacht. Oder wissen Sie, was sie in den letzten 1000 Jahren selber erfunden haben?!
Ach ja, Todesstrafe für Steuerhinterziehung!
teruoc (15.04.2008, 15:56 Uhr)
die einzige Zivilization der Welt
Die chinesische Zivilization ist die einzige Zivilization der Welt, die Kontinuierlich 5000 Jahre auf dieser Wilt existiert. Als die Westen noch wie Barbaren in Wild herumliefen, eseen die Chinesen schon mit Staebchen und bekleiden sich mit Seiden. Und Konfuzius pridigte schon vor 2500 Jahren fuer die Frieden und Harmonie der ganzen Welt.
Sandygirl (15.04.2008, 15:02 Uhr)
Zivilisation
Geht uns das nicht genau so? Ist die die westliche Demokratie das Maß aller Dinge? (Trotz Angriffskriegen, Todesstrafe, Korruption, usw.)
Messen wir nicht ständig die Nationen im Orient, in Asien oder Afrika mit unserem Maßstab, weil wir uns für die einzig wahre Zivilisation halten?
Wobei dieses Bild aber danke Internet, Bollywood-Filme und schwarze Präsidentschaftskandidaten immer mehr ins Wanken gerät.
DerDa (15.04.2008, 14:26 Uhr)
oje
wenn ich einige worte austausche, dann könnt ich meinen der schreibt von Görmoney
mupfeline (15.04.2008, 13:20 Uhr)
@havranek
WEr hat Ihnen auf die Füße getreten. Ein Glück dass Sie keine Vorurteile haben, gelle!?
Wenn Sie die Deutschen immer als "erste am Pool rumschreien und saufen hören" dann haben Sie, ich schwöre es, noch keine Holländer und noch keine Engländer erlebt :)
Natürlich ist Ihre Vorgenommenheit gegenüber den Deutschen genauso Mist wie das "Bashing" dass Sie hier bemerken zu meinen!
mupfeline (15.04.2008, 13:18 Uhr)
Es ist wie überall
Die Menschen können nichts für ihre Regierung. Warum sollten die Chinesen besser oder schlechter sein, egal wo, Menschen sind wir alle.
Etwas ganz anderes ist die Politik der Staaten ...!
havranek (15.04.2008, 13:17 Uhr)
Mit Stäbchen essen!?
So einen Quatsch habe ich schon lange nicht mehr gelesen, langsam habe ich das Gefühl die Chinesen werden hier absichtlich gebasht!
Es gibt wohl keinere grösseren Banausen im Land ausserhalb des deutschen Reiches wenn es ums Thema Tourismus geht, die Deutschen höre ich immer als erste am Pool rumschreien und saufen!
Dazu kommt dass ihr selbst die Holländer als Exoten anseht, und wenn ein amerikanischer Superstar im TV "hällou deutschländ" sagt, flippt ihr ja auch aus... Lächerlich, Reisefreudig ja, sich mal über andere Kulturen informieren, NEIN!
LaoLu (15.04.2008, 13:15 Uhr)
Ich fasse es immer noch nicht,
Herr Geiges, das ist jetzt schon das zweite chinafreundliche Opus in Reihe von Ihnen.
Und diesmal so nett geschrieben, daß selbst ich nichts daran zu bemäkeln finde...
Wat is passiert? Haben Sie eine neue Freundin?
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